Richard Kohn

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Dieser Artikel behandelt den Fußballspieler, für den US-amerikanischen Historiker siehe Richard Kohn (Historiker)

Richard Kohn (* 27. Februar 1888 in Wien; † 1963), genannt „Little Dombi“ (kleine Eminenz), war ein österreichischer Fußball-Nationalspieler, der später als Trainer beim FC Bayern München und Feyenoord Rotterdam jeweils die nationale Meisterschaft gewinnen konnte.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Der Stürmer Richard Kohn beeindruckte vornehmlich aufgrund seiner gepflegten Technik. Er spielte spätestens seit 1907 bis 1910 beim Wiener AC. Einer seiner Höhepunkte beim WAC war, als er im Mai 1909 den Siegtreffer zum 2:1 gegen den englischen Erstligisten Sunderland AFC schoss.[1]

Bei der Tournee 1910 des Wiener AC durch Deutschland, mit Spielen in Berlin, München, Karlsruhe und Stuttgart, kam es zu Differenzen zwischen Spielern, die mehr Mitspracherecht im Verein forderten, und dem WAC. Dies führte zur Jahresmitte zum Austritt von fast allen Mitgliedern der Kampfmannschaft, wie Adolf Fischera, Johann Andres, Karl und Felix Tekusch, zahlreichen Spielern der zweiten Mannschaft und auch Richard Kohn, die den neuen Fußballverein Wiener Associationfootball-Club (auch als Wiener AF, oder kurz WAF, referenziert) gründeten.[2] Auseinandersetzungen zwischen dem WAF und dem Verband verhinderten 1912 seine Teilnahme an den Olympischen Spielen in Stockholm, da sich der Verein weigerte seine Spieler zum Turnier abzustellen.

Zu Anfang des Jahres 1913 war Kohn beim Wiener Amateur SV. Er kam allerdings kaum zum Einsatz und wurde selbst als "untertrainert" bezeichnet. Im Mai schloss er sich wieder dem WAC an, bei dem er bis Juni 1914 spielte. Es wird vielfach berichtet, dass er danach für MTK Budapest spielte. Möglicherweise spielte Kohn zumindest 1918 erneut für den Wiener AC; ein Spielbericht vermeldet, dass im Juni 1918 ein "R. Kohn" vom WAC für eine Wiener Stadtauswahl gegen Krakau am Ball war.

Zwischen 1908 und 1912 wurde Richard Kohn sechsmal in der österreichischen Nationalmannschaft aufgestellt, wobei er zwei Treffer erzielte. Eines dieser beiden Tore schoss der bereits in jener Zeit aufgrund seiner kurzen Gestalt "Little" genannte Dombi in seinem letzten Länderspiel bei einem 3:1-Erfolg in Genua gegen den Gastgeber Italien.

Die Informationen über seine Anfänge als Fußballtrainer sind dünn gesät und manchmal widersprüchlich. Er wird berichtet, dass er Uruguay, in jener Zeit die führende Fußballnation der Welt, bereiste und dort möglicherweise auch als Trainer arbeitete. Seine erste nachweisbare Trainerstation war aber Hertha BSC. Es gibt die Meinung, dass er dort die Grundlagen zum nachfolgenden Aufstieg des Vereins gelegt habe, der in der Meisterschaft von 1931 mündete. Mit dem HŠK Građanski, einem der Vorläufer des heutigen NK Dinamo in Zagreb gewann er 1925 die Zagreber Verbandsmeisterschaft, aber im Finale der jugoslawischen Meisterschaft mit 2:3 gegen SK Jugoslavija aus Belgrad, weshalb er seinen Trainerposten nach nur einem Jahr wieder zur Verfügung stellte. Zurück in seine Heimatstadt Wien, trainierte er den First Vienna FC. Die Vienna wurde 1926, zum zweiten Mal nach 1924, Vizemeister.

Danach kehrte er nach Deutschland zurück, und es wird vermeldet, dass er den Sportfreunden Stuttgart in kürzester Zeit vom letzten auf den vierten Platz verholfen habe. Vom Februar 1926 bis 1927 trainierte er erstmals den FC Barcelona[3], wo er vornehmlich unter dem Namen Dombi Little bekannt war – dieser Tage ist er aber in offiziellen Listen des Vereins zum "Jack Domby" mutiert.

