Rheinfranken

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Dieser Artikel bezieht sich auf den Rheinfränkischen Teil des germanischen Stammesbundes der Franken. Für die Westhälfte des späteren Herzogtums Franken siehe Westfranken.
Lage an der Grenze zum Niedergermanischen Limes – Germanische Stämme auf dem Wege zum Fränkischen Stammesbund
Ausbreitung von Salfranken und Rheinfranken bis zum 5./6. Jahrhundert
Ripuarische Franken in Austrien zur Zeit des Königs Dagobert I. im Jahre 623
Das römische Köln, 3. bis 4. Jahrhundert bevor es von den Rheinfranken erobert wurde (Schaubild im Römisch-Germanischen Museum)
Der Rheinische Fächer
1: Niederfränkisch
2: Limburgisch
3: Ripuarisch
4: nördliches Moselfränkisch
5: südliches Moselfränkisch
6: Rheinfränkisch

Die Rheinfranken (im Raum Köln Kölner Franken, ab dem 5./6. Jahrhundert auch ripuarische Franken, Ripuarier; von lateinisch „ripa“: das Ufer) sind in der klassischen Geschichtsschreibung eine von drei Gruppen der Franken und waren am Mittelrhein ansässig. Nach der Vereinigung einzelner Stämme im 4. Jahrhundert lag das Hauptsiedlungsgebiet der Rheinfranken entlang des Rheins – daher ihr Name – wo sie sich später von Köln über Mainz bis nach Worms und Speyer ausbreiteten.[1]

Frühe Franken[Bearbeiten]

Die Franken wurden erstmals im 3. Jahrhundert erwähnt und stiegen in der Übergangszeit zwischen Spätantike und Frühmittelalter zum mächtigsten germanischen Stamm in West- und Mitteleuropa auf. Die (proto)-fränkischen Stämme siedelten zunächst rechts des Rheins, wechselten oft ihr Siedlungsgebiet und stießen immer wieder – in wechselnden Allianzen - zu Raubzügen in gallo-römisches Gebiet vor bis aus den Stammesverbänden schließlich der Großstamm der Franken hervorging. Die nordwestlich siedelnden Gruppen schlossen sich den Saliern an und bildeten den Teilstamm der Salfranken. Die am Mittelrhein und südlich davon siedelnden Stämme gingen in den Rheinfranken auf. Alte germanische Stämme, die im Stammeskonglomerat der Franken aufgingen, waren u. a. [2]

  • Salier erst ab dem 3. Jahrhundert bezeugt (benachbarte Gruppen schlossen sich den Saliern an)
  • Chamaven zunächst nördlich der Lippe, im 4. Jahrhundert bis zur Maas vorgedrungen
  • Sugambrer mit der Untergruppe der linksrheinischen Cugerner im Raum Xanten bis Krefeld
  • Brukterer bei Tacitus erwähnt, an Ems und Lippe siedelnd, waren an den Eroberungen Kölns und Triers beteiligt
  • Chattuarier siedelten am oberen (niederländischen) Lek, Gruppen drangen tief nach Gallien ins „Hatuyer“ vor
  • Tenkterer ursprünglich östlich des Rheins, später bis zur Sieg vorgedrungen
  • Usipeter oft in Verbindung mit den Tenkterern genannt, siedelten später im Lahntal
  • Amsivarier von den Chauken aus ihren Stammgebieten an der Ems verdrängt, zum Niederrhein abwandernd
  • Chauken zwischen Friesen und Sachsen siedelnd (wahrscheinlich Namensgeber für die epischen „Hugen“ im Beowulf) – Teile schlossen sich möglicherweise den Franken an; der Großteil stieß zu den Sachsen

Nur bedingt an der Genese der Franken beteiligt waren:

  • Bataver zur Zeit der Frankenbildung bereits romanisiert, ihre Nachfahren gingen in den Saliern auf
  • Ubier im Raume Köln bereits um 18 v. Chr. linksrheinisch von den Römern angesiedelt im Oppidum ubiorum, zur Zeit der Frankenbildung bereits romanisiert. Ihre Nachkommen gingen - wie auch die dort siedelnde gallo-romanische Bevölkerung - nach der Eroberung Kölns in den Rheinfranken auf.

