Riesengebirge

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Riesengebirge
Obří důl (Riesengrund) mit der Schneekoppe (Sněžka)

Obří důl (Riesengrund) mit der Schneekoppe (Sněžka)

Höchster Gipfel Schneekoppe (1603 m n.p.m.)
Lage Polen, Tschechien
Teil der Sudeten
Riesengebirge (Böhmisches Massiv)
Riesengebirge
Koordinaten 50° 44′ N, 15° 44′ O50.73611111111115.741603Koordinaten: 50° 44′ N, 15° 44′ O
Fläche 631 km²
p1
p5
Topographie des Riesengebirges (100-fach überhöht)

Das Riesengebirge (tschechisch Krkonoše, polnisch Karkonosze, gebirgsschlesisch Riesageberge oder Riesegeberche) ist das höchste Gebirge Tschechiens sowie Schlesiens. Es erstreckt sich an der Grenze zwischen Polen und Tschechien und erreicht in der Schneekoppe (tschech. Sněžka, poln. Śnieżka) eine Höhe von 1602 Metern. Das Gebirge hat subalpinen Charakter mit eiszeitlichen Gletscherkaren, Bergseen und den steilen felsigen Flanken der Berge. Nahe am Kamm, etwa 7,5 km nordwestlich des Zentrums von Špindlerův Mlýn (Spindlermühle), befindet sich in fast 1400 m Höhe die Quelle der Elbe.

Als höchster Teil der Sudeten ist das Riesengebirge das höchste Gebiet der Mittelgebirgsschwelle. Es überragt den Schwarzwald um mehr als 100 Meter und war damit bis 1945 das höchste deutsche Mittelgebirge. Seit 1959 (Polen) bzw. 1963 (Tschechien) steht das Riesengebirge als Nationalpark unter Naturschutz. Große Teile des Riesengebirges stehen zusätzlich als Biosphärenreservat unter dem Schutz der UNESCO. Allgemein bekannt sind die Sagen und Märchen um den Berggeist Rübezahl (tschech. Krakonoš, poln. Liczyrzepa bzw. Duch Gór = Berggeist), der im Riesengebirge seine Heimat hat.

Name[Bearbeiten]

Die Bezeichnung Riesengebirge wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts durch den Riesengebirgsverein verbreitet. In älteren Urkunden wird das Gebiet meist als Gebirge; Schneegebirge oder Böhmisches Gebirge bezeichnet. Dennoch gibt es schon frühere urkundliche Erwähnungen. Auf der Karte Schlesiens (1571) von Martin Hellweg wird der höchste Berg, die Schneekoppe, als Riesenberg bezeichnet. Ebenso in der Trautenauer Chronik (1549) von Simon Hüttel (… bin ich Symon Hyttel mit eilf nachbarn von Trautenauw auf den Hrisberg zu öberst hinauf spaziert). In der Chronik folgen dann auch Bezeichnungen für das die Schneekoppe umgebende Gebirge (Hrisengepirge, Hrisengebirge, Risengepirge), wobei die Herkunft des Begriffs von der Schneekoppe deutlich wird bei der Bezeichnung Hrisenpergisches Gebirge.[1] Laut Ernst von Seydlitz[2] stammt der Name von Riesen, das sind rutschbahnartige hölzerne Rinnen zum Abtransport geschlagener Baumstämme aus steilen Gebirgstälern.

Der polnische Name des Gebirges lautete bis ins 20. Jahrhundert meist Góry Olbrzymie (Riesengebirge), seltener auch Góry Śnieżne (Schneegebirge). Die heute gängige und auch offizielle Bezeichnung Karkonosze war gleichfalls in Gebrauch und ist eine frühe Übernahme aus dem Tschechischen, wobei der tschechische Name vermutlich auf die bei Ptolemäus bezeugte, wahrscheinlich keltische Form Korkontoi (Κορκόντοι) zurückgeht[3] oder aber altslawischen Ursprungs ist. Wincenty Pol nannte die Berge 1847 „Góry Olbrzymie“, Kornel Ujejski verwendete im selben Jahr die Bezeichnung „Karkonosze“.

