Rifkrieg (1921)

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Als Rifkrieg (1921–1926), auch Zweiter Marokkanischer Krieg, wird der militärisch ausgetragene Konflikt zwischen den Rifkabylen unter Mohammed Abd al-Karim und Spanien bezeichnet.

Die Spanier versuchten, basierend auf dem Vertrag von Fès vom 30. März 1912 und dem französisch-spanischen Vertrag vom 27. November 1912, ihre Herrschaft auf das gesamte ihnen zugesprochene Kolonialgebiet in Nordmarokko auszudehnen. 1926 gelang es ihnen schließlich, ausgehend von ihren alten Stützpunkten an der Küste (Plaza de soberanía) das gesamte Protektoratsgebiet zu erobern. Dabei warfen sie über 10.000 Senfgasbehälter auf ihre Gegner, was Auswirkungen bis heute hat.

Bereits 1859/60 fand der Erste Marokkanische Krieg statt, auch Spanisch-Marokkanischer Krieg genannt – es war der erste Versuch der Erweiterung des spanischen Einflusses in Marokko. Nach dem Rifkrieg (1893) und dem Rifkrieg (1909) war der Rifkrieg (1921–1926) der letzte in einer Reihe von Konflikten auf dem Gebiet des Rif-Gebirges.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Nach der Niederlage des Deutschen Reiches im Ersten Weltkrieg wurden die Brüder Mannesmann als Konkurrenten im Rif ausgeschaltet. Sie hatten im Rif über Besitz verfügt, der etwa einem Achtel des Territoriums an Wert entsprach. Bis 1920 baute Frankreich die Kontrolle seines Teiles Marokkos (Französisch-Marokko) aus und forderte von Spanien, sein Protektoratsgebiet vollständig zu besetzen. 1920 eroberten die Spanier die Stadt Chauen im Westen des Rifs und trotz ihrer Versprechen behandelten die Spanier die Rif-Kabylen schlecht. Spanien verwandelte in seinem Herrschaftsbereich Marokko in eine „Mischung aus Schlachtfeld, Bordell und Taverne“, so der spanische Schriftsteller Arturo Barea.[1]

Der Krieg[Bearbeiten]

Ab 1921 begannen spanische Truppen, unter dem propagandistischen Vorwand einer Strafexpedition zur Ergreifung von Ahmed ben Mohammed el-Raisuli das spanische Protektoratsgebiet im Rif zu besetzen. Die Besetzung wurde übereilt und ohne Sicherung der Nachschublinien durchgeführt.

Der Führer der Berber-Stämme, Mohammed Abd al-Karim, sandte eine Warnung an den spanischen General Manuel Fernández Silvestre, dass, sollte er den Fluss Amekran überqueren, man dies als Kriegserklärung betrachten werde. Der Spanier sandte dennoch einen Voraustrupp über den Fluss, der noch am gleichen Nachmittag von rund 1.000 Rifkabylen umzingelt wurde, wobei 179 Spanier getötet wurden und der Rest den Rückzug antreten musste.

Am 22. Juli 1921 wurden die spanischen Stellungen bei Annual (Marokko) im nordöstlichen Marokko direkt angegriffen. In den drei Wochen der Schlacht von Annual kamen etwa 8.000 bis 10.000 spanische Soldaten ums Leben. Nach dem Desaster von Annual gab es einen Strategiewechsel auf spanischer Seite. Für das Vergiftungskonzept mit Senfgas (Lost) nach Hugo Stoltzenberg wurde das zentrale Rif bis Anfang 1925 zunehmend geordnet von den spanischen Truppen geräumt. Im Westen bei Tétouan zogen sie sich hinter eine nach Primo de Rivera bezeichnete Linie zurück und befestigten diese. Im Osten verteidigten sie ein reduziertes Gebiet um Melilla.

In der Euphorie des Sieges wurde 1923 die Rif-Republik proklamiert. Ihre Existenz widersprach der europäischen Einigung über die Aufteilung Marokkos. Es wurde eine wirksame Seeblockade gegen sie durchgeführt. Der französische Kriegsminister Paul Painlevé traf am 17. Juni 1925 in Madrid eine Vereinbarung mit dem Diktator Primo de Rivera. Am 13. Juli 1925 wurde Philippe Pétain zum Oberbefehlshaber der französischen Rif-Armee ernannt. Er verfügte über mehr als hundert Bataillone, nicht gezählt die mehr als 350.000 Harkas des Majzen, der Verwaltung des Sultans Mulai Yusuf.[2] Ab 1925 besetzten 250.000 Mann unter Pétain die fruchtbaren Gebiete in Französisch-Marokko und unterbanden die Versorgung der Rif-Republik mit Lebensmitteln. Völkerrechtswidrig wurde gegen das im Juni 1925 unterzeichnete Genfer Protokoll verstoßen, indem gegen das von der Rif-Republik kontrollierte Gebiet über 500 Tonnen bzw. 10.000 Behälter Senfgas eingesetzt wurden.

Am 8. September 1925 landeten spanische Truppen an der Küste bei Al-Hoceima.

1926 rückten die Spanier in den Rif vor, von Süden drangen die Franzosen vor. Am 27. Mai 1926 ergab sich Abdelkrim den Franzosen, ein Jahr später beendete der letzte Stamm der Rif-Kabylen den Kampf[1].

„Die französische Regierung duldete die spanischen Praktiken ohne Kritik. Sie hatte vom deutsch-spanischen Gasgeschäft Kenntnis, ohne dagegen einzuschreiten, denn sie setzte auf eine möglichst schnelle Beendigung des Krieges. Auch der britische Geheimdienst wusste vom spanischen Gaseinsatz. Großbritannien wollte Spaniens Situation in Marokko gestärkt sehen. Hier ging es um übergeordnete britische Interessen im mediterranen Raum.“[3]

Folgen[Bearbeiten]

Der Einsatz von Senfgas (Lost) stellte einen Bruch der Haager Landkriegsordnung dar. Die Verseuchung mit Lost führte dazu, dass das Gebiet um Al-Hoceima auch heute noch die Lungenkrebsstatistik in Marokko anführt. Der Sieg wurde um den Preis einer nachhaltigen Kontamination weiter Gebiete errungen.

Das Protektorat Spanisch-Marokko bestand bis 1957. Anschließend zogen sich die spanischen Truppen wieder auf die alten Stützpunkte der Plaza de soberanía zurück.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Jörg Tiedjen: Abdelkrim, die Schlacht von Anoual und der Rif-Krieg (PDF; 70 kB)
  2. L’histoire oubliée des surréalistes et la guerre du Rif (Version vom 12. Februar 2008 im Internet Archive)
  3. Dirk Sasse, Franzosen, Briten und Deutsche im Rifkrieg 1921–1926, Seite 62 (dort mit belegenden Fußnoten) Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2006

Weblinks[Bearbeiten]