Reziproker Altruismus

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Reziproker Altruismus beschreibt, vereinfacht ausgedrückt, die Wandlung egoistischer Verhaltensweisen in altruistische Handlungen. Man könnte dafür folgenden Leitsatz formulieren: „Ich helfe anderen, damit auch mir geholfen wird.“

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Beispiel im Radsport

Ein eingängiges Beispiel ist der Radsport: In so genannten Ausreißergruppen, die sich vom Hauptfeld abgesetzt haben, möchte jeder einzelne Rennfahrer gewinnen. Aber um siegen zu können, muss er seine Kraft für den Endspurt sparen. Dies gelingt ihm nur, indem er im Windschatten seiner Konkurrenten fährt. Folglich besteht die Gefahr, dass in der Ausreißergruppe keine Führungsarbeit geleistet wird. Damit die Gruppe überhaupt eine Chance hat, vor dem Feld ins Ziel zu kommen, müssen sich die Fahrer abwechseln. Die kräftezehrende Arbeit an der Spitze nimmt jeder Fahrer auf sich, weil er davon ausgeht, dass auch die anderen Fahrer kurze Zeit später das für ihn machen werden.

[Bearbeiten] Beispiele in der Tierwelt

Reziproker Altruismus ist auch bei Tieren weit verbreitet. Ein bekanntes Beispiel ist das Heraufwürgen und Teilen der Blutmahlzeiten bei den Vampirfledermäusen, insbesondere beim Gemeinen Vampir. Ein weiteres Beispiel ist die gegenseitige Fellpflege bei Primaten. Murmeltieren, Mungos und Zieseln: Je länger man sucht, desto mehr Tierarten scheinen angeborenerweise in ihrem Verhaltensrepertoire gegenseitige Unterstützung fest etabliert zu haben. Besonders erstaunlich sind die Warnrufe von Belding-Zieseln, die mit ihren Alarmrufen Artgenossen vor Beutegreifern warnen und ihnen so die rechtzeitige Flucht vor Kojoten, Dachsen und Wieseln ermöglichen. Während Angreifer aus der Luft (Habicht, Falke) durch die Alarmrufe irritiert werden und die Jagd einstellen, führt dies bei terrestrischen Beutegreifern häufig dazu, dass sie auf den Alarmgeber aufmerksam werden und ihn gezielt anschleichen und signifikant häufig auch erbeuten. Hierbei spricht man von einem nepotistischen Altruismus; Je enger die Verwandtschaft der Tiere, umso altruistischer verhalten sie sich. Die alarmgebenden Belding-Ziesel setzen sich also einem so erheblichen Risiko aus, dass wahrscheinlich von einer indirekten Fitness ausgegangen werden muss: Nahe verwandte Individuen des Alarmgebers haben eine erhöhte Chance, ihre Brut erfolgreich aufzuziehen und "vermehren" damit auch die Gene des Alarmgebers, auch wenn dieser durch sein altruistisches Verhalten seine eigene (direkte) Fitness mindert.

[Bearbeiten] Evolutionäre Bedeutung

Evolutionäre Stabilität erfordert gegenseitige Kontrolle und den Ausschluss (oder die Bestrafung) von nur egoistischen Nutznießern, denn letztere besäßen sonst einen reinen Vorteil aus einer Versorgung ohne Gegenleistung. Als solche besäßen sie einen Selektionsvorteil, der zum Verschwinden der Altruisten führte, auch wenn danach möglicherweise die ganze Population unterginge, da sie nur altruistisch organisiert überleben könnte.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Literatur

  • Trivers, R.L. (1971): The evolution of reciprocal altruism. Quarterly Review of Biology. 46: 35-57.
  • Trivers, R.L. (1972): Parental investment and sexual selection. In B. Campbell (Ed.), Sexual selection and the descent of man, 1871-1971 (pp. 136-179). Chicago, IL: Aldine.
  • Trivers, R.L. (1974): Parent-offspring conflict. American Zoologist. 14: 249-264.
  • Robert Axelrod: The Evolution of Cooperation, Basic Books, ISBN 0465021212
  • Sherman, P. W. (1977): Nepotism and the evolution of alarm calls. Science 197: 1246-1253
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