Reservoir Dogs – Wilde Hunde

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
Deutscher Titel Reservoir Dogs – Wilde Hunde
Originaltitel Reservoir Dogs
Reservoir Dogs Logo.png
Produktionsland Vereinigte Staaten
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1992
Länge 95 Minuten
Altersfreigabe FSK 18
Stab
Regie Quentin Tarantino
Drehbuch Quentin Tarantino
Produktion Lawrence Bender,
Harvey Keitel
Musik Karyn Rachtman
Kamera Andrzej Sekula
Schnitt Sally Menke
Besetzung
Synchronisation

Reservoir Dogs – Wilde Hunde ist Quentin Tarantinos erster Film, der die Kinos erreichte. Als Film des Heist-Movie-Genres erzählt er schonungslos offen die Geschichte eines missglückten Raubüberfalls. Quentin Tarantino selbst übernimmt im Film eine kleine Nebenrolle als Mr. Brown.

Handlung[Bearbeiten]

Acht Männer sitzen in einem Restaurant. Sie unterhalten sich angeregt und teilweise auch streitend, unter anderem über Madonnas Lied Like a Virgin und ob es sinnvoll sei, im Restaurant Trinkgelder zu geben.

In der nächsten Szene fahren zwei der Männer in einem Auto, der eine – Mr. Orange – liegt schwer verletzt auf dem Rücksitz, er blutet aus einer Wunde am Bauch. Mr. White am Steuer versucht ihn zu beruhigen. Sie fahren zu einem Treffpunkt, einem Lagerhaus, wo ihnen der kurz danach eintreffende Mr. Pink klarmacht, dass ihr gerade begangener Raubüberfall auf einen Diamantenhändler an die Polizei verraten wurde – einer aus der Bande muss also ein Maulwurf sein. Der psychopathische Mr. Blonde, durch dessen Schuld der Überfall zu einem Blutbad wurde, stößt ebenfalls zum Treffpunkt. Er bringt im Kofferraum seines Wagens einen gefesselten Polizisten mit.

Eddie, der Sohn des Auftraggebers Joe, kommt hinzu und fährt mit Mr. White und Mr. Pink die verdächtigen Autos weg. Mr. Blonde beginnt den gefangenen Polizisten namens Marvin Nash, den er auf einen Stuhl gefesselt hat, zu foltern. Mr. Orange liegt scheinbar bewusstlos daneben. Mr. Blonde schneidet dem Polizisten mit einem Rasiermesser das Ohr ab, übergießt ihn mit Benzin und will ihn anzünden. In diesem Moment wird Mr. Blonde von Mr. Orange erschossen, der gerade eben erst wieder zu Bewusstsein gekommen ist. Jetzt wird deutlich, dass Mr. Orange der Spitzel ist.

Eddie, Mr. Pink und Mr. White kehren zurück, sie wollen von Mr. Orange eine Erklärung für den Tod von Mr. Blonde, nachdem Eddie den gefolterten Polizisten erschossen hat. Der Boss, Joe Cabot, tritt auf. Er beschuldigt Mr. Orange, der Spitzel zu sein, und richtet seine Waffe auf ihn. Mr. White glaubt nicht an die Schuld von Mr. Orange und nimmt Joe ins Visier. Eddie zielt daraufhin auf Mr. White (Mexican standoff). Als alle drei schießen, erwischt Mr. White sowohl Eddie als auch Joe, wobei Mr. White sich als einziger nach dem Schusswechsel noch schwer verwundet bewegen kann. Mr. Pink versteckt sich während des Schusswechsels unter der Rampe und verlässt danach die Örtlichkeit mit der Beute. Man hört im Folgenden Sirenen, während der schwer verwundete Mr. Orange dem sterbenden Mr. White seine Spitzeltätigkeit gesteht, worauf Mr. White ihm seine Pistole an den Kopf hält. Zum gleichen Zeitpunkt stürmt die Polizei das Lagerhaus und fordert ihn auf, seine Waffe zu senken. Die Kamera zeigt weiterhin nur Mr. Whites Gesicht. Danach hört man erst einen einzelnen und dann eine Salve von Schüssen. Mr. White fällt zu Boden.

