Rhönrad

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„Extended bridge“ – Übung im Rhönrad
Rhönrad im Zirkus
Rhönrad am Elisenbrunnen in Aachen
Rhönrad auf Eis beim RWTH Unicup
Gymnastik im Rhönrad

Das Rhönrad ist ein Sportgerät, das aus zwei Reifen besteht, die durch sechs Sprossen – zwei einfache Stangen (Spreizsprossen), zwei Griffsprossen und zwei Brettsprossen – miteinander verbunden sind. Der Durchmesser des Rades variiert je nach Größe des Turners, so dass der Turner fast gestreckt auf den Brettern stehen kann und sich an den Griffen hält. An den Brettern können Lederschlaufen, so genannte Bindungen, befestigt werden, in denen sich der Turner mit den Füßen festklemmen kann. Es gibt Räder von 130 bis 245 cm Durchmesser. Die Räder wiegen zwischen 40 und 60 kg. Es gibt sie in verschiedener Dicke und in verschiedenen Farben.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Rhönrad wurde 1925 von Otto Feick in Schönau a.d. Brend in der bayerischen Rhön zum Patent angemeldet, als „Reifen- Turn- und Sportgerät“. Erfunden hatte er das Rad in Ludwigshafen am Rhein ca. 1920–1922, auf dem Gelände des VSK Germania Niederfeld, eines Sportvereins, dessen Gründungsvorsitzender Otto Feick war. Das Patent mit der Nummer 442057 wurde am 8. November 1925 ausgestellt,[1] erst 1926 wurde der Name „Rhönrad“ geschützt und eingetragen. Der Sohn eines Schmiedes war bereits als Kind in zwei Wagen-Reifen in Reichenbach (Pfalz) vor der Schmiede des Großvaters den Berg heruntergerollt. Später entwickelte er das Sportgerät weiter. Die ersten Rollversuche damit machte er auf den Wiesen der Blies, einem Badeweiher in Ludwigshafen-Gartenstadt. Das erste internationale Rhönradturnier fand 1930 in Bad Kissingen statt. 1936, bei den Olympischen Spielen in Berlin, wurde dieser Sport vorgeführt, jedoch nicht als olympische Disziplin.

Heute ist das Rhönradturnen auch über Deutschlands Grenzen hinaus bekannt. Der Schwerpunkt dieser Turnsportart liegt allerdings in Deutschland.

Disziplinen[Bearbeiten]

Es gibt drei Einzel-Disziplinen:

  • Das Geradeturnen: Dabei rollt das Rad auf einer Fläche von 23 auf 3 Metern auf beiden Reifen und es werden Pflicht- und Kürübungen vorgeturnt. Teilweise werden dabei Elemente aus dem Reck- oder Barrenturnen verwendet. Es gibt Übungen, die mit Hilfe beider, einer oder ohne Bindungen ausgeführt werden. Bei der Kür geht es von 10,00 Punkten aus, 4,00 Punkte davon entsprechen der Schwierigkeit, 1,00 Punkt dem Aufbau und 5,00 Punkte der Ausführung. Im Erwachsenenbereich der Bundesklasse wird das Geradeturnen zu Musik (ähnlich dem Eiskunstlaufen) ausgeführt. Dabei ist es wichtig, dass die Turnerinnen und Turner zur Musik passend ihre Elemente turnen und entsprechende Akzente setzen.
  • Das Spiraleturnen: Das Rad bewegt sich auf einem der Reifen, es tellert wie bei einer Münze. In der „großen“ Spirale hat das Rad einen Neigungswinkel von 60 Grad, in der „kleinen“ Spirale weniger als 30 Grad. Der Turner versucht das Rad durch Gewichtsverlagerung und Armzug auf der jeweiligen Höhe zu halten und nach 3–5 Sekunden in der kleinen Spirale das Rad wieder in den Stand zu bringen. Beim Spiraleturnen turnt man eine Pflicht, und später kommt dann noch die Kür dazu.
  • Der Sprung: Der Sprung wird von den männlichen und seit 1999 auch von den weiblichen Turnern ausgeführt. Das Rad wird mit Schwung angeschoben. Der Turner läuft im Steigerungslauf hinter dem Rad her und lässt sich vom Schwung auf das Rad ziehen. Aus der Grätsch-, Hock- oder Standposition vollführt er dann einen Sprung auf einen Mattenberg. Dies kann z. B. ein Hocksprung, Grätschsprung, Überschlag oder Salto sein.

