Rinella Battery

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Die Rinella Battery ist eine Befestigungsanlage auf Malta. Sie wurde von 1879 bis 1884 zur Zeit der britischen Herrschaft über die Inseln erbaut. Sie befindet sich an der Nordostküste auf einer Landzunge nöostwärts der Einfahrt des Grand Harbour zwischen Fort Ricasoli und Fort St Rocco. Sie diente zur Aufnahme einer Kanone RML 17.72 inch gun.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Schlachtschiff Duilio, Regia Marina Italia

Unmittelbar nach der Übernahme der Inseln durch die Briten im Jahre 1800 wurden die vom Johanniterorden erbauten Befestigungen nahezu unverändert genutzt. Im Einklang mit den damaligen militärtheoretischen Vorstellungen wurde die im Mittelmeer operierende Royal Navy als zuverlässigster Schutz gegen eine Invasion der Inseln angesehen. Die Situation änderte sich jedoch mit der Zusammenfassung der Flotten Sardiniens, der Bourbonen, Siziliens und des Kirchenstaates am 17. November 1860 und der Gründung der Regia Marina Italiana am 17. März 1861. Die einsetzende Aufrüstung der italienischen Flotte wurde von den Briten als Bedrohung ihrer beherrschenden Rolle im Mittelmeerraum empfunden. So legte die Regia Marina 1873 die Schlachtschiffe Caio Duilio und Enrico Dandolo auf Kiel, die mit je vier 450 mm-Kanonen ausgerüstet und stark gepanzert waren. Gleichzeitig wurde durch die Einführung Granaten verschießender Kanonen die Artillerie revolutioniert.

Die sich abzeichnende Entwicklung machte deutlich, dass die Befestigungen auf Malta verstärkt werden mussten. Zum damaligen Zeitpunkt war Malta nach dem Suezkanal die wichtigste britische Flottenbasis im Mittelmeer. Dabei hatte die Sicherung der Zugänge zu den Häfen mit der Rinella und Cambridge Battery und der Verstärkung der Befestigungen im Gebiet des Grand Harbour höchste Priorität.

Die Kanone wurde am 31. Juli 1883 in die Cambridge Battery überführt und dort am 12. Januar 1884 aufgestellt. Die Erprobungsschießen konnten wegen noch ausstehender Arbeiten erst 1885 beginnen. Zwischen 1887 und 1888 wurde die Einsatzbereitschaft durch Probleme der hydraulischen Anlagen eingeschränkt. Dennoch wurden die Waffen insgesamt als recht zuverlässig eingeschätzt. Die Kanonen wurde 1906 außer Dienst gestellt, obwohl bereits 1903 bzw. 1904 letztmals mit ihnen geschossen wurde. Während des Ersten Weltkrieges wurde eine Reaktivierung in Betracht gezogen, als die Inseln durch die in der Nähe operierende SMS Goeben bedroht wurden. Im Vergleich zur modernen Bewaffnung der Goeben waren Reichweite und Kadenz dieser Kanonen jedoch völlig unzureichend.

Aufbau[Bearbeiten]

Rinella Battery, Skizze
Rinella Battery, Längsschnitt

Die Rinella und die Cambridge Battery sind identisch aufgebaut. Beide haben die Form eines Fünfecks mit einer Breite von 71 m und einer Höhe von 66 m. Die Wälle der Batterie sind etwa 6 m stark. Die gesamte Anlage war von einem rund 5 m breiten Graben umgeben. Im seeseitigen Graben befanden sich insgesamt 3 Grabenstreichen zur Bekämpfung eingedrunger Infanterie. Der Zugang war durch den Graben und einen Durchgang in der landseitigen Mauer möglich.

Die Anlage bestand aus zwei Stockwerken. Im oberen Stockwerk befand sich die nur durch eine relativ niedrige Brustwehr geschützte Feuerstellung. Die Kanone war in ihr in einer Pivotaufstellung aufgestellt. Im unteren Stockwerk befanden sich zwei Munitionsbunker und die Dampfmaschine zum Antrieb der hydraulischen Richtantriebe der Kanonen.