Stammesbund der Franken[Bearbeiten]

Kurze Zeit nach Bildung des Großstammes der Franken im niederländisch-deutschen Grenzgebiet am Niederrhein, etwa Mitte des 3. Jahrhunderts, bildeten sich mit Salfranken und Rheinfranken die beiden Hauptströme heraus, aus denen später das Volk der Franken entstand.[3]

  • Die Salfranken (auch Salier genannt) siedelten im Salland an der Overijssel und am Rheindelta, von wo sie sich nach Toxandrien und ins nördliche Gallien ausbreiteten und dort die Grundlagen für die Reiche der Merowinger und das spätere Frankreich schufen.
  • Die Rheinfranken siedelten zwischen Niederrhein und Mittelrhein und eroberten im 5. Jahrhundert Köln, wo sie später auch als Ripuarier bezeichnet wurden. Von dort breiteten sie sich weiter nach Süden und Westen aus. Ab dem 5./6. Jahrhundert wurden die Salischen und Rheinfränkischen Gebiete unter gemeinsamen Königen vereinigt.
  • Die Moselfranken waren eine Untergruppe der Rheinfranken, die zu Beginn des 5. Jahrhunderts am oberen Rhein und an der Mosel ansässig wurden.

Franken und Galloromanen vermischten sich in den folgenden Jahrhunderten sprachlich und kulturell. Im Westen dominierte die galloromanische Volkssprache, im Osten die Fränkische Sprache, dazwischen bildete sich bis zum 9. Jahrhundert eine Sprachgrenze aus. Der Großteil der Salfranken verschmolz später im Volk der Franzosen und Wallonen. Die Salfranken an der Overijssel und am Niederrhein sowie die Mosel- und Rheinfranken behielten ihre fränkischen Mundarten bis in die Neuzeit bei und gingen in den Völkern der Deutschen, Niederländer, Lothringer, Luxemburger und Flamen auf.

Rheinfranken[Bearbeiten]

In den Jahren 388 und 389 hatten Rheinfranken unter ihren Anführern Marcomer, Gennobaudes und Sunno den niederrheinischen Limes durchbrochen und die Umgebung von Köln verwüstet, sich aber mit dem Römer Valentinian II. auf ein Friedensabkommen geeinigt. In den Jahren 413 bis 420 überfielen fränkische Gruppen mehrfach die ehemalige römische Kaiserstadt Trier, die unter Constantius Chlorus im Jahre 293 Kaiserresidenz geworden war. Um das Jahr 435 eroberten die Franken Trier endgültig.[4]

Ripuarier[Bearbeiten]

Auch Köln fiel im Jahre 459 endgültig in die Hände der Rheinfranken, die sich danach am Mittelrhein bis nach Mainz festsetzten. Köln wurde Sitz des rheinfränkischen Königs. Die Bewohner der römischen Stadt (Römer, Galloromanen, aber auch mit den Römern in Frieden lebende Germanen vom Stamme der Ubier), wurden – soweit sie nicht geflüchtet waren – von den Rheinfranken unterworfen. Später gingen sie, wie die im Raume zwischen Bonn, Köln und Aachen von den Römern zuvor angesiedelten Germanen, in den Rheinfranken auf. Die im Großraum Köln siedelnden Rheinfranken wurden ab dem 6. Jahrhundert auch als ripuarische Franken oder Ripuarier (Uferbewohner) bezeichnet.[5] Eine weitere Expansion der Rheinfranken erfolgte in den Jahren 470 bis 485 nach Südwesten, wo sie Nachbarn der Burgunden wurden, aber auch Anschluss fanden an die Siedlungsgebiete der Mosel- und Salfranken. [6]

Könige der Rheinfranken[Bearbeiten]

Über die Königsdynastie der Rheinfranken ist wenig bekannt. Folgende Personen sind in Quellen erwähnt:

  • Sigismer als „Königssohn“ 469 erwähnt. Aufgrund seines Namens und der Tatsache, dass er eine burgundische Prinzessin heiratete, was aus bündnisstrategischen Überlegungen für das rheinfränkische Königshaus als wahrscheinlicher gilt als für die salfränkische Königsdynastie, wird er zu den Rheinfranken gezählt. Gesichert ist seine rheinfränkische Zugehörigkeit jedoch nicht.[7]
  • Sigibert von Köln, auch der Lahme, König 483 bis 509.[8] Sigibert hatte in Allianz mit dem salfränkischen Merowinger Chlodwig I. im Jahre 496/497 in der Schlacht bei Zülpich die Alemannen besiegt – worauf Chlodwig die Christliche Religion annahm. Im Kampfe hatte sich Sigibert eine Knieverletzung zugezogen, als deren Folge er den Beinamen „der Lahme“ erhielt.

