Rigorismus

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Der Rigorismus (v. lat. rigor „Steifheit, Härte, Unbeugsamkeit“) bezeichnet

  • allgemein: eine überstrenge, starre Denk- und Handlungsweise, die an Grundsätzen und Prinzipien festhält, ohne Rücksicht auf die konkreten Bedingungen und Situationen[1]
  • im engeren Sinne: ein ethischer Standpunkt, nach welchem die Moralgesetze unter allen Umständen einen verpflichtenden Charakter besitzen.

Kants Auffassung[Bearbeiten]

Eine rigoristische Auffassung der Moral vertrat vor allem Immanuel Kant:

„Es liegt [...] der Sittenlehre überhaupt viel daran, keine moralischen Mitteldinge weder in Handlungen (adiaphora [2]) noch in menschlichen Charakteren, so lange es möglich ist, einzuräumen: weil bei einer solchen Doppelsinnigkeit alle Maximen Gefahr laufen, ihre Bestimmtheit und Festigkeit einzubüßen. Man nennt gemeiniglich die, welche dieser strengen Denkart zugetan sind (mit einem Namen, der einen Tadel in sich fassen soll, in der Tat aber Lob ist): Rigoristen; und so kann man ihre Antipoden Latitudinarier nennen. Diese sind also Latitudinarier der Neutralität und mögen Indifferentisten, oder der Koalition und können Synkretisten genannt werden“ (in: Die Religion in den Grenzen der bloßen Vernunft, 1793).

Weitere Beispiele[Bearbeiten]

Der Begriff der Rigoristen bezog sich ursprünglich auf die Vertreter der Jansenisten und Oratianer (siehe Rudolf Eucken, Beiträge zur Einführung in die Geschichte der Philosophie, 1906). Als Rigorist gilt auch Fichte.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Rigorismus – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.zeno.org/Meyers-1905/A/Rigorismus?hl=rigorismus
  2. diesen Begriff leitete Kant von den Stoikern ab, die in ihrer Lehre keine moralischen Mitteldinge (adiaphora) zuließen.