Ricardo Alarcón

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Ricardo Alarcón (2008)

Ricardo Alarcón de Quesada (* 21. Mai 1937 in Havanna, Kuba) ist ein kubanischer Politiker. Er gehörte nach der kubanischen Revolution von 1959 bis 2013 zu den höchsten Repräsentanten der politischen Führung des Landes.

Biografie[Bearbeiten]

Vor der kubanischen Revolution von 1959 gehörte Ricardo Alarcón bereits der Bewegung des 26. Juli in Havanna an, die den Sturz des Diktators Fulgencio Batista betrieb, und organisierte die Jugendbrigaden der Guerilla.

Ab Mitte 1959 moderierte er auf Vorschlag Fidel Castros die Fernsehsendung „Ante la Prensa“ (Vor der Presse) des landesweiten Senders CMQ TV, das Fidel und Raúl Castro, Ernesto Guevara und Osvaldo Dorticós häufig nutzten, um der Öffentlichkeit die Entscheidungen der Revolutionsregierung vorzustellen. Hierdurch wurde auch Alarcón einem größeren Publikum bekannt.[1]

1959 nahm er sein unterbrochenes Philosophiestudium an der Universität Havanna wieder auf. Im Oktober 1959 wurde er wegen seiner radikalen Positionen vom Provinzverband Havanna aus der Bewegung des 26. Juli ausgeschlossen. Im selben Monat fanden die landesweiten Präsidiumswahlen des Studentenverbandes FEU statt, bei denen er sich auf Vorschlag von Raúl Castro in direkter Konkurrenz zum M-26-7-Vertreter Pedro Luis Boitel auf einer gemeinsamen Liste mit drei Vertretern der ehemaligen Widerstandsbewegung Directorio Revolucionario aufstellen ließ, die nach einer öffentlichen Intervention des Regierungschefs und Revolutionsführers Fidel Castro am Wahltag die meisten Stimmen der Studenten erhielt. Alarcón wurde daraufhin stellvertretender FEU-Vorsitzender hinter Rolando Cubela, einem Comandante der siegreichen Rebellenarmee.[2] Nachdem die FEU-Wahlen des Jahres 1960 in einem Klima harter politischer Auseinandersetzungen auf unbestimmte Zeit verschoben wurden und Cubela 1961 die FEU verließ, übernahm Alarcón den Vorsitz des Verbands. Er trug in dieser Position maßgeblich dazu bei, die zuvor traditionell kritischen und pluralistischen Kräfte an den Universitäten, die für die Regierung häufig eine Herausforderung darstellten, den vereinheitlichenden Strukturen der Revolution unterzuordnen.[3] Sein Studium schloss er mit dem Doktorgrad in Philosophie ab.

1962 trat er ins kubanische Außenministerium ein und war dort bis 1964 Abteilungsleiter für Lateinamerika.[1] Seit 1980 ist er Mitglied des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Kubas (PCC), der er seit ihrer Gründung 1965 angehörte. Sein Schwerpunkt liegt in der kubanischen Außenpolitik. So war er Ständiger Vertreter Kubas bei den Vereinten Nationen (1966-1978) und danach bis 1992 Erster Vizeaußenminister.

Von 1992 bis 1993 war er als Nachfolger Isidoro Malmiercas Außenminister Kubas. Sein Nachfolger als Außenminister 1993 wurde der bisherige Erste Sekretär des Kommunistischen Jugendbundes (Unión de Jóvenes Comunistas), Roberto Robaina. Alarcón war von 1993 bis 2013 Präsident der Nationalversammlung und Mitglied des Politbüros der Kommunistischen Partei Kubas.

Im Februar 2008 stand Alarcón im Fokus internationaler Medienberichte, nachdem ein Videomitschnitt einer Diskussion mit Studenten in Havanna an die Öffentlichkeit gelangt waren, während der er mit außergewöhnlich deutlichen Fragen zu drängenden Fragen der kubanischen Politik konfrontiert wurde, denen er inhaltlich wenig zu entgegnen wusste.
Abschnitt „Die Diskussion mit Parlamentspräsident Alarcón an der UCI“ im Artikel „Eliécer Ávila“

Im Frühjahr 2012 wurde Alarcóns engster Mitarbeiter, Miguel Alvarez, gemeinsam mit seiner Ehefrau festgenommen und blieb inhaftiert, ohne dass die kubanischen Medien oder die Behörden über den Fall informiert hätten.[4] Im Februar 2014 wurde bekannt, dass Alvarez und seine Ehefrau zu 30 und 15 Jahren wegen Spionage verurteilt wurden.[5]

Im Dezember 2012 gab die Tageszeitung Granma, das Organ des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Kubas, die dem Volk zur Bestätigung im Februar 2012 vorgeschlagenen 612 Kandidaten für die Nationalversammlung bekannt (jeweils ohne Gegenkandidaten). Indem Alarcón auf dieser Kandidatenliste nicht enthalten war wurde kommuniziert, dass er das Amt des Parlamentspräsidenten ab der kommenden Legislaturperiode nicht mehr innehaben wird.[6][7] Als Nachfolger wurde auf der konstituierenden Sitzung des neugewählten Parlaments Esteban Lazo gewählt. [8] Im Juni 2013 schied Alarcón, 76-jährig, gemeinsam mit weiteren langjährigen Mitgliedern aus dem Zentralkomitee und damit gleichzeitig auch aus dem Politbüro der Kommunistischen Partei aus. Staatschef Raúl Castro bezeichnete dies als normalen Wechsel, der „nichts Negatives“ zu bedeuten habe.[9][10]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Ricardo Alarcón in: Cubanálisis o.D., abgerufen am 26. Mai 2012 (spanisch)
  2. Hilario Rosete Silva: No apoya el gobierno candidatos a la FEU, Interview mit Alarcón in: Alma Mater vom Dezember 2002, abgerufen am 26. Mai 2012 (spanisch)
  3. Hilario Rosete Silva: Con todos los hierros, Interview mit Alarcón in: Alma Mater vom Dezember 2002, abgerufen am 26. Mai 2012 (spanisch)
  4. Juan O. Tamayo: Cuban police arrest top aide to parliament speaker Alarcón. In: Miami Herald vom 6. Juni 2012, abgerufen am 8. Juni 2012 (englisch)
  5. Juan O. Tamayo: Aide to Cuba’s Ricardo Alarcon sentenced to 30 years for spying. In: Miami Herald vom 8. Februar 2014, abgerufen am 9. Februar 2014 (englisch)
  6. Ricardo Alarcon Out As Cuba's Parliament Chief, in: Fox News Latino vom 20. Dezember 2012 (englisch)
  7. Los candidatos del pueblo: La Habana, in: Granma vom 22. Dezember 2012 (spanisch)
  8. http://www.cubadebate.cu/noticias/2013/02/24/elegido-esteban-lazo-presidente-del-parlamento-cubano/
  9. Fidel Castros Weggefährte Alarcón nicht mehr in Kubas Politbüro, in: Zeit Online vom 3. Juli 2013
  10. Cuba removes Ricardo Alarcon from top Communist body, BBC News vom 3. Juli 2013 (englisch)