Respekt! Kein Platz für Rassismus

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Schild am Mannheimer Rathaus

Respekt! Kein Platz für Rassismus ist eine 2006 gegründete Initiative, die sich gegen Rassismus, Diskriminierung und Intoleranz richtet. Sie wirbt für ein respektvolles Verhalten gegenüber anderen, für Toleranz, Anerkennung und Wertschätzung. Die Initiative wird getragen von der gemeinnützigen Respekt! Kein Platz für Rassismus GmbH und steht unter der Schirmherrschaft der DFB-Direktorin und OK-Präsidentin der Frauenfußball-WM 2011 Steffi Jones.

Entstehung[Bearbeiten]

Auslöser für die Gründung der Initiative waren rassistische Auswüchse auf deutschen Fußballplätzen, von Beleidigungen und Bedrohungen bis zu Schlägen und Tritten gegen farbige Spieler durch einzelne Zuschauer und Zuschauergruppen. Ein Fall sorgte im Frühjahr 2006 bundesweit für Aufsehen: Der nigerianische Spieler Adebowale Ogungbure vom FC Sachsen Leipzig wird in Spielen der vierten Liga von Zuschauern regelmäßig mit Schmährufen und Affenlauten beleidigt und bespuckt. Am 25. März 2006, im Spitzenspiel beim FC Halle, platzt ihm der Kragen: er reagiert emotional, zeigt den Zuschauern den Hitlergruß. Nach dem Spiel wird er von gegnerischen Fans angegriffen, geschlagen und gewürgt.[1]

An diesem Tag wurde die Idee zur Initiative Kein Platz für Rassismus geboren. Ogungbures Profikollegen, allen voran sein ehemaliger Mitspieler Daniel Gunkel und dessen Freund Jermaine Jones, beschlossen ein Zeichen zu setzen. Gemeinsam mit den Machern eines Frankfurter Fußball-Magazins entwickelten sie das Konzept für eine zunächst regional angelegte Schilderaktion. Fußballvereine wurden eingeladen, sich zum Einsatz gegen Rassismus zu bekennen und auf ihren Spielplätzen das Schild "Kein Platz für Rassismus" anzubringen. Am 1. März 2007 brachten Ioannis Amanatidis und Patrick Meyer, Geschäftsführer der Stadion Frankfurt Management GmbH, das Schild medienwirksam an der Frankfurter Commerzbank-Arena an. Inzwischen hängen Schilder an mehr als 200 Stadien und Fußballplätzen bundesweit.

Entwicklung[Bearbeiten]

Die Partnerschaft mit Verbänden und Institutionen öffnete die Initiative für Lebens- und Arbeitsbereiche über den Fußball und den Sport hinaus und erweiterte auch den Fokus auf den Einsatz gegen jegliche Form der Diskriminierung, Diskriminierung aufgrund der ethnischen oder sozialen Herkunft, der Religion, des Geschlechts, körperlicher Merkmale, der politischen Weltanschauung oder der sexuellen Orientierung. Beispielhaft stehen hier

  • die Frankfurter Buchmesse, die mit ihren Aktionen durchaus kontroverse Diskussionen zum Thema auslöst. Messedirektor Jürgen Boos: "Es gibt so viele Auseinandersetzungen auf dieser Welt, so viele Kleinlichkeiten, über die man sich aufregen kann – hier auf dieser Messe müssen wir den gegenseitigen Respekt leben."

Am 1. März 2011 startete die IG Metall als offizieller Partner die Respekt!-Offensive für die Betriebe. Bertin Eichler, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall und neuer Botschafter der Initiative: "Die Initiative Respekt! passt zu den Werten der IG Metall, die für eine Kultur der Solidarität steht. Rassismus bewirkt das Gegenteil von Solidarität und treibt die Menschen auseinander… Respekt ist die Grundvoraussetzung für eine Kultur des Miteinanders und steht somit für ein gutes Betriebsklima und entsprechende Produktivität".[2] Mit der Offensive tragen Mitglieder der IG Metall, Beschäftigte und Betriebsräte, den Respekt-Gedanken offensiv in die Betriebe und Unternehmen. Neben dem Anbringen des Respekt!-Schildes – dem öffentlichen Bekenntnis, gegen Rassismus und Diskriminierung einzutreten – werden Betriebsversammlungen initiiert, die Aus- und Weiterbildung zum Thema angestoßen und Betriebsvereinbarungen gegen Rassismus gefördert. In vielen Unternehmen wird die Offensive von der Arbeitgeberseite, von den Arbeitsdirektoren und Personalchefs, unterstützt.

