Rheinregulierung (Alpenrhein)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Karte zur Rheinregulierung als offizieller Anhang des Staatsvertrags
Wandbild auf dem Gemeindeamt Mäder
Rheinmündung heute

Als Rheinregulierung wird die an der Staatsgrenze Österreich-Schweiz erfolgte Flussbegradigung des Alpenrheins zu Beginn des 20. Jahrhunderts bezeichnet. Sie diente einerseits zur Verminderung der Hochwasser-Gefahren, andererseits zur Neuregelung der – entlang der früheren Rheinarme verlaufenden – Staatsgrenze.


Staatsvertrag 1892[Bearbeiten]

Der 1892 zwischen Österreich-Ungarn und der Schweiz abgeschlossene Staatsvertrag zur Rheinregulierung[1] setzte vielen Überschwemmungskatastrophen am Alpenrhein zwischen Sargans und dem Bodensee ein Ende, indem mit zwei Durchstichen der Flusslauf um rund zehn Kilometer verkürzt wurde, um das Gefälle und somit die Schubkraft des Wassers zu vergrößern und dadurch Geschiebeablagerungen zu vermeiden. Die Gesellschaft Internationale Rheinregulierung (IRR) ist das Dach, unter welchem die beiden Staaten Österreich und Schweiz den Bau koordinierten und den Unterhalt der Dämme heute noch regeln. Sie hat ihren Sitz in Rorschach und je eine Bauleitung im österreichischen Lustenau und im schweizerischen St. Gallen.

Ausführung[Bearbeiten]

Nach Unterzeichnung des Vertrages wurde im Jahr 1900 nach fünfjähriger Bauzeit der Fußacher Durchstich zum Bodensee eröffnet. Nach einigen Verzögerungen durch den Ersten Weltkrieg konnte 1923 der Rhein beim Diepoldsauer Durchstich in sein neues Flussbett geleitet werden. Da eine Verlandung der Fußacher und Harder Bucht einsetzte, wurde 1924 ein weiterer Staatsvertrag geschlossen zur Fortführung der Regulierungsarbeiten und insbesondere zur Vorstreckung des Flussbettes in den Bodensee hinein. Über die Jahre entstandene Geschiebeablagerungen im Flusslauf führten zu der Erkenntnis, dass der Querschnitt des Mittelgerinnes zu groß gewählt worden war. 1954 wurde deshalb der dritte Staatsvertrag abgeschlossen, um das Mittelgerinne einzuengen, die Hochwasserdämme für eine Abflussmenge von 3.100 m³/s zu ändern und zu erhöhen, und außerdem die Vorstreckung weiter in den See hinein zu bauen. Das Hochwasserereignis von 1987 mit einer Wassermenge von 2.650 m³/s zeigte, dass sich die Maßnahmen bewährt haben.

Das Rheinbett ist 60 bis 70 Meter breit und hat beidseits Hochwasserdämme mit einem Abstand von bis zu 260 Metern. Der zwischen dem Hochwasserdamm und Niederwasserbett liegende Streifen wird Rheinvorland genannt. Das Vorland, meist als Weidefläche genutzt, wird nur bei größeren Hochwassern für kurze Zeit überflutet, sodass teilweise ein Rheinuferweg entlangführen kann. Teile des Rheinradweg verlaufen im Rheinvorland bzw. auf dem Hochwasserdamm.

Die vom Rhein abgetrennten Gewässer, die bei der Begradigung des Flusslaufs vom Bodensee bis St. Margrethen und östlich von Diepoldsau entstanden, werden Alter Rhein genannt. Die Gewässer, die große Teile des Rheintals parallel zum Rhein entwässern, werden als Binnenkanäle bezeichnet. Die längsten unter ihnen sind der Werdenberger- und Rheintaler Binnenkanal auf der Schweizer Seite und der Vorarlberger Rheintalbinnenkanal auf Österreichischer Seite.

Bahn der internationalen Rheinregulierung[Bearbeiten]

Eigens für die Arbeiten der Rheinregulierung wurde eine Eisenbahn mit einer Spurweite von 750 mm gebaut, die Bahn der internationalen Rheinregulierung. Diese Strecke ist auch jetzt noch in Betrieb und wird seit 2008 teilweise durch eine Museumsbahn befahren.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Internationale Rheinregulierung (Hrsg.): Der Alpenrhein und seine Regulierung. Internationale Rheinregulierung 1892–1992. 2. Auflage, BuchsDruck, Rorschach 1993, ISBN 3-905222-65-5.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. SR 0.721.191.631