Ricardo Palma

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Ricardo Palma, eigentlich Manuel Ricardo Palma, (* 7. Februar 1833 in Lima, Peru; † 6. Oktober 1919 ebenda)[1] war peruanischer Schriftsteller und Poet, sowie „Schöpfer einer neuen literarischen Gattung[2] namens Tradición.

Leben[Bearbeiten]

Palma es el representante más genuino del carácter peruano,es el escritor represenativo de nuestros criollos. – J. de Riva Agüero[3]

Ricardo Palma wurde 1833 in Lima, der an der Küste gelegenen Hauptstadt Perus, geboren. Er stammt aus bescheidenen Familienverhältnissen[4] und hatte eine unruhige Jugend. Seine Bildung erhielt er unter anderem am Convictorio de San Carlos, wobei ihm auch nachgesagt wird, dass er sich vorzugsweise autodidaktisch bildete.[5] Zudem las er bereits in seiner Jugend spanische, aber vor allem auch französische Bücher[6], was zu jener Zeit üblich war. Das 19.Jahrhundert war geprägt durch die Unabhängigkeitsbewegungen. In ihrer strikten Ablehnung alles Spanischen, interessierten sich die Lateinamerikaner somit vor allem für die französische und englische Literatur.[7]

Nach dem Besuch verschiedener höherer Bildungsstätten[8] , heuerte er für ganze 8 Jahre bei der peruanischen Marine an und diente auf mehreren Schiffen. Aber er verbrachte nicht seine ganze Zeit auf dem Meer.[9] Bereits sehr früh begann er sein literarisches Schaffen. In den 50er Jahren handelte es sich vor allem um gefühlsbetonte, melancholische Literatur. Ihre Vorbilder, für die literarische Epoche der Romantik, fanden die Lateinamerikaner in den europäischen Vorläufern. So wurde auch Palma unter anderem beeinflusst durch die Spanier José de Espronceda, José Zorrilla y Moral und Gustavo Adolfo Bécquer, sowie den Franzosen Victor Hugo und Alfred de Musset.[10] Er trat der romantischen Bewegung bei und war, in Lima, Mitglied der „bohemia romántica“.

Im Alter von gerade mal 15 Jahren war er zudem schon Mitarbeiter der Zeitung El Diablo (1848) und später auch von El Burro (1852).[11] Der Beruf des Journalisten war für viele Autoren der Zeit nur ein Mittel um öffentliches Gehör zu finden. Die verschiedenen Presseorgane als kurzweilige Durchgangsstationen zu nutzen, war gang und gäbe.[12] Ebendies tat auch Palma. Er sollte in seinem Leben in gut 12 verschiedenen Zeitungen mitwirken.

Nach seinen Abenteuern auf See wurde Palma auch auf dem politischen Feld aktiv.[13] Die „Revolution“ unter der Führung von Ramón Castilla hatte 1854 erstmals zu einer beginnenden nationalstaatlichen Konsolidierung der noch jungen Republik Peru geführt.[14] Es kam zur Abschaffung der Sklaverei, sowie der Aufhebung des indianischen Tributes. Somit zeigten sich erste Erfolge des im politischen Bereich eingeschlagenen Weges des Liberalismus.[15] Auch die Schriftsteller zu Palmas Zeit hegten politische Ambitionen. Dem Zeitgeist entsprechend waren auch diese vor allem liberal geprägt. Palmas journalistisches Mitwirken an der Zeitung El Liberal im Jahr 1858 verwundert somit nicht.[16] Doch der Liberalismus jener Zeit hatte auch seine Grenzen. Aufkommende Forderungen nach Gleichheit waren sehr unrealistisch, da in den Republiken, die damals allesamt von einer elitären, kreolischen Minderheit regiert wurden, eine strikte Trennung im ideologischen wie sozialen Sinne das gesellschaftliche Leben bestimmte.[17]

