Rheinbrohl

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Rheinbrohl
Rheinbrohl
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Rheinbrohl hervorgehoben
50.4957.334722222222283Koordinaten: 50° 30′ N, 7° 20′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Neuwied
Verbandsgemeinde: Bad Hönningen
Höhe: 83 m ü. NHN
Fläche: 17,2 km²
Einwohner: 3864 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 225 Einwohner je km²
Postleitzahl: 56598
Vorwahl: 02635
Kfz-Kennzeichen: NR
Gemeindeschlüssel: 07 1 38 063
Gemeindegliederung: 2 Ortsteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Marktstraße 1
53557 Bad Hönningen
Webpräsenz: www.rheinbrohl.de
Ortsbürgermeister: Oliver Labonde (CDU)
Lage der Ortsgemeinde Rheinbrohl im Landkreis Neuwied
Neuwied Buchholz (Westerwald) Asbach (Westerwald) Windhagen Neustadt (Wied) Rheinbreitbach Unkel Bruchhausen (Landkreis Neuwied) Erpel Vettelschoß Linz am Rhein Kasbach-Ohlenberg Ockenfels Sankt Katharinen (Landkreis Neuwied) Dattenberg Leubsdorf (am Rhein) Bad Hönningen Rheinbrohl Hammerstein (am Rhein) Leutesdorf Isenburg (Westerwald) Kleinmaischeid Großmaischeid Stebach Marienhausen Dierdorf Oberdreis Woldert Rodenbach bei Puderbach Ratzert Niederwambach Steimel Döttesfeld Puderbach Dürrholz Hanroth Raubach Harschbach Niederhofen Dernbach (Landkreis Neuwied) Urbach (Westerwald) Linkenbach Breitscheid (Westerwald) Waldbreitbach Roßbach (Wied) Hausen (Wied) Datzeroth Niederbreitbach Hümmerich Oberhonnefeld-Gierend Oberraden Straßenhaus Kurtscheid Bonefeld Ehlscheid Rengsdorf Melsbach Hardert Anhausen Rüscheid Thalhausen Meinborn Nordrhein-Westfalen Landkreis Altenkirchen (Westerwald) Landkreis Ahrweiler Landkreis Mayen-Koblenz Koblenz Marienhausen WesterwaldkreisKarte
Über dieses Bild
Gertrudenhof mit Kapelle

Rheinbrohl (lateinisch als Broele trans Rhenum bezeichnet) ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Neuwied in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Bad Hönningen an. Rheinbrohl ist ein staatlich anerkannter Fremdenverkehrsort und gemäß Landesplanung als Grundzentrum ausgewiesen.[2]

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Der Weinort Rheinbrohl liegt am rechten Ufer des Mittelrheins gegenüber von Brohl-Lützing und unmittelbar südlich der Stadt Bad Hönningen. Das Gemeindegebiet gehört zum Naturpark Rhein-Westerwald und lässt sich naturräumlich mit seinem äußeren Westen dem südlichen Abschluss der Linz-Hönninger Talweitung und dem östlich davon liegenden Gebiet dem Rhein-Wied-Rücken zuordnen. Dort erreicht es knapp unterhalb des 373 m ü. NN hohen Malbergs seinen höchsten Bodenpunkt. In Rheinbrohl beginnt der ehemalige römische Limes, der am 15. Juli 2005 von der UNESCO in die Weltkulturerbe-Liste aufgenommen wurde.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Zur Gemeinde Rheinbrohl gehören der Ortsteil Arienheller sowie die Wohnplätze Annahof, Berghof, Christinenhöhe, Dielsberg, Hartmannshof, Haus Bergfriede, Haus Forst, Jagdhaus Wilhelmsruh, Lampenthalerhof, Magdalenenhof und Zur alten Mühle.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Rheinbrohl wurde erstmals urkundlich am 3. Mai 877 in einem Schreiben König Karl des Kahlen erwähnt und gehörte seinerzeit zum Stift Nivelles in Brabant. Die Vögte waren die Grafen von Sayn. 1606 fiel Rheinbrohl als heimgefallenes Lehen an Kurtrier, im Zuge der Säkularisation 1803 an Nassau, nach dem Wiener Kongress 1815 an Preußen. Die Schiffswerft Hilgers wurde 1947 in Rheinbrohl gegründet und hatte ihre Wurzeln im 1868 gegründetem Stahlbauunternehmen Hilgers. 1985 wurde die Werft geschlossen.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Traurige Berühmtheit erlangte Rheinbrohl am Ende des Zweiten Weltkrieges. Nachdem Linz kampflos von den amerikanischen Truppen eingenommen worden war, fiel Rheinbrohl erst nach einem 10-tägigen Dauerbeschuss im März 1945 in amerikanische Hände. Eine kleine deutsche Einheit von 27 Mann hatte es unter der Führung eines Oberleutnants geschafft, durch abendliche Stellungswechsel eines einzigen Flakgeschützes, die Amerikaner glauben zu machen, sie hätten einen ernsthaften Widerstand mit größeren Truppenverbänden vor sich. Erst ein massiver Luftangriffe am 19. März 1945 führte zu einem Ende der Kämpfe. Die traurige Bilanz dieses sinnlosen Widerstandes waren 40 Tote innerhalb der Zivilbevölkerung, 66 völlig zerstörte und 177 schwer zerstörte und damit unbewohnbare Häuser. Der Beschuss und die Einnahme Rheinbrohls wurde von einem Kameramann der US-Armee filmisch dokumentiert. Diese eindrucksvollen Originalaufnahmen wurden 2005 von SPIEGEL TV unter dem Titel „Als der Krieg nach Deutschland kam“ veröffentlicht.

Statistik zur Einwohnerentwicklung

Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Rheinbrohl, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:[2]

Jahr Einwohner
1815 1.013
1835 1.470
1871 1.606
1905 2.583
1939 3.190
Jahr Einwohner
1950 3.524
1961 3.947
1970 3.872
1987 3.845
2005 3.995

Dialekt[Bearbeiten]

In Rheinbrohl spricht man einen Moselfränkischen Dialekt, der nahe dem Übergang zum Ripuarischen angesiedelt ist.

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat in Rheinbrohl besteht aus 20 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzenden.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat:[4]

Wahl SPD CDU FWG Gesamt
2014 11 8 1 20 Sitze
2009 11 8 1 20 Sitze
2004 10 9 1 20 Sitze
  • FWG = Freie Wählergruppe Rheinbrohl e.V.

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung lautet: „Gespalten von Silber und Blau; vorn ein durchgehendes rotes Balkenkreuz, hinten drei, zwei zu eins gestellte silberne Pilgermuscheln.“

Das rote Kreuz weist auf die ehemalige Zugehörigkeit zu Kurtrier hin. Die Muscheln sind den Wappen der Trierer Erzbischöfe Jakob von Sierk (1439–1456) oder Lothar von Metternich (1599–1623) entnommen. Einer von beiden wird vermutlich das Gemeindesiegel, das schon den Schild mit Kreuz und Muscheln zeigt und in Abdrucken seit 1610 bekannt ist, verliehen haben. Das Wappen ist rechtsgültig seit 1949.

Partnergemeinde[Bearbeiten]

Symbol der Partnerschaft mit Bourcefranc
St. Suitbertus
Altenwohnheim Ariehellerstraße
Schulzentrum

Die Partnerschaft mit der an der französischen Atlantikküste gelegenen Gemeinde Bourcefranc-le-Chapus (Département Charente-Maritime) besteht seit dem Jahre 1965.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Die neugotische katholische Pfarrkirche St. Suitbertus, die von 1852-1856 nach Plänen des Kölner Diözesenbaumeisters Vincenz Statz erbaut wurde.
  • Die Wurzelkrippe in der St.Suitbertus Kirche, jährlich vom 24. Dezember bis zum 2. Februar
  • Die Gertrudenkapelle mit Bausubstanz aus dem 13. Jahrhundert und einem Altar aus dem 17. Jahrhundert sowie der ältesten Glocke Rheinbrohls aus dem Jahr 1696.
  • Die neugotische evangelische Kirche, 1888 vom Wiesbadener Architekten Friedrich Lang errichtet.
  • Das historische Rathaus, der Gertrudenhof, welcher seit dem 7. Jahrhundert nachgewiesen werden kann.
  • Das von Bildhauer Carl Burger erbauteEhrenmal des Infanterie-Regiments Nr. 29 für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Kameraden des Infanterie-Regiments 'von Horn' (3. Rheinisches) No. 29 auf der Rheinbrohler Ley – Das Relief zeigt vier apokalyptische Reiter, die die Schrecken des Krieges „Hunger“, „Pest“, „Krieg“ und „Tod“ darstellen.
  • Ein Nachbau des ersten Wachturms („Römerturm 1“) steht an der Zufahrt zur Autofähre nach Bad Breisig.
  • Seit 2008 steht an der Ortsausfahrt von der B 42 nach Rheinbrohl, direkt neben dem ehemaligen Werk, Arienheller-Sprudel, ein Limes-Erlebnis-Zentrum, genannt RömerWelt.

