Richard Colley-Wellesley, 1. Marquess Wellesley

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Richard Colley-Wellesley, 1. Marquess Wellesley

Sir Richard Colley-Wesley, später Wellesley, 1. Marquess Wellesley (* 20. Juni 1760 in Dangan Castle, County Meath, Irland; † 26. September 1842 in Kingston House bei Brompton) war ein britischer Staatsmann. Er war zweimal Lord Lieutenant of Ireland, von 1797 bis 1805 Generalgouverneur der Ostindien-Kompanie und von 1809 bis 1812 Außenminister (Secretary of State for Foreign Affairs).

Politische Karriere[Bearbeiten]

Richard Colley-Wellesley war der Sohn von Garret Colley-Wesleys, 1. Earl of Mornington, eines irischen Peers, und der ältere Bruder von Arthur Wellesley, 1. Herzog von Wellington. Er erbte nach Abschluss seiner Studien in Eton und Christ Church (Oxford), 1781 als 2. Earl of Mornington und Viscount Wellesley' Güter und Titel seines Vaters nach dessen Tod und nahm seinen Sitz im irischen Oberhaus ein. Bald darauf wurde er in das britische House of Commons gewählt und von Pitt zum Lord of the Treasury, also einem der leitenden Regierungsmitglieder im Finanzministerium, und dann zum Kommissar für die ostindischen Angelegenheiten (commissioner for Indian affairs) ernannt. 1797 wurde er zum Baron Wellesley in der Peerage of Great Britain ernannt, Damit verbunden war ein Sitz im House of Lords, was bei den irischen Titeln nicht der Fall war. Gleichzeitig wurde Wellesley Gouverneur von Madras und Generalgouverneur von Bengalen.

Generalgouverneur in Indien[Bearbeiten]

Pitts großer politischer Geist scheint während des gemeinsamen Umgangs von 1793 bis 1797 auch auf Wellesley abgefärbt zu haben. Ob beide bewusst eine Strategie entwarfen, den Verlust der nordamerikanischen Kolonien durch den Aufbau eines großen Reiches in Indien zu kompensieren, ist nicht verbürgt. Auf jeden Fall machte die Rivalität mit Frankreich, die das Vereinigte Königreich in Europa an die Spitze sämtlicher aufeinander folgenden Koalitionen gegen Frankreich brachte, Wellesleys Herrschaft in Indien zu einer Epoche, in der sich die britische Macht innerhalb kürzester Zeit enorm ausdehnte.

Robert Clive, 1. Baron Clive erkämpfte den britischen Aufstieg in Indien und Warren Hastings konsolidierte ihn. Aber erst Wellesley dehnte die britische Herrschaft zu einem Empire aus. Während seiner Überfahrt nach Indien entwarf Wellesley einen Plan, um den französischen Einfluss im Hochland von Dekhan völlig auszuschalten. Als 1799 das für die britische Herrschaft äußerst gefährliche Bündnis zwischen Tipu Sultan, Raja von Mysore, und den Franzosen geschlossen worden war, verhinderte Wellesley die Vereinigung der Verbündeten, kam den Angriffen Tipu Sultans zuvor, schlug ihn am 4. und 6. März in zwei Schlachten, nahm am 4. Mai seine Hauptstadt Srirangapatna und unterwarf ganz Mysore der britischen Herrschaft. Hierfür ernannte ihn der König zum Marquess Wellesley. Dieser Titel gehörte wiederum zur Peerage of Ireland.

1803 eröffnete Wellesley 1809 den Zweiten Marathenkrieg in dem Delhi, weite Teile Indiens und der Großmogul Shah Alam II. in die Gewalt der Briten kamen.

Die Folge des Marathenkrieges und der in seiner Folge geschlossenen Verträge war die komplette Auslöschung des französischen Einflusses in Indien, die Erweiterung des britischen Herrschaftsgebietes um 40 Millionen Menschen und 10 Millionen Pfund Staatseinnahmen. Die Macht der Marathen und der übrigen indischen Fürsten war soweit zurückgedrängt, dass die tatsächliche Herrschaft über ganz Indien jetzt in britischer Hand lag.

Wellesley war ein fähiger Verwalter und sorgte sich auch um die Ausbildung seiner Mitarbeiter, indem er mit der Gründung des College Fort William eine Ausbildungsstätte für junge britische Regierungsbeamte schuf. In enger Verbindung mit dem College baute er auch die Dienststelle des Generalgouverneurs auf, in der die talentiertesten Absolventen in engem Kontakt mit ihrem Vorgesetzten praktische Regierungserfahrung sammeln konnten.

