Richard Hildebrandt

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Richard Hildebrandt

Richard Hermann Hildebrandt (* 13. März 1897 in Worms; † 10. März 1952 in Danzig oder 10. März 1951 in Bydgoszcz) war ein deutscher Politiker (NSDAP) und SS-Führer. Hildebrandt war Reichstagsabgeordneter, SS-Obergruppenführer (1942) und General der Waffen-SS. Er wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als Kriegsverbrecher hingerichtet.

Leben[Bearbeiten]

Hildebrandt nahm nach dem Abitur, das er im Mai 1915 ablegte, bis zum November 1918 als Kriegsfreiwilliger am Ersten Weltkrieg teil, zuletzt im Rang eines Leutnants. Nachdem er seine Volontärzeit als Kaufmann absolviert hatte, studierte er Nationalökonomie, Sprachen, Geschichte und Kunstgeschichte in Köln und München.[1]

1922 wurde er Mitglied der NSDAP.[2] 1923 nahm er am Deutschen Tag in Nürnberg und wahrscheinlich auch am Hitlerputsch teil.

Später arbeitete er als Auslandskorrespondent in der gewerblichen Wirtschaft. Nach dem NSDAP-Verbot gehörte Hildebrandt von 1924 bis 1927 dem Bund Oberland an.[2] Im Frühjahr 1928 wanderte Hildebrandt in die Vereinigten Staaten aus, wo er seinen Lebensunterhalt als Landwirt und Handwerker, sowie bei einer Exportbuchhandlung in New York verdiente. Im Juni 1928 trat er erneut in die NSDAP - Ortsgruppe New York - ein (Mitgliedsnr. 89.221).[3] 1930 kehrte er nach Deutschland zurück. Er wurde nun auch Mitglied der SA und übernahm Funktionärsaufgaben in der NSDAP.[2] Zunächst war Hildebrandt als Ortsgruppenleiter in Windsheim und bald darauf als Bezirksführer des Bezirks Windsheim im Gau Mittelfranken tätig. Im Februar 1931 wechselte er von der SA zur SS (SS-Nr. 7.088).[3] Es folgte eine Verwendung als Stabsführer und Adjutant von Sepp Dietrich.[4]

Am 24. Juni 1931 wurde er als Sturmführer im Stabe des SS-Abschnitts I (München) zur Dienstleistung beauftragt. Dann vom 17. August 1931 bis 1. Oktober 1932 SS-Adjutant des Abschnitts I (mit Wirkung vom 18. August 1931). Vom 14. August 1931 bis zum 1. Juli 1932 war er zugleich Stabsführer und Adjutant der SS-Brigade Süd (München). In dieser Eigenschaft war er Mitglied des Stabs der OSAF. Am 17. August 1931 wurde er zum SS-Sturmbannführer (mit Patent vom 14. August 1931), am 15. Oktober 1931 zum Standartenführer und am 31. März 1932 zum SS-Oberführer befördert.

Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Am 30. Januar 1933 wurde Hildebrandt zur SS-Gruppe West versetzt. Bald nach seiner Ernennung zum SS-Brigadeführer am 9. November 1933 übernahm Hildebrandt die Leitung des SS-Abschnitts XXI in Görlitz, den er vom 12. Januar 1934 bis zum 15. April 1935 führte. Während des Röhm-Putsches ließ Hildebrandt vier jüdische Bürger der Stadt Hirschberg, darunter der Arzt Alexander Zweig, sowie zwei angeblich kommunistische Arbeiter in Landeshut ermorden. 1935 wurde er hauptamtlicher Führer des SS-Abschnitts XI in Wiesbaden.

1938 folgte schließlich seine Ernennung zum Höheren SS- und Polizeiführer (HSSPF) Rhein.[2] Außerdem saß er von November 1933 bis zum Ende der NS-Herrschaft im Frühjahr 1945 als Abgeordneter im nationalsozialistischen Reichstag.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Hildebrandt war von Oktober 1939 bis April 1943 HSSPF von Danzig-Westpreußen und in Personalunion Führer des SS-Oberabschnitts Weichsel[3] sowie in Danzig-Westpreußen Beauftragter des Reichskommissars für die Festigung des deutschen Volkstums.[2] Hildebrandt schied nach Kompetenzstreitigkeiten mit Gauleiter Albert Forster aus seinem Amt als HSSPF aus.[3] In dieser Funktion war er maßgeblich an der Deportation und Ermordung von Juden in diesem Gebiet und aus dem Baltikum verantwortlich. Auf seine Veranlassung wurde das KZ Stutthof errichtet.

Von 1940 bis 1942 war er auch Mitglied des Volksgerichtshofes.[2] Im Januar 1942 erfolgte seine Beförderung zum SS-Obergruppenführer und General der Polizei. Verschiedentlich, zuletzt von April 1943 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs war er Chef des Rasse- und Siedlungshauptamts der SS. Ab Dezember 1943 war Hildebrandt kommissarischer HSSPF Schwarzes Meer und amtierte in Breslau ab Ende Februar 1945 als HSSPF Südost. Im Dezember 1944 erhielt er den Rang eines Generals der Waffen-SS und Polizei.[3]

Nach Kriegsende[Bearbeiten]

Richard Hildebrandt in alliierter Internierung während der Nürnberger Prozesse

Hildebrandt wurde am 24. Dezember 1945 in Wiesbaden verhaftet. Im Prozess Rasse- und Siedlungshauptamt der SS wurde er am 10. März 1948 wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu 25 Jahren Strafhaft verurteilt.[2]

Zu den kriminellen Aktivitäten, an dem ihm Beteiligung und für die ihm die Verantwortlichkeit nachgewiesen wurden, zählen das Entführen ausländischer Kinder, Zwangsabtreibungen an Ostarbeiterinnen, die Wegnahme der Kinder von Ostarbeitern, illegale und ungerechte Bestrafung von Ausländern für Geschlechtsverkehr mit Deutschen, Behinderung der Fortpflanzung von Angehörigen von Feindstaaten, zwangsweise Evakuierung und Umsiedlung von ausländischen Bevölkerungsgruppen, zwangsweise Germanisierung von Angehörigen von Feindstaaten, Verwendung von Angehörigen von Feindstaaten zur Sklavenarbeit.[5]

Anschließend wurde er an Polen ausgeliefert, wo ihm erneut der Prozess gemacht wurde und er am 4. November 1949 zum Tode verurteilt wurde.[2] Bei einem vergeblichen Gnadengesuch behauptete er: „Ich kann bei meiner Ehre versichern, daß mein Gewissen rein ist“.[6] Am 10. März 1952 erfolgte seine Hinrichtung.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Richard Hildebrandt in der Datenbank der Reichstagsabgeordneten
  2. a b c d e f g h Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Fischer Taschenbuch Verlag, Zweite aktualisierte Auflage, Frankfurt am Main 2005, S. 255.
  3. a b c d e Peter Sander: Verwaltung des Krankenmordes - Der Bezirksverband Nassau im Nationalsozialismus, Gießen 2003, S. 731
  4. Isabel Heinemann: “Rasse, Siedlung, deutsches Blut”: Das Rasse- und Siedlungshauptamt der SS und die rassenpolitische Neuordnung Europas, Göttingen 2003, S. 619.
  5. Nuremberg Military Tribunal, Volume 5, S. 161 auf www.mazal.org
  6. Zitat bei Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich, Fischer Taschenbuch 2005, S. 255.