Vogelschutzrichtlinie

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Special Protection Area ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Das Schutzgebietsprogramm SPAW für die Karibik siehe Specially Protected Areas and Wildlife in the Wider Caribbean Region.
Flagge der Europäischen Union
Basisdaten der
Richtlinie 79/409/EWG
Titel: Richtlinie über die Erhaltung der wildlebenden Vogelarten
Kurztitel::
(nicht amtlich)
Vogelschutzrichtlinie
Rechtsnatur: Richtlinie
Geltungsbereich: Europäische Union
Rechtsmaterie: Naturschutzrecht
Veröffentlichung: 2. April 1979
Letzte Änderung durch: Richtlinie 2009/147/EG
Inkrafttreten der
letzten Änderung:
30. November 2009
Bitte beachte den Hinweis zur geltenden Gesetzesfassung!

Die Vogelschutzrichtlinie der EU (Richtlinie 79/409/EWG des Rates vom 2. April 1979) trat 1979 in Kraft und regelt den Schutz der wildlebenden Vogelarten und ihrer Lebensräume in der Europäischen Union und den Einrichtungen Europäischer Vogelschutzgebiete. Aktuell gilt die Richtlinie in der Fassung 2009/147/EG. Mit dieser Richtlinie haben sich die Mitgliedstaaten der EU (damals EWG) zur Einschränkung und Kontrolle der Jagd ebenso wie zur Verwaltung von Vogelschutzgebieten als eine wesentliche Maßnahme zur Erhaltung, Wiederherstellung bzw. Neuschaffung der Lebensräume wildlebender Vogelarten verpflichtet.

Die Schutzgebiete des Programms werden Europäisches Vogelschutzgebiet (EVG), Besonderes Schutzgebiet (BSG) oder englisch Special Protection Area (SPA) genannt.

Jagd und Vogelfang[Bearbeiten]

Die Jagd auf Singvögel gab in den 1970er Jahren den Anstoß für die EU-Vogelschutzrichtlinie. Damals wurden Zugvögel z. B. in Belgien, Frankreich und Italien zu Millionen mit Netzen, Leimruten, Fallen und automatischen Waffen gefangen und gejagt. Seit der Verabschiedung der Richtlinie ist die Verwendung von Vogelfallen jeder Art in der EU verboten – Ausnahmen sind nur möglich, wenn es „keine andere zufriedenstellende Lösung“ gibt und wenn die Ausnahme nur „geringe Mengen“ von Exemplaren einer Art betrifft. Diese wenig klaren Vorgaben nutzen vor allem Länder wie Frankreich und Malta für die Freigabe von Vogelfallen zum Fang Hunderttausender Singvögel. Die Richtlinie zählt in verschieden Anhängen auf, welche Vogelarten von besonderer Bedeutung sind, welche besonderen Schutz bedürfen und welche Arten bejagt werden dürfen. Der Anhang II listet 82 Vogelarten auf, von denen 24 in der gesamten EU geschossen werden dürfen. Die restlichen 58 dürfen nur in jenen Ländern bejagt werden, die dies bei der Kommission beantragt haben. Alle anderen europäischen Vogelarten dürfen nicht den nationalen Jagdgesetzen unterliegen, stehen also europaweit unter Schutz.

Die Vogelschutzrichtlinie untersagt weiterhin die Jagd während der Brut- und Aufzuchtzeiten, die Jagd während des Rückzuges zu den Brutgebieten, das Zerstören bzw. Beschädigen von Nestern, das Sammeln und den Besitz von Eiern sowie absichtliche gravierende Störungen, vor allem zur Brutzeit.

Europäische Vogelschutzgebiete[Bearbeiten]

Als Europäisches Vogelschutzgebiet ESV), Besonderes Schutzgebiet (BSG) oder englisch Special Protection Area' (SPA) bezeichnet man die Schutzgebiete, die auf der Grundlage von Art. 4 (1) der Vogelschutzrichtlinie ausgewiesen wurden. Zusammen mit den Schutzgebieten nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (1992), den FFH-Gebieten, bilden die besonderen Vogelschutzgebiete das europäische Schutzgebietsnetz Natura 2000.

Da die Umsetzung durch die EU-Mitgliedsstaaten teils nur sehr langsam voran ging, wurden von Naturschutzverbänden Important Bird Areas benannt und als Europäische Vogelschutzgebiete vorgeschlagen (siehe auch Europareservat). Seit 1993 arbeitet BirdLife International an dieser Vorschlagsliste, die inzwischen global ausgeweitet wurde, und mit Endemic Bird Areas ergänzt wurde – was insbesondere für die EU-Staaten mit Überseegebieten relevant ist. Weitere Kandidaten sind die Ramsar-Gebiete (oder FIB „Feuchtgebiete Internationaler Bedeutung“) gemäß der Ramsar-Konvention 1971, in der auch Vogelhabitate berücksichtigt werden.

Eine Reihe von besonders gefährdeten bzw. schutzwürdigen Arten ist in Anhang I der Richtlinie aufgelistet und umfasst zurzeit 181 Arten bzw. Unterarten. Die Mitgliedstaaten sind verpflichtet, die zur Erhaltung dieser Arten „zahlen- und flächenmäßig geeignetsten Gebiete“ zu Schutzgebieten zu erklären.