Sein Eingreifen in politische Streitigkeiten in den Reihen der Liberalen führte dann 1860 dazu, dass er des Landes verwiesen wurde und nach Chile ausreisen musste. Daraufhin verbrachte er die Jahre 1860-1863 im chilenischen Exil. Dies hielt ihn aber nicht davon ab, auch weiterhin bis einschließlich 1863 für La Revista de Lima zu arbeiten, wo er bereits 1859 seine Tätigkeit aufgenommen hatte.[18][19] , Während dieser Jahre im Exil durchlief er einen intellektuellen Reifungsprozess und bewegte sich weg von der rein gefühlsbetonten Romantik hin zur historischen Romantik. Seinem großen Interesse für Geschichte konnte er vor allem in den privaten Bibliotheken seiner chilenischen Freunde nachgehen.[20][21]

In dieser wechselhaften Zeit folgte im Jahr 1864 eine Reise nach Europa. Palma als großer Liebhaber der französischen Literatur, ließ es sich nicht nehmen, Paris, ein Zentrum künstlerischer Schaffenskraft, sowie auch Venedig zu besuchen.[22] Als er daraufhin nach Peru zurückkehrte, setzte er seine engagierte, politische Arbeit fort. Gleich zu Beginn kämpfte er somit bei der Verteidigung von Callao gegen die spanischen Truppen 1866 wieder im peruanischen Militär. Nur wenige Jahre später, 1869, nahm er dann den Posten als Senator und persönlicher Sekretär des peruanischen Präsidenten José Balta an. Als Beamter konnte er auch seinen Status als Autor weiter ausbauen. Jedoch zog er sich bereits ab 1872, aufgrund eines blutigen Militärputsch gegen den Präsidenten, nach und nach aus dem politischen Geschehen zurück. Der weiterhin nebenbei ausgeführten journalistischen Tätigkeit für die liberale Zeitung La Campana und El Constitucional im Jahre 1867, folgte ab 1872 (bis 1877) die Mitarbeit bei El Correo del Perú.[23][24]

Im selben Jahr (1872) kam sein Sohn, Clemente Palma, zur Welt, der später auch, ähnlich wie der Vater, Schriftsteller und Journalist werden sollte. Das Jahr 1872 war auch aus einem weiteren Grund ein sehr entscheidendes Jahr für Ricardo Palma. Es war das Jahr der Veröffentlichung der ersten Serie seiner heutzutage berühmt gewordenen, Tradiciones peruanas.[25] Von da an veröffentlichte der mittlerweile gereifte Palma mit gewisser Regelmäßigkeit immer weitere Tradiciones in der Presse, vor allem in El Correo del Perú, jener Zeitung bei der er selbst als Mitarbeiter tätig war. Gute vier Jahre später 1876 folgte die Heirat mit Cristina Román, der Frau mit welcher er 1878, nach seinem Sohn, auch noch ein zweites Kind namens Angelica Palma hatte. Die Tochter sollte später, wie der Vater, Schriftstellerin werden und entwickelte sich zudem zu einer Romanautorin. Zu jener Zeit nahm Palma dann auch die Arbeit für die Zeitung La Broma (1878-1879) auf und ein Jahr später für La Revista Peruana.[26][27]

