Rhyparochromidae

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Rhyparochromidae
Kiefernzapfenwanze (Gastrodes grossipes)

Kiefernzapfenwanze (Gastrodes grossipes)

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Schnabelkerfe (Hemiptera)
Unterordnung: Wanzen (Heteroptera)
Teilordnung: Pentatomomorpha
Überfamilie: Lygaeoidea
Familie: Rhyparochromidae
Wissenschaftlicher Name
Rhyparochromidae
Amyot & Serville, 1843

Die Rhyparochromidae sind eine Familie der Wanzen (Heteroptera) innerhalb der Teilordnung Pentatomomorpha. Sie zählte bis vor der Revision der Pentatomomorpha mit Schwerpunkt der Lygaeoidea durch Henry im Jahr 1997 als Unterfamilie zu den Bodenwanzen (Lygaeidae) und wurde danach in den Familienrang gestellt.[1] Sie umfasst zwei Unterfamilien, 14 Tribus, 372 Gattungen und ungefähr 1850 Arten und sind damit neben den Baumwanzen (Pentatomidae) die Artenreichste Familie der Pentatomomorpha.[2] In Europa sind 240 Arten vertreten,[3] von denen 23 auch in Mitteleuropa auftreten.[4]

Merkmale[Bearbeiten]

Die Wanzen sind in der Regel unscheinbar matt braun gefärbt oder braun, schwarz oder weiß gemustert. Einige Arten imitieren in ihrem Aussehen Ameisen. Am Kopf sind Trichobothria für gewöhnlich ausgebildet. Die Schenkel (Femora) der Vorderbeine sind in der Regel verdickt und auf der Unterseite mit kräftigen Dornen versehen. Die Naht zwischen dem vierten und fünften Sternum ist verwachsen und ist in der Regel von der Mittellinie des Sternums in einer Kurve anterolateral nach vorne gekrümmt. Sie reicht nicht an den Dorsalrand des Hinterleibs.[5] Vielen Arten fehlen Flügel und verkürzte Flügel finden sich in einer Reihe von Tribus.[2]

Verbreitung[Bearbeiten]

Die Familie ist weltweit verbreitet. Die Ansprüche und Lebensräume dieser Wanzen sind verhältnismäßig gut erforscht. Bei der überwiegenden Anzahl der Arten handelt es sich um granivore Bodenbewohner.[2]

Lebensweise[Bearbeiten]

Die überwiegende Anzahl der Arten saugt Samen, vor allem an solchen, die zu Boden gefallenen sind. Wie sehr die Tiere an bestimmte Wirtspflanzen gebunden sind, ist nur schlecht untersucht.[2] Viele Arten sind aber offenbar Polyphag.[4] Die Tribus Cleradini umfasst aber auch hämatophage Arten, die Blut von Wirbeltieren saugen. Man findet diese Wanzen vor allem in den Nestern von Vögeln, Beutel- und Nagetieren. Clerada apicocornis saugt zumindest gelegentlich auch an Menschen und kann in Südamerika die Chagas-Krankheit übertragen. Bei manchen Arten ist auch das Saugen an Gliederfüßern dokumentiert.[2]

Taxonomie und Systematik[Bearbeiten]

Charles Jean Baptiste Amyot & Jean Guillaume Audinet Serville beschrieben das Taxon 1843 als „Rhyparochromides“. Es galt lange Zeit als Unterfamilie der Bodenwanzen (Lygaeidae), wurde jedoch nach einer Revision der Pentatomomorpha mit Schwerpunkt der Lygaeoidea durch Henry im Jahr 1997 in den Familienrang gestellt. Außerdem erhob er den Tribus Plinthisini in den Rang einer Unterfamilie innerhalb der Rhyparochromidae.[1] Bereits 1874 differenzierte Carl Stål fünf Tribus dieser großen Gruppe.[5] Heute wird die Gruppe in zwei Unterfamilien und 14 Tribus unterteilt:[1]

Folgende Tribus, Gattungen und Arten kommen in Europa vor:[3]

Belege[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c T. J. Henry: Phylogenetic analysis of family groups within the infraorder Pentatomomorpha (Hemiptera: Heteroptera), with emphasis on the Lygaeoidea. Annals of the Entomological Society of America 90(3): 275-301, 1997.
  2. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u Family Rhyparochromidae. Australian Biological Resources Study. Australian Faunal Directory, abgerufen am 9. Januar 2014.
  3. a b Rhyparochrominae. Fauna Europaea, abgerufen am 9. Januar 2014.
  4. a b  Ekkehard Wachmann, Albert Melber, Jürgen Deckert: Wanzen. Band 3: Pentatomomorpha I: Aradoidea (Rindenwanzen), Lygaeoidea (Bodenwanzen u. a.), Pyrrhocoroidea (Feuerwanzen) und Coreoidea (Randwanzen u. a.). (= Die Tierwelt Deutschlands und der angrenzenden Meeresteile nach ihren Merkmalen und nach ihrer Lebensweise. 78. Teil). Goecke & Evers, Keltern 2007, ISBN 978-3-937783-29-1, S. 104.
  5. a b c d e R.T. Schuh, J. A. Slater: True Bugs of the World (Hemiptera: Heteroptera). Classification and Natural History. Cornell University Press, Ithaca, New York 1995, S. 258f.

Literatur[Bearbeiten]

  • R.T. Schuh, J. A. Slater: True Bugs of the World (Hemiptera: Heteroptera). Classification and Natural History. Cornell University Press, Ithaca, New York 1995.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rhyparochromidae – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien