Reserveantibiotikum

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Als Reserveantibiotikum (engl. antibiotics of last resort oder drugs of last resort) werden Antibiotika bezeichnet, die nicht für einen Einsatz ohne strenge Indikation vorgesehen sind. Grund dafür sind beispielsweise schwere Nebenwirkungen. So ist Ciprofloxacin für Kinder nur bei schweren und schwersten bakteriellen Infektionen mit ansonsten resistenten Erregern angezeigt.[1] Durch eine gezielte Verwendung von Antibiotika kann grundsätzlich die Häufigkeit der Entstehung von Antibiotikum-Resistenzen vermindert werden.

Obwohl in Deutschland, im Vergleich zu anderen europäischen Ländern, Antibiotika sparsamer eingesetzt werden, entfällt in etwa einem Drittel aller Fälle die Verordnung auf ein als Reserveantibiotikum bezeichnetes Mittel.[2]

Grundsätzliche Überlegungen für den Einsatz von Antibiotika[Bearbeiten]

Im Normalfall wird vorab eine Erregerkultur angelegt, mit deren Hilfe die Empfindlichkeit auf verschiedene Antibiotika mittels eines Plattendiffusionstests ermittelt wird (Antibiogramm). Ziel ist der Einsatz eines geeigneten Antibiotikums. Wenn sich klassische, gut verträgliche Antibiotika als nicht wirksam herausstellen, wird auf nebenwirkungsreichere sogenannte Reserveantibiotika zurückgegriffen. Sobald auf diesem Wege die Wirksamkeit der Substanz bestätigt wurde, kann eine Therapie erfolgen, wobei darauf geachtet wird, dass nicht durch vorzeitigen Abbruch der Therapie die Entwicklung einer Resistenz begünstigt wird.

Reserveantibiotika haben – wie alle Antibiotika – sehr unterschiedliche Einsatzgebiete bei Infektionen. Viele dieser Medikamente sind beispielsweise auch bei Infektionen mit einem Vancomycin-resistenten Staphylococcus aureus wirksam. Wie sorgfältig der Einsatz geplant werden muss, zeigte sich etwa bei den Erfahrungen im Einsatz von Linezolid, bei dem es vorübergehend zu einer erhöhten Sterblichkeit bei schweren Haut- und Weichteilinfektionen kam, weil Linozelid nur gegen gram-positive und nicht gegen gram-negative Erreger wirksam ist und so die damit behandelten Infektionen nicht vollständig bekämpft wurden.[3] Andere Antibiotika haben erhebliche Nebenwirkungen, z. B. Verursachung von Nierenschäden, und dürfen nur im äußersten Notfall verwendet werden. Auch bei einer Behandlung einer Infektion mit Reserveantibiotika gestaltet sich im klinischen Einsatz eine Therapie von Patienten mit multiresistenten Erregern (z. B. MRSA) oft schwierig und langwierig.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Miksits K., e.a.: Basiswissen Medizinische Mikrobiologie Und Infektiologie, Springer DE, 2003, S.351, ISBN 3540015256, hier online.
  2. Solange sie noch wirken..., Analysen und Kommentare zum Antibiotikaverbrauch in Deutschland (PDF; 595 kB), Judith Günther, Winfried V. Kern, Katrin Nink, Helmut Schröder und Katja de With, veröffentlicht vom Wissenschaftlichen Institut der AOK in Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Freiburg, 2003, S.104; abgerufen am 8. Juni 2012.
  3. Linezolid (Zyvoxid®): Erhöhte Mortalität bei schweren Haut- und Weichteilinfektionen, die nicht ausschließlich durch grampositive Erreger verursacht werden - Anwendungsbeschränkungen beschlossen, Mitteilung des BfArM, 16. März 2007
Gesundheitshinweis Dieser Artikel bietet einen allgemeinen Überblick zu einem Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu diese Hinweise zu Gesundheitsthemen beachten!