Geologie[Bearbeiten]

Das Riesengebirge innerhalb der geomorphologischen Einteilung Tschechiens und Polens

Das Riesengebirge zeichnet sich durch eine komplexe geologische Struktur aus. Hier finden sich zahlreiche Gesteine (z. B. Granite, Glimmerschiefer und Gneise) und Mineralien wie z. B. Bergkristall. Reste aus der Eiszeit sind die Gletscherseen im nördlichen Teil des Gebirges.

Der Granit stellt die Hauptmasse der Gesteine im Riesengebirge dar. Das Vorkommen in ellipsoider Form, ein typischer Pluton, erreicht in seiner West-Ostrichtung eine Länge von 66 Kilometern und misst an seiner breitesten Stelle 20 Kilometer. Im Kern des Vorkommens liegt der Zentralgranit, der von älteren Gneisen und Glimmerschichten ummantelt wird. In diese Schichten ist Granit aus der spätkarbonischen Zeit eingedrungen. Der sogenannte Riesengebirgsgranit besteht aus rötlichblauem oder fleischrotem bis weißblauem Orthoklas, gelbbraunem Oligoklas, Quarz und Biotit. Des Weiteren kommen Plagioklas, Muskovit, Pyrit, Apatit und Zirkon vor. Der Granit hat ein porphyrisches oder gleich- bzw. feinkörniges Gefüge. Der gleichkörnige Granit findet sich vor allem auf dem Gebirgskamm, insbesondere um Janowice Wielkie (Jannowitz) und nördlich der sogenannten „Friesensteine“. Er wird auch Berggranit genannt.

Der Granit mit porphyrischem Gefüge, in dessen feinkörniger Grundmasse sich einzelne große Minerale als sogenannte Einsprenglinge befinden, wird am Ostrand des Riesengebirges und südlich von Jelenia Góra (Hirschberg) gefunden.

Im Riesengebirgsgranit sind Magmamassen in der Südwest-Nordost-Richtung des Massivs eingedrungen, die Ganggesteine gebildet haben. Die Vorkommen sind bis zu 30 Meter breit und zum Teil kilometerlang. Es handelt sich um Aplite (feinkörnige Granite) und Pegmatite (großkörnige Granite), porphyrische Granite und Lamprophyre. Es finden sich des Weiteren Malchit und Kersantit. Basalte treten nördlich von Jelenia Góra und Orle (Karlsthal) massenhaft an die Oberfläche.

Der rote porphyrische Riesengebirgsgranit wurde um Jannowitz, Karpniki (Fischbach) und Strużnica (Neudorf) abgebaut. Dieser Granit zeigt ein deutliches Richtungsgefüge durch die Paralleleinlagerung der Feldspäte, hat häufig Haarrisse. Er fand vor allem als Baustein Verwendung.[4]

Ausführliche Untersuchungen der Granite des Riesengebirges stammen vor allem von den Geologen Ludwig Milch (1867–1928) und Hans Cloos (1886–1951); letzterer prägte den Begriff der „Granittektonik“.

Geografie[Bearbeiten]

Blick von der Nordseite zum Hauptkamm. Große Sturmhaube (Śmielec) (1424 m) und Schwarze Agnetendorfer Schneegrube (Czarny Kocioł Jagniątkowski)

