Richard Nixon

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Richard Nixon (1971)
Nixons Unterschrift

Richard Milhous Nixon (* 9. Januar 1913 in Yorba Linda, Kalifornien; † 22. April 1994 in New York City) war ein US-amerikanischer Politiker der Republikanischen Partei und von 1969 bis 1974 der 37. Präsident der Vereinigten Staaten. Nixon ist der bisher einzige Präsident der Vereinigten Staaten, der von seinem Amt zurückgetreten ist. Grund dafür war die Watergate-Affäre.

Leben[Bearbeiten]

Kindheit[Bearbeiten]

Nixons Eltern waren Francis Anthony („Frank“) und Hannah Milhous Nixon. Hannahs Familie stammte aus Deutschland; deren ursprünglicher Name war „Milhausen“, daher auch Nixons Mittelname „Milhous“. Seine Erziehung folgte streng den Regeln des Quäkertums. Hannah Nixon erzog ihren Sohn als evangelikalen Quäker, da sie hoffte, dass er eventuell Missionar werden würde. Die Familie lebte alkoholabstinent; Spielen, Tanzen und Fluchen waren verpönt. Nixons Vater Frank war vor seiner Ehe Methodist und seiner Frau zuliebe konvertiert.

Nixons Vater betrieb einen Laden für Lebensmittel und Benzin. Nixon sprach von seinen Eltern immer mit großer Ehrfurcht. Er verwies auf seine Mutter als „eine quäkerische Heilige“, und begann seine Memoiren mit dem Satz, „Ich wurde in einem Haus geboren, das mein Vater selber aufgebaut hatte“. Heute hat man das Richard Nixon Library & Birthplace Museum in Yorba Linda gleich neben dem originalen Haus aufgebaut. Das Haus ist heute für Besichtigungen öffentlich zugänglich. Dennoch wuchs Nixon eigentlich in der Kleinstadt Whittier auf, einige Meilen vom Elternhaus entfernt. Heute ist diese Gegend dicht besiedelt, aber sie bestand damals nur aus Ackerland. Nixon hatte vier Brüder: Harold, Arthur, Donald und Edward. Arthur starb schon im Alter von sieben Jahren und Harold erlag mit 23 Jahren der Tuberkulose.

Studium, berufliche Anfänge und Kriegsdienst[Bearbeiten]

Nixon besuchte die Fullerton High School. Der Harvard-Club von Kalifornien verlieh ihm seinen Preis für die beste akademische Leistung im ganzen Bundesstaat. Nixon hatte die Fähigkeit, lange Auszüge aus lateinischen Gedichten sowie Shakespeare auswendig zu lernen und vorzutragen. Der Harvard-Preis war ein Stipendium, das alle Studiengebühren beglich. Jedoch war die Summe nicht ausreichend, denn Kost und Logis waren nicht eingeschlossen und die Krankheiten der Brüder waren für die Familie eine große finanzielle Belastung. Anstatt Harvard besuchte Nixon das quäkerische Whittier College. Dort gründete er seine eigene Studentenverbindung, die Orthogonian Society, die mit der etablierten Franklin Society konkurrierte. Nixon, der Football liebte, versuchte sich für die Universitätsmannschaft zu qualifizieren. Sein Talent für das Spiel war allerdings gering und er verbrachte fast die ganze Zeit „auf der Bank“. Bei einem Spiel verlor Nixon seine Vorderzähne und erhielt eine Brücke, die später in zahllosen Karikaturen als Überbiss und bleckendes Gebiss persifliert wurde. Nixon wurde zum Präsidenten der Studentenschaft gewählt, und seine größte Errungenschaft war die Organisation des ersten Schulballs – was bis dahin nach quäkerischer Tradition immer verboten gewesen war.