Die europäischen Vogelschutzgebiete dienen auch dem Schutz von Zugvögeln, die auf ihren Zugwegen innerhalb weniger Tage mehrere Länder durchfliegen können und daher auf Raststationen angewiesen sind, um Nahrung zu suchen und um sich ausruhen zu können. Dem trägt die Vogelschutzrichtlinie Rechnung, indem sie Schutzmaßnahmen für die Brut-, Mauser- und Überwinterungsplätze von Zugvögeln einfordert. Aber auch Bestände von Standvögeln der Anhangsarten werden erfasst. Wesentliche Bedeutung kommt dabei auch dem Feuchtgebietsschutz zu, insbesondere dem Schutz international bedeutender Feuchtgebiete. Damit erfolgt ein Brückenschlag zur Ramsar-Konvention von 1971, deren Ziel die Erhaltung international bedeutender Feuchtgebiete ist.

Handel[Bearbeiten]

Prinzipiell ist nach der Vogelschutzrichtlinie der Handel mit sämtlichen europäischen Wildvögeln im lebenden oder toten Zustand bzw. ihren Federn, Eiern etc. verboten. Einzelne Arten sind jedoch von diesem Verbot ausgenommen, diese werden im Anhang III der Richtlinie aufgelistet. Hierzu zählen vor allem die häufigeren regulär jagdbaren Vogelarten, vornehmlich Enten- und Hühnervögel.

Probleme[Bearbeiten]

Die Verabschiedung der EU-Vogelschutzrichtlinie im Jahr 1979 hat den Natur- und Vogelschutz in Europa ein großes Stück vorangebracht. Fast sämtliche Festsetzungen in der Richtlinie wurden inzwischen in die nationalen Gesetze aufgenommen. Probleme stellen zahllose Ausnahmen sowie die Umsetzung der gesetzlichen Regeln dar: Viele Länder, z. B. Frankreich, erlauben weiterhin den Einsatz eigentlich verbotener Vogelfallen aus traditionellen Gründen, genehmigen wie z. B. Malta die eigentlich untersagte Jagd zur Frühlingszeit oder geben – wie z. B. Italien – eigentlich geschützte Arten zum Abschuss frei. Oft muss die Europäische Kommission in langwierigen Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof die Einhaltung der Vogelschutzrichtlinie durchsetzen. Eine Kontrolle der Jagd- und Vogelfangverbote funktioniert in vielen Ländern bis heute nicht.

Zudem läuft die Unterschutzstellung der für den Vogelzug bedeutsamen Zugrouten sowie die Ausweisung von Schutzgebieten für die besonders schutzwürdigen Arten nur sehr schleppend. Mit den nach wissenschaftlichen Kriterien identifizierten Important Bird Areas (IBAs) hat BirdLife International, der Dachverband des NABU, allerdings für alle Mitgliedstaaten der EU (und inzwischen weltweit) Vorschläge vorgelegt, die die Mitgliedstaaten nach einschlägiger Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) als Referenz für die Auswahl ihrer Vogelschutzgebiete heranziehen sollen. Im Juni 2007 hat die Europäische Kommission gegen Deutschland ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet, weil sieben Bundesländer (Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Thüringen und Baden-Württemberg) auch nach fast 30 Jahren immer noch nicht alle erforderlichen Vogelschutzgebiete ausgewiesen hatten (Vertragsverletzungsverfahren 2001/5117). Nach der Meldung noch ausstehender Gebiete wurde dieses Verfahren im Oktober 2009 eingestellt[1]. Damit können die Verpflichtung Deutschlands zur Gebietsmeldung als erfüllt und der Meldeprozess von Vogelschutzgebieten als abgeschlossen gelten.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • A. Ssymank, U. Hauke, C. Rückriem und E. Schröder unter Mitarbeit von D. Messer: Das europäische Schutzgebietssystem Natura 2000. BfN-Handbuch zur Umsetzung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und der Vogelschutz-Richtlinie. Schriftenreihe für Landschaftspflege und Naturschutz Bd. 53, 1998. 560 Seiten. ISBN 3-89624-113-3
  • M. Gellermann: Natura 2000. Europäisches Habitatschutzrecht und seine Durchführung in der Bundesrepublik Deutschland. Schriftenreihe Natur und Recht. Band 4, 2. Auflage. Blackwell, Berlin und Wien 2001, 293 Seiten.
  • C. Mayr: 25 Jahre EG-Vogelschutzrichtlinie in Deutschland – Bilanz und Ausblick. Natur und Landschaft 79, Heft 8, 2004; S. 364–370.
  • C. Mayr: Jubilarin in den besten Jahren. Nationalpark, Heft 4, 2008: 30 - 33.
  • J.-H. Meyer: Zivilgesellschaftliche Mobilisierung und die frühe europäische Umweltpolitik. Die Vogelschutzrichtlinie der Europäischen Gemeinschaften von 1979. In: Themenportal Europäische Geschichte (2013), URL: http://www.europa.clio-online.de/2013/Article=588.
  • Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVögel in Deutschland 2009. Bundesamt für Naturschutz, 2009, S. 68, abgerufen am 15. Februar 2010 (PDF; 7,0 MB).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Umwelt: Kommission verwarnt Polen und Bulgarien wegen Versäumnissen im Naturschutzbereich und stellt Verfahren gegen Deutschland ein. In: Pressemitteilung. Europäische Kommission, abgerufen am 5. Juli 2013.