Kritiken[Bearbeiten]

„Ein stellenweise furios inszeniertes, glänzend gespieltes pessimistisches Drama um Vertrauen und Verrat, das ebenso konsequent wie krass Gewalt und ihre Folgen vor Augen führt.“

Lexikon des Internationalen Films[1]

„Die Haltung des Films zu seinen Charakteren ist die eines mitleidenden Forschers und Arrangeurs, dem die Fragen nach Moral, Message und nach dem crime doesn’t pay, das sich formell durchsetzt, nur ein Achselzucken entlockt. Ob versierte Hermeneuten darin einen Kommentar zum amerikanischen Stand der Dinge entschlüsseln, das ist zweitrangig gegenüber dem Furor, der schauspielerischen Brillanz und der unbändigen Kraft dieses Debüts.“

Metzlers Filmlexikon

Hintergrundinformationen[Bearbeiten]

Charakteristisch für den Film ist, dass die einzelnen Szenen nicht chronologisch angeordnet sind. So wird in Rückblenden beispielsweise die Planung des Überfalls gezeigt, außerdem die Vorbereitung von Mr. Orange auf seinen Undercover-Einsatz. Die szenische Darstellung des eigentlichen Überfalls fehlt gänzlich, sein Ablauf wird nur in einer Art Botenbericht aus der Erzählung der Handelnden deutlich. Tarantino benutzt diese Mittel gezielt zur besseren Zeichnung der Figuren.

Das Drehbuch ist sehr dialogorientiert. Ein Großteil des Films spielt in einer verlassenen Fabrikhalle. Die Produktionskosten konnten daher sehr gering gehalten werden. Ein weiteres Merkmal sind die für Tarantino-Filme bekannten Wortgefechte, die zum Teil nicht direkt zum Handlungsverlauf beitragen, sondern der Charakterzeichnung dienen. Die Wortgefechte besitzen oft eine eigene Komik, beispielsweise eine Diskussion über das Lied „Like A Virgin“ von Madonna.

Auffällig ist auch die musikalische Untermalung des gesamten Films mit Liedern aus den 1970ern. Außerdem wurde der legendäre Wilhelmsschrei (unter anderem bekannt aus Krieg der Sterne und Indiana Jones) verwendet. Man hört ihn während der Flucht von Mr. Pink vor der Polizei.

Die Codenamen der Räuber erinnern an die chemischen Kampfstoffe bzw. Entlaubungsmittel (Agent Orange, Agent White, Agent Pink usw.), die im Vietnamkrieg eingesetzt wurden. Die Idee mit den Farb-Pseudonymen übernahm Tarantino aus dem Gangsterfilm Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123 aus dem Jahr 1974.[2]

Die Szene, in der Mr. Blonde dem Polizisten ein Ohr abschneidet, wurde durch den Italowestern Django (1966) inspiriert.

Auch sind Einflüsse aus Ringo Lams City on Fire, Stanley Kubricks Die Rechnung ging nicht auf und Phil Karlsons Der vierte Mann (Kansas City Confidential) zu erkennen.

Auf den Titel kam Tarantino in der Zeit, als er in einer Videothek arbeitete und einem Kunden den französischen Film Auf Wiedersehen, Kinder (Au revoir, les enfants) empfahl, dieser aber, des Französischen nicht mächtig, mit den Worten „I don’t want no reservoir dogs!“ ablehnte.

Auf der englischen Originaltonspur war die Marihuana-Dürre im Jahr 1986, und nicht 1968 wie in der deutschen Synchronisation.

Mr. Blonde heißt tatsächlich Vic Vega. Den gleichen Nachnamen trägt eine Figur aus Tarantinos nächstem Film Pulp Fiction: Der von John Travolta verkörperte Vincent Vega. Über ein mögliches Verwandtschaftsverhältnis wird in den Filmen nichts ausgesagt, jedoch hat Tarantino in Interviews angedeutet, dass es sich bei Vic und Vincent um Brüder, möglicherweise sogar um Zwillinge, handele. Seit Jahren kursieren Gerüchte um ein Filmprojekt über die Vega-Brüder.[3] Außerdem wird in beiden Filmen eine Krankenschwester namens Bonnie erwähnt, die aber in Reservoir Dogs gar nicht und in Pulp Fiction nur einmal kurz von hinten gezeigt wird. Bei ihr handelt es sich vermutlich um dieselbe Person.

