Rieter

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt den Schweizer Konzern Rieter. Weiterhin existiert mit den Rieter von Kornburg noch eine gleichnamige, ehemalige Nürnberger Patrizierfamilie. Weitere Träger dieses Namens siehe Rieter (Begriffsklärung)
Rieter Holding AG
Logo Rieter.svg
Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN CH0003671440
Gründung 1795
Sitz Winterthur, Schweiz
Leitung Erwin Stoller
(CEO und VR-Präsident)
Mitarbeiter 4720 (2012)[1]
Umsatz 888,5 Mio. CHF (2012)[1]
Branche Maschinenbau
Produkte TextilmaschinenVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Website www.rieter.com
Firmensitz in Winterthur

Rieter (rechtlich Rieter Holding AG) ist eine international tätige Schweizer Industrieholding mit Hauptsitz in Winterthur. Der im Textilmaschinenbau und ehemals in der Automobil- und Kunststoffindustrie tätige Konzern wurde 1795 als J. J. Rieter & Cie. gegründet und war vor seiner Umwandlung in eine Holding im 20. Jahrhundert als Maschinenfabrik Rieter AG bekannt.

Der Umsatz im Geschäftsjahr 2012 ist im Vergleich zum Vorjahr um 12 % gesunken. Der Reingewinn sank ebenfalls von 119 Mio. CHF auf 26,5 Mio. CHF. In Asien wurden 77 % des Umsatzes erbracht, in Europa sank der Anteil auf 10 %.[1] Wegen der schwierigen Umsatzlage in Europa ist für 2013/2014 ein Stellenabbau in Höhe von 250 Stellen in der Schweiz geplant.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Johann Jacob Rieter (1762–1826) gründete die Firma J. J. Rieter & Cie. 1795 in Winterthur als Handelsunternehmen für exotische Gewürze und Baumwolle. Begünstigt durch die napoleonische Kontinentalsperre, stieg Rieter mit eigenen Spinnereien in die Fertigung von Textilien ein und erwarb 1833 die Gebäude des ehemaligen Klosters Töss in der damals noch selbständigen Gemeinde Töss bei Winterthur als Fabrikgelände.

Ähnlich wie viele andere Textilhersteller des 19. Jahrhunderts betrieb auch Rieter seine eigene Maschinenfabrik. Diese spezialisierte sich in der Herstellung von Textilmaschinen und den zugehörigen Antrieben und Kraftübertragungssystemen. Daneben stellte Rieter auch Lokomotiven, Trams, Gewehre und Motoren her. Rieter erstellte 1852 die erste Arbeitersiedlung der Schweiz und war damit ein Pionier der Arbeiterfürsorge. 1891 wurde die Firma von der Familie Rieter in die Aktiengesellschaft Maschinenfabrik Rieter AG umgewandelt. Der letzte Familienangehörige in der Firmenleitung war Benno Rieter (1870–1925). Während des Ersten Weltkriegs beschloss die Firmenleitung 1915 die Konzentration auf die Herstellung von Spinnereimaschinen.

Rieter dehnte später seine Geschäftstätigkeit wieder aus, unter anderem in den Chemiefaserbereich. Nach dem Zweiten Weltkrieg folgte die Expansion ins Ausland, 1951 in die USA (American Rieter Company, Arlington) und 1962 nach Indien (Coimbatore). 1970 wurde die Pensionskasse der Firma Rieter gegründet. In den 1980er Jahren expandierte und diversifizierte Rieter durch Firmenzukäufe stark. 1982 wurde die englische Firma Ernest Scragg & Sons (Texturiermaschinen), 1987 die Schubert & Salzer Maschinenfabrik AG (Rotorspinnmaschinen) übernommen.

1984 übernahm Rieter die schweizerische Unikeller Holding AG und stieg damit als Zulieferer in die Automobilindustrie ein. Als direkte Folge hiervon wurde 1985 die Maschinenfabrik Rieter AG zur Rieter Holding AG, der neuen Dachgesellschaft des Konzerns, während der Name Maschinenfabrik Rieter AG an ein neu gegründetes Tochterunternehmen überging, in welchem der Geschäftsbereich Textilmaschinen zusammengefasst wurde.

Nach einer Krise zu Beginn der 1990er Jahre folgten weitere Akquisitionen:

  • 1992 Rieter Automatik Apparate-Maschinenbau, Großostheim (Synthesefaser- und Granuliermaschinen)
  • 1994 Elitex, Usti nad Orlici (Spinnmaschinen, Autozulieferer) und Firth Furnishings, Heckmondwike (Autoteppiche)
  • 1995 Globe Industries, Chicago (Autozulieferer)
  • 1996 Fimit Turin (Autozulieferer)
  • 1997 Ello, Sao Bernardo do Campo (Autozulieferer)
  • 2000 Teile des französischen ICBT-Konzerns, Valence (Vliesherstellungs- und Garnveredlungsmaschinen)
  • 2001 Teile der deutschen Süßen-Gruppe (Spinnmaschinen)
  • 2002 Idea Institute, Turin (Autodesign und -engineering)
  • 2003 substantielle Beteiligung an der spanischen Saifa-Keller S.A. (Autozulieferer)
  • 2005 Hogra Holding AG (Komponenten für Stapelfasermaschinen)

Die Unikeller Holding fusionierte 1989 mit der Rieter Holding, unter Beibehaltung des Namens Unikeller für den Geschäftsbereich Automobilteile, welcher schliesslich 1995 in Rieter Automotive Systems umbenannt wurde. Im Laufe des Jahres 2010 wurde die Wiederauslagerung der Automobilsparte in ein eigenständiges Unternehmen in die Wege geleitet. Die im Dezember 2010 hierfür neu gegründete Unikeller Holding AG wurde per 22. März 2011, mit dem Versand der Einladungen zur Generalversammlung und der Publikation der Statuten, in Autoneum Holding AG umbenannt.[3] An der Generalversammlung vom 13. April 2011 wurde die Aufteilung von der Mehrheit der Rieter-Aktionäre angenommen, womit der Geschäftsbereich Automotive Systems seit dem 13. Mai 2011 unter dem Namen Autoneum als selbständiges Unternehmen tätig ist.[4]

Geschäftsbereiche[Bearbeiten]

Der Rieter-Konzern besteht seit 2011 aus dem Geschäftsbereich Textile Systems und bietet nach eigenen Angaben als einziger Hersteller weltweit Produkte und Know-how zum gesamten Spinnprozess und ist führend in der Herstellung von Maschinen und Anlagen für die Produktion und Veredelung von synthetischen Endlosgarnen, Vliesstoffen und Granulaten für die Kunststoffindustrie. Mitte 2011 wurden rund 4700 Mitarbeiter an 18 Produktionsstätten in 9 Ländern beschäftigt[5] und im ersten Halbjahr ein Umsatz von 537,8 Mio. Franken erzielt.[6]

Zwischen 1984 und Mai 2011 umfasste der Rieter-Konzern zudem den Geschäftsbereich Automotive Systems und gehörte zu den führenden Herstellern für Autoteile in den Bereichen akustischer Komfort und Hitzeschutz. Bevor dieser Geschäftsbereich als Autoneum Holding AG in die Selbständigkeit entlassen wurde, beschäftigte der Rieter-Konzern knapp 14'000 Mitarbeiter an 98 Produktionsstandorten in 27 Ländern.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Maschinenfabrik Rieter AG – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Rieter Holding, Geschäftsbericht 2012 (PDF; 384 kB), per 31. Dezember 2012.
  2. Gewinnrückgang kostet bei Rieter rund 250 Stellen. In: Der Landbote. 21. März 2013.
  3. Thomas Schürpf: Der Traditionskonzern Rieter spaltet sich auf. In: Neue Zürcher Zeitung. 22. März 2011. Abgerufen am 10. Juni 2011.
  4. Autoneum starten besser als erwartet. In: Neue Zürcher Zeitung. 13. Mai 2011. Abgerufen am 10. Juni 2011.
  5. Rieter Holding: Über den Konzern, 30. Juni 2011.
  6. Rieter Holding, Halbjahresbericht H1 2011 (PDF; 2,10 MB), per 30. Juni 2011.