1934 beendete Nixon das College als Zweiter seiner Abschlussklasse und begann ein Jurastudium an der Duke University, die ihm ein Stipendium verlieh. Eine der Bedingungen dieses Stipendiums war ein bestimmter Notendurchschnitt. Obwohl Nixon eigentlich keine Mühe hatte, gute Noten zu erzielen, stand er unter großem psychischem Druck. Im zweiten Jahr des Studiums führte dieser Druck dazu, dass er einen Freund überzeugte, ihm beim Einbruch ins Büro des Dekans zu helfen, um Einsicht in die Akten zu nehmen. Nixon wurde dafür nicht bestraft. Viele Jahre bezeichnete die Presse diesen Jugendstreich als „Nixons ersten Einbruch“. Nixon bestand sein Examen als Jahrgangsdritter. Im von der Weltwirtschaftskrise geprägten Umfeld scheiterten jedoch seine Bemühungen, in einer der bekannten New Yorker Anwaltskanzleien unterzukommen, da die Duke University noch nicht zu den Elite-Universitäten zählte. Nixon legte das kalifornische Anwaltsexamen (Bar Exam) ab und arbeitete in einer kleinen Kanzlei. Später räumte er ein, dass die Familienrechtsfälle ihn beunruhigten. Seine Erziehung hatte immer Reserviertheit und Konservatismus bei persönlichen Angelegenheiten betont, und für ihn waren die intimen Details einer Ehe sehr peinlich.

Nixon 1945

Zu dieser Zeit lernte er Patricia „Pat“ Ryan kennen. Sie war High-School-Lehrerin in Whittier und spielte neben Nixon in einem Amateurtheaterstück. Zuerst hatte Patricia kein Interesse an Nixon. Er gab nie auf, um sie zu werben. Er fuhr sie sogar mit seinem Auto zu Verabredungen mit anderen Männern. Schließlich zahlte sich Nixons Beharrlichkeit aus und die beiden heirateten am 21. Juni 1940 im Mission Inn in Riverside. Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor: Patricia „Tricia“ Nixon Cox (* 21. Februar 1946 in Whittier), verheiratet seit 1971 mit Edward F. Cox, und Julie Nixon Eisenhower (* 25. Juli 1948 in Washington D.C.), welche 1968 David Eisenhower, den Enkel von Dwight D. Eisenhower, heiratete.

Im Zweiten Weltkrieg diente Nixon bei der US-Marine. Wegen seiner Geburt als Quäker hätte er das Recht gehabt, den Militärdienst ohne Nachteile zu verweigern. Trotzdem entschloss er sich, in die Marine einzutreten. In seinen Memoiren gab Nixon später an, er habe Hitler gehasst, und dass der Angriff auf Pearl Harbor ihn schockiert habe. Während des Krieges war Nixon Nachschuboffizier im Pazifikkrieg. Seine Vorgesetzten hielten ihn für einen ausgezeichneten Offizier und Anführer und beförderten ihn bis zum Rang eines Lieutenant Commanders. Bei der Marine lernte er auch seinen zukünftigen Außenminister William P. Rogers kennen.

Politischer Aufstieg[Bearbeiten]

Ein Wahlkampfzettel bei den Senatswahlen 1950

1946 wurde Nixon für die Republikaner in den Kongress gewählt. Sein Gegner war der liberale Politiker Jerry Voorhis. Nixons Wahlkampagne war aggressiv. Als Abgeordneter engagierte sich Nixon im Ausschuss für unamerikanische Umtriebe (House Un-American Activities Committee, HUAC), einem der parlamentarischen Foren der antikommunistischen Panik, die zu Beginn des Kalten Krieges in den Vereinigten Staaten meinungsbeherrschend wurde. Besondere Prominenz erlangte Nixon dabei in der Affäre um den ehemaligen Mitarbeiter des State Departement Alger Hiss, dem er vorwarf, in den 1930er Jahren für die Sowjetunion spioniert zu haben. Indem er am 15. Dezember 1948 persönlich vor einer Grand Jury erschien, setzte Nixon durch, dass der einzige Belastungszeuge Whittaker Chambers trotz widersprüchlicher Aussagen, die er vor dem HUAC unter Eid gemacht hatte, nicht wegen Meineid belangt wurde, und trug so entscheidend dazu bei, dass Hiss später zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Ob Hiss tatsächlich schuldig war, ist bis heute umstritten.[1] Dieser Erfolg und Nixons weiteres antikommunistisches Engagement im HUAC wurden schließlich entscheidend für seinen weiteren politischen Aufstieg. 1951 wurde er US-Senator für Kalifornien. Während dieses Wahlkampfes setzte er sich gegen die Herausforderin Helen Gahagan Douglas durch. Nixon diffamierte sie im hysterisch-antikommunistischen Klima der McCarthy-Ära als Sympathisantin der Kommunisten. Die Zeitung Independent Review gab ihm darauf hin den Spitznamen „Tricky Dick“, den er nie wieder loswurde.

Vizepräsident Nixon und Präsident Eisenhower 1958 bei der Unterzeichnung der Aufnahme Alaskas in die Vereinigten Staaten

Unter Dwight D. Eisenhower war Nixon von 1953 bis 1961 acht Jahre lang Vizepräsident der Vereinigten Staaten. Seine Kandidatur war umstritten. Gegen die Vorwürfe der Korruption wehrte er sich erfolgreich durch einen spektakulären Fernsehauftritt, der sogenannten Checkers-Rede, in der er erklärte, das einzige Geschenk, das er je angenommen habe, sei sein Cockerspaniel Checkers gewesen, und auch diesen habe er nur behalten, um seiner kleinen Tochter Patricia nicht „das Herz zu brechen“. Diese Ansprache sahen an die 60 Millionen Menschen, womit es damals zur Sendung mit dem größten Fernsehpublikum der Geschichte wurde.[2] Während seiner Zeit als Vizepräsident vertrat er – nach einem Herzanfall Eisenhowers – zweimal den Präsidenten. Weltweites Aufsehen erregte Vizepräsident Nixons Küchendebatte mit Nikita Chruschtschow sowie der Umstand, dass er während einer Südamerikareise mit Tomaten und Steinen beworfen wurde.

Bei der Präsidentschaftswahl 1960 unterlag er mit sehr knapper Stimmenzahl John F. Kennedy. 1962 schien Nixons politische Laufbahn ihr Ende gefunden zu haben, als er nach einer erneuten Niederlage bei den Gouverneurswahlen in Kalifornien auf einer von ihm selbst so bezeichneten „letzten“ Pressekonferenz die Journalisten beschimpfte und seinen Abschied von der Politik bekanntgab. Diese Entscheidung revidierte er jedoch schon bald. Nachdem er bei den Primarys die parteiinternen Konkurrenten George W. Romney, Nelson Rockefeller und Ronald Reagan hinter sich lassen konnte, setzte sich Nixon bei der Präsidentschaftswahl 1968 mit Spiro Agnew als Running Mate gegen Hubert H. Humphrey durch und wurde zum 37. Präsidenten der USA gewählt. Dabei profitierte er auch von den internen Streitigkeiten und Machtkämpfen der Demokraten, die zudem durch den Mord an ihrem chancenreichen Präsidentschaftskandidaten Robert F. Kennedy geschwächt waren.

Präsidentschaft (1969–1974)[Bearbeiten]

Nixon trifft sich während seiner Europareise 1969 mit de Gaulle. Im Hintergrund: Haldeman, Ehrlichman, Kissinger und Außenminister Rogers
Auf der Plattform (von links):
der westdeutsche Außenminister Brandt, Berlins Regierender Bürgermeister Schütz, Nixon und Bundeskanzler Kiesinger an der Berliner Mauer, Februar 1969

In seinen acht Jahren als Vizepräsident unter Eisenhower hatte Nixon eine Abneigung gegen Kabinettssitzungen entwickelt. Als er ins Weiße Haus einzog, war er von Anfang an entschlossen, mit Hilfe seiner Berater selbst zu regieren. Seine wichtigsten Berater waren Bob Haldeman (Stabschef), Henry Kissinger (Sicherheit und Außenpolitik) und John Ehrlichman (Inneres). Seine Vizepräsidenten waren Spiro Agnew (1969 bis 1973) und nach dessen Rücktritt in seiner zweiten Amtsperiode Gerald Ford (1973 bis 1974).

Nixon in seinem Büro an Bord der Air Force One

Die größte Herausforderung, die Nixon bei seinem Amtsantritt vorfand, war der Vietnamkrieg, den er von seinen Vorgängern „geerbt“ hatte und der die Nation spaltete. Im Wahlkampf 1968 gab Nixon bekannt, er werde die inzwischen begonnenen Friedensverhandlungen der Regierung unter Präsident Johnson unterstützen. Jedoch führten Nixon und einige seiner Berater insgeheim Gespräche mit den Südvietnamesen, denen Nixon eine bessere Lösung des Konfliktes versprach, wenn diese die Verhandlungen mit dem kommunistischen Norden herauszögern würden, bis Nixon im Januar 1969 das Präsidentschaftsamt antrat.[3] Er beschloss, noch im Jahre 1969 nach und nach 550.000 Soldaten aus Südostasien abzuziehen. Gleichzeitig weitete er den Krieg auf Kambodscha und Laos aus. Mit zahlreichen Bombardements (Operation Christmas Bombing, Dezember 1972) versuchte er den Gegner zu zermürben. 1973 schloss er einen Frieden, der faktisch einer verzögerten Kapitulation gleichkam.

Wirtschaftspolitisch versuchte Nixon der Inflation in den USA Herr zu werden. In einem an Planwirtschaft erinnernden Experiment sollten in mehreren Phasen (Phase I bis Phase IV) Löhne und Preise per staatlicher Verordnung eingefroren werden.[4]

Nixon gründete eine Reihe von Behörden, darunter auch die Environmental Protection Agency (EPA) als nationale Umweltbehörde. Umweltpolitisch wichtig wurde auch Nixons Initiative zur Einrichtung eines sogenannten dritten Standbeins der NATO 1969, wo auch ein Ausschuss zur Verbesserung der Umweltbedingungen eingesetzt worden war.[5] Die beabsichtigte Vorreiterrolle der NATO bei der Verteidigung gegen Umweltgefahren kam nicht zustande; Themen wie Saurer Regen oder der Treibhauseffekt wurden aber dort durch Nixons Beauftragten, den späteren UNO-Botschafter Daniel Patrick Moynihan, zum ersten Mal auf internationaler Ebene angesprochen und lösten umfangreiche Vorarbeiten auf Verwaltungsebene aus[5]. Zu einer auch öffentlich wahrgenommenen Umsetzung und Behandlung kam es unter anderem 1972 in Stockholm bei der Konferenz der Vereinten Nationen über die Umwelt des Menschen[5].

In der Wissenschaftspolitik verkündete Nixon im Jahr 1971 unter dem Motto War on Cancer (Krieg gegen den Krebs) eine Initiative, deren Ziel eine Heilung der Krankheit Krebs innerhalb der nächsten 25 Jahre war. Er gab bei der Verabschiedung des entsprechenden Gesetzes (National Cancer Act) seiner Hoffnung Ausdruck, dass dies in den kommenden Jahren als die wichtigste Handlung seiner Amtszeit gelten würde. Im finanzpolitischen Bereich gaben die USA im gleichen Jahr die Golddeckung des US-Dollars auf, ein großer Schritt hin zum endgültigen Ende des Systems von Bretton Woods 1973.

Nixon und Mao Zedong, Peking im Februar 1972

Außenpolitisch, in einer vom Kalten Krieg geprägten Zeit, war Nixon um eine Entspannungspolitik und Abrüstung (SALT, ABM-Vertrag) bemüht. Nixon war der erste Präsident der Vereinigten Staaten, der zu Staatsbesuchen in die Sowjetunion und die Volksrepublik China reiste (siehe Richard Nixons Besuch in China 1972). Am 21. Februar 1972 traf Nixon in Peking ein und führte Gespräche mit Mao Zedong, die als Höhepunkt der so genannten Ping-Pong-Diplomatie gelten. Sie vereinbarten eine Normalisierung der diplomatischen Beziehungen und Nixon sagte zu, die US-amerikanischen Truppen aus der Republik China (Taiwan) abzuziehen. Am 22. Mai 1972 traf er in Moskau ein; vier Tage später unterzeichneten Nixon und der sowjetische Staats- und Parteichef Leonid Breschnew das Rüstungsbegrenzungsabkommen SALT I (Strategic Arms Limitation Talks).

Ebenfalls 1972 wurde die „Nixon-Doktrin“ formuliert, die eine größere regionale Eigenverantwortung vor allem der Staaten in Asien vorsah; die Rolle der USA sollte zukünftig lediglich die einer Ordnungsmacht im Hintergrund sein. Im Rahmen seiner Entspannungspolitik unterstützte er auch – nach anfänglicher Skepsis – die Ostpolitik von Willy Brandt.

In der Präsidentschaftswahl am 7. November 1972 besiegte Nixon den Herausforderer George McGovern und wurde mit großer Mehrheit im Amt bestätigt. Er erhielt über 60 Prozent der Stimmen und gewann die Mehrheit in allen Bundesstaaten außer in Massachusetts.

Rücktritt[Bearbeiten]

Rücktrittsrede Nixons
Verabschiedung durch das Ehepaar Ford: die Familie Nixon verlässt am 9. August 1974 nach der Rücktrittsrede das Weiße Haus. Das Foto wurde an Bord der Army One aufgenommen.
Hauptartikel: Watergate-Affäre

Der Name Nixon ist mit dem Watergate-Skandal verbunden, der seine politische Laufbahn beendete. Am 8. August 1974 gab er in einer Fernsehansprache[6] bekannt, dass er am folgenden Tag zurücktreten werde. Er kam damit einem drohenden Amtsenthebungsverfahren (Impeachment) zuvor und war bis heute der einzige US-amerikanische Präsident, der zurücktrat. Gerald Ford wurde gemäß der Verfassung Präsident. Er führte die Amtsperiode zu Ende und kandidierte bei der Präsidentschaftswahl im November 1976, verlor diese aber gegen den Kandidaten der Demokraten, Jimmy Carter.

Spätere Jahre und Tod[Bearbeiten]

Knapp einen Monat nach seinem Rücktritt wurde Nixon von Gerald Ford bedingungslos begnadigt in Bezug auf „alle Verstöße gegen die Vereinigten Staaten, welche er, Richard Nixon, begangen hat oder begangen haben mag“:

“… a full, free, and absolute pardon unto Richard Nixon for all offenses against the United States which he, Richard Nixon, has committed or may have committed or taken part in during the period from July (January) 20, 1969 through August 9, 1974.”

Die Entscheidung Fords, Nixon zu begnadigen, war sehr umstritten.

Zu dieser Zeit war Nixon schwer erkrankt. Er litt an einer Venenentzündung und musste sich einer Operation unterziehen. Darüber hinaus hatte Nixon trotz Fords Gnadenakt keine Immunität gegen Zivilklagen. Viele Menschen, darunter etliche ehemalige politische Gegner, wollten Nixon verklagen. Er musste auch aus den staatlichen Anwaltsvereinen in Kalifornien und New York austreten, damit verlor er seine Anwaltsgenehmigung und durfte als Jurist nicht mehr arbeiten. Dies verminderte Nixons Einkommen beträchtlich.

1977 führte David Frost eine Interviewserie mit dem amerikanischen Ex-Präsidenten. In dessen Verlauf brachte er Nixon dazu, zuzugeben, die Interessen der US-amerikanischen Bevölkerung verraten zu haben.

1991: Richard Nixon mit vier seiner Amtsnachfolger (von links: Gerald Ford, Nixon, George Herbert Walker Bush, Ronald Reagan, Jimmy Carter)

Um seine persönlichen Finanzen wieder in Ordnung zu bringen, schrieb Nixon seine Memoiren. Diese wurden 1978 veröffentlicht und sofort zum Bestseller. Er verkaufte seinen kalifornischen Wohnsitz La Casa Pacifica in San Clemente, um nach New York umzuziehen, damit er näher bei den besonders in der Politik einflussreichen Amerikanern sein könne. Zu diesem Zeitpunkt galt Nixon noch als Ausgestoßener. Als er versuchte, eine exklusive Eigentumswohnung in der New Yorker Park Avenue zu kaufen, lehnte das Eigentümergremium den Antrag ab. Anstatt der Eigentumswohnung kaufte er ein Stadthaus in Manhattan. Einige Jahre später zog Nixon mit seiner Ehefrau Pat nach Saddle River (New Jersey) um. Er bestritt beharrlich, den Watergate-Einbruch befohlen und die anderen ihm zur Last gelegten Vergehen angestiftet zu haben. Mittlerweile war Nixon bemüht, sich ein neues Image als „Elder Statesman“ zu verschaffen. Er schrieb mehrere Bücher über verschiedene Themen der Weltpolitik, wodurch er allmählich mehr Respekt fand. Trotz allem blieb er eine umstrittene Figur. Er verteidigte sein Recht auf Nichtherausgabe seiner Papiere und Unterlagen aus der Zeit seiner Präsidentschaft. Seine Bibliothek und sein Forschungszentrum, das man 1990 neben dem Grundstück seines alten Elternhauses eröffnete, mussten ausschließlich mit privaten Geldern finanziert werden, denn die US-Regierung wollte sich nicht daran beteiligen.

Pat Nixon starb im Sommer 1993. Im April 1994 erlitt Nixon einen Schlaganfall und starb an dessen Folgen am 22. desselben Monats. Er wurde neben Pat Nixon auf dem Gelände seines Elternhauses und der Bibliothek in Yorba Linda beigesetzt. Seine Beerdigung wurde in den Massenmedien übertragen, jedoch war es kein offizielles Staatsbegräbnis. Im Vergleich zu den meisten Zeremonien für Staatsmänner war sie daher bescheiden, obwohl nicht nur der damalige Präsident Bill Clinton, sondern mit Gerald Ford, Jimmy Carter, Ronald Reagan und George Bush auch alle zu der Zeit lebenden Ex-Präsidenten daran teilnahmen.

Die Grabinschrift ist ein Zitat aus seiner Amtsantrittsrede von 1969 und lautet: “The greatest honor history can bestow is the title of peacemaker” (deutsch: „Die größte Ehre, die einem die Geschichte verleihen kann, ist der Titel des Friedensstifters“).[7]

Nachleben in der Popkultur[Bearbeiten]

Die Figur Richard Nixon war Protagonist mehrerer Filme, deren Regisseure sich der Person Nixon überwiegend im Zusammenhang mit der Watergate-Affäre annahmen. Robert Altmans Spielfilm Secret Honor von 1984 bietet einen Blick auf Nixons Perspektive sowie eine alternative Interpretation der Watergate-Affäre. Kurz nach Nixons Tod kam 1995 Oliver Stones Film Nixon − Untergang eines Präsidenten ins Kino. Am Ende des Films verwendet Stone Bilder von der Beerdigung, und man hört ein paar Worte des Nachrufes, mit dem der damals amtierende US-Präsident Bill Clinton Nixons Leistungen diplomatisch gewürdigt hat.[8] Ron Howards Film Frost/Nixon von 2008 erzählt die Geschichte um die Nixon-Interviews, die 1977 zwischen Richard Nixon und dem britischen Talkmaster David Frost stattfanden. Der Dokumentarfilm Our Nixon von 2013 zeichnet anhand der Super-8-Filme der engsten Vertrauten Nixons ein Bild seiner Präsidentschaften nach.

