Rheinkniebrücke

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51.2208333333336.7641666666667Koordinaten: 51° 13′ 15″ N, 6° 45′ 51″ O

f1

Rheinkniebrücke
Rheinkniebrücke
Nutzung Straße und Rad- und Gehweg
Querung von

Rhein

Ort Düsseldorf
Konstruktion Schrägseilbrücke
Gesamtlänge 1519 Meter
Breite 28,9 Meter
Längste Stützweite 319 Meter
Konstruktionshöhe 3,4 Meter
Baubeginn 1965
Eröffnung 16. Oktober 1969
Planer Fritz Leonhardt
Lage
Rheinkniebrücke (Nordrhein-Westfalen)
Rheinkniebrücke

Die Rheinkniebrücke in Düsseldorf ist eine Schrägseilbrücke über den Rhein aus dem Jahre 1969, die Friedrichstadt und Unterbilk im 3. Stadtbezirk (rechtsrheinisch) mit Oberkassel im 4. Bezirk (linksrheinisch) verbindet. Sie führt linksrheinisch in den Rheinalleetunnel, der eine Verbindung zur Bundesstraße 7 schafft, die in die A 52 übergeht, von der es weiter auf die Autobahn nach Aachen und Belgien geht. Rechtsrheinisch hat sie eine direkte Anbindung an den Rheinufertunnel und führt geradeaus in die südliche Innenstadt. Zusammen mit dem nordrhein-westfälischen Landtag, dem Bürohochhaus Stadttor und dem Rheinturm beherrscht die Rheinkniebrücke die Stadtansicht am Rheinknie, dem Abschnitt einer Flussschleife des Rheins, der hier in der Form eines Knies verläuft. Zu beiden Seiten des rechtsrheinischen Fußes der Brücke erstreckt sich das Regierungsviertel Nordrhein-Westfalens.

Der Name Rheinkniebrücke leitet sich aus der Lage der Brücke an einer engen Kurve des Rheins ab. Aus der Luft betrachtet sieht dieser Rhein-Abschnitt aus wie ein menschliches Knie.

Zusammen mit der Theodor-Heuss-Brücke und der Oberkasseler Brücke bildet sie, als zweite und südlichste der drei Brücken, die ursprüngliche Düsseldorfer Brückenfamilie, die die Entwicklung dieses Brückentyps weltweit für viele Jahre maßgeblich beeinflusst hat.[1]

Beschreibung[Bearbeiten]

Die Rheinkniebrücke hat zwei Richtungsfahrbahnen mit je drei Fahrstreifen und an den Außenseiten je einen kombinierten Geh- und Radweg. Der gesamte Brückenzug einschließlich der Zufahrtsrampen und Verteilerspuren ist 1519 m lang. Die eigentliche Schrägseilbrücke hat eine Länge von 561 m und ist 28,9 m breit. Sie hat einen einzigen Pylon mit zwei freistehenden, 114 m hohen senkrechten Stielen, der auf der linksrheinischen Seite am Ufer des Hochwasserbettes steht. Von jedem der Stiele sind vier harfenförmig angeordnete Seile zu dem zwischen den Stielen hängenden, durchgehenden Brückendeck gespannt. Das stählerne Brückendeck ist als orthotrope Platte konstruiert mit weit auskragenden Geh- und Radwegen, in deren Schatten der 3,40 m hohe Hauptträger möglichst schlank wirken soll. Die von dem Pylon über den Rhein reichende Hauptöffnung der Brücke hat eine Spannweite von 319 m, während der andere Teil über dem Hochwasserbett deutlich kürzer und unter den Seilverankerungen durch schmale Pfeiler abgestützt ist. Die Anordnung der Seile ist deshalb in Längsrichtung nicht symmetrisch, die Seile über dem Hochwasserbett sind deutlich steiler gespannt als die über der Hauptöffnung. Die Straßenbeleuchtung ist an einem Tragseil (Kettenwerk) zwischen weit auseinanderstehenden senkrechten Masten aufgehängt.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Rheinkniebrücke ist prägend für die Düsseldorfer Skyline
Düsseldorfer Rheinkniebrücke bei Nacht

Die Idee einer weiteren Ost-West-Verbindung über den Rhein bestand schon seit 1912. Damals hatten der Architekt Bruno Schmitz und der Bauingenieur Otto Blum in ihrem preisgekrönten Wettbewerbsentwurf zu einem Gesamtbebauungsplan für die Stadt Düsseldorf neun Rheinbrücken vorgeschlagen, so auch eine neue Brücke am Rheinknie, um die zukünftigen Ost-West-Verkehre Düsseldorfs abzuwickeln.[2] In einer im Oktober 1951 vorgelegten Denkschrift Brücken für Düsseldorf stellte der Leiter des Düsseldorfer Stadtplanungsamtes und Architekt Friedrich Tamms konkrete Planungen über Brücken an, darunter auch für die im Arbeitstitel so bezeichnete „Kniebrücke“.[3][4] Die Notwendigkeit der Brücke wurde mit dem stark anwachsenden Autoverkehr begründet. Zunächst wurde die von Fritz Leonhardt geplante und entsprechend den Vorstellungen von Tamms geänderte Theodor-Heuss-Brücke 1957 dem Verkehr übergeben. Anschließend beauftragte Tamms auch die Planung der Oberkasseler Brücke und der Rheinkniebrücke, wobei Fritz Leonhardt für die Rheinkniebrücke federführend war[5] und sich der zuständige Dezernent als Architekt der formalen Gestaltung annahm.[4] In den Jahren 1961–62 entstand eine zweite Denkschrift Brücken für Düsseldorf, in der die weiterentwickelte Planung und Verkehrsberechnung der „Kniebrücke“ präsentiert wurden.[6] Da aus wirtschaftlichen Gründen für die erforderliche Spannweite nur eine Schrägseilbrücke in Frage kam und Tamms das Stadtbild nicht durch Pylone am rechten Ufer stören wollte, entschied man sich für eine einhüftige Brücke mit zwei Pylonstielen am linken Ufer („seilverspannte Balkenbrücke“). Die enge Verwandtschaft zwischen den drei Brücken ergab sich nicht nur aus der Zusammenarbeit aller Beteiligten in der kurzen Planungsperiode, sondern wurde von Tamms gefördert. Leonhardt hatte Pylonstiele aus Stahlbeton geplant, aufgrund eines Sondervorschlags der ausführenden Stahlbaufirma Hein Lehmann AG wurden jedoch von Tamms noch überarbeitete stählerne Stäbe ausgeführt.[7]

Der konkrete Beschluss zum Brückenbau wurde 1962 gefasst; der Bau begann drei Jahre später. Zur Durchführung der Gesamtplanung, die wegen des nahe gelegenen Amtssitzes von Franz Meyers in der Villa Horion auch mit der nordrhein-westfälischen Landesregierung abzustimmen war, wurde eine Umlegung nach dem damals neuen Bundesbaugesetz durchgeführt. Auf der Oberkasseler Seite stellte sich das Problem der Rücksichtnahme auf dort vorhandene Wohnbebauung, insbesondere im Bereich der Rheinallee. Es wurde durch den Rheinalleetunnel gelöst.[8]

Die Verkehrsfreigabe erfolgte am 16. Oktober 1969. Damals war das die Schrägseilbrücke mit der längsten Hauptspannweite der Welt.

1997 wurde rechtsrheinisch unmittelbar unter der Kniebrücke das „Roncalli Apollo Varieté“ eröffnet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Paul Ernst Wentz: Architekturführer Düsseldorf, Droste Verlag, Düsseldorf 1975, Objektnr. 75 C
  • Oberstadtdirektor der Landeshauptstadt Düsseldorf (Hrsg.): Brücken für Düsseldorf 1961–62. Springer, Berlin ca. 1963
  • Friedrich Tamms: Die Kniebrücke in Düsseldorf. Ein neuer Weg über den Rhein, 1969. In: Friedrich Tamms: Von Menschen, Städten und Brücken. Econ Verlag, Düsseldorf 1974, ISBN 3-430-19004-5, S. 63–66

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Holger Svensson: Schrägkabelbrücken. 40 Jahre Erfahrung weltweit. Ernst & Sohn, Weinheim 2011, S. 60
  2. Friedrich Tamms: Die Kniebrücke in Düsseldorf. Ein neuer Weg über den Rhein. In: Friedrich Tamms: Von Menschen, Städten und Brücken. Econ Verlag, Düsseldorf 1974, ISBN 3-430-19004-5, S. 63
  3. Friedrich Tamms, a.a.O. S. 63
  4. a b Friedrich Tamms: Planung und Gestaltung. In: Oberstadtdirektor der Landeshauptstadt Düsseldorf (Hrsg.): Brücken für Düsseldorf 1961–62. Springer, Berlin ca. 1963, S. 7 ff.
  5. Fritz Leonhardt, Wolfgang Andrä, Louis Wintergerst: Die Kniebrücke. In: Oberstadtdirektor der Landeshauptstadt Düsseldorf (Hrsg.): Brücken für Düsseldorf 1961–62. Springer, Berlin ca. 1963, S. 65 ff.
  6. Friedrich Tamms, a.a.O., S. 64
  7. Fritz Leonhardt: Baumeister in einer umwälzenden Zeit. Erinnerungen. 2. Aufl. Dt. Verl.-Anst., Stuttgart 1998, ISBN 3-421-02815-X, S. 123
  8. Friedrich Tamms, a.a.O., S. 64