Botschafter[Bearbeiten]

Zahlreiche Mitstreiter und Botschafter aus Sport, Kultur und Gesellschaft bekennen sich zu den Zielen der Initiative und unterstützen sie durch ihren persönlichen Einsatz. In den Bildbänden und Videos zur Initiative berichten sie über eigene Erfahrungen im Umgang mit Respekt, erzählen von erfreulichen und weniger erfreulichen, von respektvollen und respektlosen Erlebnissen. Sie erklären, was für sie "Respekt" bedeutet und geben dem schillernden Begriff eine Richtung. Zu den in der Öffentlichkeit bekanntesten Respekt!-Botschaftern gehören Otto Addo, Klaus Allofs, Ioannis Amanatidis, Liz Baffoe, Heribert Bruchhagen, Bülent Ceylan, Jörg Dahlmann, "Dante" Bonfim Costa Santos, Horst Eckel, "Grafite" Edinaldo Batista Libânio, Michael Groß, Dunja Hayali, Pascal Hens, Wilhelm Heitmeyer, Dieter Hoeneß, Uwe Hück, Mats Hummels, Mohamadou Idrissou, Irie Révoltés, Olivia Jones, Steffi Jones, Johannes B. Kerner, Gül Keskinler, Sanem Kleff, Johnny Klinke, Jürgen Klopp, Karl-Heinz Körbel, Bruno Labbadia, Corny Littmann, Peter Lohmeyer, Bernd Osterloh, Patrick Owomoyela, Andreas Möller, Hendrik Nachtsheim, Oka Nikolov, Shary Cheyenne Reeves, Bastian Reinhardt, Béla Réthy, Pascal Roller, Nuri Şahin, Hans Sarpei, Matthias Sammer, Nora Schratz, Martin Schwalb, Michael Skibbe, Michael Steinbrecher, Thomas Tuchel, Günter Wallraff, Thomas Wark, Oliver Welke, Götz W. Werner, Sarah Wiener, Janina Wissler, Theo Zwanziger.

Die Initiatoren Lothar und Kris Rudolf[Bearbeiten]

Gemeinsam mit seinen Söhnen Maik (* 1980) und Kris (* 1983) ist Lothar Rudolf (* 1954) der »Erfinder« des »Respekt!«-Projektes. Alle Mitarbeiter und Netzwerker seiner Agentur Querformat engagieren sich unmittelbar beruflich und auch ehrenamtlich in der Initiative.

Literatur[Bearbeiten]

  • Respekt! 100 Menschen - 100 Geschichten. Bildband mit 2 DVD. Hrsg.: Peter Lohmeyer, Lothar Rudolf. Bund-Verlag, Frankfurt am Main 2010. ISBN 978-3-7663-6047-2
  • Respekt! 100 Frauen - 100 Geschichten. Bildband mit DVD. Hrsg.: Ulrike Obermayr, Bertin Eichler und Lothar Rudolf. Bund-Verlag, Frankfurt am Main 2011. ISBN 978-3-7663-6140-0
  • Respekt! Schwarzbuch Rassismus. Textesammlung mit Fotografien. Hrsg.: Walter Gerlach und Jürgen Roth. Wallstein Verlag, Göttingen 2012. ISBN 978-3-8353-1252-4

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eva Lodde: Der Wahnsinn liegt auf dem Platz. Spiegel Online, 27. März 2006, abgerufen am 23. August 2011.
  2. Kein Platz für Intoleranz, Rassismus und Diskriminierung. Startschuss für Respekt! IG Metall, 2. März 2011, abgerufen am 22. August 2011.