Zum Laden wurden die Kanonen aus ihrer Feuerstellung zurückgezogen, das Rohr abgesenkt und um 90 Grad nach rechts bzw. links zur Seite geschwenkt. Anschließend wurde das Rohr aus einer der verbunkerten Ladestation von vorn geladen. Dabei wurden 250 kg Treibladung und das Geschoss mit einem hydraulischen Stempel in das Rohr gepresst. Anschließend wurde das Rohr wieder gedreht und in die Feuerstellung zurückgefahren.

Das Geschütz besaß keine Vorrichtung für den Rohrrücklauf. Um die Kräfte des Rückstosses aufzufangen, waren eine besondere Lafettenkonstruktionen notwendig. Die Unterlafette war auf einer festen Basis drehbar gelagert. Auf diese Unterlafette wurde ein Wagen mit 18 Rädern aufgesetzt, der die Schildzapfen der Kanone aufnahm. Der Weg des Wagens war um 4 Grad geneigt, um den Rückstoß zu kompensieren. Der Wagen lief 1,75 m zurück. Zwei hydraulische Dämpfer am hinteren Teil der Unterlafette begrenzten den Weg des Wagens und nahmen die restlichen Rückstosskräfte auf. Der Wagen wog 20,680 kg, die Unterlafette 24,118 kg und die Basis 2,032 kg. Gerichtet wurde mit je einem hydraulischen System für Seite und Höhe.

Die Besatzung bestand aus 35 Mann, davon wurden 18 für das Aufmunitionieren benötigt.

Die Baukosten der Anlage betrugen nach Fertigstellung 18.890 britische Pfund.

Da militärisch nutzlos, wurde die Stellung nach Außerdienststellung des Geschützes zunächst aufgegeben. Dampfmaschine und Richtantriebe wurden demontiert, das Geschütz verblieb jedoch in der Stellung.

Nutzung während des Zweiten Weltkriegs[Bearbeiten]

Während des Zweiten Weltkrieges befanden sich keine Feuerstellungen in der Batterie. Die Stellung war am Vorabend des Zweiten Weltkrieges reaktiviert worden. In der Batterie wurde ein Beobachtungspunkt für die in Fort Ricasoli stationierte Artillerie eingerichtet. Weiterhin wurde das Gelände zur Lagerung von Nachschubgütern genutzt. Während der Bombenangriffe auf Malta erhielt die Batterie sieben Treffer.

Nutzung nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Die Royal Navy gab die Stellung 1956, nach anderen Quellen 1965, auf und überließ sie zur zivilen Nutzung. Während der letzten dreißig Jahre hatte sich hier das Hauptlager der Royal Navy für Rum befunden. In den sechziger und siebziger Jahren wurde das Gelände für Filmaufnahmen genutzt, so wurden die Filme Zeppelin (1971), Shout at the Devil und Young Winston hier teilweise gedreht. Im Jahr 1991 wurde die Batterie an die Fondazzjoni Wirt Artna übergeben. Die Anlage wurde restauriert und kann besichtigt werden. Zeitweise finden in der Anlage Vorführungen historischer Geschütze statt. Dabei wird eine kleinere Kanone mit einer Pulverkartusche geladen und abgefeuert. Die RML 17.72 inch gun ist derzeit nicht funktionsfähig. Die Dampfmaschine und die hydraulischen Richtantriebe sind nicht mehr vorhanden.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Charles Stephenson: „The Fortifications of Malta 1530 – 1945“, Osprey Publishing Limited, 2004, ISBN 1-84176-836-7
  • Denis Castillo: „The Maltese Cross, a Strategic History of Malta“

Weblinks[Bearbeiten]

35.89444444444414.5325Koordinaten: 35° 53′ 40″ N, 14° 31′ 57″ O