Der Hauptkamm des Riesengebirges verläuft großteils in west-östlicher Richtung und bildet die Grenze zwischen Polen und Tschechien. Seine höchste Erhebung ist die 1602 m hohe Schneekoppe (poln. Śnieżka, tschech. Sněžka), der höchste Berg des Riesengebirges sowie ganz Tschechiens. Auf der schlesischen Nordseite in Polen fällt das Gebirge steil zum Hirschberger Tal hin ab, während es sich auf der böhmischen Südseite in Tschechien zum Böhmischen Becken hin senkt. Das Gebirgsvorland weist jeweils Meereshöhen von 300 Metern oder darüber auf. Im Nordosten setzt sich das Riesengebirge in Polen im Landeshuter Kamm fort, im Südosten reicht es über den Bergrücken Kolbenkamm bis zum Liebauer Tor und Rehorngebirge. Die westliche Begrenzung stellt der Neuweltpass (886 m) bei Jakuszyce (Jakobsthal) dar, dahinter schließt sich an der polnisch-tschechischen Grenze das Isergebirge an. In Tschechien verläuft südlich des Hauptkamms und parallel zu ihm der nur ca. 100 Meter niedrigere Böhmische Kamm (auch Innerer Kamm genannt). Er wird bei Špindlerův Mlýn von der Elbe durchbrochen. Daran schließen sich noch mehrere Nebenkämme an. Die Ausdehnung des Riesengebirges beträgt 631 km², wovon 454 km² auf tschechischem und 177 km² auf polnischem Gebiet liegen.

Blick vom Hauptkamm zum Böhmischen Kamm. Im Vordergrund die Spindlerbaude (Špindlerova bouda)
Elbfall mit Elbfallbaude um 1900

Hauptkamm und Böhmischer Kamm sind durch die Täler von Mummel (Mumlava), Elbe (Labe) und Weißwasser (Bílé Labe) getrennt. Weitere bedeutende Flüsse auf tschechischer Seite sind Velka Úpa (Große Aupa) und Malá Úpa (Kleine Aupa) sowie die Jizerka (Kleine Iser). Die Mumlava und die Jizerka münden in die Jizera (Iser), die im angrenzenden Isergebirge entspringt und den Südwesten des Riesengebirges durchfließt.

Hainfall (Wodospad Podgórnej), Polen

Die Flüsse der tschechischen Seite stürzen oft über steile Kanten von den Rändern der Höhenzüge in die von eiszeitlichen Gletschern geformten Täler. Die größten Wasserfälle auf der Südseite des Gebirges sind Labský vodopád (Elbfall) mit einer Fallhöhe von 50 m, Pančavský vodopád (Pantschenfall) (140 m, höchster Wasserfall Tschechiens), Horní Úpský vodopád (Oberer Aupafall), Dolní Úpský vodopád (Unterer Aupafall) und Mumlavský vodopád (Mummelfall) (10 m). Die bedeutendsten Flüsse auf polnischer Seite sind Zacken (Kamienna), Lomnitz (Łomnica) und Bober (Bóbr). Sie und ihre Zuflüsse verlaufen häufig in engen Felsschluchten und bilden aufgrund des starken Gefälles ebenfalls imposante Wasserfälle, wie z. B. den Wodospad Kamieńczyka (Zackelfall) (27 m), den Wodospad Szklarki (Kochelfall) (13,5 m), den Wodospad na Łomnicy (Lomnitzfall) (10 m) oder den Wodospad Podgórnej (Hainfall) (10 m).

Über den Hauptkamm des Riesengebirges verläuft die Wasserscheide zwischen Nordsee und Ostsee. Die Flüsse der tschechischen Südseite entwässern über die Elbe in die Nordsee, die Flüsse der polnischen Nordseite über die Oder in die Ostsee.

Natur[Bearbeiten]

Abgestorbene Fichten im Moorgebiet am Nordabfall des Hauptkamms (Juli 2005)

Im Riesengebirge ist die typische Zonierung der Vegetation nach Höhenstufen eines mitteleuropäischen Gebirges vertreten. Die Flusstäler und niederen Lagen bilden die submontane Zone. Die hier ursprünglich vorherrschenden Laub- und Mischwälder wurden jedoch größtenteils durch Fichtenmonokulturen ersetzt. Nur in den Flusstälern sind noch Reste der Laubwälder vorhanden.