Im März 1927 machte er sich auf den Weg in die polnische Hauptstadt Warschau um die Trainingsleitung bei KS Warszawianka zu übernehmen. Der bisher nicht prominent in Erscheinung getretene Verein fand Platz in der Erstaustragung einer nationalen polnischen Fußball-Liga. Am Ende des Jahres war Warszawianka dreizehnter der 14-Mitglieder Liga und vermied den Abstieg.[4]

1928 bis 1930 trainierte er später den TSV 1860 München.[5] und anschließend für ein Jahr den VfR Mannheim.

Dort wurde es ihm sehr verübelt, dass er bei seinem Abgang zum FC Bayern München dem großen Talent Oskar Rohr, dem Onkel des späteren Trainers Gernot Rohr, erfolgreich anriet, ebenfalls in die bayerische Hauptstadt zu übersiedeln. Dort baute er um Rohr, der sich rasch zu einem der gefährlichsten Stürmer des Landes entwickelte, und Konrad „Conny“ Heidkamp eine erfolgreiche Mannschaft auf. 1932 zog er mit dieser sogar in das Finale der deutschen Fußballmeisterschaft ein, in dem der FC Bayern mit einem 2:0-Erfolg in Nürnberg gegen Eintracht Frankfurt seinen ersten nationalen Titel gewann. "Ossi" Rohr trug mit einem Tor zum Erfolg bei. In jener Zeit bereiteten sich die Bayern mit zwei einstündigen Trainingseinheiten unter der Woche auf die sonntagnachmittäglichen Spiele vor. "Die siebzig oder achtzig Stunden im Jahr sind ja eigentlich viel zu wenig für ein wirklich intensives Training. Aufgabe des Trainers ist es daher, außer dem Konditionstraining zu obliegen, vor allem Fehler zu sehen und anhand dieser technischen Mängel seine Anordnungen zu geben," meinte Dombi, wie er sich seit seiner Zeit beim MTK, genannt wurde – und sich auch selbst nannte.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wechselte er, da jüdischen Glaubens, zunächst zu Grasshoppers Zürich in die Schweiz. Ab September 1933 übernahm Dombi erneut das Traineramt beim FC Barcelona[6] und blieb dort bis 1934. Auch hier fanden Dombis Medikationen Anerkennung, wie vor einem Privatspiel gegen eine Kombination von Slavia Prag mit First Vienna Anfang Januar 1934.[7] Allerdings wurde seine zweite Periode bei den Katalanen im Allgemeinen sehr kritisch bewertet. Nach seinem raschen Abgang machte er 1934 noch für einige Zeit beim FC Basel in der Schweiz Station.

Danach betreute er in den Niederlanden von 1935 bis 1939, von 1951 bis 1952 und noch einmal von 1955 bis 1956 Feyenoord Rotterdam. Er gewann dort die Meisterschaften von 1936 und 1938. 1997 wurde in Rotterdam eine Straße nach ihm Richard Dombistraat benannt.[8]

Literatur[Bearbeiten]

  • Andreas Wittner: "Richard Little Dombi – Kleine Eminenz, vom Himmel gesandt". In: Schulze-Marmeling, Dietrich (Hrsg.): "Strategen des Spiels – Die legendären Fußballtrainer", Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2005, ISBN 3-89533-475-8, S. 54-63.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ambrosius Kutschera: Wiener AC 2:1 (1:1) Sunderland AFC (ENG), Fussball in Österreich
  2. Ambrosius Kutschera: Saison 1909/10, Fußball in Österreich
  3. El Mundo Deportivo, Barcelona, No. 1407, 7. Februar 1926
  4. Trainer Dombi nach Warschau abgereist, Sport-Tagblatt, Wien, 5. März 1927
  5. David Schelp: Das Gebrüll der Löwen, Jüdische Allgemeine, 26. August 2010
  6. El Mundo Deportivo, Barcelona, 27. September 1933
  7. El Mundo Deportivo, Barcelona, No. 3816, 5. Januar 1934
  8. Kopie des Beschlusses vom 10. Juni 1997 im Verwaltungsarchiv Rotterdam, gesichtet am 29. Mai 2011