Ringlinie

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Dieser Artikel befasst sich mit den Verkehrslinien; für die gleichnamige Strecke der der Straßenbahn Wien siehe Ringlinie (Wien).
Ringlinie 90 beim Oberleitungsbus Mailand. Die Zielbeschilderung „circolare destra“ bedeutet übersetzt „verkehrt rechtsdrehend“, das heißt im Uhrzeigersinn

Eine Ringlinie im öffentlichen Schienen- oder Straßenpersonennahverkehr (ÖPNV) kann unterschiedliche Formen haben und dabei auch verschiedenen Konzepten folgen. Sie kann

  • um ein Zentrum herum,
  • aus einem Zentrum heraus und an anderer Stelle wieder in dieses Zentrum hinein,
  • als Quartierlinie ausschließlich durch einen oder mehrere Stadt- bzw. Ortsteile geführt sein.

Eine Besonderheit sind Ringlinienführungen im Anschluss an Radial- oder Durchmesserlinien (Weiterführung am Endpunkt einer geradlinigen Führung in Ringform).

Wenn Ringlinien ein Stadtzentrum in einem großen Bogen umfahren, ergeben sich Querverbindungen zwischen Stadtteilen. Die Fahrgäste sparen dabei Fahrzeit (bzw. Reisezeit) und müssen seltener umsteigen. Sehr ähnliche Aufgaben erfüllen Tangentiallinien und Halbringe (beispielsweise in Köln die Stadtbahnlinie 13 „Gürtellinie“ oder die Schnellbuslinie 39 in Hamburg).

Schienenpersonenverkehr[Bearbeiten]

Die einzigen Ringe in deutschen U- und S-Bahnsystemen sind der Berliner S-Bahn-Ring (seit 1877) und der Hamburger U-Bahn-Ring (seit 1912) sowie die S1 der S-Bahn Hannover. Der Berliner Ring war infolge der Teilung der Stadt von 1961 bis 2002 unterbrochen. Der Hamburger Ring war seit 1967 betrieblich auf die Linien U2 und U3 aufgeteilt und wurde am 29. Juni 2009 als geschlossen befahrene Ringlinie (U3) wiederhergestellt (unter Integration der Abzweigstrecke nach Wandsbek-Gartenstadt). Die S1 in Hannover befährt die Strecke MindenHaste – Hauptbahnhof – Barsinghausen – Haste. Als Fahrtziel ab Minden wird jedoch nicht Haste, sondern „Hannover Hbf“ angegeben. Durch diese Ringführung ergeben sich zusätzliche Nutzungsmöglichkeiten durch ein Umsteigen in Haste (dort auch Anschluss an RE-Züge in Richtung Hannover).

Eine geradlinig geführte Linie kann – z. B. in einem Vorort – statt an einer Endhaltestelle auch mit einer Schleife (Ring) enden. Entsprechende Linienführungen gibt es u.a. bei der Metro Los Angeles (Blue Line).

Weltweit gibt es derzeit circa 33 Ringlinien in U- und S-Bahn-ähnlichen Systemen. Prominente Beispiele sind die U-Bahn-Ringlinien in London (Circle Line), Glasgow und Moskau sowie die Yamanote- und die Ōedo-Linie in Tokio.

Straßenpersonenverkehr[Bearbeiten]

Bereits beim ersten öffentliche Nahverkehrssystem der Welt, den 1662 in Paris eingeführten Carrosses à cinq sols, war eine von insgesamt fünf Routen als Ringlinie ausgeführt.

Ringlinien im Straßenpersonenverkehr gibt es heute häufig bei sternförmigen Nachtnetzen (meistens Nachtbusse, teilweise aber auch bei der Straßenbahn). Die Verkehrsmittel fahren nur in einer Richtung, wobei durch den Ringbetrieb mit einer Linie jeweils mehrere Strecken der Tageslinien abgedeckt werden können. In mittelgroßen Städten werden Ringbuslinien auch im regulären Tagesbetrieb von modernen Stadtbussystemen eingesetzt. Ein Beispiel hierfür ist der Stadtbus Gütersloh. Ringe mit längerem Fahrweg werden tagsüber meistens in beiden Richtungen befahren, in der Schwachverkehrszeit entfällt dann die Bedienung einer Richtung.

Auch Straßenbahnen können Ringlinien befahren. In Hamburg gab es bis 1954 einen großen Alsterring, der von der Linie 18 bedient wurde. Die Straßenbahn Dresden betrieb von 1909 bis 2000 - mit Unterbrechungen - die Linie 26 auf dem Stadtring, der durch diese Linie noch heute umgangssprachlich den Namen 26er Ring trägt.

