Rietburg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Rietburg
Die Rietburgmit der Schneise der Sesselbahn

Die Rietburg
mit der Schneise der Sesselbahn

Entstehungszeit: 1200–1204
Burgentyp: Höhenburg, Hanglage
Erhaltungszustand: Ruine
Ständische Stellung: Ministeriale
Ort: Rhodt unter Rietburg
Geographische Lage 49° 16′ 39,7″ N, 8° 4′ 48,1″ O49.2776805555568.0800277777778535Koordinaten: 49° 16′ 39,7″ N, 8° 4′ 48,1″ O
Höhe: 535 m ü. NN
Rietburg (Rheinland-Pfalz)
Rietburg

Die Rietburg ist die Ruine einer Hangburg oberhalb der pfälzischen Ortsgemeinde Rhodt unter Rietburg im Landkreis Südliche Weinstraße (Rheinland-Pfalz).

Geographie[Bearbeiten]

Die Rietburg liegt in einer Höhe von 535 Metern an der Nordostflanke des 618 Meter hohen Blättersberges. Dieser gehört zur Haardt, die den Ostrand des Pfälzerwaldes bildet.

Erreichbar ist der Fuß des Blättersberges über die Bundesautobahn 65 (KarlsruheLudwigshafen am Rhein), Ausfahrt Edenkoben, von Edenkoben aus in Richtung Rhodt, dann über eine Fahrstraße in Richtung Rietburg bis zum Parkplatz nahe dem Schloss Villa Ludwigshöhe und der Talstation der Rietburgbahn; diese führt als Sessellift zur Burg hinauf.

Anlage[Bearbeiten]

Grundriss

Von der Burg erhalten sind nur ein Teil der Schildmauer sowie Teile des Berings und des Zwingers.

Geschichte[Bearbeiten]

Errichtung[Bearbeiten]

Rekonstruktionszeichnung

Die Entstehung der Rietburg wird auf 1200 bis 1204 datiert und den Herren von Riet zugeschrieben. Diese waren anfangs Lehnsmannen der nordelsässischen Benediktinerabtei Weißenburg, später Ministerialen und Lehnsmannen der damals staufischen deutschen Herrscher. Die Familie stammte aus der Gegend zwischen Speyer und Germersheim und hatte ihren Namen nach einem mit Ried bewachsenen Herkunftsgebiet am Rhein erhalten. Erstmals wurde sie 1149 in einer Urkunde des südpfälzischen Klosters Eußerthal erwähnt. Erbauer der Burg war Konrad II. von Riet, ältester von sechs Söhnen des gleichnamigen Vaters und dessen Ehefrau Adelheid, die seit 1184 verheiratet waren.[1]

Geiselnahme und Verlust der Burg[Bearbeiten]

Nach dem Tod Konrads II. übernahm dessen Vetter Hermann von Riet die Burgherrschaft. In den nach 1250 aufflammenden Konflikten zwischen Staufern und Welfen blieb er staufischer Gefolgsmann und ging durch eine politische Geiselnahme in die Geschichte ein: 1255 nahm er die den Welfen angehörende Königin Elisabeth, Gattin des deutschen Königs Wilhelm, samt ihrer Begleitung während einer Reise von der Bischofsstadt Worms zur Reichsburg Trifels bei der Ortsgemeinde Edesheim fest und setzte sie auf der Rietburg gefangen. Eine Koalition von regionalen Fürsten und Städten zwang ihn am 4. Dezember 1255, seinen Gefangenen die Freiheit zu geben. Hermann kam mit dem Leben davon, doch seine Burg wurde ihm entzogen und zur Reichsburg erklärt, die direkt dem König unterstand. Erster Lehnsmann wurde der oberelsässische Landvogt Otto III. von Ochsenstein. Als dessen Tochter Katharina mit Emich V. von Leiningen-Landeck vermählt wurde, fiel die Burg in den 1280er Jahren an einen Zweig des Hauses Leiningen. Später erlangte das Hochstift Speyer das Eigentum.[1]

Niedergang[Bearbeiten]

1470, im Verlauf der Weißenburger Fehde zwischen Kurfürst Friedrich dem Siegreichen von der Pfalz und seinem Vetter, Herzog Ludwig dem Schwarzen von Pfalz-Zweibrücken, wurde die Rietburg durch Truppen der Leininger beschossen und schwer beschädigt, war aber noch bewohnbar. Im Bauernkrieg 1525 kam die Burg unbeschadet davon. Während des Dreißigjährigen Krieges (1618–48) wurde sie indessen endgültig zerstört und später nicht wieder aufgebaut.[1]

Grabungs- und Erhaltungsmaßnahmen[Bearbeiten]

Bei Grabungsarbeiten im Jahre 1872 wurden 580 Gold- und Silbermünzen aus dem 16. Jahrhundert gefunden. 1925 führte die Gemeinde Rhodt umfangreiche Erhaltungsmaßnahmen durch, um den weiteren Zerfall der Rietburg aufzuhalten. 1931 errichtete der Pfälzerwald-Verein in den Ruinen der Burg eine Hütte, 1955 wurde die Burggaststätte gebaut. Seit 1991 bemüht sich der Rietburgverein um den Erhalt der Anlage.[1][2] So wurden z. B. 2012 für eine Holzbrücke über den historischen Halsgraben, über den einst wohl eine Zugbrücke führte, 25.000 € investiert.[3]