Die ersten Tradiciones entsprachen dem wachsenden Nationalbewusstsein der kreolischen Elite Perus, das für die Entwicklung der Nationalliteraturen ganz grundlegend war. Einen Bruch in den liberalen Konsens der Republik brachte dann jedoch der Pazifikkrieg mit Chile (1879-1884).[28] Während des Krieges wurde 1881 dann nicht nur Ricardo Palmas Haus in Miraflores, einem Vorort von Lima überfallen und ausgeraubt, sondern auch die Nationalbibliothek Limas. Für den Wiederaufbau der selbigen wurde 1883 dann Palma höchstpersönlich eingestellt. Er wurde bekannt als „bibliotecario mendigo“[29], da er nahezu keine Gelegenheit ausließ um Menschen, innerhalb und außerhalb des Landes, anzuschreiben, um nach Bücherspenden für die Bibliothek zu fragen.[30] [31], Palma wurde somit zum beamteten Literaten und kam damit dem europäischen Begriff des „bürgerlichen Dichters“ nahe.[32] Doch selbst neben dieser offensichtlich intensiven Arbeit, wirkte er weiterhin an mehreren Zeitungen mit. Für El Perú Ilustrado war er von 1887-1891 tätig, für El Ateneo 1887 und schließlich 1891 für La Ilustración Sudamericana.[33] Den Posten als Direktor der 1884 wiedereröffneten Nationalbibliothek hatte er dann bis 1912 für fast 30 Jahre inne. Die mit solch einer Hingabe wieder aufgebaute und gepflegte Bibliothek ist somit selbst ein Teil seines Werkes und Vermächtnisses geworden.[34] Ab 1912 jedoch übernahm Manuel González Prada, ein langjähriger Kritiker Palmas, das Amt des Direktors der Nationalbibliothek. Ricardo Palma starb am 6. Oktober 1919 in seinem Haus in Miraflores.[35]

Werk[Bearbeiten]

Zuordnung und Bedeutung[Bearbeiten]

Cedomil Goic ordnet Ricardo Palma der, ab 1867 in Lateinamerika aufkommenden, dritten Generation der Romantik zu. Zu den herausragenden Schriftstellern seiner Zeit gehörten unter anderem Alberto Blest Gana (1830-1920) in Chile, Jorge Isaacs (1837-1896) in Kolumbien, sowie Juan Montalvo (1832-1889) in Ecuador. Die Literaten dieser Zeit zeichneten sich vor allem durch eine veränderte Hingabe zur Politik aus und brachten ein neues Interesse für die koloniale Vergangenheit mit sich. Es tauchte zudem gesellschaftskritischer Realismus, ähnlich dem von Honoré de Balzac, auf.[36] Das Romantische an Palmas Werk, so Grossmann, ist, gerade bei den Tradiciones peruanas, die „Planlosigkeit des Ganzen“. Die Verwendung „echte[r] (oder fiktive[r]) historische[r] Dokumente“ sei jedoch ein Charakterzug des Realismus.[37]

Die Bedeutung Ricardo Palmas für die Literaturgeschichte Lateinamerikas stützt sich vor allem auf die von ihm neu erfundene literarische Gattung der Tradición. Er sprengte damit den konventionellen Rahmen der seiner Zeit bekannten Literatur. Während bis dahin alle literarischen Epochen, mit den entsprechenden Gattungen, in Lateinamerika stets den europäischen Vorbildern entsprachen, schaffte Ricardo Palma hier etwas völlig Neues, etwas speziell Lateinamerikanisches.[38]

Werkcharakteristik[Bearbeiten]

Rubén Bareiro Saguier bezeichnet Ricardo Palma als Schöpfer eines „mito virreinal colonialista en la literatura hispanoamericana“[39]. Palmas Ausdruck gilt als einer der kunstvollsten und erfinderischsten der romantisch- kostumbristischen Prosaliteratur des 19. Jahrhunderts. Neben seinen bekannten Tradiciones schrieb er auch feierliche Gedichte, Theaterstücke und historische und belletristische Arbeiten. Zudem wirkte er mit an der lexikographischen Arbeit Diccionario de peruanismo von Pedro Paz-Soldán y Unánue, der unter dem Pseudonym „Juan de Arona“ veröffentlichte.[40] Er übersetzte, wie vor ihm schon Rodríguez Galván, verschiedene europäische Werke. Aus dem Französischen übersetzte Palma Victor Hugo[41] und widmet sich der deutschsprachigen Lyrik als Übersetzer von Heine, Uhland, Mörike und Lenau.[42]

Chronologie[Bearbeiten]

