Reudnitz (Leipzig)

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Leipziger Brauhaus zu Reudnitz von der Mühlstraße aus gesehen
Leipziger Brauhaus zu Reudnitz von der Oststraße aus gesehen

Reudnitz ist ein Stadtteil im Osten der sächsischen Großstadt Leipzig. Seit 1992 bildet Reudnitz zusammen mit Thonberg den Ortsteil Reudnitz-Thonberg. Am bekanntesten ist er heute wohl durch die ehemalige Riebeck-Brauerei, heute Brauhaus zu Reudnitz.

Geschichte[Bearbeiten]

Die ehemalige Gemeinde Reudnitz war von 1838 bis 1888 eine selbständige Gebiets­körperschaft östlich von Leipzig. Sie umfasste die Gemarkung Reudnitz mit dem alten Dorf Reudnitz.

Das Dorf Reudnitz wurde vermutlich von slawischen Siedlern am westlichen Ufer der (Östlichen) Rietzschke angelegt. Am 1. September 1248 wurde es erstmals urkundlich erwähnt, als Markgraf von Meißen Heinrich III. (1216-1288) dem Benediktinerinnen-Kloster St. Georg in Leipzig dreieinhalb Hufen Land sowie den Fischteich von „Rudeniz“ zueignete.

Landesherren waren die Markgrafen von Meißen und später die albertinischen, Herzöge, Kurfürsten bzw. Könige von Sachsen. Innerhalb des sächsischen Staates gehörte das Dorf Reudnitz ins Amt Leipzig.

Im Jahr 1525 kaufte der Rat der Stadt Leipzig das zu den „Kohlgärten“ zählende Dorf Reudnitz ebenso wie das benachbarte „Tutzschendorf“ (Tutzschendorf war vermutlich eine von Deutschen begründete Nachbarsiedlung; der Name wird später nie wieder erwähnt. Oft wird es mit dem Dorf Anger gleichgesetzt, das der Leipziger Rat allerdings 1543 unter diesem Namen separat erwarb) von den Brüdern Leonhard und Conrad von Merseburg.

In Reudnitz ließen sich viele reiche Bürger der Stadt Landhäuser errichten. Im Landhaus des Bankiers Vetter wohnte vom 14. Oktober bis zum 16. Oktober 1813 der Kaiser der Franzosen Napoléon Bonaparte (1769-1821).

Im Jahr 1835 umfasste das Dorf 11 5/9 Magazinhufen Land, 52 Häuser und 621 Einwohner. Durch die Sächsische Landgemeindeordnung von 1838 wurde das Dorf Reudnitz eine Landgemeinde mit dem Recht zur Selbstverwaltung.

Nachdem bereits seit 1860 Pferde-Omnibusse von Leipzig nach Reudnitz fuhren, wurde am 18. Mai 1872 der erste Leipziger Straßenbahnhof, die Reudnitzer Straßenbahntrasse und das zugehörige Depot mit Sitz der Leipziger Pferde-Eisenbahn (LPE) in Reudnitz in Betrieb genommen. Der Verleger Friedrich Wilhelm Benedikt Hofmeister stellte sein Landhaus zur Verfügung. Hier verkehrten zunächst Pferdebahnen, die 1897 durch elektrische Straßenbahnen ersetzt wurden. Der Reudnitzer Straßenbahnhof wurde 1998 geschlossen und danach bis auf ein Verwaltungsgebäude abgebrochen.

Von 1873 bis 1888 gehörte die Gemeinde Reudnitz zur Amtshauptmannschaft Leipzig. Am 1. Januar 1889 wurde die Gemeinde Reudnitz, die längst mit der Ostvorstadt zusammengewachsen war, in die Stadt Leipzig eingemeindet.

An der Dresdner Straße wurde von 1882 bis 1884 die evangelisch-lutherische Markuskirche im neugotischen Stil durch Baurat Gotthilf Ludwig Möckel errichtet. Nachdem sie 1973 wegen Baumängeln geschlossen werden musste, wurde sie am 25. Februar 1978 „aus bautechnischen Gründen“, wie es im damaligen Sprachgebrauch hieß, gesprengt. Auf Initiative des 1855 gegründeten Leipziger St.-Vincentius-Vereins wurde 1892/1893 an der Witzgallstraße die katholische Pfarrkirche St. Laurentius mit dem Vincentiusstift der Grauen Schwestern erbaut. Nach Zerstörung der Propsteikirche St. Trinitatis im Zweiten Weltkrieg ist es heute das älteste nachreformatorische katholische Gotteshaus Leipzigs.

Seit 1992 gehört der größte Teil des ehemaligen Gemeindegebietes zum Ortsteil Reudnitz-Thonberg im Stadtbezirk Südost. Der nördlich der Dresdner Straße gelegene ehemalige Ortskern wurde jedoch dem Ortsteil Neustadt-Neuschönefeld zugeordnet.

Im Zuge städtebaulicher Maßnahmen wie der Gestaltung des Lene-Voigt Parks auf dem Gelände des alten Eilenburger Bahnhofs und Altbausanierung ist die Sozialstruktur von Reudnitz fortwährenden Veränderungen unterworfen. War das Viertel in den 90er Jahren als Nazi-Hochburg verschrien, so leben im Jahr 2008 viele Studenten und junge Berufstätige in Reudnitz. Der Roman „Als wir träumten“ des Leipziger Schriftstellers Clemens Meyer spielt zu großen Teilen in dem Stadtteil und beschreibt das Leben einer Gruppe Heranwachsender im Nachwende-Leipzig.[1].

Söhne und Töchter[Bearbeiten]

  • Carl Böhme (1842–1904), liberaler Reichstags- und Landtagsabgeordneter
  • Paul Friedrich Ernst Ehrlich (1849–1925), deutscher Mechaniker und Orgelbauer
  • Adolf Albrecht (1855–1930), deutscher Politiker (SPD)
  • Albrecht Penck (1858–1945), deutscher Geograph und Geologe
  • Paul Benndorf (1859–1926), deutscher Lehrer, Schriftsteller und Sepulkralforscher
  • Robert Wuttke (1859–1914), deutscher Volkswirtschaftler und Sozialwissenschaftler
  • Hugo Saupe (1883–1957), deutscher Politiker (SPD) und Reichstagsabgeordneter
  • Fritz Baumgarten (1883–1966), deutscher Kinderbuchillustrator
  • Karl Hermann Jacob-Friesen (1886–1960), deutscher Prähistoriker, Archäologe und Hochschullehrer
  • Georg Schumann (1886–1945), deutscher Antifaschist, Kommunist und Schlosser
  • Franz Ehrlich (1907–1984), deutscher Architekt und Designer
  • Hans Neumeister (1908–1996), politischer Häftling des KZ Buchenwald und nach 1945 Führer durch die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald (NMG)
  • Kurt Dossin (1913–2004), deutscher Handballspieler

Sonstige Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Otto Moser: Chronik von Reudnitz. Reudnitz-Leipzig in seiner Vergangenheit und seiner Gegenwart, chronikalisch-statistische Darstellung nach archivalischen und amtlichen Quellen. Verlag Max Hoffmann, Leipzig-Reudnitz 1890 (Digitalisat)
  • Thomas Nabert & Christoph Kühn: Reudnitz. Eine historische und städtebauliche Studie. Leipzig 1997

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Trainspotting in Leipzig-Ost Deutschlandradio Kultur Online, 5. Oktober 2008

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Reudnitz-Thonberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Reudnitz im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen

51.33194444444412.401388888889Koordinaten: 51° 20′ N, 12° 24′ O