Rieneck

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Dieser Artikel erläutert die Stadt Rieneck; zu anderen Bedeutungen siehe Rieneck (Begriffsklärung).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Rieneck
Rieneck
Deutschlandkarte, Position der Stadt Rieneck hervorgehoben
50.0930555555569.6480555555556183Koordinaten: 50° 6′ N, 9° 39′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Unterfranken
Landkreis: Main-Spessart
Höhe: 183 m ü. NHN
Fläche: 26,2 km²
Einwohner: 2062 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 79 Einwohner je km²
Postleitzahl: 97794
Vorwahl: 09354
Kfz-Kennzeichen: MSP
Gemeindeschlüssel: 09 6 77 177
Stadtgliederung: 2 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Schulgasse 4
97794 Rieneck
Webpräsenz: www.rieneck.de
Bürgermeister: Wolfgang Küber
Lage der Stadt Rieneck im Landkreis Main-Spessart
Hessen Baden-Württemberg Würzburg Landkreis Aschaffenburg Landkreis Miltenberg Landkreis Bad Kissingen Landkreis Kitzingen Landkreis Würzburg Forst Lohrerstraße Rechtenbach Esselbach Ruppertshüttener Forst Ruppertshüttener Forst Partensteiner Forst Partensteiner Forst Langenprozeltener Forst Herrnwald Haurain Hafenlohr Fürstlich Löwensteinscher Park Frammersbacher Forst Frammersbacher Forst Frammersbacher Forst Forst Aura Forst Aura Gemeindefreies Gebiet Burgjoß Gemeindefreies Gebiet Burgjoß Schollbrunn Bischbrunn Thüngen Partenstein Mittelsinn Hasloch Neuhütten (Unterfranken) Rechtenbach Rechtenbach Hafenlohr Hafenlohr Lohr am Main Lohr am Main Zellingen Wiesthal Urspringen Rothenfels Roden (Unterfranken) Rieneck Retzstadt Obersinn Obersinn Obersinn Neustadt am Main Neuendorf (Unterfranken) Marktheidenfeld Triefenstein Kreuzwertheim Karsbach Karlstadt Karbach (Unterfranken) Himmelstadt Gräfendorf Gössenheim Gemünden am Main Frammersbach Frammersbach Fellen Eußenheim Erlenbach bei Marktheidenfeld Birkenfeld (Unterfranken) Aura im Sinngrund Aura im Sinngrund Arnstein (Unterfranken) Burgsinn Steinfeld (Unterfranken) Landkreis SchweinfurtKarte
Über dieses Bild
Ortszentrum mit Rathaus, Schindelhaus auf Säulen und klassizistischer Pfarrkirche
Ein Blick über das Spessart-Städtchen Rieneck. Im Zentrum gut sichtbar die kath. Pfarrkirche St. Johannes der Täufer

Rieneck ist eine Stadt im unterfränkischen Landkreis Main-Spessart.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Der Ort liegt in der Region Würzburg zwischen den südlichen Ausläufern der Rhön und der Ostseite des Spessarts am Unterlauf der Sinn.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Es gibt nur die Gemarkung Rieneck und zwei Ortsteile, den Hauptort Rieneck und Dürrhof.[2]

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Markt
Burgsinn
Herrnwald
(Gemeindefreies Gebiet)
Nachbargemeinden Gemeinde Gräfendorf
Ruppertshüttener Forst
(Gemeindefreies Gebiet)
Langenprozeltener Forst
(Gemeindefreies Gebiet)
Stadt
Gemünden am Main

Geschichte[Bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten]

Die älteste erhaltene Erwähnung des Ortes Rieneck stammt aus dem Jahr 790. 1168 erhielt Graf Ludwig von Rieneck die Grafschaft Rieneck im Spessart – einschließlich des Ortes Rieneck – als Lehen von Kurmainz. Seinen jetzigen Namen erhielt der Ort von den Grafen von Rieneck, die in der Burg Rieneck über dem Ort eine ihrer Residenzen hatten und den Namen „Rieneck“ von einem ausgestorbenen Geschlecht aus dem Mittelrheinischen übernommen hatten. Im Gefolge der Grafen findet sich das Ministerialengeschlecht der Voit von Rieneck, die später selbst eine lokale Bedeutung erlangten. Die Burg stammt aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Die Siedlung wurde am 7. Juni 1311 als "Oppidum" bezeichnet.