Quartierlinie
mit Schnellbahnanschluss

Um einzelne Stadtteile großflächig und mit vielen Haltestellen bedienen zu können, werden oft Ringverkehre eingesetzt. Diese „Quartiersbusse“ beginnen an einem zentralen Umsteigebahnhof mit Anschlüssen zu direkten Schnellbahn-, Straßenbahn- oder Buslinien ins Stadtzentrum. Die Linienbedienung erfolgt nur in einer Richtung. Es werden quasi zwei Buslinien zu einem Ring zusammengefügt; die eine Linie wird auf der Hinfahrt, die andere bei der Rückfahrt bedient.

Eine direkte Linie aus dem Zentrum (zum Beispiel ein Metrobus) kann in einem Vorort statt einer Endhaltestelle auch eine Schleife (Ring) bedienen, sie wird dann in diesem Bereich zu einer Quartierlinie mit umsteigefreiem City-Anschluss. Nachteil: zu große Busse (Gelenkbusse) der Direktlinie befahren die Ringstrecke durch Stadtteile mit oft nur geringem Fahrgastaufkommen.

In kleineren Städten werden häufig im Spätverkehr Buslinien zu einer Ringlinie zusammengelegt. Die Bedienung erfolgt dann ähnlich einer Quartierlinie, wobei auch drei oder mehr Linien zusammengefasst werden können. Ein Problem ist dabei die möglichst übersichtliche Gestaltung der Aushangfahrpläne. Meistens sind Vorteile durch zusätzlich entstehende Direktverbindungen schwer erkennbar, das Liniennetz wird unübersichtlich.

Dünn besiedelte Regionen oder Gebiete mit hoher Motorisierungsdichte eignen sich besonders für Rundverkehre. Im Orts- und Regionalbusbereich verbinden sie beispielsweise einzelne oder auch mehrere Gemeinden bzw. Ortsteile mit dem nächsten Hauptort oder einer Schnellbahnstation (Verkehrsknotenpunkt). Der Einsatz von Kleinbussen auf Ringlinien macht dort, wo große Busse auf Direktlinien unrentabel waren und durch Anruflinien ersetzt wurden, wieder einen kostengünstigen regulären Busverkehr möglich.

Linienbezeichnung[Bearbeiten]

Eine Straßenbahn mit der Linienbezeichnung Rundbahn in Stuttgart (1898)
Schild der ehemaligen Linie 26 in Dresden
  • Teilweise haben Ringlinien nach Fahrtrichtung getrennte Liniennummern, so beispielsweise beim Oberleitungsbus Mailand. Dort verkehrt die Linie 90 im Uhrzeigersinn, die Linie 91 bedient die gleiche Strecke gegen den Uhrzeigersinn. Ebenso bei der Straßenbahn Naumburg, sie fuhr früher im Uhrzeigersinn als Linie 1, entgegen als Linie 2. Bei der S-Bahn Berlin ergänzen sich die Linien S41 und S42 zu einer Ringlinie.
  • In Aachen werden Zusatzbuchstaben verwendet, dies betrifft die Linienpaare 3A und 3B sowie 13A und 13B.
  • Bei der Straßenbahn Timișoara unterschied man die jeweiligen Fahrtrichtungen der beiden Ringlinien 6 und 7 einige Jahre lang durch die Farben rot und schwarz.
  • Bei der Straßenbahn Oradea kommt eine Kombination aus Ziffern, Buchstaben und Farben zur Anwendung. Die Linien 1N und 3N fahren im Uhrzeigersinn, die Linien 1R und 3R gegen die Uhr. N steht dabei für negru (schwarz) und R für roșu (rot).
  • In Breslau, Debrecen, Frankfurt am Main, Innsbruck, Miskolc, Posen und Stettin wurden die Ringlinien – in Anlehnung an die Form der Ziffer – jeweils mit der ansonsten unüblichen Nummer "0" gekennzeichnet. Darunter befanden sich teilweise auch touristisch geprägte Verkehre wie etwa Stadtrundfahrten.
  • Vor Einführung von Liniennummern sprach man oft von einer Rundbahn; im englischsprachigen Raum hat sich diese Bezeichnung auch bei modernen U-Bahnen noch als Circle Line erhalten, ebenso im spanischsprachigen Raum bei der Linie 6 der Metro Madrid als Circular.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

  • Metro Bits Ringlinien von U- und S-Bahnen weltweit (in Englisch)