Richard M. Meyer

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Richard Moritz Meyer (* 5. Juli 1860 in Berlin; † 8. Oktober 1914 ebenda) war ein deutscher Germanist.

Inhaltsverzeichnis

Leben [Bearbeiten]

Meyer wurde als Sohn eines wohlhabenden jüdischen Bankiers geboren. In Berlin war er Schüler von Wilhelm Scherer an der Friedrich-Wilhelms-Universität, heute Humboldt-Universität. 1886 wurde er dort zu den Themen Jonathan Swift und Georg Christoph Lichtenberg promoviert. Im selben Jahr begann er in Berlin seine Lehrtätigkeit, zunächst als Privatdozent. 1901 wurde er zum außerordentlichen Professor der deutschen Literaturgeschichte ernannt. – Meyer führte zusammen mit seiner Frau Estella in seinem Stadtpalais in der Voßstraße in Berlin einen literarischen Salon.

Die Schwerpunkte der meyerschen Forschung und Lehrtätigkeit lagen auf deutscher Grammatik und altgermanischer, neuhochdeutscher und neuerer Literaturgeschichte. Im Gegensatz zur Mehrheit der zeitgenössischen deutschen Literaturwissenschaftler verfügte er über einen weiten, offenen Literaturbegriff, der zum Beispiel auch Zeitungs- und Feuilletontexte mit einschließt;[1] sein Ansatz ist „nicht ontologisch (‚Seinsweise der Dichtung‘), sondern empirisch. Er hat kein anderes Kriterium als den Consensus der Kenner“.[2] Wissenschaftsgeschichtlich ist Meyer – „Gründlichkeit ist Respekt vor den Tatsachen“[3] – als selbstbewusster Positivist und Eklektiker[4] zu charakterisieren.

1910 stiftete Meyer an der Friedrich-Wilhelms-Universität den Wilhelm-Scherer-Preis. Das Stiftungsvermögen der von ihm errichteten Wilhelm Scherer-Stiftung wurde durch die Inflation 1923 vernichtet, so dass der Preis nur 1920 und 1923 vergeben werden konnte. Seit 2010 wird der Scherer-Preis durch die Richard M. Meyer Stiftung an der Humboldt-Universität und der Freien Universität Berlin erneut alle zwei Jahre vergeben.

Meyer wurde 1910 in den Vorstand der Stiftung Nietzsche-Archiv berufen. Nach gerichtlichen Auseinandersetzungen mit Elisabeth Förster-Nietzsche legte er sein Mandat 1913 nieder.

Werke (Auswahl) [Bearbeiten]

  • 1886: Grundlagen des mittelhochdeutschen Strophenbaus.
  • 1888: als Herausgeber: Wilhelm Scherer: Poetik.
  • 1889: Die altgermanische Poesie nach ihren formelhaften Elementen, beschrieben von… Hertz, Berlin
  • 1895: Goethe. 3 Bände (= Geisteshelden, Bd. 13–15). Hofmann, Berlin. 3., vermehrte Auflage 1905.
  • 1897: Deutsche Charaktere. Hofmann, Berlin.
  • 1898: Betrieb und Organisation der wissenschaftlichen Arbeit. Leonhard Simion, Berlin.
  • 1899: Die deutsche Literatur im 19. Jahrhundert. 4. Auflage, Georg Bondi, Berlin 1909.
  • 1900: Vierhundert Schlagworte. Teubner, Leipzig.
  • 1902: Grundriss der neueren deutschen Literaturgeschichte. Georg Bondi, Berlin. 2., vermehrte Auflage 1907.
  • 1905: Gestalten und Probleme. Georg Bondi, Berlin.
  • 1906: Deutsche Stilistik. Beck, München. 2., verbesserte und vermehrte Auflage 1913.
  • 1910: Altgermanische Religionsgeschichte.
  • 1910/1911: Goethe und seine Freunde im Briefwechsel, 3 Bände. Georg Bondi, Berlin.
  • Der Kanon der deutschen Klassiker. In: Neue Jahrbücher für das klassische Altertum, Geschichte und deutsche Literatur 14 (1911), S. 208–227.
  • 1913: Die Weltliteratur im zwanzigsten Jahrhundert: Vom deutschen Standpunkt aus betrachtet (= Das Weltbild der Gegenwart. Bd. 17). Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart. 2. Auflage, bis zur Gegenwart fortgeführt von Paul Wiegler, 1922.
  • 1913: Nietzsche, sein Leben und seine Werke. C. H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung O. Beck, München.
  • 1913: Deutsche Parodien. Deutsches Lied im Spottlied von Gottsched bis auf unsere Zeit. (= Pandora-Bücherei. Bd. 12) Verlag Georg Müller und Eugen Rentsch, München.
nach seinem Tod
  • The Twelve best Short Stories in the German Language, selected by Richard M. Meyer. Gowan & Gray, London 1926.

Literatur [Bearbeiten]

Weblinks [Bearbeiten]

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Vgl. Richard M. Meyer: Deutsche Stilistik. 2., verb. u. verm. Aufl. Beck, München 1913, § 187, S. 204ff..
  2. Werner Ross: „Dichtung“ und „Literatur“. Versuch einer terminologischen Verunsicherung. In: Horst Rüdiger (Hrsg.): Literatur und Dichtung. Versuch einer Begriffsbestimmung. W. Kohlhammer, Stuttgart–Berlin–Köln–Mainz 1973, S. 79–92, hier S. 91.
  3. Richard M. Meyer: Philologische Aphorismen. In: Germanisch-Romanische Monatsschrift 2 (1910), S. 641–649, hier S. 642, Nr. 11.
  4. Ebd., S. 646f., Nr. 75.
  5. Tumult in der Werkstatt statt Stille des Speichers in: FAZ vom 11. Mai 2011, S. 30.