Momentan führen die jüngeren Mädchen (L8 und L9) Demonstrationssprünge bei Wettkämpfen aus, die dann allerdings nicht zur Gesamtwertung zählen, sondern einzeln bewertet werden und keine Pflicht sind.

Daneben gibt es für Paare die Disziplinen Partnerturnen, Synchronturnen und Partnerspirale.

Bei den Wettkämpfen werden die Ausführung, der Schwierigkeitsgrad und das Vorhandensein von obligatorischen Elementen, dem sogenannten Aufbau, bewertet.

Im Jahre 1995 wurden der Internationale Rhönradturn-Verband (IRV) gegründet und die 1. Rhönrad-Weltmeisterschaft ausgetragen.

Weltmeisterschaften[Bearbeiten]

Jahr Austragungsort Land
1995 I Den Helder NiederlandeNiederlande Niederlande
1997 II Antwerpen BelgienBelgien Belgien
1999 III Limburg an der Lahn DeutschlandDeutschland Deutschland
2001 IV Liestal SchweizSchweiz Schweiz
2003 V Lillehammer NorwegenNorwegen Norwegen
2005 VI Aachen
Bütgenbach
DeutschlandDeutschland Deutschland
BelgienBelgien Belgien
2007 VII Salzburg OsterreichÖsterreich Österreich
2009 VIII Baar SchweizSchweiz Schweiz
2011 IX Arnsberg DeutschlandDeutschland Deutschland
2013 X Chicago Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten

Weltmeister[Bearbeiten]

Männer[Bearbeiten]

Jahr Gerade Spirale Sprung Zweikampf Dreikampf
1995 I DeutschlandDeutschland Wolfgang Bientzle DeutschlandDeutschland Wolfgang Bientzle
1997 II Jugoslawien Bundesrepublik 1992Jugoslawien Miroslav Zorbic DeutschlandDeutschland Norbert Sinz
1999 III DeutschlandDeutschland Wolfgang Bientzle DeutschlandDeutschland Wolfgang Bientzle DeutschlandDeutschland Wolfgang Bientzle DeutschlandDeutschland Wolfgang Bientzle DeutschlandDeutschland Wolfgang Bientzle
2001 IV DeutschlandDeutschland Jan Schäfer DeutschlandDeutschland Jan Schäfer DeutschlandDeutschland Jan Schäfer DeutschlandDeutschland Jan Schäfer
2003 V DeutschlandDeutschland Julius Petri DeutschlandDeutschland Julius Petri DeutschlandDeutschland Jan Schäfer DeutschlandDeutschland Julius Petri
2005 VI DeutschlandDeutschland Achus Emeis DeutschlandDeutschland Constantin Malchin DeutschlandDeutschland Achus Emeis DeutschlandDeutschland Achus Emeis
2007 VII DeutschlandDeutschland Achus Emeis DeutschlandDeutschland Constantin Malchin JapanJapan Motonobu Tamura DeutschlandDeutschland Achus Emeis
2009 VIII DeutschlandDeutschland Robert Maaser DeutschlandDeutschland Robert Maaser DeutschlandDeutschland Robert Maaser DeutschlandDeutschland Robert Maaser
2011 IX NiederlandeNiederlande Boy Looijen DeutschlandDeutschland Christoph Clausen DeutschlandDeutschland Robert Maaser DeutschlandDeutschland Robert Maaser
2013 X JapanJapan Kazuya Ezuka JapanJapan Motonobu Tamur JapanJapan Yasuhiko Takahashi JapanJapan Yasuhiko Takahashi

Frauen[Bearbeiten]