Neuzeit[Bearbeiten]

Das Grafengeschlecht starb mit Graf Philipp III. von Rieneck am 3. September 1559 aus. Er hatte eng mit Philipp III. von Hanau-Münzenberg zusammengearbeitet. Als absehbar war, dass Graf Philipp III. von Rieneck ohne männliche Erben sterben würde, vereinbarten die beiden, den Hanauer Grafen als Erben einzusetzen. Durch einen Formfehler scheiterte das Projekt aber. (Einzelheiten siehe hier.) Es kam zu einem Streit zwischen Kurmainz und Hanau über das Erbe. Dieser wurde schließlich dahingehend gelöst, dass ein Kondominat gebildet wurde, das zu ¾ Kurmainz und zu ¼ Hanau-Münzenberg zustand. Der Mainzer Anteil wurde 1673 den Grafen von Nostitz verkauft, die ihn wiederum 1803 an die Grafen Colloredo Mansfeld weiter veräußerten. 1806 wurde Rieneck dann mediatisiert und dem Fürstentum Aschaffenburg zugeschlagen. Mit ihm fiel es an das Großherzogtum Frankfurt und mit der Niederlage Napoleons an das Königreich Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Stadt Rieneck.

Im Jahre 1862 wurde das Bezirksamt Gemünden am Main gebildet, auf dessen Verwaltungsgebiet Rieneck lag. 1872 wurde das Bezirksamt Gemünden ins Bezirksamt Lohr am Main eingegliedert. Erst 1902 wurde das Bezirksamt Gemünden wieder neu gebildet. 1939 wurde wie überall im Deutschen Reich die Bezeichnung Landkreis eingeführt. Rieneck war nun eine der 27 Gemeinden im Landkreis Gemünden am Main (Kfz-Kennzeichen GEM). Mit Auflösung des Landkreises Gemünden im Jahre 1972 kam Rieneck in den neu gebildeten Landkreis Main-Spessart (Kfz-Kennzeichen MSP).

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr 1970 1987 2000 2010
Einwohner 2.315 2.096 2.127 2.022

Religion[Bearbeiten]

Rieneck ist Sitz einer 1411 errichteten Pfarrei. Da es im Einflussbereich des Kurfürstentums Mainz lag, konnte die Reformation hier nicht Fuß fassen. Die Einwohner sind deshalb heute noch überwiegend römisch-katholisch. Die römisch-katholische Kirchengemeinde steht unter dem Patronat St. Johannes des Täufers. Die klassizistische Pfarrkirche wurde 1812 vollendet.

Die evangelische Kirchengemeinde gehört zu der von Burgsinn. Evangelische Gottesdienste finden regelmäßig in der Kapelle der Burg Rieneck statt.

Mit dem Novemberpogrom 1938 endete die langjährige Existenz einer Jüdischen Gemeinde in der Stadt. Hinter dem Haus Schloßberg 10 am Kriegerdenkmal erinnert eine Gedenktafel an die Verfolgung und Ermordung der jüdischen Bewohner in der Shoa.[3]

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister ist seit dem 1. Oktober 2006 Wolfgang Küber (RJWU). Da er aber auch Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen ist, ist er der 7. amtierende "grüne" Bürgermeister in Bayern. Er konnte sich in einer Stichwahl gegen Edith Reuter vom Bürger Forum Rieneck (BFR) durchsetzen. Die Wahl sorgte auch überregional für öffentliches Interesse, nachdem Edith Reuter aufgrund eines formalen Meldefehlers von Wolfgang Küber als alleinige Kandidatin auf dem Wahlzettel stand. Nachdem in einem solchen Fall die Wähler die Möglichkeit haben, selbst einen Kandidaten namentlich einzusetzen und sich eine beträchtliche Zahl dabei für Wolfgang Küber entschied, konnte dieser eine Stichwahl erzwingen.

Zeitraum 1. Bürgermeister
1986 - 2003 Walter Höfling
2003 - 06.06.2006 Waldemar Horn (†)
ab 01.10.2006 Wolfgang Küber

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Rieneck ist von einer reizvollen Naturlandschaft mit Laubmischwäldern (Spessarteiche) umgeben. Die weitläufige Sinntalaue, die Ende der 1990er zum Naturschutzgebiet erklärt wurde, bietet seltenen Tieren, wie dem Biber, und geschützten Pflanzen, wie der Schachblume, eine Heimat.

  • Burg Rieneck
  • Am historischen Rathaus in Fachwerk mit Erker aus dem 15./16. Jahrhundert ist ein Halseisen-Pranger angebracht mit der erläuternden Inschrift, das sei "der letzte Rest des Centgerichts Rieneck, welches zum 'höchsten Gebott', zur Todesstrafe, verurteilen konnte.
  • Gegenüber steht ein asymmetrisch gebautes Haus mit grauen Schindeln und einem ungewöhnlichen Vorbau auf Holzsäulen.
  • Zusammen mit der Kirche St. Johannes bilden diese beiden Gebäude das Kernstück der Altstadt.
  • Am zentralen Parkplatz an der Hauptstraße steht ein vom historischen Rathaus stammender Brunnentrog (um 1600), der einst als Weinmaß diente (so genannter "Rienecker Eimer"); der Weinbau rund um Rieneck ist heute aufgegeben.
  • Der Rieneck'sche Moshenhof, einst Residenz des Dietmar von Rieneck und ab 1580 Kurmainzer Amtskellerei, wurde 1960 abgerissen. Nur ein Gedenkstein erinnert noch an seine Existenz.

Baudenkmäler[Bearbeiten]

Liste der Baudenkmäler in Rieneck

Infrastruktur[Bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 1999 umgerechnet 849.000 €, davon waren umgerechnet 97.000 € (netto) Gewerbesteuereinnahmen.

Das wirtschaftliche Potenzial Rienecks liegt in der Forstwirtschaft (über 2.000 ha Waldfläche) und im Fremdenverkehr (33.500 Übernachtungen im Jahr 2002, vorzugsweise in Ferienwohnungen). Die lokale Wirtschaftsstruktur besteht überwiegend aus produzierendem Gewerbe, Handel und Dienstleistungen. Der größere Teil der Erwerbstätigen Rienecks pendelt in die nahegelegenen Regionalzentren Lohr am Main (Bosch Rexroth AG), Karlstadt und Würzburg.

Verkehr[Bearbeiten]

Rieneck besitzt einen Haltepunkt an der Bahnstrecke Flieden–Gemünden und ist den ÖPNV des Landkreises mit dem Bus eingebunden. Bei der Abzweigstelle Rieneck-Sinnberg besteht eine Verbindung zwischen der Bahnstrecke Flieden–Gemünden und der Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg. Die Entfernung zum nächsten ICE-Haltepunkt beträgt 50 km (Würzburg Hauptbahnhof); zum nächstgelegenen Flughafen, dem Flughafen Frankfurt am Main sind es 100 km.

Soziales[Bearbeiten]

Am Rande von Rieneck, aber bereits auf der Gemarkung von Gemünden am Main, liegt der Ortsteil Hohenroth. Hier hat sich 1978 die SOS-Dorfgemeinschaft Hohenroth niedergelassen. (Siehe dazu hier)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rieneck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 18. September 2014 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20111119/222043&attr=OBJ&val=1742
  3. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 189