Es existiert auch ein gleichnamiges Videospiel zum Film, das 2006 von Eidos Interactive für PlayStation 2, Windows PC und Xbox veröffentlicht wurde. Wegen zum Teil drastischer Gewaltdarstellungen wurde das Spiel in Australien und Neuseeland nicht für den Verkauf zugelassen.[4] Der Film kostete 1,2 Millionen US-Dollar und spielte ca. 14,6 Millionen wieder ein[5].

Synchronisation[Bearbeiten]

Die deutsche Synchronfassung entstand 1992.[6]

Rolle Darsteller Synchronsprecher
Mr. White/Larry Dimmick Harvey Keitel Fred Maire
Mr. Orange/Freddy Newendyke Tim Roth Torsten Sense
Mr. Blonde/Vic Vega Michael Madsen Manfred Lehmann
Mr. Pink Steve Buscemi Udo Schenk
Nice Guy Eddie Chris Penn Tobias Meister
Mr. Brown Quentin Tarantino Andreas Hosang
Mr. Blue Edward Bunker Thomas Kästner
Marvin Nash Kirk Baltz Patrick Winczewski
K-Billy DJ Steven Wright Hubertus Bengsch
Holdaway Randy Frederick Brooks Ronald Nitschke

Am 7. Mai 2009 erfolgte nach 17 Jahren durch den Sender WDR die Erstausstrahlung im deutschen Fernsehen.

Soundtrack[Bearbeiten]

Der Reservoir Dogs: Original Motion Picture Soundtrack war der erste Soundtrack zu einem Film von Quentin Tarantino. Dieser Soundtrack definierte die Struktur seiner späteren Soundtracks, wie die Verwendung von Dialogauszügen aus seinen Filmen. Der Soundtrack besteht aus einer Auswahl von Songs aus den 1970ern. Der Radiosender „K-Billy’s Super Sound der Siebziger“ spielt eine herausragende Rolle in dem Film. Als DJ für dieses Radio wurde Steven Wright, ein Komiker der für seine ausdruckslose Lieferung von Witzen bekannt ist, ausgewählt.

Eine Besonderheit der Filmmusik war die Auswahl der Stücke. Laut Tarantino ist die Musik ein Kontrapunkt zu der Gewalt und Action im Film. Er wollte für den Film ein 1950er-Feeling mit der 1970er Musik erzeugen. Ein prominentes Beispiel hierfür ist die Folter-Szene zur Melodie von „Stuck in the Middle With You“. Folgende Lieder sind auf dem Soundtrack enthalten:

  1. And Now Little Green Bag... (Monologausschnitt mit Steven Wright) – 0:15
  2. Little Green Bag von The George Baker Selection – 3:15
  3. Rock Flock of Five (Monologausschnitt mit Steven Wright) – 0:11
  4. Hooked on a Feeling von Blue Swede – 2:53
  5. Bohemiath (Monologausschnitt mit Steven Wright) – 0:34
  6. I Gotcha von Joe Tex – 2:27
  7. Magic Carpet Ride von Bedlam – 5:10
  8. Madonna Speech (Dialogausschnitt mit Quentin Tarantino, Edward Bunker, Lawrence Tierney, Steve Buscemi und Harvey Keitel) – 0:59
  9. Fool for Love von Sandy Rogers – 3:25
  10. Super Sounds (Monologausschnitt mit Steven Wright) – 0:19
  11. Stuck in the Middle von Stealers Wheel – 3:23
  12. Harvest Moon von Bedlam – 2:38
  13. Let’s Get a Taco (Dialogausschnitt mit Harvey Keitel und Tim Roth) – 1:02
  14. Keep on Truckin' (Monologausschnitt mit Steven Wright) – 0:16
  15. Coconut von Harry Nilsson – 3:50
  16. Home of Rock (Monologausschnitt mit Steven Wright) – 0:05

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Reservoir Dogs – Wilde Hunde im Lexikon des Internationalen Films
  2. Artikel im Telegraph (engl.)
  3. Vega-Brothers-Rubrik auf www.everythingtarantino.com
  4. EveryonePlays: Games Refused Classification in Australia, abgerufen am 16. Juli 2010
  5. Einspielergebnisse auf boxofficemojo.com (englisch)
  6. Thomas Bräutigam: Lexikon der Film- und Fernsehsynchronisation. Mehr als 2000 Filme und Serien mit ihren deutschen Synchronsprechern etc.. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-289-X, S. 304