Risiko

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Risiko (Begriffsklärung) aufgeführt.
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Der Begriff Risiko (griechisch für Klippe, Gefahr) wird in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen unterschiedlich definiert. Allen Disziplinen gemeinsam ist jedoch die Definition des Risikos als die Beschreibung eines Ereignisses mit der Möglichkeit negativer Auswirkungen. Andere Definitionen sehen bei risikobehafteten Handlungen auch die Möglichkeit einer positiven Auswirkung, die meistens als Chance bezeichnet wird. Ursächlich ist das Risiko mit einem Wagnis verbunden.

Das Risiko wird allgemein als Produkt aus Eintrittswahrscheinlichkeit eines unerwünschten Ereignisses und Schadensschwere als Konsequenz aus dem Ereignis angesehen und ist in der Einheit der Zielgröße zu bewerten.[1] Im Gegensatz zum Risikobegriff zeigt sich der Begriff Wagnis tendenziell mit einer ethischen Komponente verbunden und findet als solcher bevorzugt in den Geisteswissenschaften (Theologie, Philosophie, Psychologie, Pädagogik, Sportwissenschaften etc.) Verwendung (Wagnis Freundschaft, Wagnis Ehe, Wagnis Sport).[2] [3][4] In der Wagniserziehung erhält der verantwortungsvolle Umgang mit Risiken eine menschenbildende Funktion.[5][6]

Begriffliche Abgrenzung[Bearbeiten]

Das Risiko ist auf Grund des begrenzten Wissens über Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadensausmaß von einer Reihe von Begriffen abzugrenzen.

Im juristischen Sprachgebrauch wird das Risiko von der Gefahr abgegrenzt. Hier beschreibt Gefahr eine Situation, in der bei ungehindertem, nicht beeinflussbaren Ablauf des Geschehens ein Zustand oder ein Verhalten mit hinreichender Wahrscheinlichkeit zu einem erwarteten Schaden führt. Die Gefahr stellt ein stärkeres Risiko dar.[7] Ferner wird das Risiko vom Restrisiko abgegrenzt, das zunächst als schwächeres Risiko bezeichnet werden kann.

Zur Unterscheidung der Begriffe Gefahr, Risiko und Restrisiko wurde auch die „Je-desto“ Formel entwickelt. Sie besagt, dass bei größerem drohenden Schadensumfang infolge von Synergieeffekten die Ansprüche an die Eintrittswahrscheinlichkeit des Ereignisses geringer sind, um dennoch von einer Gefahr zu sprechen. Diese Abgrenzung wird jedoch schwierig, wenn es unmöglich erscheint, Aussagen über Schadenshöhe oder Eintrittswahrscheinlichkeit zu treffen. In diesem Fall verfließen die Grenzen zwischen Gefahr und Risiko sowie Risiko und Restrisiko. Vorstellbar ist hier, dass das Schadenspotenzial eines benannten Restrisikos um ein Vielfaches höher sein kann als das einer klar definierten Gefahr. Beispiel: Bis zum 11. September 2001 konnte sich niemand vorstellen, dass Terroristen mit Flugzeugen das World-Trade-Center in New York zum Einstürzen bringen würden. Dieses Ereignis wurde bis dahin als sehr unwahrscheinlich und damit als Restrisiko betrachtet. Nach dem 11. September stellt ein terroristischer Angriff aus der Luft jedoch eine Gefahr dar.

In Gegensatz zu Ereignissen unter Ungewissheit und Unwissenheit ist das Eintreten eines Risikos kalkulierbar. Bei der Ungewissheit sind die möglichen Auswirkungen bekannt, man verfügt jedoch nicht über Informationen zur Eintrittswahrscheinlichkeit. Beim Unwissen sind auch die Auswirkungen der untersuchten Handlungsalternativen nicht vollständig bekannt. In beiden Fällen ist das Ereignis mehr als beim Risiko, unkalkulierbar. Es ist aber auch denkbar, dass weder die Schadenshöhen noch die Eintrittswahrscheinlichkeit eines Ereignisses bekannt sind. Den Begriffen Unsicherheit und Ungewissheit kann der Begriff Restrisiko gleichgesetzt werden.[8]