Jahr Gerade Spirale Sprung Zweikampf Dreikampf
1995 I DeutschlandDeutschland Maike Klatte DeutschlandDeutschland Maike Klatte
1997 II DeutschlandDeutschland Claudia Geyer DeutschlandDeutschland Janin Oer
1999 III DeutschlandDeutschland Katja Homeyer DeutschlandDeutschland Maike Klatte NorwegenNorwegen Lena Bertelsen DeutschlandDeutschland Maike Klatte DeutschlandDeutschland Maike Klatte
2001 IV DeutschlandDeutschland Julia Pohling DeutschlandDeutschland Julia Pohling DeutschlandDeutschland Julia Pohling DeutschlandDeutschland Julia Pohling
2003 V DeutschlandDeutschland Janin Oer DeutschlandDeutschland Janin Oer JapanJapan Naomi Kunihiro DeutschlandDeutschland Julia Pohling
2005 VI DeutschlandDeutschland Janin Oer DeutschlandDeutschland Nadine Burkhardt JapanJapan Takako Hiwa DeutschlandDeutschland Janin Oer
2007 VII SchweizSchweiz Cécile Meschberger DeutschlandDeutschland Janin Oer NorwegenNorwegen Heidi Hagen DeutschlandDeutschland Janin Oer
2009 VIII DeutschlandDeutschland Jenny Hoffmann DeutschlandDeutschland Kathrin Schad NiederlandeNiederlande Kirstin Heerdink DeutschlandDeutschland Svenja Trepte
2011 IX DeutschlandDeutschland Laura Stullich DeutschlandDeutschland Svenja Trepte NiederlandeNiederlande Kirstin Heerdink DeutschlandDeutschland Laura Stullich
2013 X DeutschlandDeutschland Laura Stullich DeutschlandDeutschland Kathrin Schad DeutschlandDeutschland Svea Streckert DeutschlandDeutschland Riccarda Vogel

Mannschaft[Bearbeiten]

Jahr Mannschaft Mitglieder
1995 I
1997 II
1999 III DeutschlandDeutschland Deutschland Katja Homeyer, Ines Meurer, Janin Oer, Maike Klatte, Wolfgang Bientzle, Nico Budniok
2001 IV DeutschlandDeutschland Deutschland Julia Pohling, Janin Oer, Ursula Kömen, Jan Schäfer, Julius Petri, Constantin Malchin
2003 V DeutschlandDeutschland Deutschland Jan Schäfer, Julia Pohling, Janin Oer, Constantin Malchin, Holger Schneider, Julius Petri
2005 VI DeutschlandDeutschland Deutschland Nadine Burkhard, Katrin Schwaben, Janin Oer, Julius Petri, Achus Emeis, Constantin Malchin
2007 VII DeutschlandDeutschland Deutschland Janin Oer, Julius Petri, Achus Emeis, Constantin Malchin, Sabine Bierfreund, Christoph Clausen
2009 VIII DeutschlandDeutschland Deutschland Jenny Hoffmann, Julia Pohling, Constantin Malchin, Robert Maaser, Simon Knapp, Christoph Clausen
2011 IX DeutschlandDeutschland Deutschland Jenny Hoffmann, Svenja Trepte, Laura Stullich, Kathrin Schad, Robert Maaser, Christoph Clausen
2013 X DeutschlandDeutschland Deutschland Svenja Trepte, Christoph Clausen, Riccarda Vogel, Kathrin Schad, Sarah Metz, Laura Stullich

Nationenwertung[Bearbeiten]

Rang Nation Titel
1 DeutschlandDeutschland Deutschland 68
2 JapanJapan Japan 7
3 NiederlandeNiederlande Niederlande 3
4 NorwegenNorwegen Norwegen 2
5 SchweizSchweiz Schweiz 1
Jugoslawien Bundesrepublik 1992Jugoslawien Jugoslawien 1

Siehe auch[Bearbeiten]

 Commons: Rhönrad – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. Die Rheinpfalz, Ausgabe Nr. 192 vom 18. August 2012.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Rhönrad – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen