Riffgat

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Windpark „Riffgat“
Offshore-Windpark Riffgat, Sicht vom Borkumer Nordstrand
Offshore-Windpark Riffgat, Sicht vom Borkumer Nordstrand
Lage
Windpark „Riffgat“ (Deutschland)
Windpark „Riffgat“
Koordinaten 53° 41′ 24″ N, 6° 28′ 48″ O53.696.48Koordinaten: 53° 41′ 24″ N, 6° 28′ 48″ O
Land Deutschland, Niedersachsen
Gewässer Nordsee
Daten
Primärenergie Windenergie
Leistung 108 MW
Typ Offshore-Windpark
Eigentümer ENOVA Unternehmensgruppe und EWE, Oldenburg
Projektbeginn 2011
Betriebsaufnahme 12. Februar 2014[1][2]
Gründung Monopiles
Turbine 30 × Siemens SWT-3.6-120
Website www.riffgat.de

Riffgat ist der Name eines Offshore-Windparks 15 Kilometer nordwestlich der Insel Borkum, nördlich des gleichnamigen Schifffahrtsweges in der südlichen Nordsee. Der Windpark wurde nach 14 Monaten Bauzeit am 10. August 2013 eingeweiht[3], war aber vorerst noch nicht ans Stromnetz angeschlossen, da der niederländische Netzbetreiber TenneT TSO den Netzanschluss noch nicht fertiggestellt hatte.[4] Der Windpark ging am 12. Februar 2014 in Betrieb.[1][2] Das prognostizierte Regelarbeitsvermögen des Windparks liegt bei circa 474 GWh pro Jahr.[5]

Allgemeines[Bearbeiten]

Der Oldenburger Energie- und Telekommunikationskonzern EWE AG und die ENOVA Unternehmensgruppe investieren gemeinsam in die Anlage. Die Planungen zum Bau führte die Offshore-Windpark RIFFGAT GmbH & Co. KG in Oldenburg durch. Insgesamt wollen die Betreiber 30 Windenergieanlagen vom Typ Siemens SWT-3.6-120 aufstellen, die ihren Angaben zufolge Strom für 112.000 Haushalte produzieren können (Nennleistung 108 Megawatt). Der Windpark umfasst eine Fläche von sechs Quadratkilometern.

Das Investitionsvolumen beträgt nach der Planung 2011 rund 480 Millionen Euro. Technische Anforderungen an die Anlagenfundamente aber auch Territorialfragen verzögerten den für 2011 geplanten Baubeginn. Ursprünglich sollten die Bauarbeiten Ende 2012 abgeschlossen sein. Der Baubeginn vor Ort erfolgte schließlich im Mai 2012.

Im August 2013 war der Windpark fertiggestellt, allerdings fehlt noch ein Stück Seekabel der Landanbindung, das in der Zuständigkeit der TenneT TSO liegt.[6] Hier gab es große Schwierigkeiten auf der genehmigten Trasse durch die Osterems im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, auf der wesentlich mehr Munition und Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden wurden als vermutet. Diese in der Nachkriegszeit hergebrachte und hier verklappte Altlast musste zunächst beseitigt werden.

Standort[Bearbeiten]

Der Offshore-Windpark Riffgat am Horizont in westlicher Richtung vom Norderneyer Leuchtturm aus gesehen (26. Juni 2013)

Der Offshore-Windpark Riffgat befindet sich in circa vier Kilometer Entfernung südlich des Verkehrstrennungsgebietes Terschelling – Deutsche Bucht, etwa vier Kilometer westlich der Grenze zum Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und in gut 15 Kilometer Entfernung in nordwestlicher Richtung von der Insel Borkum.

Der Windpark liegt innerhalb der Zwölf-Meilen-Zone, damit gilt die Zuständigkeit des Bundeslandes Niedersachsen. Der Windpark befindet sich in den potenziellen Eignungsgebieten für Offshore-Windenergienutzung, die das Land Niedersachsen in seinem „Aktionsprogramm zur Offshore-Windenergienutzung“ ausgewiesen hat[7] und direkt nördlich des vom Land Niedersachsen proklamierten Naturschutzgebietes Borkum Riff.

Grenzfrage[Bearbeiten]

Der Bau des Windparks erfolgte in einem Gebiet, das Deutschland für sich in Anspruch nimmt. Jedoch beanspruchen auch die Niederlande einen Teil des Gebietes für sich. Daher war der Bau auch mit der Deutsch-Niederländischen Grenzfrage verbunden. Der Grenzverlauf ist in der Emsmündung zwischen beiden Staaten mit dem „Ems-Dollart-Vertrag“ von 1960 zwar geregelt, aber nicht abschließend geklärt. Der Windpark wurde im äußeren Mündungsgebiet der Ems errichtet, auch dort gibt es eine deutsche und eine niederländische Auffassung des Grenzverlaufes.

Das Projekt wurde von deutscher Seite (Land Niedersachsen) genehmigt.

Bauverlauf des Windparks[Bearbeiten]

Anfang 2012 wurde das Baugebiet auf hier versenkte Munition und Kampfstoffe aus dem Zweiten Weltkrieg untersucht. Es lagen zahlreiche Messgeräte aus. Im Mai 2012 wurde eine 500-Meter-Sicherheitszone um die vorgesehenen Standorte der Windenergieanlagen eingerichtet und mit sechs Kardinaltonnen abgesichert[8], so dass mit den Gründungen begonnen werden konnte. Bis zum 8. Juni 2012 liefen sogenannte Kolkschutzmaßnahmen durch Aufschüttungen von grobem Kies durch das Fallpipe Vessel „Rolling Stone“.[9]

Vom 15. Juni 2012 bis Anfang September 2012 wurden durch das Errichterschiff „Oleg Strashnov“ die 30 circa 70 m langen Gründungselemente (Monopiles) und die Zwischenstücke aufgebaut[10], auch die Kabelverlegearbeiten innerhalb des Parkes hatten bereits begonnen.[11]

Im Februar 2013 wurde die in den Niederlanden gefertigte Umspannplattform „Riffgat“ im Windpark aufgestellt.[12] Ab Anfang Mai 2013 wurden die 30 in Dänemark hergestellten Windenergieanlagen vom norwegischen Errichterschiff „Bold Tern“ von Esbjerg geholt und im Baufeld auf die Fundamente gestellt.[13] Bis zum 24. Juni 2013 war die Hälfte der 30 WEA montiert, die restlichen folgten noch im Sommer 2013.[14] Der Bauabschluss wurde am 10. August 2013 mit dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil und dem Wirtschaftsminister Olaf Lies in Norddeich gefeiert.

Am 13. Juli 2013 verunglückte ein 26-jähriger englischer Taucher bei Arbeiten zur Befestigung eines Kabels am Meeresboden tödlich.[15] Am 12. Februar 2014 wurde der Windpark schließlich von TenneT an das Stromnetz angeschlossen und die bislang für die Instandhaltung des Windparks eingesetzten Dieselmotoren konnten abgeschaltet werden. Die Windkraftanlagen werden nun Stück für Stück bis spätestens Ende Mai in Betrieb gesetzt.[1][2]

Schwierigkeiten beim Netzanschluss[Bearbeiten]

Um das Anschlusskabel von der Umspannplattform im Windpark zum Festland nach Hamswehrum verlegen zu können, fanden 2012 auch auf der vorgesehenen Kabeltrasse Untersuchungen das Grundes statt. Dabei wurden wesentlich mehr Munition und Kampfmittel gefunden als vermutet.[16] Das zu verlegende Seekabel verläuft im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer im Bereich des Osterems-Fahrwassers.[17] Erst Anfang September 2013 wurde gemeldet, dass die Munitionsreste vom zuständigen Kampfmittelräumdienst nun offenbar vollständig geräumt wurden und das restliche noch fehlende Kabelstück gelegt werden könne.[18]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c TenneT schließt Windpark Riffgat an. TenneT, 12. Februar 2014, abgerufen am 12. Februar 2014.
  2. a b c Der Problem-Windpark geht endlich ans Netz. Frankfurter Allgemeine Zeitung, abgerufen am 12. Februar 2014.
  3. ndr.de: Film 3:34
  4. ndr.de: Vorerst kein sauberer Strom von „Riffgat“
  5. Erneuerbare Energien. Ein Windpark, der Strom verbraucht und Diesel frisst. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9. August 2013, abgerufen am 21. November 2013
  6. http://www.ndr.de/regional/niedersachsen/oldenburg/riffgat129.html
  7. Offshore Forum Windenergie – Riffgat, abgerufen am 10. Mai 2012
  8. WSA Emden, Bekanntmachungen für Seefahrer 71/12 vom 23. Mai 2012
  9. [1] NWZ vom 12. Juni 2012, abgerufen am 19. Juni 2012
  10. Fundamente für Offshore-Windpark „Riffgat“ stehen. In: http://www.business-on.de, 6. September 2012, abgerufen am 6. September 2012
  11. Windpark vor Borkum „ist auf Kurs“. In: Jeversches Wochenblatt, 27. Juli 2012, abgerufen am 27. Juli 2012
  12. Offshore-Windpark Riffgat erhält sein Herzstück. Riffgat-Pressemitteilung vom 17. Februar 2013, abgerufen am 22. April 2013
  13. Erste Anlage von „Riffgat“ montiert. In: Täglicher Hafenbericht vom 7. Mai 2013, S. 4
  14. Halbzeit beim Bau des Windparks Riffgat. In: Täglicher Hafenbericht vom 25. Juni 2013, S. 4
  15. Taucher stirbt bei Arbeiten für Offshore-Windpark. Auf: radiobremen.de, vom 13. Juli 2013, 14:54 Uhr, abgerufen am 12. Februar 2014.
  16. Anne-Katrin Wehrmann: Neue Gefahren durch alte Munition auf dem Grund der Nord- und Ostsee. In: Hansa, Heft 2/2013, S. 32/33
  17. WSA Emden, Bekanntmachungen für Seefahrer (T) 137/12 vom 22. August 2012
  18. Peter Kleinort: Weg für Riffgat-Kabel frei. In: Täglicher Hafenbericht vom 9. September 2013, S. 16