Ricardo Palmas literarisches Wirken ist sehr zahlreich und begann bereits sehr früh. Im Jahr 1851, im Alter von 18 Jahren, begann er mit naiven Texten mit traditionellem Hintergrund, doch keineswegs von der Art und Weise seiner späteren Tradiciones. Er selber bezeichnete diese Arbeiten auch nie als eine Art der Tradición. Viel mehr waren sie noch romantische Legenden, die sich nicht besonders von den zahlreichen Anderen jener Zeit abhoben. Trotzdem ist sein erstes Werk Consolación (1851) bereits sehr aufschlussreich im Bezug auf seinen künftigen Stil. Es folgte 1855 Poesías. Auch in den, einige Jahre spätere entstandenen, Tradiciones wie El virrey de la adivinanza (1860) und Justos y pecadores (1862) erreicht er noch nicht seine spätere Genauigkeit und pointierte Kürze in der Sprache. Erst 1864 veröffentlichte Palma die erste modellhafte Tradición mit Don Dimas de la Tijereta. Der historische Inhalt bleibt vordergründig; das neuartige ist die Art und Weise des Erzählens. Er verwendet eine sehr plastische Sprache, mit Ausdrücken, die ein Wissen der Umgangssprache der Zeit zeigen. In den darauf folgenden Jahren im Exil arbeitet er weiter an seinen 1860 begonnen geschichtlichen Projekten. Das Ergebnis dieser Arbeit, veröffentlichte er 1863 in Anales de la Inquisición de Lima. Aus dem Wissen, das er sich in den chilenischen Privatbibliotheken angelesen hat, speiste er viele seiner späteren Tradiciones. 1872 kam dann endlich die erste Serie seiner Primera Serie der Tradiciones peruanas. Die Zweite 1874, die Dritte 1875, die Vierte 1877, noch etwas später die Fünfte und Sechste. So wurden zwischen 1872-1883, die ersten 6 Serien der Tradiciones peruanas veröffentlicht. 1889 veröffentlichte er die siebte Serie mit dem selbstironischen Titel Ropa vieja (Altes Zeug). Nur 2 Jahre darauf folgte 1891 Ropa apolillada (Aus der Mottenkiste). Das Versprechen seine letzten Tradiciones zu veröffentlichen, konnte Palma mehrere Male nicht einhalten. Es folgte 1899 Cachivaches (Gerümpel), 1900 Tradiciones y artículos históricos (Überlieferungen und historische Aufsätze), 1906 Ultimas tradiciones (Letzte Überlieferungen) und schließlich 1911 Apéndice a mis últimas tradiciones (Anhang zu meinen letzten Überlieferungen). Die besten seiner Tradiciones seien, laut Oviedo, jedoch während der ersten acht Serien entstanden sind.[43][44] ,

Tradiciones peruanas[Bearbeiten]

Was ist die Tradición?[Bearbeiten]

Die Tradición, eine Art Kurzgeschichte, wird übersetzt als Überlieferung. Für die im „[…] Überschneidungsgebiet von Wirklichkeit und Fiktion, dokumentarischer Geschichtsschreibung und literarischem Text“[45] entstandene Erzählgattung gibt es sehr viele Versuche der Definition, allem voran von Ricardo Palma selbst.

Für die Tradición gilt demnach in eigenen Worten von Ricardo Palmas ausgedrückt: „Algo, y aun algos, de mentira y tal cual dosis de verdad, por infinitesimal u homeopática que ella sea, muchísimo de esmero y pulimento en el lenguaje y cata la receta para escribir tradiciones.“[46]

Denn die „Tradición ist nicht das, was man eigentlich unter ‚Geschichte‘ versteht, sondern eine Form der volkstümlichen Erzählung, gerade recht für die Lust des Volkes an erfundenen Geschichten. Die meinen sind gut angekommen, nicht weil sie allzu viel Wahrheit enthielten, sondern weil sie dem Geist und den Ausdrucksmitteln der Vielen entsprechen.“[47]

Eine ähnliche Definition bringt José Miguel Oviedo an, in dem er die Tradición als Vermächtnis eines Volkes definiert, wobei dieses prinzipiell immer oral bewahrte Erbe für die Tradición mit den verschiedenen Glauben, der Geschichte und dem eigenen Stil der Phantasie des Volkes verbunden wird.[48]

Die Tradición, im Überschneidungsgebiet der Gattungen, entstanden, ist somit, laut José de la Riva Agüero (1905) ein „producto del cruce de la leyenda romántica breve y el artículo de costumbres“ [49]. Ein halbes Jahrhundert später drückt es Robert Bazin (1954) noch kürzer aus. Seinen Ansichten nach ist die Tradición die Summe dreier Faktoren: „leyenda romántica, artículo de costumbres y casticismo“[50].

In dem Palma die Geschichte in Form der Tradición zum Kunstwerk erhebt, so Grossmann erreiche sie die Ebene der Literatur. Das besondere liege in der Vereinfachung der Geschichte mit einer zusätzlichen Betonung einzelner Persönlichkeiten, bekannt oder unbekannt. Palma erreiche damit „auf literarischer Ebene eine Art historische Treue höherer Ordnung“ [51] Die Form der Tradición wird somit dem romantischen Historismus zugerechnet.[52]

Inhalt[Bearbeiten]

In Kindlers Neuem Literaturlexikon werden die „Tradiciones peruanas“ als Klassiker der lateinamerikanischen Literatur bezeichnet. Seine mehr als 500 Skizzen und Kurzerzählungen stellten, kurz gesagt, „ein Bild des peruanischen Volkslebens von den Anfängen der Kolonialzeit bis zur Gegenwart [Palmas]“[53] dar. Eine nostalgische Note ist in den Tradiciones peruanas nicht zu leugnen, jedoch ist es möglich mehr in ihnen zu sehen als eine reine Wiederbelebung der Vergangenheit. Denn obwohl sie ihrer Zeit auf große Gegenliebe stoßen, ist Palmas antiautoritäre und vor allem kritische Art und Weise zu schreiben nur allzu offensichtlich.[54] Wer zwischen den Zeilen liest, kann versteckt hinter der leichten Ironie, dem Humor und Sarkasmus, sehen, dass Palma sehr viel daran gelegen war mit den Tradiciones einen „Beitrag zur Frage des geistigen Aufbaus seines Landes“[55] zu leisten. Anhand verschiedenster Quellen wie Volksliedern, Sprichwörtern, Reisebüchern, Schmähschriften und Missionsberichten etc. entwickelt er ein allumfassendes Bild von Peru.[56] Mit seinen Geschichten von „Alltagsbräuchen, Kirchenfesten, Familienszenen, militärischen Unternehmungen, Klatsch und Histörchen, Folklore und Kulturgut“[57], gelang ihm die „Nationalisierung des kolonialen Erbes“[58] Perus, so meinte Cornejo Polar.

Sprache und Stil[Bearbeiten]

Nach Enrique Pupo-Walker bewirkte Ricardo Palma, als einziger lateinamerikanischer Autor, die Entwicklung einer unbestreitbar malerischen und phantasievollen Lebhaftigkeit in seinen Werken.[59] Das Besondere liegt somit vor allem in der sprachlichen Gestaltung seiner Texte. Die Tradiciones peruanas zeigen für Leo Pollmann „[…] den Weg in eine neue Sprache peruanischer Wirklichkeit“ [60]. Seine kultivierte Ausdrucksweise lässt zwar einen starken Einfluss der Autoren des Siglo de Oro spüren, jedoch bleibt keinen Zweifel an der peruanischen Herkunft. Er bereicherte das Spanische mit Neologismen, Amerikanismen, sowie volkstümlichen Wendungen.[61] Während die Einen somit sein typisch peruanisches Spanisch betonen, loben ihn die anderen vor allem für die Kunstfertigkeit, mit welcher er Vulgarismen und altmodische Gelehrtenbegriffe zu verbinden verstand.[62] Anderson Imbert meinte daher zu dieser Problematik, dass „bei Palma noch das Artistische viel Umgangssprachliches an sich hat und umgekehrt seine Art und Weise zu plaudern viel Literatur“[63] . Ricardo Palma selbst war sehr überzeugt von seiner Art des Spanischen und meinte zu dieser Sprachnormdiskussion, ironisch und doch selbstbewusst, dass er für seinen Stil doch ebenso große Anerkennung wie Cervantes verdiene.[64] Ironie war sowieso eine der größten Fertigkeiten Palmas. Er war der Meister der Pointe. Seine Art des Humors, von Peruanern auch „Chispa“ genannt, entsteht aus einem „trockenen Mutterwitz des natürlich empfindenden Menschen“[65].

Kritik an der Gattung der Tradición[Bearbeiten]

Kritik an der Form der Tradición und vor allem an der speziellen Sprache, auf die sich in hohem Maße das Selbstbewusstsein des peruanischen Autors stützte, hatte Manuel González Prada, ein Zeitgenosse Ricardo Palmas anzubringen. Er meinte: „Stilistische und sprachliche Wahrheit ist gleichbedeutend mit Wahrheit überhaupt. Für die Gegenwart die Sprache und Redewendungen vergangener Jahrhunderte zu benutzen, ist nichts anderes als Lüge, Sprachfälschung. Da Wörter Ideen ausdrücken, ihr eigenes Medium haben, in dem sie entstehen und leben, ist das Auftauchen eines antiquierten Ausdrucks in einem modernen Sprachwerk der Inkrustation des kristallinen Auges einer Mumie auf der Stirn eines Greises vergleichbar.“[66]

Rezeption[Bearbeiten]

Nach der Meinung José Miguel Oviedo, kann man alles was die peruanische Romantik hervorgebracht hat, - sei es in der Lyrik, Epik oder Dramatik – im Großen und Ganzen eigentlich abschreiben, ohne dabei wirklich etwas zu verlieren. Jedoch erwähnt er, dass es eine große Ausnahme gibt: Ricardo Palma. Er überrage nicht nur seine Zeitgenossen, sondern wurde zu einer bedeutenden Figur der spanischsprachigen Prosa in Amerika, sowie auch in Spanien.[67]

Werke[Bearbeiten]