Verkehr und Infrastruktur[Bearbeiten]

Der Ort bietet ein vollständiges Angebot an Geschäften für den täglichen Bedarf, mehrere Ärzte verschiedener Fachrichtungen, Apotheke, Fachgeschäfte und Gastronomie. In dem am Ortsende Richtung Bad Hönningen gelegenen Gewerbegebiet sind viele verschiedene Handwerksbetriebe und ein Supermarkt angesiedelt.

Verkehr[Bearbeiten]

Rheinbrohl ist Bahnhof auf der rechten Rheinstrecke. Dort hält die Regionalbahn 27 (MönchengladbachKölnKoblenz). Mit den Bussen der VRM sind die Orte zwischen Koblenz und Linz am Rhein erreichbar. In Rheinbrohl beginnt die Deutsche Limes-Straße.

Radwanderwege[Bearbeiten]

Durch Rheinbrohl führt der Deutsche Limes-Radweg. Dieser führt entlang der Deutschen Limes-Straße über 818 km von Bad Hönningen am Rhein nach Regensburg an der Donau.

Wanderwege[Bearbeiten]

Am Limes-Erlebniszentrum Römerwelt im Ortsteil Arienheller führen die Wanderwege Rheinsteig, Westerwaldsteig und der Limeswanderweg vorbei.

Schulen[Bearbeiten]

  • Maximilian-Kolbe-Schule (Förderschule)
  • Römerwald-Schule (Hauptschule)
  • Römerwall-Schule (Realschule plus, Ganztagsschule)
  • Astrid-Lindgren-Schule
  • Berufsbildende Schule der Handwerkskammer Koblenz

Kindergärten[Bearbeiten]

Drei Kindergärten, davon ein Sonderpädagogischer Kindergarten der Lebenshilfe Neuwied-Andernach gGmbH

Altenheime[Bearbeiten]

Drei Pflege- und Altenheime

Gewerbe[Bearbeiten]

Die größten Unternehmen am Ort sind DSD Stahlbau Hilgers, ehemals Stahlbau Hilgers und die Verzinkerei Wiegel

Bahnhof Rheinbrohl

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Günther L. Heubgen ist ein promovierter Fachbuchautor im Bereich Biologie.
  • Herman Flesche war ein deutscher Architekt, Maler, Kunsthistoriker und Schriftsteller.
  • Hermann Jung, Journalist u. Schriftsteller, (* 1901 Rheinbrohl; † 1988 Gemünden/Main). Verfasste über 300 Bücher und Arbeiten über den Wein. Jung war von 1953 bis 1957 Chefredakteur der Fachzeitschrift „Der deutsche Weinbau“. Träger des Deutschen Weinkulturpreises 1981.
  • Alfred Ott, ehemaliger Fußball-Bundesliga-Schiedsrichter.

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinrich Volk: Geschichte des Fleckens Rheinbrohl. Verlag des Katholischen Junggesellenvereins, Rheinbrohl 1797. (Digitalisat)
  • Heinrich Volk: Ergänzungen zur Geschichte des Fleckens Rheinbrohl. Selbstverlag, Neuwied 1922 (Digitalisat)
  • Dietmar Waldorf: Geschichtliche Daten des Ortes Rheinbrohl und Umgebung (in der Frühzeit) in chronologischer Reihenfolge. Selbstverlag, Rheinbrohl 2000.
  • Hansfried Schaefer: Rheinbrohl früher – heute. Geiger, Horb am Neckar 2002. ISBN 3-89570-804-6.
  • Hansfried Schaefer: Broele trans Rhenum – Rheinbrohl im Wandel der Zeit. Festschrift zum 175jährigen Bestehen des Katholischen Junggesellenvereins Rheinbrohl, Gemeinde Rheinbrohl 1972.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rheinbrohl – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. a b Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Infothek
  3. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Amtliches Verzeichnis der Gemeinden und Gemeindeteile, Seite 32 (PDF; 2,3 MB)
  4. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen