Rikon

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Rikon, im Vordergrund die Töss
Das Tibet-Institut in Rikon

Rikon ist geografischer Mittelpunkt und Zentrum der Gemeinde Zell, einer politischen Gemeinde im Bezirk Winterthur des Kantons Zürich in der Schweiz. Das Dorf liegt 10 km südöstlich von Winterthur im Tal der Töss und erstreckt sich beidseits des Flusses. Bekannt geworden ist Rikon wegen des oberhalb des Ortes im Wald gelegenen „tibetischen Klosters“, das allerdings nicht als solches bezeichnet wird, da seit der Säkularisierungsbewegung in der Schweiz im 19. Jahrhundert Neugründungen von Klöstern bis 1973 nicht erlaubt waren.

Der Halt der S-Bahn-Zürich ist ebenfalls nach diesem Ortsteil benannt, die S 26 Winterthur HBBaumaRüti ZH verkehrt dort regelmässig.

Das klösterliche Tibet-Institut Rikon[Bearbeiten]

Nachdem die Schweiz 1961 als eines der ersten Länder im Westen im grösseren Massstab tibetische Flüchtlinge aufnahm, regten die Brüder Henri und Jacques Kuhn der in Rikon ansässigen Metallwarenfabrik AG Heinrich Kuhn die Gründung eines klösterlichen Tibet-Instituts an, um die geistige und kulturelle Betreuung von Exiltibetern in der Schweiz sowie der Erhaltung und Pflege der tibetischen Kultur für nachfolgende Tibeter-Generationen zu gewährleisten.

Der Dalai Lama war für diese Idee schnell zu gewinnen und sandte daher einen Abt und fünf Mönche nach Rikon. Architekt war Ueli Flück (Baden, Schweiz). Nach der Grundsteinlegung am 29. Juli 1967 wurde das klösterliche Tibet-Institut am 9. November 1968 in einem Weiheakt seiner Bestimmung übergeben.

Die Gründung eines Klosters im Kanton Zürich war nur durch die Verschleierung als „Institut“ möglich – das De-facto-Kloster (es leben schliesslich Mönche dort) stellt eigentlich einen klaren Rechtsbruch dar: Seit 1874 ist die Neugründung von Klöstern in der Schweiz – durch Artikel 52 der Bundesverfassung – verboten (eidgenössisches Jesuiten- und Klosterverbot; eine Reaktion auf das Unfehlbarkeitsdogma); das Verbot wurde erst 1973 wieder aufgehoben (die bevölkerungsreichsten Kantone Zürich, Bern und Waadt waren aber allesamt gegen die Aufhebung des Verbots) – also deutlich nach der Gründung des Tibet-Instituts. [1]

Das Tibet-Institut Rikon umfasst eine Bibliothek, die neben der Library of Tibetan Works and Archives im nordindischen Dharmshala weltweit die umfangreichste Tibetica-Sammlung darstellen soll.

Bisherige Äbte waren:

  • Ew. Geshe Ugyen Tseten (1967–1974)
  • Ew. Geshe Tamdin Rabten (1975–1979)
  • Ew. Geshe Gedün Sangpo (1979–1995)
  • Ew. Geshe Phuntsok Tashi Phunyang (1996–2010)
  • Ew. Geshe Thupten Legmen (seit 2011)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. [1] Albert Gasser: Kleine Kirchengeschichte: Essays. Theologischer Verlag, Zürich 2008, S. 69–72.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rikon im Tösstal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

47.4455555555568.7963888888889Koordinaten: 47° 26′ 44″ N, 8° 47′ 47″ O; CH1903: 702404 / 255859