Riemenzungen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Riemenzungen
Bocks-Riemenzunge (Himantoglossum hircinum)

Bocks-Riemenzunge (Himantoglossum hircinum)

Systematik
Ordnung: Spargelartige (Asparagales)
Familie: Orchideen (Orchidaceae)
Unterfamilie: Orchidoideae
Tribus: Orchideae
Untertribus: Orchidinae
Gattung: Riemenzungen
Wissenschaftlicher Name
Himantoglossum
Spreng.

Die Gattung der Riemenzungen (Himantoglossum) in der Familie der Orchideen (Orchidaceae) enthält nur wenige Arten. Sie sind in den wärmeren Gebieten Europas beheimatet, lediglich die Bocks-Riemenzunge kommt auch im Norden Europas vor.

Beschreibung[Bearbeiten]

Es sind kräftige, ausdauernde krautige Pflanzen mit zwei länglich-ovalen Knollen als Überdauerungsorgane. Der Austrieb der Blattrosette erfolgt schon im Herbst und ist bis zum Winter weitgehend abgeschlossen. Die Blätter sind länglich bis riemenförmig. Bereits während der Blütezeit beginnen die Laubblätter zu verwelken oder sind bereits verwelkt.[1]

Die Blütezeit erstreckt sich, je nach Standort, von April bis August. Der endständige, traubige Blütenstand ist mit zahlreichen Blüten besetzt. Die Tragblätter sind lang und überragt den Fruchtknoten. Dieser ist verdreht, so dass die Blüten resupiniert sind. Die Blütenblätter sind grünlich bis purpurn. Die drei äußeren Blütenblätter sowie die seitlichen Petalen haften aneinander und formen eine Haube. Die dreilappige Lippe ist stark verlängert, besonders der mittlere Lappen. Dieser ist linealisch geformt und spiralig verdreht, er endet oft tief eingeschnitten. Die Seitenlappen sind kürzer und besitzen einen gewellten Rand. Die Basis der Lippe formt einen Sporn. Die Säule ist kurz, das Staubblatt enthält zwei Pollinien, die über Stielchen (Caudiculae) an einer gemeinsamen Klebscheibe (Viscidium) hängen, die von einer halbkugeligen Membran (Bursicula) umgeben ist. Die Narbe ist rundlich bis abgerundet-quadratisch. Das Trenngewebe zwischen Narbe und Staubblatt (Rostellum) ist deutlich ausgebildet.[1]

Die Blüten werden von verschiedenen Bienen aus den Gattungen Andrena, Apis und Colletes bestäubt. Der Sporn enthält geringe Mengen zuckerhaltigen Nektar.[1]

Die Chromosomenzahl beträgt 2n=36.[1]

Verbreitung[Bearbeiten]

Die Riemenzungen sind im ganzen Mittelmeerraum verbreitet. In Westeuropa ist ihr Areal nach Norden bis England ausgedehnt, im Südwesten erstreckt sich die Verbreitung bis Nordafrika. Richtung Osten wird über die Türkei noch der Iran erreicht. Die Standorte liegen stets auf trockenen, kalkhaltigen Böden in sonniger bis halbschattiger Lage. Neben Grasland, aufgelassenen Feldern und verschiedenen mediterranen Strauchgesellschaften werden auch lichte Wälder besiedelt.[1]

Systematik[Bearbeiten]

Blüten der Bocks-Riemenzunge (Himantoglossum hircinum)

Innerhalb der Orchideen werden die Riemenzungen in die Tribus Orchideae eingeordnet. Verwandte Gattungen sind Anacamptis, Neotinea, Ophrys, Serapias und Steveniella. Besonders nah verwandt sind die zwei Arten der Mastorchis (Barlia) und die Bartorchis (Comperia comperiana), die von einigen Autoren deshalb zu den Riemenzungen hinzugezählt werden. Die entsprechenden Gattungen sind auch separat monophyletisch, das Kladogramm stellt sich wie folgt dar:[2]







Himantoglossum


     

Barlia



     

Comperia comperianum



     

Steveniella satyrioides



     


Anacamptis


     

Serapias



     

Ophrys




     

Neotinea



Es wurde im Jahr 2004 eine intergenerische Hybride zwischen der Taurus-Riemenzunge (Himantoglossum montis-tauri) und der verwandten Bartorchis (Comperia comperiana) als ×Comptoglossum agiasense beschrieben.[3]

Die Arten in der Gattung der Riemenzungen:

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e  Alec M. Pridgeon, Phillip Cribb, Mark W. Chase, Finn Rasmussen (Hrsg.): Genera Orchidacearum. Orchidoideae (Part one). Oxford University Press, New York und Oxford 2001, ISBN 0-19-850710-0, S. 279–284.
  2.  Richard M. Bateman, Peter M. Hollingsworth, Jillian Preston, Luo Yi-Bo, Alec M. Pridgeon, Mark W. Chase: Molecular phylogenetics and evolution of Orchidinae and selected Habenariinae (Orchidaceae). In: Botanical Journal of the Linnean Society. Bd 142, Nr. 1, 2003, doi:10.1046/j.1095-8339.2003.00157.x.
  3. I.A. Karatzas: ×Comptoglossum agiasense, eine seltene Hybride von Lesvos. In: Journal Europäischer Orchideen 36(4) 2004, S. 951-956.

Weblinks[Bearbeiten]