Sage[Bearbeiten]

Die Sage[4] von dem Räuber auf der Rietburg berichtet: Einst hauste ein Raubritter auf der Burg (die als „altes Schloss“ bezeichnet wird), man nannte ihn einen „wilden Geier mit der Fratze Satans“. Er lauerte Menschen auf und schleppte sie als Beute in seinen Horst. Besonders unter den Frauen war er verhasst. Eines Tages raubte er ein junges Mädchen, das sanft war wie eine Taube. Der Vater des Mädchens stieg mit einigen Getreuen zur Burg empor, versuchte jedoch vergeblich, die Burg zu erstürmen. Der Räuber stand währenddessen lachend auf den Zinnen und verlangte ein Lösegeld vom Vater. Für einen großen Betrag von Gold und Erz solle er seine Tochter zurückbekommen. Nachdem das Lösegeld gezahlt worden war, gab der Räuber dem Vater seine Tochter zurück – indem er sie von den Zinnen warf. Als das Mädchen zerschmettert am Boden lag, lachte der Räuber schallend. Hierauf strömten alle „Kämpen“ zusammen, erstürmten das Schloss und stürzten den Räuber von der Mauer. Dieser muss seither zusammen mit seinem Gefolge als böser Geist ruhelos durch die Nacht jagen.

Heutige Nutzung[Bearbeiten]

Tourismus[Bearbeiten]

Aussichtspunkt auf der Rietburg

Auf die Rietburg führt seit 1954 ein Sessellift, die Rietburgbahn, deren Trasse auf der Ostseite des Berges – zur Rheinebene hin – verläuft. Die Aussicht dorthin kann während der Talfahrt genossen werden. Die Talstation ist zu Fuß oder mit dem Auto erreichbar und befindet sich nahe beim Schloss Villa Ludwigshöhe. Dieses wurde von 1846 bis 1852 im Auftrag von Ludwig I., König von Bayern, errichtet.

Die Bergstation der Rietburgbahn liegt nur wenige Schritte von der Burgruine entfernt. In diese hineingebaut ist ein Ausflugslokal, die Höhengaststätte Rietburg, welche über eine Freiterrasse mit weitem Blick über die Rheinebene verfügt. Von hier aus lässt sich über die Ebene hinweg die gesamte Bergstraße vom Melibokus im Norden bis zum Königstuhl bei Heidelberg überschauen. Der Blick geht weiter zum Steinsberg bei Sinsheim als höchster Erhebung des Kraichgaus und bei guter Sicht zum Heuchelberg und Stromberg. Im Südosten erkennt man den Nordschwarzwald von der Badener Höhe über den Mehliskopf bis zur Hornisgrinde. Bei außergewöhnlich günstigen Sichtverhältnissen sieht man weit im Nordnordosten die Hochhäuser von Frankfurt (Westendstraße 1), im Osten den Katzenbuckel (direkt links neben dem Königstuhl) und im Südsüdosten den mittleren Schwarzwald bis in Höhe von Kenzingen, wo der Schwarzwald im Zuge der Freiburger Bucht nach Osten schwenkt.

Sport[Bearbeiten]

Die Rietburg ist alljährlich im September Schauplatz des Internationalen Rietburg-Berglaufs, der zur Pfälzischen Berglaufserie gehört. Er führt über eine Strecke von 8200 Metern und überwindet kumuliert 420 Höhenmeter.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Alexander Thon, Stefan Ulrich: Rhodt unter Rietburg – Burgruine Rietburg. Schnell-Kunstführer Nr. 2739. Verlag Schnell und Steiner, Regensburg 2009, ISBN 978-3-7954-6831-6.
  •  Alexander Thon: ...umb sunderlichen frieden, fromen und notz des landes. Belagerung und Untergang pfälzisch-elsässischer Burgen im Mittelalter. In: Olaf Wagner, Heiko Laß (Hrsg.): ...wurfen hin in steine / grôze und niht kleine... Belagerungen und Belagerungsanlagen im Mittelalter. Beihefte zur Mediaevistik, Heft 7, Verlag Lang, Frankfurt am Main u. a. 2006, ISBN 3-631-55467-2, S. 241–268, hier 65–71.
  •  Alexander Thon (Hrsg.): Wie Schwalbennester an den Felsen geklebt. Burgen in der Nordpfalz. 1 Auflage. Verlag Schnell und Steiner, Regensburg 2005, ISBN 3-7954-1674-4, S. 136–141.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rietburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Ortsgemeinde Rhodt: Die Rietburg. 27. Juni 2004, abgerufen am 19. August 2010.
  2. Rietburgverein: Historie. Abgerufen am 19. August 2010.
  3. Die Rheinpfalz, Südwestdeutsche Zeitung, 14. Mai 2012
  4.  Epheuranken: Die Sage von dem Räuber auf der Rietburg. 1840. In: Henri Franck (Hrsg.): Pfälzische Sagen. Heidelberg 1990, ISBN 3-921797-26-8.