Richard Tüngel

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Richard Tüngel (* 1893; † 1970) war ursprünglich Architekt, später Mitbegründer und Chefredakteur der Wochenzeitung Die Zeit.

1933 von den Nazis aus dem Amt als Baudirektor in Hamburg gedrängt, ging er nach Berlin, wo er die Zeit bis 1945 als Übersetzer und Schriftsteller verbrachte, so übersetzte er beispielsweise die Erinnerungen von Igor Stravinsky.

Unmittelbar nach dem Krieg wurde er Mitbegründer der Wochenzeitung Die Zeit. Zunächst war er Feuilletonchef und wenig später zweiter Chefredakteur. 1955 kam es zu einer Redaktionskrise der Zeit. Tüngel hatte einen Text des NS-Staatsrechtlers Carl Schmitt veröffentlicht, worauf Marion Gräfin Dönhoff aus Protest nach 10 Jahren die Redaktion verließ. Kurz darauf versuchte er den Chef vom Dienst, CvD Josef Müller-Marein zu entlassen, nachdem dieser in einem Artikel den amerikanischen Politiker Joseph McCarthy für dessen Kommunistenverfolgung scharf kritisiert hatte. Nach diesen Vorkommnissen wurde Tüngel entlassen, was gleichzeitig eine Entscheidung über die politische Linie der Zeitung darstellte. Tüngel, den sein Nachfolger Müller-Marein als hilfsbereit und unbequem, genialisch, der personifizierte Widerspruch und eine Künstlernatur beschreibt, stand politisch rechts und steuerte Die Zeit in ein Fahrwasser weiter rechts als die CDU, wie Ralf Dahrendorf in seiner Bucerius-Biographie anmerkt. Die jahrelangen Auseinandersetzungen zwischen Bucerius und seinen Mitgründern, schon ab 1949, endeten 1956 damit, dass Tüngel auch seine Funktion als Gesellschafter aufgab.

1958 veröffentlichte er gemeinsam mit dem Journalisten und früheren SS-Mitglied Hans Rudolf Berndorff das Buch "Auf dem Bauche sollst du kriechen…" Deutschland unter den Besatzungsmächten. Das Buch erschien 2004 als Neuauflage unter dem Titel Stunde Null. Deutschland unter den Besatzungsmächten im Verlag Matthes & Seitz Berlin. Hier schildern die Autoren, wie sie die unmittelbaren Nachkriegsjahre erlebt haben, wobei man auch einiges über die Gründungsjahre der Zeit erfährt.