Hoffmannscher Ringofen

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Ovaler Ringofen im Willy-Spahn-Park in Hannover

Der Hoffmannsche Ringofen ist eine Einrichtung zum effektiven kontinuierlichen Brennen von Ziegeln, Kalk und Gips. Er ist nach dem Ingenieur Friedrich Eduard Hoffmann (1818–1900) benannt, der ihn 1859 zum Patent angemeldet hatte. Das Erprobungsmuster befand sich in Scholwin bei Stettin. Erfunden wurde der Ofen bereits 1839 in Fürstenwalde.

Funktionsprinzip[Bearbeiten]

Die leere Brennkammer der stillgelegten Ziegelei in Uttum
Schürebene des Hoffmannschen Ringofens der Ziegelei Pape in Bevern
Funktion des Hoffmannschen Ringofens anhand der Ziegelei Pape in Bevern

Der Ringofen besteht aus einem großen Kreis oder Oval mit etwa 14 bis 20 Kammern, in denen unabhängig voneinander ein Feuer unterhalten werden kann, das die ebenfalls in der Kammer befindlichen getrockneten Ziegelrohlinge brennt. Nach dem Brennvorgang lässt man in einer Kammer das Feuer verlöschen, und die nächste Kammer wird mit Brennstoff beschickt. Dadurch wandert in etwa ein bis zwei Wochen das Feuer einmal um das Oval. Durch erfindungsreiche Be- und Entlüftung der Kammern erwärmen die gebrannten Ziegel die Zuluft für das Feuer, was diese wiederum schneller abkühlen lässt, während die heißen Abgase die Rohlinge trocknen und vorerhitzen. Gegenüber der beheizten befinden sich die jeweils kühlsten Kammern. Hier werden die fertigen Ziegel entnommen und die Kammer neu befüllt.

Bedeutung[Bearbeiten]

1859 erhielt der Baumeister Friedrich Eduard Hoffmann in Preußen und Österreich ein Patent zur „Erfindung eines ringförmigen Ofens zum ununterbrochenen Brennen aller Arten von Ziegeln, Tonwaren, Kalk, Gips und dergleichen“. Das Patent wurde ihm später wieder aberkannt, nachdem nachgewiesen werden konnte, dass der Maurermeister Arnold aus Fürstenwalde bereits 1839 den Ringofen erfunden hatte, aber kein Patent anmeldete. 1873 wurde er für seine Erfindung Ehrenbürger von Fürstenwalde.[1]

Der Ringofen revolutionierte die Ziegelindustrie des 19. Jahrhunderts. Der kontinuierliche Brand lieferte zum ersten Mal eine gleichbleibende Qualität der Ziegel, während das Ergebnis in den vorher üblichen Kammeröfen nach jedem Brand anders aussah. Außerdem brannten die Ringöfen erstmals ununterbrochen Tag und Nacht, was den Bedarf an Arbeitskräften sprunghaft anwachsen ließ, zugleich aber auch eine vorher nie gekannte Steigerung der Ziegelproduktion ermöglichte.

Seit 1859 änderte sich das Bild der Häuser von grau (Schilf- und Strohdach, Strauch-, Holz-, Lehmwände) zu rot (Dachpfannen, Ziegelhaus, weniger Feuergefahr). Ziegelrohre ermöglichten Kanalisation sowie unterirdische Drainage und Entwässerung von Feldern.

Heute erfolgt die Ziegelherstellung maschinell. Einige wenige Ringöfen blieben erhalten – wie im Ziegeleimuseum Cathrinesminde, Ziegeleimuseum Westerholt sowie in der Ziegelei Lage – und werden als Industriedenkmale geschützt. Die letzte Ziegelei in Deutschland, die noch einen Ringofen betreibt, ist die Firma Rusch in Drochtersen. In Entwicklungsländern werden sie aber weiterhin verwendet. So sind zum Beispiel im Kathmandutal in Nepal 2009 noch über 90 Ringöfen im Betrieb.

Trivia[Bearbeiten]

Im Theaterstück "Der Lohndrücker", das sich mit den Produktionsbedingungen in der DDR direkt nach dem Zweiten Weltkrieg auseinandersetzt, legt Heiner Müller die Handlung um einen Ringofen an, der im laufenden Betrieb repariert werden soll.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 725 Jahre Fürstenwalde S.3, rechte Spalte, 4. Absatz (pdf, 1,9 MB)

http://www.ziegeleimuseum-westerholt.de

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hoffmannsche Ringöfen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien