Richard Salomon

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Richard Georg Salomon (* 22. April 1884 in Berlin ; † 3. Februar 1966 in Mount Vernon) war ein deutscher Historiker und Diplomatiker.

Leben[Bearbeiten]

Für eine Untersuchung zur normannisch- italienischen Diplomatik bereiste Salomon 1905 süditalienische Archive und fertigte dabei zahlreiche Fotos von Urkunden an, deren Vorlagen zum Teil verloren gegangen sind oder deren Erhaltungszustand sich verschlechtert hat. Dieses Material steht heute im Deutschen Historischen Institut in Rom der Wissenschaft zur Verfügung. 1907 wurde die Dissertation an der Berliner Universität angenommen, es ist allerdings nur ein Teil gedruckt worden, dem sich jedoch kleinere Veröffentlichungen zu Urkunden aus dem Mezzogiorno anschlossen. Von 1907 bis 1914 war er Mitarbeiter bei der Constitutiones-Abteilung der Monumenta Germaniae Historica, von 1960 bis zu seinem Tod Korrespondierendes Mitglied der Zentraldirektion.

Hamburg[Bearbeiten]

Aus dem Dienst der Monumenta wurde er zum 1. November 1914 entlassen wegen der Berufung als Professor für Kultur und Geschichte Russlands am Kolonialinstitut in Hamburg, das 1919 in der Universität aufging. Wegen seiner Einberufung zum Kriegsdienst (1914–1916) konnte das Seminar erst im Wintersemester 1915/1916 seinen Betrieb aufnehmen, 1917 wurde es gemäß den Forschungsintentionen Salomons in „Osteuropäisches Seminar“ umbenannt. Trotz des Krieges konnten aktiv Schriften mit Russland ausgetauscht werden, auf Russlandreisen 1925 und 1929 konnte Salomon die Kontakte ausbauen. Der Vortrag über Handelsbeziehungen Hamburgs zu Rußland, den er 1918 vor dem Verein für Hamburgische Geschichte hielt, verdeutlicht diese Entwicklung seiner Interessen.

1926 konnte er Fritz T. Epstein als Mitarbeiter gewinnen, der 1931 nach Frankfurt berufen und wie Salomon von den Nazis zur Emigration in die USA gezwungen wurde. Als dessen Nachfolger kam 1931 der in Marburg geborene Eberhard Tangl an das Osteuropäische Seminar der Hamburger Universität. Nach der Entlassung Salomons im Frühjahr 1934 kehrte Tangl an die Universität Belgrad zurück, an der er in den Jahren 1928 bis 1931 als Lektor für deutsche Sprache gearbeitet hatte. Tangl war in Belgrad bis zum Wintersemester 1940/41 als Lektor tätig, 1946 kehrte er nach Hamburg zurück. 1933 wurde Salomon die Verwaltung des Seminars entzogen, 1934 wurde er als Jude von den Nationalsozialisten aus dem Amt des Professors gejagt, die Professur wurde in eine für Wehrkunde umgewandelt. 1937 konnte er mit seiner Frau in die USA emigrieren. Dort wurde er Professor am Kenyon College in Gambier (Ohio), wo er mittelalterliche Geschichte und Kirchengeschichte unterrichtete.

Die letzte Edition[Bearbeiten]