Daran schließt die montane Vegetationszone an. Deren natürliche Nadelwaldbestände wurden ebenfalls zum großen Teil durch Fichtenmonokulturen ersetzt. Diese sind durch Luftverschmutzung und Bodenversauerung oft stark geschädigt. An vielen Stellen ist der Wald großflächig abgestorben. Der Grund ist die geografische Lage im Schwarzen Dreieck, einer Region um das deutsch-polnisch-tschechische Dreiländereck, in der eine große Zahl von Elektrizitätswerken, die mit Braunkohle betrieben werden, existiert. Zwar wurde deren Schwefeldioxidemission, die hauptverantwortlich für den sauren Regen ist, sowie die Emission vieler anderer Luftschadstoffe seit Beginn der 1990er-Jahre stark reduziert, trotzdem konnte der Prozess des Waldsterbens, der bereits in den 1970er-Jahren einsetzte und Ende der 1980er-Jahre seinen Höhepunkt erreichte, noch nicht vollständig gestoppt werden.

Alpine Vegetationszone am Riesenkamm (1400 m), östlich der Schneekoppe

Oberhalb der Baumgrenze in ca. 1250–1350 m Höhe liegt die subalpine Vegetationszone. Sie ist vor allem von Knieholzbeständen, natürlichen und sekundären Borstgraswiesen und subarktischen Hochmooren geprägt.

Schneegruben und ehemalige Schneegrubenbaude (Schronisko nad Śnieżnymi Kotłami)

Diesem Lebensraum kommt im Riesengebirge eine besondere Bedeutung zu. Es handelt sich hierbei um einen Rest der arktischen Tundra, die während der Eiszeiten in Mitteleuropa vorherrschte. Gleichzeitig bestand jedoch eine Verbindung zum alpinen Grasland der Alpen. Es existieren hier Pflanzenarten nebeneinander, die sonst mehrere tausend Kilometer voneinander getrennt sind, z. B. Moltebeeren. Einige Arten entwickelten sich unter den speziellen Bedingungen des Riesengebirges anders als in den Alpen oder in der Tundra. Sie sind endemisch, das heißt, sie kommen nur hier vor.

Nur auf den höchsten Gipfeln Schneekoppe, Hochwiesenberg (Luční hora), Brunnberg (Studniční hora), Hohes Rad, Kesselkoppe (Kotel) und Reifträger (Szrenica) findet man die alpine Vegetationszone. Hier herrschen Gras- und Flechtengesellschaften vor, deren Lebensraum ausgedehnte, aus Felstrümmern bestehende Schutthalden bilden.

Besonders artenreich sind Gletscherkare wie der Riesengrund (Obří důl), der Elbgrund (Labský důl) und der Weißwassergrund (Důl Bílého Labe) auf der Südseite und die dramatischen Schneegruben (Śnieżne Kotły), der Melzergrund (Kocioł Łomniczki) sowie die Kessel der Bergseen Großer Teich (Wielki Staw) und Kleiner Teich (Mały Staw) auf der Nordseite des Hauptkamms. Die artenreichsten Stellen nennt man zahrádka („Gärtchen“). Davon gibt es im Riesengebirge etwa 15, z. B. Čertova zahrádka (Teufelsgärtchen) und Krakonošova zahrádka (Rübezahls Gärtchen).

Naturschutz[Bearbeiten]

Zackelfall (Wodospad Kamieńczyka), Polen

Sowohl auf tschechischer Seite als auch auf polnischer Seite sind große Teile des Riesengebirges als Nationalpark geschützt. Der Wegbereiter für den Naturschutz im Riesengebirge war Johann Nepomuk von Harrach, der 1904 eine Fläche von 60 ha im Elbgrund zum Naturschutzgebiet erklären ließ, um die Riesengebirgsflora zu erhalten.

Karkonoski Park Narodowy (KPN)[Bearbeiten]

Der 56 km² große Karkonoski Park Narodowy (KPN, Nationalpark Riesengebirge) besteht als polnischer Nationalpark bereits seit 1959. Er umfasst vor allem die sensiblen Hoch- und Gipfellagen des Gebirges ab etwa 900–1000 m Höhe und einige besondere Naturreservate unterhalb dieser Zone.

