Richard Kandt

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Richard Kandt (1897)

Richard Kandt (* 17. Dezember 1867 in Posen; † 29. April 1918 in Nürnberg; ursprünglich Kantorowicz) war ein deutscher Arzt und Afrikaforscher.

Leben[Bearbeiten]

Der Sexualforscher Magnus Hirschfeld berichtet in seiner Autobiografie[1] von seiner Freundschaft mit Richard Kantorowicz, mit dem er gemeinsam am Colberger Domgymnasium am 5. September 1887 die Abiturprüfung bestand[2]. Hirschfeld berichtet unter anderem folgende Episode: "Als ich ... unsere Petition für die Befreiung der Homosexuellen in Umlauf setzte, bekam ich von ihm [Kantorowicz] ein sehr langes Schreiben, in dem er mich beschwor, mich nicht einem Ziel zu opfern, das ich doch nie und nimmer erreichen könne ... Nicht lange nach Empfang dieses Warnbriefes kam der 'Auch Du, mein Sohn Brutus'-Tag. Kandt war in die Hände eines Erpressers gefallen, der ihn ... bereits um einen beträchtlichen Teil seines Vermögens gebracht hatte. Er gab immer wieder, weil er wähnte, daß alles, was seine Ehre, wenn auch noch so unverschuldet, verdunkele, einen Flecken auf dem Ehrenschild seiner Verbindung sei. Mit völlig zermürbten Nerven ging er uns um Hilfe gegen seinen unersättlichen Vampir an, die ihm erfolgreich zu gewähren wir in der glücklichen Lage waren. Äußerlich befreit, blieb er innerlich gebrochen."[3] Seit 1887 Mitglied der Burschenschaft Rhenania-München, war Richard Kandt später als Psychiater in Bayreuth und München tätig. Zwischen 1897 und 1907 erforschte er den Nordwesten von Deutsch-Ostafrika und wurde 1908 Resident des Gouvernements Ruanda, wo er Kigali gründete. Kandt ist in Ruanda noch heute eine hoch geachtete Person. In seinem Haus in Kigali ist ein Naturkundemuseum eingerichtet worden, dort wird in einem Raum auch über ihn informiert. [4]

Das Kandt-Haus in Kigali

Richard Kandt entdeckte im Jahr 1898 im ruandischen Nyungwe-Wald eine der Quellen des Nils. In seinem Werk Caput Nili berichtet Kandt darüber, von 1899 bis 1901 widmete er sich der Erforschung des Kiwusees.

Seit etwa 1900 war er eng mit dem Schriftsteller Richard Voss befreundet, in dessen „Erinnerungen“ (1922) er einen breiten Raum einnimmt. Kandt starb am 29. April 1918 in einem Reservelazarett in Nürnberg an den Folgen einer im Ersten Weltkrieg erlittenen Gasvergiftung.[5]

Werk[Bearbeiten]

  • Caput Nili – eine empfindsame Reise zu den Quellen des Nils. Dietrich Reimer Verlag Berlin, 1904, 6.ergänzte Auflage 1921
  • Meine Seele klingt. Dietrich Reimer Verlag, Berlin 1918. Gedichte, posthum herausgegeben von Franz Stuhlmann.

Literatur[Bearbeiten]

  • Reinhart Bindseil: Ruanda und Deutschland seit den Tagen Richard Kandts. Dietrich Reimer Verlag, Berlin 1988, ISBN 3-496-00983-7.
  • Reinhart Bindseil: Richard Kandt und die indirekte Kolonialherrschaft in Ruanda. In: Ulrich van der Heyden, Joachim Zeller (Hrsg.): „… Macht und Anteil an der Weltherrschaft“. Berlin und der deutsche Kolonialismus. Unrast-Verlag, Münster 2005, ISBN 3-89771-024-2.
  • Reinhart Bindseil: Ruanda im Lebensbild des Afrikaforschers, Literaten und Kaiserlichen Residenten Richard Kandt; dreisprachig: Deutsch, Französisch, Englisch. Selbstverlag der Geographischen Gesellschaft der Universität Trier in Zusammenarbeit Ruanda Komitee Trier, Trier 2008, ISBN 3-921599-57-1.
  • Helge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band I Politiker, Teilband 3: I–L. Heidelberg 1999, S. 62–63.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Magnus Hirschfeld: Von einst bis jetzt. Geschichte einer homosexuellen Bewegung 1897-1922. Hrsg. von M. Herzer und J. Steakley. Westberlin 1986, S. 156-161.
  2. Koenigliches Domgymnasium ... zu Colberg 1888. Schulnachrichten über das Jahr 1887/8, Colberg 1888, S. 19.
  3. Hirschfeld a.a.O., S. 159.
  4. http://www.museum.gov.rw/2_museums/kigali/kandt_house/pages_html/intro/page_intro.htm
  5. Deutsches Kolonialblatt, Nr. 9/10, Berlin, 15. Mai 1918