Die Avignon-Akten aus dem Hamburger Staatsarchiv waren nach Ende des Weltkrieges zunächst verschollen. Nach ihrem Wiederauftauchen wandte sich Jürgen Bolland, der Direktor des Staatsarchivs und damalige Vorsitzende des Vereins für Hamburgische Geschichte, dem Salomon von 1916 bis zu seinem Ausschluss 1938 angehört hatte, an Salomon und konnte ihn durch großzügige Bereitstellung von Material in den USA überzeugen, die Arbeit an der Edition, die Salomon nach seiner Entlassung als Professor in Angriff genommen hatte, wieder aufzunehmen. Das Manuskript für die Ausgabe der Korrespondenzen und Aktenstücke der Kurienprokuratoren Hamburgs bei den Päpsten in Avignon konnte er wenige Tage vor seinem Tod abschließen und nach Hamburg schicken.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Studien zur normannisch-italischen Diplomatik. Teil 1, Kap. IV,1: Die Herzogsurkunden für Bari. Noske, Borna-Leipzig 1907. 47 S. Phil. Diss. Berlin 1907
  • Eine russische Publikation zur päpstlichen Diplomatik. In: Neues Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde, Bd. 32 (1907) , S. 459–475
  • Ein Rechnungs- und Reisetagebuch vom Hofe Erzbischof Boemunds II. von Trier, 1354–1357. In: Neues Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde, Bd. 33 (1908), S. 399-434
  • Iohannis Porta de Annoniaco Liber de coronatione Karoli IV. imperatoris. Edidit Ricardus Salomon. Hahn, Hannover 1913 (Monumenta Germaniae Historica. Scriptores. 7, Scriptores rerum Germanicarum in usum scholarum ; 35)
  • Johannes Porta de Annoniaco und sein Buch über die Krönung Kaiser Karls IV. In: Neues Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde 38 (1913), S. 227-294.
  • Die Papstbiographien des Johannes Porta de Annoniaco. In: Neues Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde, Bd. 45 (1924) , S. 112-119.
  • Die avignonesischen Akten des Hamburger Staatsarchivs. Ein Arbeitsbericht und eine Anleitung zur weiteren Bearbeitung. Ackermann & Wulff, Hamburg 1937. 26 S.
  • Prunksuppliken in einer amerikanischen Sammlung. In: Festschrift Edmund E. Stengel. Böhlau, Münster/Köln 1952, S. 81-89.
  • A newly discovered manuscript of Opicinus de Canistris. A preliminary report In: Journal of the Warburg and Courtauld Institutes, Bd. 16 (1953) , S. 45–57.
  • Aus den Avignon-Akten des Hamburgischen Staatsarchivs. In: Zeitschrift des Vereins für hamburgische Geschichte, Bd. 50 (1964), S. 29–40.
  • Die Korrespondenz zwischen dem Hamburger Rat und seinen Vertretern an der päpstlichen Kurie in Avignon 1337 bis 1359. 1968.

Literatur[Bearbeiten]

  • Fritz T. Epstein: Hamburg und Osteuropa. Zum Gedächtnis von Professor Richard Salomon (1884–1966). In: Jahrbücher für Geschichte Osteuropas NF 15 (1967), S. 59–98.
  • Rainer Nicolaysen: „Vitae, nicht vita“. Über Vertreibung und Exil des Osteuropa-Historikers Richard Salomon (1884–1966). In: Rainer Hering und Rainer Nicolaysen (Hrsg.): Lebendige Sozialgeschichte. Gedenkschrift für Peter Borowsky. Wiesbaden 2003, S. 633–659.
  • Rainer Nicolaysen: Richard Salomon (1884–1966) – ein deutsch-amerikanisches Gelehrtenleben. In: Joist Grolle/Matthias Schmoock (Hg.): Spätes Gedenken. Ein Geschichtsverein erinnert sich seiner ausgeschlossenen jüdischen Mitglieder (Hamburgische Lebensbilder in Darstellungen und Selbstzeugnissen, Bd. 21). Bremen 2009, S. 159–196.
  • Rainer Nicolaysen: Richard Salomon. In: Hamburgische Biografie, Bd. 2, , hrsg. von Franklin Kopitzsch und Dirk Brietzke, Hamburg 2003, S. 358f.
  • Joist Grolle, Ina Lorenz: Der Ausschluss der jüdischen Mitglieder aus dem Verein für Hamburgische Geschichte. Ein lange beschwiegenes Kapitel der NS-Zeit (Mit biografischem Anhang). In: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte, Bd. 93 (2007), S. 1–145.

Weblinks[Bearbeiten]