Krkonošský národní park (KRNAP)[Bearbeiten]

Logo des KRNAP

Anschließend an den polnischen Nationalpark wurde 1963 der Krkonošský národní park (KRNAP, Nationalpark Riesengebirge) als erster Nationalpark in Tschechien eingerichtet. Seine Fläche beträgt annähernd 370 km². Unter Schutz stehen nicht nur die subalpinen Kammlagen, sondern auch die Bereiche bis an den Fuß des Gebirges.

Die strengen Naturschutzbestimmungen des polnischen Nationalparks lassen keine künstliche Wiederaufforstung der durch das Waldsterben in den 1970er- und 1980er-Jahren betroffenen Bereiche des Gebirges zu. Auf tschechischer Seite hingegen wird Wiederaufforstung betrieben.

Klima[Bearbeiten]

Das Klima des Riesengebirges ist von häufigen Wetterumschwüngen geprägt. Die Winter sind kalt und Schneehöhen über drei Meter keine Seltenheit. Weite Teile des Gebirges verbergen sich ca. 5–6 Monate unter einer Schneedecke. Die höheren Lagen sind oft in dichten Nebel gehüllt. Der Gipfel der Schneekoppe ist an durchschnittlich 296 Tagen zumindest zeitweise im Nebel bzw. in den Wolken verborgen. Die Durchschnittstemperatur auf der Schneekoppe beträgt ca. 0,2 °C. Die Kammlagen gehören zu den windexponiertesten Gegenden Europas. Auf der polnischen Seite ist der Föhn eine häufige Wettererscheinung. Der jährliche Niederschlag reicht von ca. 700 mm am Fuße des Gebirges bis zu 1230 mm auf der Schneekoppe. Mit bis zu durchschnittlich 1512 mm in den Schneegruben werden die höchsten Niederschlagsmengen jedoch in den Tälern am Fuße des Hauptkammes erreicht.

Besiedlung[Bearbeiten]

Das Riesengebirge war bis ins Mittelalter unbesiedelt. Die schlesischen Piasten errichteten zu jener Zeit an den nördlichen Abhängen des Gebirges Grenzburgen zur Sicherung ihrer Gebiete. Mit der Ansiedlung sächsischer, fränkischer und thüringischer Kolonisten im Umkreis jener Burgen begann die Urbarmachung des Territoriums. Ausgehend vom Hirschberger Tal – 1288 etwa wurde Hirschberg gegründet – wurden nach und nach immer höhere Regionen des Gebirges erschlossen.

Die Besiedelung der böhmischen Seite des Riesengebirges hingegen begann weit später (Spindlermühle etwa 1793), durch Kolonisten aus dem Alpenraum. Diese Kolonisten brachten ihre traditionellen, für den Alpenraum typischen, Wirtschaftsformen mit, etwa die alpine Weidewirtschaft. Dadurch entstanden im böhmischen Riesengebirge jene Baudensiedlungen, die bis 1945 die Landschaft prägten.

Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges begann die Vertreibung der deutschen Bevölkerung. Die Bewohner des schlesischen Teils des Gebirges gelangten vorwiegend in den britisch und sowjetisch besetzten Teil Deutschlands, die Bewohner des böhmischen Teils vorwiegend in die amerikanische und ebenfalls in die sowjetische Besatzungszone. Die schlesische Seite wurde daraufhin mit Polen meist aus Zentral- und Ostpolen neubesiedelt, die böhmische Seite mit Tschechen. Hierbei handelte es sich um Neubürger aus dem tschechischen Landesinneren, tschechische Repatrianten, aber auch um Slowaken und Roma, die man kulturell assimilieren wollte. Ebenso gelangten auf beiden Seiten der Grenze griechische Bürgerkriegsflüchtlinge in die Region. Insbesondere auf der tschechischen Seite konnte die frühere Besiedelungsdichte allerdings nie mehr erreicht werden, sodass heute ca. 2/3 weniger Einwohner in dem Gebiet leben.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Im Mittelalter begann der Bergbau. Zunächst waren es Edelsteine, dann kamen Eisenerz und andere Mineralien dazu. Für die Verarbeitung der Erze waren große Mengen Holz erforderlich, so dass der Rodung des Waldes Einhalt geboten werden musste. Der Dreißigjährige Krieg beendete die Blütezeit des Bergbaus. Auf der böhmischen Seite entwickelte sich die Glaskunst, die sich durch eine reiche Farbgestaltung auszeichnet. In der Stadt Harrachov befindet sich heute ein Glasmuseum.