John Adams verarbeitete in seiner 1987 uraufgeführten Oper Nixon in China Nixons Staatsbesuch bei Mao Zedong im Jahr 1972.

In der populären Musik haben vor allem die Vertreter der amerikanischen Gegenkultur-Bewegung zahlreiche Lieder über und gegen Nixon geschrieben. Beispielsweise hat Arlo Guthrie mit seinem Lied „Presidential Rag“ Bilanz über Nixons umstrittene Amtstätigkeit gezogen.[9] Auch Frank Zappas Song „Dickie’s such an asshole“ (Dick ist eine Kurzform von Richard) ist als musikalisches Statement zur Watergate-Affäre zu verstehen. 1973 wurde Loudon Wainwrights Hit „Dead Skunk“, der von einem überfahrenen Stinktier handelt, u. a. als Allegorie auf Präsident Nixon verstanden, der vom Watergate-Skandal überrollt worden war.[10]

Mit der Textzeile „Richard Nixon back again“ erwähnte Billy Joel 1989 in der letzten Strophe seines „We Didn’t Start the Fire“ Nixons politisches Comeback im Jahr 1968. James Taylor thematisierte in seinem Song "Line 'Em Up" (1997) die Verabschiedung Nixons vom Personal des Weißen Hauses nach seinem Rücktritt, bei der das Personal in einer langen Reihe aufgestellt worden war und Nixon daran entlang schritt und jedem die Hand gab. Die Manic Street Preachers veröffentlichten 2004 auf ihrem Album Lifeblood das Lied „The Love of Richard Nixon“.

Darüber hinaus ist Richard Nixon, mehr oder weniger klischeehaft, immer wieder Gegenstand filmischer Zitate. Im Film Star Trek VI: Das unentdeckte Land von 1991 führt Spock den seinerzeit geprägten Spruch Only Nixon could go to China als „altes vulkanisches Sprichwort“ an. 1999 wird Nixon im Film Ich liebe Dick ins Lächerliche gezogen. Im selben Jahr wird in der Folge Getrennt von Kopf und Körper Nixons Kopf als „Präsident der Erde“ in der Zeichentrickserie Futurama eingeführt. Der Film Attentat auf Richard Nixon von Niels Mueller aus dem Jahr 2004 bedient sich Nixons als Symbol US-amerikanischer Innenpolitik der 1970er-Jahre. In der Comicverfilmung Watchmen – Die Wächter von 2009 wird Nixon bewusst negativ dargestellt.

Nixonmasken gehören bis in die Gegenwart zu den meistverkauften Politikermasken.

Sonstiges[Bearbeiten]

Nixon war Mitglied im Lions Club und langjähriges Ehrenmitglied im Rotary Club Whittier.

Im August 2013 wurden erstmals geheime Tonaufnahmen von Richard Nixon veröffentlicht. Darin fanden sich unter anderem juden- und schwarzenfeindliche Aussagen.[11] Des Weiteren bezeichnete er Willy Brandt als Idioten und nannte Indira Gandhi eine „alte Hexe“.[12]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jeff Kisseloff: Hiss, Alger. In: Peter Knight (Hrsg.): Conspiracy Theories in American History. An Encyclopedia. ABC Clio, Santa Barbara, Denver und London 2003, Bd. 1, S.314 f.
  2.  John B. Thompson: Political Scandal: Power and Visability in the Media Age. Polity Press, Cambridge 2000, ISBN 9780745674438, S. 291.
  3. Fernsehbeitrag: Der Kalte Krieg - Vietnamkrieg - Eine Supermacht läuft sich tot
  4. Nixon-Rede: „Effective immediately, therefore, I am ordering a freeze on prices. By Executive Order 11723 of June 13, 1973.“ [1] Nixon-Rede vom 13. Juni 1973
  5. a b c Kai F. Hünemörder: Die Frühgeschichte der globalen Umweltkrise und die Formierung der deutschen Umweltpolitik (1950-1973). Franz Steiner Verlag, 2004, ISBN 3-515-08188-7
  6. Nixon's Resignation Speech (Abschrift und Audioaufnahme, engl.)
  7. Richard Nixon: „Inaugural Address“, 20. Januar 1969
  8. Abschrift von Bill Clinton's Eulogy for Richard Nixon.
  9. Jeff Cochran: Arlo Guthrie’s Presidential Rag. (Rockin’ The White House, part 6).
  10. Andreas Weigel: Tierische Lieder.Spielräume” zum Welttierschutztag. ORF, Ö1, „Spielräume“ vom 4. Oktober 2009. 17:30 - 17:56.
  11. http://www.welt.de/politik/deutschland/article119344265/Schwarzen-traute-Nixon-noch-weniger-als-Juden.html
  12. http://www.rp-online.de/politik/ausland/nixon-beschimpfte-brandt-als-idiot-1.3624767

