Rettungsfloß

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Eine Rettungsinsel wird geborgen. Gut erkennbar ist die Druckluftflasche, mit der die Insel aufgeblasen wird. Der gelbe Sack unten rechts ist ein sogenannter „Kentersack“, der ein über-Kopf-drehen der Insel weniger wahrscheinlich macht.

Ein Rettungsfloß oder eine Rettungsinsel ist ein Floß zur Rettung von Personen von einem in Seenot geratenen Schiff oder einem unplanmäßig gewasserten Flugzeug. Seine Aufgabe entspricht der von Rettungsbooten, es ist aber im Gegensatz zu diesen in einem kleinen Behälter verpackt und wird bei Bedarf durch eine Druckluftflasche aufgeblasen.

Rettungsinseln werden nur im Ernstfall eingesetzt und können daher nicht zur Übersetzung von Personen oder Material verwendet werden. Eine einmal ausgelöste Rettungsinsel kann nur von Servicebetrieben wieder korrekt verpackt werden.

Ausrüstungspflicht[Bearbeiten]

Rettungsflöße bestehen aus witterungsbeständigen, weichen, schwer entflammbaren Kunststoffen (meistens aus PVC). Die technischen Anforderungen an Rettungsflöße sowie Anzahl, Ausrüstung, Auslösvorrichtungen und Aufstellungsorte werden im Bereich der Berufsseeschifffahrt durch SOLAS geregelt. Im Bereich der Freizeitschifffahrt hängt die Ausrüstungspflicht von den Vorschriften des Staates ab, unter dessen Flagge das Schiff fährt. Das Mitführen einer aufblasbaren Rettungsinsel wird für alle seegehenden Schiffe zumindest empfohlen. Neben den Inseln, die nach SOLAS zertifiziert sind, gibt es für die Freizeitschifffahrt ISAF und ISO-Vorschriften. Die ISO-9650-Norm ist die derzeit in Europa gebräuchlichste Normierung.

Je nach Schiffstyp und -größe gibt es Rettungsflöße in verschiedenen Größen und Ausführungen. Konventionelle, geschlossene Rettungsflöße werden in Größen für bis zu 50 Personen hergestellt. Diese können vollbesetzt mittels Davits ins Wasser verbracht werden. Zudem gibt es Auslösevorrichtungen, die von einem bestimmten Wasserdruck an, z. B. beim Sinken des Schiffes, das Floß auslösen. In Verbindung mit maritimen Evakuierungssystemen, bei denen die Personen mittels Rutschen das Schiff verlassen, werden Rettungsflöße für bis zu 150 Passagiere eingesetzt. Diese Systeme besitzen teilweise offene Rettungsflöße, aber auch geschlossene.

Die Ausrüstung des Floßes richtet sich nach dem Fahrtgebiet, für welches das Schiff zugelassen ist. Ähnlich wie bei Rettungsbooten werden auch Rettungsflöße bzw. -inseln mit Wasservorräten, Notproviant und Überlebensausrüstung ausgestattet.

Bestimmte Notrutschen an Flugzeugen werden im Notfall auch als Rettungsfloß benutzt, beispielsweise bei der Notwasserung des US-Airways-Fluges 1549.

Rettungsinseln für die Freizeitschifffahrt[Bearbeiten]

In der Freizeitschifffahrt werden heute vorwiegend Rettungsinseln nach der ISO-9650-Norm verwendet. Diese sind deutlich leichter und wesentlich günstiger als die SOLAS-Inseln der Berufsschifffahrt. Die ISAF-Norm, die bei Offshore-Regatten gefordert werden kann, ist der ISO-Norm ähnlich, unterscheidet sich aber in Details.

Rettungsinseln werden in zwei Typen, ISO 9650-1 und ISO 9650-2 hergestellt. Die Inseln nach Typ 1 sind für Hochseeschifffahrt vorgesehen, wo schwere Winde und hohe Wellen auftreten können. Inseln des Typs 2 werden für die Küstenschifffahrt entwickelt. Die Inseln des Typs 1 werden zudem in die Klassen A und B unterteilt. Inseln der Klasse A haben einen isolierten Doppelboden und blasen sich bei Temperaturen bis -15 °C auf, während die Inseln der Klasse B nur einen einfachen Boden haben und nur oberhalb des Gefrierpunktes sicher auslösen. Entsprechend eignen sich die Inseln der Kategorie A auch für Fahrten in kälteren Gegenden. Zusätzlich werden die Inseln in zwei Ausstattungsvarianten geliefert, abhängig davon, ob eine Rettung innerhalb von 24 Stunden wahrscheinlich ist oder nicht. Für die Gewässer Nordeuropas werden Inseln der Kategorie 1A empfohlen (besonders wegen der zu erwartenden niedrigen Wassertemperaturen).

ISO 9650-1: Typ 1 ISO 9650-2: Typ 2
Maximale Besatzung 4 bis 12 Personen 4 bis 10 Personen
Länge Reißleine 9 Meter 6 Meter
Maximale Wurfhöhe 6 Meter 4 Meter
Minimaler Freibord Bei Inseln für 4 Personen 250mm, darüber 300mm Bei Inseln für 4 Personen 200mm, darüber 250mm
Dach Vorgeschrieben Vorgeschrieben
Inselboden Inseln der Klasse A sind doppelt isoliert In der Regel nicht isoliert

Rettungsinseln nach ISO 9650 sind ab etwa 1000 € zu haben.[1] Sie werden in zwei Varianten geliefert, im Koffer oder in einer Tasche. Die Variante im Koffer wird oft am Deck von Yachten fest angebracht und kann dort auch bei schlechtem Wetter bleiben. Taschen sind leichter, etwas günstiger und eignen sich, falls eine Unterbringung an Deck nicht möglich ist. Moderne Yachten nach der CE-Sportbootrichtlinie Klasse A oder B (Hochsee oder küstenferne Gewässer) sind mit einem geeigneten Stauraum für eine Rettungsinsel in einem Koffer ausgestattet.

Da Rettungsinseln mit Druckluft ausgelöst werden, ähnlich wie Rettungswesten oder auch Feuerlöscher und zudem verderbliche Zusatzausrüstung enthalten (Wasser, Medikamente, Notproviant), müssen sie regelmäßig vom Hersteller gewartet werden.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rettungsinsel nach ISO-Norm

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rettungsfloß – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien