Rhoda Erdmann

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Rhoda Erdmann (* 5. Dezember 1870 in Hersfeld (Hessen-Nassau); † 23. August 1935 in Berlin) war eine deutsche Biologin und Zellforscherin. Sie gilt als Mitbegründerin der experimentellen Zellbiologie in Deutschland.

Familie[Bearbeiten]

Erdmann war eines von drei Kindern von Heinrich Erdmann, einem Lehrer und Kommunalpolitiker, und seiner Frau Anna Maria, geborene Heldmann.

Leben[Bearbeiten]

Sie genoss von 1876 bis 1886 die Ausbildung an einer höheren Mädchenschule in Hamburg, wo auch ihr Vater arbeitete. Als Frau stand ihr das naturwissenschaftliche Studium nicht selbstverständlich offen, und sie wurde auf Wunsch ihres Vaters zunächst Lehrerin. Sie bestand ihre Lehrerprüfung 1892 und wurde weiter von ihrem Vater in geisteswissenschaftlichen Fächern ausgebildet. Sie unterrichtete in Berlin 1901 bis 1903[1] Für den Hochschulzugang musste sie erst eine Oberlehrerprüfung ablegen[2] und studierte dann von 1903 bis 1908 Zoologie, Botanik und Mathematik an der Universität Berlin, sowie auch in Zürich, Marburg und München. 1907 holte sie für ihren Abschluss zudem das geforderte Abitur nach.[1]

1908 wurde sie bei Richard Hertwig mit einer Arbeit über zytologische Studien an Seeigeleiern promoviert. Anschließend arbeitete sie von 1909 bis 1913 als wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für Infektionskrankheiten bei Robert Koch.[1]

Ab 1913 arbeitete sie als Research Fellow an der Yale University, wo sie 1915 bis 1916 eine Stelle als Dozentin für Biologie erhielt. Danach wurde sie Research Associate am Rockefeller Institute.[1] 1918 wurde sie als feindliche Ausländerin verhaftet, unter dem Verdacht, sie wolle mit ihrer Arbeit (dem Erreger der Geflügelpest; sie arbeitete an der aktiven Immunisierung gegen diese Krankheit) die amerikanischen Hühnerbestände als Nahrungsgrundlage der USA vernichten. In einem langwierigen Prozess wurde sie nach Deutschland abgeschoben, wo sie 1919 ankam.[2] Dort baute sie in Berlin eine Abteilung für experimentelle Zellforschung, zunächst am Institut für Krebsforschung der Charité. Im selben Jahr begründete sie die Fachzeitschrift Archiv für experimentelle Zellforschung, welche von ihr herausgegeben wurde. 1920 wurde sie im Fach Protozoologie habilitiert. Ihre Antrittsvorlesung hielt sie am 25. Juli 1920 „Über die Bedeutung der Gewebezüchtung für die Zoologie“. 1922 publizierte sie das erste deutschsprachige Lehrbuch zur Gewebezüchtung für die Krebsforschung.[1]

Erdmann wurde 1924 (in diesem Jahr wurde sie im Fach Medizin habilitiert) nichtbeamtete außerordentliche Professorin und 1929 beamtete außerordentliche Professorin; damit war sie eine der ersten Frauen in Deutschland im Professorenrang[1]. Zum 1. April 1930 wurde ihre Abteilung am Institut für Krebsforschung in ein selbständiges Universitätsinstitut für experimentelle Zellforschung umgewandelt.

Erdmann wurde 1933 von der Gestapo aufgrund einer Denunziation verhaftet (sie soll Juden bei der Emigration unterstützt haben), aber nach zwei Wochen aufgrund der Unterstützung ihres Dekans wieder entlassen. An ihrer Fakultät kursierten Gerüchte, sie sei Jüdin. Aus "prinzipiellen Gründen", so wurde ihr 1934 mitgeteilt, dürfe sie keine Vorlesungen mehr halten. Sie starb im Jahr darauf.[1]

Preise und Ehrungen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g Joyce Harvey & Marilyn Ogilvie (Hrsg.): The Biographical Dictionary of Women in Science: Pioneering Lives from Ancient Times to the Mid-Twentieth Century, Volume 1. Taylor & Francis, 2000
  2. a b Antonius Lux (Hrsg.): Große Frauen der Weltgeschichte. Tausend Biographien in Wort und Bild. Sebastian Lux Verlag, München 1963, S. 156.
  3. Benennung des Rhoda-Erdmann-Parks. In: Pressemitteilung. Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf, 11. Oktober 2012, abgerufen am 25. August 2014.

Literatur[Bearbeiten]

  • Dietrich Egner: Erdmann, Anna Maria Rhoda. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 4, Duncker & Humblot, Berlin 1959, ISBN 3-428-00185-0, S. 573 (Digitalisat).
  • Brigitte Hoppe: Die Institutionalisierung der Zellforschung in Deutschland durch Rhoda Erdmann (1870-1935); in: Verband Deutscher Biologen (Hrsg.): Biologie Heute. Beilage zur Zeitschrift Naturwissenschaftliche Rundschau, Nr. 366, 1989, H. 7, S. 2-4, 9
  • Sabine Koch: Leben und Werk der Zellforscherin Rhoda Erdmann (1870-1935). Diss. med. Marburg. 1985.