Rhyme royal

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Der rhyme royal („königlicher Reim“; auch royal stanza) ist eine Strophenform der englischen Dichtung.

Er besteht aus sieben Versen im als heroic verse (eine Form des jambischen Fünfhebers) bezeichneten Versmaß mit dem Reimschema ababbcc. So kann die Strophe entweder in eine Terzine und zwei Paarreime (aba-bb-cc) oder aber in einen Vierzeiler und einen Dreizeiler (abab-bcc) unterteilt werden. Dadurch lässt der rhyme royal einen großen Spielraum zu, insbesondere in epischen Gedichten.

Die Form wurde von Geoffrey Chaucer erfunden (daher auch als Chaucerstrophe bezeichnet), der sie durch Auslassung der siebenten Zeile aus der achtsilbigen französischen Balladenstrophe (ababbcbc) entwickelte. Chaucer verwendete sie in einigen seiner frühen Gedichte (The Parliament of Fowles), in Troilus und Criseyde und in vier seiner Canterbury Tales.

Der Name der Strophe ist wohl der Tatsache geschuldet, dass König James I. von Schottland sie in seinem chauceresken Gedicht The Kingis Quaire (kurz vor 1424) verwendete.

Zahlreiche englische Dichter haben nach Chaucer die Form verwendet, unter anderem:

Ein Beispiel aus Wyatts They flee from me that sometime did me seek[4]:

They flee from me that sometime did me seek
With naked foot, stalking in my chamber.
I have seen them gentle, tame, and meek,
That now are wild and do not remember
That sometime they put themself in danger
To take bread at my hand; and now they range,
Busily seeking with a continual change.

Mit dem Ende des 16. Jahrhunderts verliert die Strophenform an Bedeutung. Neuere Versuche der Wiederbelebung durch Thomas Chatterton, William Morris und John Masefield blieben ohne Widerhall. Abgewandelte Formen finden sich — zum Teil mit Alexandriner als letztem Vers — und abgewandeltem Reimschema bei John Donne und John Milton (ababccc), James Thomson (ababccb) und Robert Browning (ababcca).

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans-Jürgen Diller: Metrik und Verslehre. Bagel, Düsseldorf 1978, ISBN 3-513-02268-9, S. 121–123.
  • Martin Stevens: The Royal Stanza in Early English Literature. In: PMLA, Bd. 94, Nr. 1 (1979), S. 62–76.
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Aufl. Kröner, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-520-84601-3, S. 690.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Alexander Barclay: This present boke named the shyp of folys of the worlde was translated in the college of Saynt Mary Otery in the counte of Deuonshyre out of Laten, Frenche, and Doche into Englysshe tonge. London 1509.
  2. Stephen Hawes: The Passetyme of Pleasure. London 1509.
  3. In: The Mirror for Magistrates (Ausgabe 1563), einer Sammlung von Gedichten der Tudorzeit.
  4. Friedhelm Kemp, Werner von Koppenfels (Hg.): Englische und amerikanische Dichtung: Englische Dichtung : von Chaucer bis Milton. Bd. 1. Beck, München 2000, ISBN 3406464645, S. 82.