Ob auch der fränkische König Theudomer, der für 413, d.h. zur Zeit des weströmischen Kaisers Jovinus, erwähnt wird, zu den Rheinfranken zählte, ist nicht bekannt. Geschichtsschreiber Gregor von Tours berichtet lediglich, dass Theudomer, Sohn des Richimer, zusammen mit seiner Mutter Asycla durch das Schwert hingerichtet wurde.[10] Weitere Informationen über ihn liegen nicht vor.[11]

Mit Sigibert und Chloderich endete die rheinfränkische Königsdynastie. Der Salfranke Chlodwig I., König aus der Dynastie der Merowinger und Kampfgefährte des Sigibert von Köln in der Alemannenschlacht bei Zülpich, hatte Chloderich zum Mord an dessen Vater Sigibert aufgewiegelt. Nach der Tat beschuldigte Chlodwig den Vatermörder des Verrates und kam selbst bei den Rheinfranken an die Macht. Chlodwig regierte das Reich der Rheinfranken in Personalunion bis zu seinem Tod im Jahr 511.

Danach erbte Chlodwigs Sohn Theuderich I. diesen Reichsteil, später Austrasien oder Austrien genannt, das sich über die alten Salfränkischen Gebiete in Toxandrien über das Gebiet der Rheinfranken bis zur Thüringischen Grenze ausdehnte. Dieses Gebiet wurde in der Folgezeit von Königen aus der Herrscherlinie der Merowinger regiert und mit den anderen Fränkischen Gebieten vereinigt. Erst unter den Nachfolgern Karls des Großen kam es zu einer erneuten Reichsteilung aus der u. a. die Länder Deutschland, Frankreich und die die Benelux-Staaten hervorgingen.[12]

Lex Ripuaria[Bearbeiten]

Unter den Königen Theuderich I., Chlothar I. und Dagobert I. wurde das ripuarische Recht schriftlich in der zwischen 511 und 623 entstandenen Lex Ripuaria festgehalten. Es orientierte sich in weiten Teilen an der Lex Salica, der Rechtsverfassung der Salfranken.[13]

Chronologie[Bearbeiten]

Auszug…[14] [15]

  • 275/76 stoßen (Proto)-Fränkische Stämme vom rechten Rheinufer wiederholt in Römische Gebiete vor
  • 287 vereinbart der Römischen Kaiser Maximus mit dem Chamaver-König Genobaudes einen Waffenstillstand
  • 291 erste überlieferte Erwähnung des Namens der „Franken“ – die Namen der Stämme bleiben aber in Gebrauch
  • 294 Franken dringen in die „Batavia“ vor, werden dort von Constantius Chlorus als Laeten angesiedelt
  • 313 bis 341 Einfälle von Franken in linksrheinisches Gebiet. Trier und Köln werden wiederholt angegriffen
  • 352 Zusammenbruch der Römischen Rheinlinie, Rheinfranken setzen sich linksrheinisch fest
  • 356 bis 387 Kämpfe zwischen Römern und Rheinfranken mit wechselnden Erfolgen
  • 388 unter den Römischen Kaisern Valentian I. und Gratian erlangen Fränkische Heerführer militärische Spitzenpositionen (Marobaudes, Richomer, Bauto, Arbogast) u.a. im Kampf gegen die Alamannen
  • 388 bis 400 ständige Unruhen am Rhein, u.a. unter dem fränkischen Anführern Marcomer, Gennobaudes und Sunno. Aus Sicherheitsgründen Verlegung der römisch-gallischen Präfektur von Trier nach Arles
  • 413 bis 435 Franken greifen wiederholt Trier an; 435 fällt Trier in die Hand der Franken
  • 446 Chlodio , Anführer der Salfranken durchquert den Kohlenwald und erobert das Land bis zur Somme
  • 451 in der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern kämpfen Franken auf Seiten der Römer wie auf Seiten des Hunnenkönigs Attila.
  • 459 Köln fällt endgültig in die Hand der Franken. Köln wird Residenz der Rheinfränkischen Könige.
  • 463 Childerich I. ist König der Salfranken und dringt 464 in Paris ein
  • 483 bis 511 Chlodwig I. (Sohn Childerichs) besiegt den Römer Syagrius und beseitigt damit die letzte Römische Bastion in Gallien.
  • 483 in Köln regiert der Rheinfränkische Kleinkönig Sigibert
  • 496/97 in der Schlacht von Zülpich kämpfen der rheinfränkische König Sigibert und der salfränkische Merowinger Chlodwig I. gemeinsam gegen die Alamannen. Nach dem Sieg tritt Chlodwig zum Christentum über.
  • 509 Der salfränkische König Chlodwig I. stiftet Sigiberts Sohn Chloderich zu einem Attentat auf seinen Vater an. Anschließend beseitigt Chlodwig auch "den Vatermörder" und wird in Personalunion König der Rheinfranken.

Anmerkung[Bearbeiten]

Die historische Gleichsetzung von Rheinfranken und Ripuariern kann nicht auf die heutigen Mundarten bezogen werden. Als „Ripuarisch“ werden nur die rheinübergreifenden Dialekte im Süd-West-Bergischen über Köln bis Aachen bezeichnet; davon abzugrenzen sind die Dialekte am Niederrhein (niederrheinisches oder niederfränkisches Platt) und die Mundarten an der Mosel und im Rhein-Main-Gebiet, die als „Moselfränkisch“ bzw. „Rheinfränkisch“ bezeichnet werden, entsprechend dem vom LVR (Landschaftsverband Rheinland) herausgegebenen Rheinischen Fächer.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ulrich Nonn: Die Franken. Verlag Kohlhammer Stuttgart 2010. ISBN 978-3-17-017814-4
  • Erich Zöllner: Geschichte der Franken bis zur Mitte des sechsten Jahrhunderts . C. H. Beck München 1970
  • G. Eckertz: Das fränkische Ripuarland auf der linken Rheinseite. In: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein, 1. Bd., 1855, S. 19–46.
  • Matthias Becher: Chlodwig I. – Der Aufstieg der Merowinger und das Ende der antiken Welt. München 2011, S. 251 ff.
  • Rudolph Sohm: Über die Entstehung der Lex Ribuaria. Verlag Böhlau, Weimar 1866

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ulrich Nonn: Die Franken. Verlag Kohlhammer Stuttgart 2010, S. 11 – 63. ISBN 978-3-17-017814-4
  2. Ulrich Nonn: Die Franken. Verlag Kohlhammer Stuttgart 2010, S. 15 – 31. ISBN 978-3-17-017814-4
  3. Erich Zöllner: Geschichte der Franken bis zur Mitte des sechsten Jahrhunderts. C. H. Beck – München 1970, S. 2 - 43
  4. Ulrich Nonn: Die Franken. Verlag Kohlhammer Stuttgart 2010, S. 147 – 149. ISBN 978-3-17-017814-4
  5. Erich Zöllner: Geschichte der Franken bis zur Mitte des sechsten Jahrhunderts . C. H. Beck – München 1970, S. 20 - 43
  6. Erich Zöllner: Geschichte der Franken bis zur Mitte des sechsten Jahrhunderts . C. H. Beck – München 1970, S. 30 - 43
  7. Becher (2011), S. 142 f.
  8. Erich Zöllner: Geschichte der Franken bis zur Mitte des sechsten Jahrhunderts . C. H. Beck – München 1970, S. 2 - 43
  9. Erich Zöllner: Geschichte der Franken bis zur Mitte des sechsten Jahrhunderts . C. H. Beck – München 1970, S. 2 - 43
  10. Gregorius Turonensis, Historiarum Francorum libri X, Liber II, 9.
  11. Erich Zöllner: Geschichte der Franken bis zur Mitte des sechsten Jahrhunderts . C. H. Beck – München 1970, S. 2 - 43)
  12. Ulrich Nonn: Die Franken. Verlag Kohlhammer Stuttgart 2010, S. 11 – 63. ISBN 978-3-17-017814-4
  13. Rudolph Sohm: Über die Entstehung der Lex Ribuaria. Verlag Böhlau, Weimar 1866, S. 1 - 81
  14. Ulrich Nonn: Die Franken. Verlag Kohlhammer Stuttgart 2010, S. 146 –149 . ISBN 978-3-17-017814-4
  15. Kinder/Hilgemann: dtv-Atlas zur Weltgeschichte – Band 1. dtv – München 1998, S. 121 – 124 . ISBN 3-423-03001-1