Richter-Harmonika

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Richter-Harmonika

Eine Richter-Mundharmonika (auch Bluesharp) ist eine diatonische Mundharmonika in „Richterstimmung”, die über 10 Kanzellen (Blasöffnungen) verfügt. Durch Blasen und Ziehen lassen sich an jeder Kanzelle zwei unterschiedliche Töne erzeugen.

Mit einer normalen Richter-Harmonika lassen sich sowohl Melodien als auch Akkorde spielen. Jedoch ist ein Instrument immer auch auf eine Tonart ausgelegt. Folgende Schemata veranschaulichen die Anordnung der Töne in der Richterstimmung, die Nummer bezeichnet die jeweilige Kanzelle, Großbuchstaben bezeichnen geblasene, Kleinbuchstaben gezogene Töne:

C-Dur
Kanzelle  1  2  3  4  5  6  7  8  9 10 
        .-----------------------------.
Blasen: |C |E |G |C |E |G |C |E |G |C |
Ziehen: |d |g |h |d |f |a |h |d |f |a |
        '-----------------------------'
D-Dur:
Kanzelle 1  2  3  4  5  6  7  8  9  10 
        .-----------------------------.
Blasen: |D |F#|A |D |F#|A |D |F#|A |D |
Ziehen: |e |a |c#|e |g |h |c#|e |g |h |
        '-----------------------------'
E-Dur:            
Kanzelle 1  2  3  4  5  6  7  8  9  10 
        .-----------------------------.
Blasen: |E |G#|H |E |G#|H |E |G#|H |E |
Ziehen: |f#|h |d#|f#|a |c#|d#|f#|a |c#|
        '-----------------------------'

Das folgende Schema zeigt die Verteilung der 12 Halbtöne (nummeriert von 1 bis 12) auf der Richter-Harmonika bei beliebigem Grundton. Dieser ist durch den Ton 1 bestimmt.

Kanzelle 1  2  3  4  5  6  7  8  9  10 
        .-----------------------------.
Blasen: | 1| 5| 8| 1| 5| 8| 1| 5| 8| 1|
Ziehen: | 3| 8|12| 3| 6|10|12| 3| 6|10|
        '-----------------------------'

Zu bemerken ist hier, dass bei Kanzelle 1–6 der Blaston jeweils niedriger ist als der Ziehton. Bei Kanzelle 7–10 ist das Schema andersherum. Nur mit den Kanzellen 4–7 kann eine vollständige C-Dur-Tonleiter gespielt werden. Bei den Kanzellen 1–4 fehlen dazu die Töne F und A. Bei den Kanzellen 7–10 fehlt dazu der Ton H. Außerdem fehlen auf der diatonischen Mundharmonika alle tonartfremden Töne: z. B. bei C-Dur: C#/Db, D#/Eb, F#/Gb, G#/Ab, A#/Bb

Das Standard-Tonschema der diatonischen Mundharmonika eignet sich gut für einfache Lieder, und es gibt Spieltechniken, mit denen man alle fehlenden Halbtöne der chromatischen Tonleiter erreichen kann, sie heißen Bending und Overblow. Diese Spielweisen sind von Bluesspielern erfunden worden, deshalb nennt man die diatonische Mundharmonika auch Bluesharp.

Spielen von Blues-Liedern[Bearbeiten]

Bei dem Spielen oder Begleiten von Blues-Liedern, wird die Bluesharp meist „cross“, d. h. mixolydisch, gespielt. Die Tonart der Mundharmonika liegt also eine Quarte über der des gespielten Stückes. So wird für ein Stück in D-Dur eine Mundharmonika in G gewählt. Analog wird beispielsweise für einen Blues in A-Dur eine Mundharmonika in D gespielt.