Da Wellesley wie Pitt ein Vertreter des freien Handels war, bemühte er sich, einige Handelsbeschränkungen zwischen dem Vereinigten Königreich und Indien abzubauen. Sowohl seine Handelspolitik als auch seine Ausbildungsprojekte brachten ihn in Gegnerschaft zum court of directors und er suchte mehr als einmal um seine Abberufung nach, aber erst im Herbst 1805 wurde er durch Cornwallis ersetzt und konnte gerade noch rechtzeitig vor Pitts Tod nach England zurückkehren.

Napoleonische Kriege[Bearbeiten]

Im Jahre 1807 lehnte Wellesley eine Einladung ab, in das Kabinett von William Henry Cavendish-Bentinck, 3. Herzog von Portland einzutreten. Gleichzeitig scheiterten in beiden Häusern des Parlaments Versuche, ihn wegen angeblichem Machtmissbrauches während seiner Tätigkeit in Indien zu verurteilen.

Anfang 1809 ging er als britischer Botschafter bei der Zentraljunta nach Spanien und versuche erfolglos, diese zu einer Zusammenarbeit mit seinem Bruder Arthur zu bewegen, der in Portugal kämpfte.

Wenige Monate später übernahm Wellesley im Kabinett von Spencer Perceval das Außenministerium und betrieb namentlich die Sache Spaniens. Obwohl er als ein Tory galt, war er aufgrund der Erfahrungen, die er in Irland gemacht hatte, ein Befürworter der Katholikenemanzipation. Hierin unterschied er sich deutlich von seinem jüngeren Bruder. Er schlug daher 1812 die Aufhebung der Gesetze gegen die Katholiken vor, konnte damit aber nicht durchdringen und trat zurück.

Von 1821 bis 1828 und wieder von 1833 bis 1834 Lord Lieutenant of Ireland, verband Wellesley in diesem schwierigen Amt große Mäßigung mit Energie. Während seiner ersten Amtszeit keimte Hoffnung auf, dass die Beschränkungen gegenüber Katholiken aufgehoben würden. Diese wurden zunächst enttäuscht; als sein Bruder Premierminister wurde, trat Wellesley daher von seinem Amt zurück. Dieser setzt dann jedoch schon ein Jahr später entgegen seiner ursprünglichen Überzeugung die entsprechenden Gesetze durch.

Familie[Bearbeiten]

Hyacinthe-Gabrielle Roland um 1791

Wellesleys langjährige Lebensgefährtin war Hyacinthe-Gabrielle Roland, eine Schauspielerin am Palais Royal in Paris. Das Paar hatte bereits drei Söhne und zwei Töchter, bevor Wellesley Hyacinthe am 29. November 1794 heiratete. Eine ihrer Töchter, Anne, war eine Vorfahrin von Elizabeth Bowes-Lyon, die besser bekannt wurde als Queen Mum.

Der Marquess trennte sich jedoch schon zeitlebens von ihr, da Hyacinthe ihm nicht nach Indien folgte.

Nach Hyacinthes Tod 1816 heiratete Wellesleys am 29. Oktober 1825 Marianne (Caton) Patterson, deren Mutter Mary Caton eine Tochter von Charles Carroll of Carrollton war, dem einzigen katholischen und letzten überlebenden Unterzeichner der Amerikanischen Unabhängigkeitserklärung von 1776. Diese Ehe blieb kinderlos.

Wellesley starb am 26. September 1842 in Kingston House bei Brompton.

Da keiner seiner Söhne ihn überlebte, erloschen die Adelstitel, die ihm neu verliehen worden waren. Nur die vom Vater ererbte Würde des Earl of Mornington nebst nachgeordneten Titeln ging auf seinen jüngeren Bruder William Wellesley-Pole über.

Literatur[Bearbeiten]

  • R. M. Martin: Despatches, minutes and correspondence of the Marquess Wellesley, KG, during his Administration in India (London 1836–37, 5 Bände)
  • R. M. Martin: Despatches and correspondence of the Marquess Wellesley during his lordships mission to Spain in 1809 (London 1838)
  • R. R. Pearce: Memoirs and correspondence of Richard Marquis Wellesley (London 1845, 3 Bände)
  • Paul E. Roberts: India Under Wellesley (1929)
  • John Kenneth Severn: A Wellesley Affair: Richard Marquess Wellesley and the Conduct of Anglo-Spanish Diplomacy, 1809– 1812. Tallahassee: University Presses of Florida, 1981. ISBN 0-8130-0684-8

Weblinks[Bearbeiten]

Vorgänger Amt Nachfolger
Alured Clarke Gouverneur von Ostindien
1798–1805
Charles Cornwallis
Garret Wesley Earl of Mornington
1781–1842
William Wellesley
Titel neu geschaffen Baron Wellesley
1797–1842
Titel erloschen
Titel neu geschaffen Marquess Wellesley
1799–1842
Titel erloschen