Literatur[Bearbeiten]

  • Memoiren. Ellenberg, Köln 1978, ISBN 3-921369-61-4.
  • So verlieren wir den Frieden – Der 3. Weltkrieg hat schon begonnen. Kristall-Verlag, Hamburg 1980, ISBN 3-607-00001-8.
  • Autobiographie. Ullstein, Berlin 1984, ISBN 3-548-33010-X.
  • Real Peace – Eine Strategie für den Westen. Ullstein, Berlin 1985, ISBN 3-548-33044-4.
  • Staatsmänner unserer Zeit – Politische Profile und persönliche Begegnungen. Bonn Aktuell, Stuttgart 1987, ISBN 3-87959-317-5.
Sekundärliteratur
  • Richard Reeves: President Nixon – Alone in the White House. Simon & Schuster, New York, ISBN 0-7432-2719-0.
  • Iwan Morgan: Nixon. London 2002, ISBN 0-340-76031-1.
  • Vamik D. Volkan, Norman Itzkowitz, Andrew W. Dod: Richard Nixon – A Psychobiography. Columbia Univ. Press, New York 1997, ISBN 0-231-10854-0.
  • Melvin Small: The Presidency of Richard Nixon. Univ. Press of Kansas, Lawrence, Kan. 1999, ISBN 0-7006-0973-3.
  • Keith W. Olson: Watergate: The Presidential Scandal that Shook America. Univ. Press of Kansas, Lawrence, Kan. 2003, ISBN 0-7006-1250-5.
  • Louis W. Liebovich: Richard Nixon, Watergate, and the Press – A Historical Retrospective. Praeger, Westport, Conn. [u.a.] 2003, ISBN 0-275-97915-6.
  • Jeffrey Kimball: The Vietnam War Files – Uncovering the Secret History of Nixon-era Strategy. Univ. Press of Kansas, Lawrence, Kan. 2004, ISBN 0-7006-1283-1.
  • J. Edward Lee, H.C. Toby Haynsworth: Nixon, Ford, and the Abandonment of South Vietnam. McFarland, Jefferson, NC [u.a.] 2002, ISBN 0-7864-1302-6.
  • Dean J. Kotlowski: Nixon's Civil Rights – Politics, Principle, and Policy. Harvard Univ. Press, Cambridge, Mass. [u.a.] 2001, ISBN 0-674-00623-2.
  • Etienne Manac'h: Mémoires d'extrême asie – le président Nixon en Chine. revue des deux mondes, 1980.
  • Catherine Durandin: Nixon, le président maudit. éd. Grancher, Paris 2001, ISBN 2-01-235141-7.
  • Andreas Möller: Die “Küchendebatte” – Nixon und Chruschtschow im Wettstreit der Ideologien. Geschichte lernen, Nr. 94 (2003), ISBN 3-617-17094-3.
  • Ed Nixon & Karen Olson, The Nixons - a family portrait. Book Publishers Network, 2009, ISBN 978-1-935359-05-0, ISBN 1-935359-05-3, online

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Richard Nixon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Richard Nixon – Quellen und Volltexte (englisch)