Übersetzungen
  • Auswahl aus den Tradiciones Peruanas. J. Groos, Heidelberg 1928.
  • Peruvian Traditions. Oxford University Press, Oxford 2004, ISBN 978-0-19-515909-7.
Gesamtausgabe
  • Palma, Ricardo (Autor), Edith Palma (Hrsg.): Tradiciones peruanas completas. Aguilar, Madrid 1964.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jose M. Cabrales Artega: Literatura Hispanoamericana. Del Descubrimiento al siglo XIX. Editorial Playor, Madrid 1982, ISBN 84-359-0289-7.
  • Jorge Cornejo Polar: El Costumbrismo en el Perú. Estudio y Antología de Cuadros de Costumbres. Ediciones COPÉ, Lima 2001, ISBN 9972-606-29-5.
  • César Fernández Moreno (Hrsg.): América latina en su literatura. UNESCO, Ciudad de México 1972, ISBN 92-3-301025-2.
  • Cedomil Goic (Hrsg.): Historia y crítica de la literatura hispanoamericana. II Del romanticismo al modernismo. Editorial Crítica, Barcelona 1991, ISBN 84-7423-482-4.
  • Rudolf Grossmann: Geschichte und Probleme der lateinamerikanischen Literatur. Max Hueber, München 1969.
  • José Miguel Oviedo: Historia de la literatura hispanoamericana Bd. 2. Del Romanticismo al Modernismo. Alianza Editorial, Madrid 1997, ISBN 84-206-8163-6.
  • Felipe B. Pedraza Jiménez (Hrsg.): Manuel de literatura hispanoamericanan, Bd. 2. Siglo XIX. Cénlit Ediciones, Berriozar 1991, ISBN 84-85511-24-7.
  • Leo Pollmann: Geschichte des lateinamerikanischen Romans, Bd. 1. Die literarische Selbstentdeckung (1810-1929). Erich Schmidt Verlag, Berlin 1982, ISBN 3-503-01662-7.
  • Emilia Romero de Valle: Diccionario Manual de Literatura Peruana y Materias Afines. Universidad Nacional Mayor de San Marcos, Lima 1966.
  • Enrique Pupo-Walker (Hrsg.): El cuento hispanoamericano ante la crítica. Editorial Castalia, Madrid 1973, ISBN 84-7039-141-0.
  • Wolfgang Rössig (Hrsg.): Hauptwerke der lateinamerikanischen Literatur. Einzeldarstellungen und Interpretationen. Kindler, München 1995, ISBN 3-463-40280-7.
  • Michael Rössner (Hrsg.): Lateinamerikanische Literaturgeschichte. J.B. Metzler, Stuttgart 1995, ISBN 3-476-01202-6.
  • Margaret Sayers Peden (Hrsg.): The Latin American Short Story. A Critical History. Twayne Publishers, Boston, Mass. 1983, ISBN 0-8057-9351-8.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Rössig, Wolfgang (zsgest.)(1995): Kindlers Neues Literaturlexikon. Hauptwerke der lateinamerikanischen Literatur. Einzeldarstellungen und Interpretationenen. München: Kindler, S. 162
  2. Zit. Rössner Michael (Hrsg.)(1995): Lateinamerikanische Literaturgeschichte. Stuttgart; Weimar: J.B. Metzler, S. 172
  3. Zit. Romero de Valle, 1966, S. 237. „Palma ist der echteste Vertreter des peruanischen Charakters, er ist der repräsentative Autor schlechthin von uns Kreolen“ (eigene Übersetzung).
  4. Vgl. Oviedo, José Miguel (1997): Historia de la literatura hispanoamericana. 2. Del Romanticismo al Modernismo. Madrid : Alianza Editorial, S. 118
  5. Vgl. Romero de Valle, Emilia (1966): Diccionario Manual de Literatura Peruana y Materias Afines. Lima: Universidad Nacional Mayor de San Marcos, S. 237
  6. Vgl. Pedraza Jiménez , Felipe B. (Hrsg.)(1991): Manuel de literatura hispanoamericanan II Siglo XIX. Berriozar: Cénlit Ediciones, S. 644
  7. Vgl. Grossmann, Rudolf (1969): Geschichte und Probleme der lateinamerikanischen Literatur. München: Max Hueber Verlag, 1969, S. 216f.
  8. Vgl. Grossmann, 1969, S. 197
  9. Vgl. Pedraza Jiménez, 1991, S. 641f.