Besonders in der Umgebung von Bergbauden entstanden durch Rodung artenreiche Bergwiesen, welche in alpiner Weidewirtschaft gepflegt wurden. Durch die Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei kam diese Art der Bewirtschaftung ab 1945 weitestgehend zum Erliegen, wodurch diese Bergwiesen nach und nach verwilderten. Geblieben ist die touristische Erschließung, die sich seit dem 19. Jahrhundert entwickelt hat, vor allem der Wintersport und Wandertourismus.

Besonderheiten[Bearbeiten]

Die Teichbaude (Schronisko Samotnia) am Kleinen Teich, Polen

Typisch für das Riesengebirge sind die zahlreichen Bergbauden. Ursprünglich handelte es sich um von Hirten im Sommer bewohnte, meist hölzerne Schutzhütten in den höheren Gebirgslagen. Ab etwa 1800 wurden einige der Hütten für die ersten Wanderer interessant, sodass viele gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Herbergen umgewandelt wurden. Später wurden die Bauden oft erweitert, um eine größere Zahl von Gästen bewirten und beherbergen zu können. Bekannte historische Bauden sind beispielsweise die Wiesenbaude (Luční bouda), die Martinsbaude (Martinová bouda) und die Wosseckerbaude (Vosecká bouda) in Tschechien sowie die Hampelbaude (Schronisko Strzecha Akademicka), die Teichbaude (Schronisko Samotnia) und die Neue Schlesische Baude (Schronisko na Hali Szrenickiej) in Polen. An anderen Stellen wurden die alten Bauden durch neuere Gebäude ersetzt. Zu diesen im 20. Jahrhundert speziell für touristische Zwecke errichteten Bauden zählen z. B. die Peterbaude (Petrova bouda, 2011 abgebrannt) oder die Gipfelbaude auf der Schneekoppe (Schronisko na Śnieżce).

Panorama einer Hochfläche mit Bauden, Tschechien

Auch zahllose, zum Teil sehr eindrucksvolle und auf der gesamten Länge des Gebirges vorhandene Felsformationen hat das Riesengebirge zu bieten, z. B. die Mädelsteine (tschech. Dívčí kameny, poln. Śląskie Kamienie) und die Mannsteine (tschech. Mužské kameny, poln. Czeskie Kamienie) in über 1400 m Höhe am Hauptkamm, die Harrachsteine (Harrachovy kameny) in Tschechien oder die gewaltigen Dreisteine (Pielgrzymy) und den Mittagstein (Słonecznik) in Polen. Es sind hohe Türme und Blöcke aus Granit, die durch ungleichmäßige Verwitterung verschiedenartige Formen angenommen haben. Oft ähneln sie Menschen oder Tieren, erreichen aber Höhen von bis zu 30 Metern. Ähnliche Formationen finden sich auch in anderen Teilgebirgen der Sudeten.

1914/15 schrieben Othmar Fiebiger (Text) und Vinzenz Hampel (Melodie) das Riesengebirgslied, das sich als volkstümliche Weise schnell verbreitete.

Tourismus[Bearbeiten]

Erinnerungen an das Riesengebirge, Caspar David Friedrich, vor 1835

Das Riesengebirge ist eines der traditionsreichsten Touristengebiete in Mitteleuropa. Bereits im 18. und 19. Jahrhundert waren Besteigungen der Schneekoppe häufig, etwa durch Theodor Körner oder Johann Wolfgang von Goethe. Ende des 19. Jahrhunderts gründeten sich auf der böhmischen und schlesischen Seite des Gebirges zwei Vereine, der schlesische Riesengebirgsverein und der Österreichische Riesengebirgsverein. Beide setzten sich u.a. die touristische Erschließung des Riesengebirges zum Ziel, wozu in erster Linie der Wegebau vorangetrieben wurde. Insgesamt schuf man ein Wegenetz von 3000 Kilometern, wobei allein 500 Kilometer auf das Hochgebirge entfielen. Das Riesengebirge wurde in Folge zu einem der beliebtesten Urlaubsgebiete Deutschlands. In Schreiberhau (poln. heute: Szklarska Poręba) auf der schlesischen Seite befanden sich seit der Gründerzeit zahlreiche Ferienvillen von Berliner Fabrikanten, die auch heute noch erhalten sind und ein besonderes Flair haben. Direkte Bahnverbindungen nach Schreiberhau bestanden von Berlin, Breslau und Dresden, sodass eine bequeme und schnelle Anreise möglich war.

Nach 1945 erfolgte auf beiden Seiten des Gebirges vor allem ein Ausbau der Skigebiete mit Liften und neuen Abfahrtspisten, während die traditionellen Bergbauden zunächst vernachlässigt wurden. Etliche wurden ein Opfer von Bränden, wie die Elbfallbaude, die Riesenbaude oder die einstige Rennerbaude und die Prinz-Heinrich-Baude. Ebenso verfielen aufgrund mangelnder Pflege viele Wanderwege, Sprungschanzen und Rodelbahnen. Der grenzüberschreitende Kammweg war in den 1980er-Jahren nur noch polnischen und tschechoslowakischen Bürgern zugänglich; deutschen Besuchern wurde die Nutzung des nunmehr Freundschaftsweg genannten Weges untersagt.

Heute stellt das Riesengebirge vor allem für Gäste aus Deutschland und den Niederlanden wieder ein beliebtes Urlaubsziel im Sommer und im Winter dar. Große und schneesichere Skigebiete befinden sich auf der tschechischen Seite in Špindlerův Mlýn (Spindlermühle) und Harrachov (Harrachsdorf) sowie auf der polnischen Seite in Szklarska Poręba (Schreiberhau) und Karpacz (Krummhübel). Bekannt sind auch die Skiflugschanzen von Harrachov und Karpacz.

Bedeutende Erhebungen[Bearbeiten]

Reifträger, Ostseite 1362 m
Reifträgerbaude
(Schronisko górskie Szrenica)


Ausgewählte Orte im Riesengebirge[Bearbeiten]

in Polen:

in Tschechien:

Literatur[Bearbeiten]

  • Joseph Carl Eduard Hoser: Das Riesengebirge in einer statistisch-topographischen und pittoresken Übersicht. Wien 1803/04 (Digitalisat Band 1, Digitalisat Band 2).
  • Johann Jokely: Das Riesengebirge in Böhmen. In: Jahrbuch der k.k. Geologischen Reichsanstalt Heft 3, Jg. 1861/1862, Wien, S. 396–420 (Digitalisat; PDF; 2,1 MB)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.waltersperling.de/geonamen/index_wb.htm Walter Sperling: Geographische Namen in den böhmischen Ländern
  2. Ernst von Seydlitz: Geographie 1917
  3. Pavel Holubec: Historické proměny krajiny Krkonoš (PDF; 98 kB), 2003, S. 9 {{{2}}}
  4. W. Dienemann und O. Burre: Die nutzbaren Gesteine Deutschlands und ihre Lagerstätten mit Ausnahme der Kohlen, Erze und Salze. Enke-Verlag, Stuttgart 1929, S. 61ff