Rest Home Projekt

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ehemaliges Hotel "Frankfurter Hof"

Am 7. April 1933 konstituierte sich das Germany Emergency Committee (GEC) in London. Ziel war es, einen geschützten Ort für politisch Verfolgte zu schaffen, um den Widerstand gegen das nationalsozialistische Deutschland zu stärken. So entstand das Rest Home Projekt.

Jährlich wurde eine Summe von über 500 Pfund benötigt. Nach 1935 wurde das Projekt vom Germany and Holland Committee of the F.S.C. getragen. Bis 1939 konnte das Rest Home von englischen Freunden betreut werde. Maßgebliche Initiatoren des Projekt waren Bertha Bracey und William Hughes.

Im November 1933 wurde vom Friends Service Council (F.S.C.) das Erholungsheim in Falkenstein, einem kleinen Ort nahe Königstein im Taunus, eröffnet. Es befand sich im damaligen Hotel "Frankfurter Hof". Das Gebäude steht heute unter Denkmalschutz.[1]

Bis zur Schließung 1939 war mindestens eine Hausmutter von der englischen Jahresversammlung. Die deutsche Jahresversammlung war an dem Projekt nicht beteiligt, auch wenn es personelle Überschneidungen gab.

Um nicht als illegal zu erscheinen, wurden die lokalen NS-Behörden stets über die Aktivitäten des Rest Homes informiert. Die Einrichtung blieb von der Gestapo aber unbehelligt. Das Personal des Rest Home wurde aus Sicherheitsgründen häufig gewechselt und die Gäste wurden nur mit Vornamen angesprochen. Es wurde keine Gästelisten erstellt und die Gäste kannten sich häufig auch untereinander kaum. Der Gestapo war das Projekt aber noch nicht mal einer Erwähnung in ihrem Bericht wert, was die Freunde (d.h. Quäker) aber nicht wussten.

Es kam lediglich zu zwei Zwischenfällen. Zum Einen auf Rückreise von der Betreuerin Elizabeth Fox Howard nach England, die in Aachen verhaftet und nach Berlin zum Verhör gebracht wurde, und zum Anderen Helen Dixon, die der NS-Frauenschaft in Königstein Auskunft zum Rest Home Projekt geben sollte (was sie nicht tat).

Durchschnittlich waren fünf, später acht Gäste, für zwei, gelegentlich drei Wochen, im Rest Home. Jeder Gast hatte ein eigenes Zimmer. Aufnahme und Ablehnung von Gästen erfolgte auf Grund von Empfehlungen (in der Anfangszeit meist vom Quäker-Büro in Berlin). Die meisten der insgesamt 800 Gäste waren Quäker, aber auch Juden, Freidenker, Sozialdemokraten und Kommunisten. Viele waren ehemalige Häftlinge von Konzentrationslagern, unter ihnen auch Charlotte Friedrich, deren Ehemann (Ernst Friedrich) der Gründer des Antikriegs-Museums war, aber auch Ernst Reuter, der spätere Regierende Bürgermeister von Berlin (West), der zuvor aus dem KZ Lichtenburg entlassen wurde, der Bildhauer Benno Elkan (1877–1960), und die Sozialdemokratin Lisa Albrecht (1896–1958).[2]

Ab Oktober 1934 wurden Gäste teilweise in einem zweiten Rest Home in Bad Pyrmont untergebracht, unter anderem Reuter nach seiner zweiten Haft im KZ-Lichtenburg. Im April 1939 wurden beide Einrichtungen wegen des Todes von Helen Dixon, die sich sehr für die Einrichtungen eingesetzt hatte, geschlossen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Lawrence Darton: An account of the work of the Friends Committee for Refugees and Aliens, First Known as the Germany Emergency Committee of the Society of Friends 1933–1950. O.O. 1954.
  • Das Rest Home. Erinnerungen einiger Hausmütter und Gäste. Bad Pyrmont 1962.
  • Claus Bernet: Das Rest Home für Verfolgte des Dritten Reiches. In: Exil. Forschung – Erkenntnisse – Ergebnisse. 24, 2, 2004, S. 75–81.
  • Stefan Jung: Fluchtort Falkenstein; in: Taunuszeitung vom 26. April 2014, S. 16

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Sandra Kress, Dieter Griesbach-Maisant, Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Denkmaltopographie „Hochtaunuskreis“. Konrad Theiss Verlag, Darmstadt 2013, ISBN 978-3-8062-2905-9, S. 268-269.
  2. Joachim H. Koch: Exil: Forschung, Erkenntnisse, Ergebnisse. ISSN 0721-6742.

50.1919888.478234Koordinaten: 50° 11′ 31″ N, 8° 28′ 42″ O