  10. Vgl. Grossmann, 1969, S. 294
  11. Vgl. Romero de Valle, 1966, S. 237
  12. Vgl. Grossmann,1969 , S. 196
  13. Vgl. Romero de Valle, 1966, S. 237
  14. Vgl. Rössner, 1995, S.167
  15. Vgl. Rössner 1995, S. 174
  16. Vgl. Romero de Valle, 1966, S. 237
  17. Vgl. Rössner, 1995, S. 171
  18. Vgl. Romero de Valle, 1966, S. 237
  19. Vgl. Pedraza Jiménez, 1991, S. 641f.
  20. Vgl. Oviedo, 1997, S. 119
  21. Vgl. Grossmann, 1969, S.294
  22. Vgl. Grossmann, 1969, S.293
  23. Vgl. Pedraza Jiménez, 1991, S. 642
  24. Vgl. Romero de Valle, 1966, S. 236f.
  25. Vgl. Cabrales Artega, José M. (1982): Literatura Hispanoamericana : Del Descubrimiento al siglo XIX. Madrid: Editorial Playor, S. 30
  26. Vgl. Pedraza Jiménez, 1991, S. 642
  27. Vgl. Romero de Valle, 1966, S. 236f.
  28. Vgl. Rössner, 1995, S. 167, 173
  29. "bettelnder Bibliothekar" [eigene Übersetzung]
  30. Vgl. Pedraza Jiménez, 1991, S. 642
  31. Vgl. Romero de Valle, 1966, S.237
  32. Vgl. Grossmann, 1969, S. 197
  33. Vgl. Romero de Valle, 1966, S. 237
  34. Vgl. Oviedo, 1997, S. 126
  35. Vgl. Pedraza Jiménez, 1991, S. 642
  36. Vgl. Goic, Cedomil (Hrsg.)(1991): Historia y crítica de la literatura hispanoamericana. II Del romanticismo al modernismo. Barcelona: Editorial Crítica, S.151
  37. Vgl. Grossmann, 1969, S. 294
  38. Vgl. Rössner, 1995, S. 169
  39. Zit. Bareiro Saguier, Rubén (1972): „Encuentro de culturas”. In : César Fernández Moreno (Hrsg.): América latina en su literatura. México: UNESCO, S. 35 „vizeköniglichen Mythos der Kolonialzeit in der lateinamerikanischen Literatur“ [eigene Übersetzung]
  40. Vgl. Oviedo, 1997, S. 117f.
  41. Vgl. Grossmann, 1969, S. 216; 273
  42. Vgl. Grossmann, 1969, S. 273
  43. Vgl. Oviedo, 1997, S. 119f.
  44. Vgl. Rössig, 1995, S. 162
  45. Zit. Rössner, 1995, S. 172
  46. Zit. Grossmann, 1969, S. 294; Übersetzung: Zit. Rössig 1995, S. 162 „Ein bisschen, oder auch mehrere bisschen Lüge, ab und an ein Quentchen Wahrheit, so infinitesimal und homöopathisch es auch sein mag, sehr viel Sorgfalt und Politur in der Sprache, das ist das Rezept für die Abfassung von ‚tradiciones’.“
  47. Zit. Rössner, 1995, S. 173
  48. Vgl. Oviedo, 1997, S. 118
  49. Zit. Cornejo Polar, Jorge (2001): El Costumbrismo en el Perú. Estudio y Antología de Cuadros de Costumbres. Lima : Ediciones COPÉ, S. 45; „Ein Produkt der Kreuzung der kurzen, romantischen Legende und dem kostumbristischen Artikel.“ [eigene Übersetzung]
  50. Ebenda, S. 45 „romantischen Legende, kostumbristischen Artikel und Stilreinheit“ [eigene Übersetzung]
  51. Zit. Grossmann, 1969, S. 268.
  52. Vgl. Rössner, 1995, S. 172
  53. Zit. Rössig, 1995, S. 15
  54. Vgl. Sayers Peden, Margaret (Hrsg.) (1983): The Latin American Short Story. A Critical History. Boston: Twayne Publishers, S. 44
  55. Zit. Grossmann, 1969, S. 294
  56. Vgl. Rössig, 1995, S. 162
  57. Zit. Grossmann, 1969, S. 294
  58. Zit. Rössner, 1995, S .172
  59. Vgl. Pupo-Walker, Enrique (hrsg.)(1973): El cuento hispanoamericano ante la crítica. Madrid: Editorial Castalia, S. 11
  60. Zit. Pollmann, Leo (1982): Geschichte des lateinamerikanischen Romans- I. Die literarische Selbstentdeckung (1810-1929). Berlin: Erich Schmidt Verlag, S. 87
  61. Vgl. Rössig, 1995, S. 162
  62. Vgl. Rössner, 1995, S. 172
  63. Zit. Rössig, 1995, S. 163
  64. Vgl. Rössner, 1995, S.173
  65. Zit. Grossmann, 1969, S. 294
  66. Zit. Rössner 1995, S. 173
  67. Vgl. Oviedo, 1997, S. 117