Wortherkunft[Bearbeiten]

Die Herkunft des Begriffs Risiko ist nicht eindeutig geklärt. Während Großwörterbücher des Deutschen (Duden, Wahrig) das Wort über das vulgärlateinische, nicht belegte *risicare*resecare („Gefahr laufen, wagen“) auf das altgriechische ῥίζα (rhiza „Wurzel, Klippe“) zurückführen, nennt das Etymologische Wörterbuch der deutschen Sprache (2000) als etymologischen Hintergrund nur das postulierte vulgärlateinische *resecum („Felsklippe“), das als Verbalsubstantiv zu resecare („abschneiden“) den „vom Festland abgeschnittenen Felsturm, der zur Gefahr für Handelsschiffe wird“ bezeichnet. Auch das viel ältere Romanische Etymologische Wörterbuch (1935) sieht die Entwicklung des Wortes im griechischen ῥιζικόν (rhizikon „Klippe“) und der dazugehörigen Ableitung lat. resecare begründet. Kluge (1999) diskutiert dagegen eine vorromanische Form riscare, die als Ableitung vom lateinischen rixari („streiten, widerstreben“) die unkalkulierbaren Folgen eines Widerstands im Kampf bezeichnen würde. Eine weitere Herkunft liefert der Fremdwörter-Duden. Dort wird der Begriff vom arabischen (rizq „von Gottes Gnade oder Geschick abhängigen Lebensunterhalt“) abgeleitet. Lt. Duden wurde im 16. Jahrhundert das Fremdwort risico als kaufmännischer Terminus in unseren Sprachgebrauch aufgenommen. Damals verstand ihn der Kaufmann als gewisse Gefahr bzw. ein Wagnis.[9]

Risikobegriff in verschiedenen Fachdisziplinen[Bearbeiten]

Mathematik[Bearbeiten]

Die Auswirkungen des Zufalls drücken sich in dem Risiko in Vorgängen aus. Daher beschäftigt sich das auf den Zufall spezialisierte Teilgebiet der Mathematik, die Stochastik, vorrangig mit Risiken. Die mathematische Statistik, ein Teilgebiet der Stochastik, versucht durch Untersuchung von Vergangenheitsbeobachtungen vergleichbarer Vorgänge das vorliegende Risiko zu beschreiben. Die Wahrscheinlichkeitstheorie beschreibt die mathematischen Grundlagen des Zufalls und der Risiken. Die Risikotheorie beschäftigt sich mit Risiken, die sich aus komplexen Kombinationen von Vorgängen ergeben.

Psychologie[Bearbeiten]

In der Psychologie beschäftigt sich die Risikowahrnehmung mit der Frage, wie Risiken subjektiv empfunden werden. Die Fehlerforschung befasst sich mit der Erforschung von Denk-, Planungs- und Handlungsfehlern, die Risiken verursachen oder erhöhen können sowie mit Fragen der Risikoentstehung durch sicher beherrscht geglaubte Routine.

Entscheidungstheorie[Bearbeiten]

Die Entscheidungstheorie differenziert das Verhalten eines Entscheiders im Angesicht einer Risiko-Situation.

  • Risikoaversion oder Risikoscheu bezeichnet die Eigenschaft eines Entscheiders, bei der Wahl zwischen mehreren Alternativen mit gleichem Erwartungswert (= Eintrittswahrscheinlichkeit x Nutzenhöhe) die Alternative mit dem geringsten Risiko bezüglich des Ergebnisses - und damit auch dem geringstmöglichen Verlust - zu bevorzugen. Risikoscheue Entscheider bevorzugen also einen möglichst sicheren Gewinn, auch wenn dieser klein ausfällt.
  • Risikoneutralität bedeutet, dass ein Entscheider bezüglich des Risikos indifferent ist, das heißt seine Entscheidung allein anhand des Erwartungswertes trifft und das dabei evtl. auftretende Risiko nicht mit in seine Entscheidung einbezieht.
  • Risikoaffinität, Risikosympathie oder Risikofreude bezeichnet die Eigenschaft eines Entscheiders, bei der Wahl zwischen mehreren Alternativen mit gleichem Erwartungswert die Alternative mit dem höchsten Risiko bezüglich des Ergebnisses – und damit auch dem höchstmöglichen Gewinn – zu bevorzugen. Risikofreudige Entscheider bevorzugen also einen möglichst hohen Gewinn, auch wenn dieser unsicher ist.

Ingenieur- und Umweltwissenschaften[Bearbeiten]

Umweltwissenschaftler, Planer und Sicherheitsingenieure bezeichnen mit Risiko das Produkt von Eintrittshäufigkeit bzw. Eintrittswahrscheinlichkeit und Ereignisschwere bzw. Schadensausmaß. Dies ist auch die vom wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung für Globale Umweltveränderungen (WBGU, siehe Jahresgutachten, 1998) verwendete Definition. Bei der empirischen Anwendung des Konzepts treten z. T. Prognose- und Quantifizierungsprobleme auf. Beispiele zur Lösung dieser Probleme finden sich vor allem in den methodischen Vorgehensweisen zur Abschätzung von Hochwasserrisiken sowie der Hochwasserschadenserwartungswerte.

Die Eintrittshäufigkeit bezeichnet dabei die Häufigkeit, mit der ein Ereignis innerhalb eines bestimmten Zeitintervalls eintritt. So bedeutet z. B. 0,01 Ereignisse pro Jahr, dass im Mittel ein Schadensereignis einmal in 100 Jahren beobachtet worden ist. Solche Einschätzungen sind abhängig von den verfügbaren statistischen Daten und Erfahrungen aus der Vergangenheit. Sie sind nur dann halbwegs verlässlich, wenn eine genügend große Zahl von Beobachtungen vorliegt (Gesetz der großen Zahlen). Der Schluss, ein Ereignis mit der beobachteten Eintrittshäufigkeit würde auch in Zukunft "nur alle 100 Jahre" auftreten, ist bei Zufallsereignissen ein Fehlschluss.

Die Einheit des Schadensausmaßes hängt vom jeweiligen Sachgebiet ab. Es können Werte sein, die sich in Geldgrößen ausdrücken lassen (€), es kann sich aber auch um befürchtete Tote, potenziell schwer Betroffene oder den Totalverlust eines Flugzeuges handeln. Selbstverständlich lässt sich nicht jedes Schadensausmaß in Geld ausdrücken, letztendlich ist mangels einheitlicher Definitionen für "Schaden" die Bewertung oft subjektiv.

Im Bereich Katastrophenschutz, genauer des Feuerwehrwesens ist die Brandschutzbedarfsplanung mit den Themen Schutzziel und Hilfsfrist relevant. Dabei werden neben den obigen Faktoren die Maßnahmen zur Risikobewältigung (Mannschaftsstärke, Ausrüstung) und Risikoverminderung (vorzeitige Evaluierung der Risiken, politischer Konsens über Schutzziel bzw behördliche Vorgabe des Zielerreichungsgrades) betrachtet.

Gesundheitswesen[Bearbeiten]

Eine Auswertung von zahlreichen Studien ergab, dass pro Jahr im Krankenhausbereich mit fünf bis zehn Prozent unerwünschter Ereignisse, zwei bis vier Prozent Schäden, ein Prozent Behandlungsfehler und 0,1 Prozent Todesfälle, die auf Fehler zurückgehen, zu rechnen ist. Bei jährlich 17 Millionen Krankenhauspatienten entspricht dies 850.000 bis 1,7 Millionen unerwünschten Ereignissen, 340.000 Schäden (vermeidbare unerwünschte Ereignisse), 170.000 Behandlungsfehler (mangelnde Sorgfalt) und 17.000 auf vermeidbare unerwünschte Ereignisse zurückzuführende Todesfälle. Der gesamte ambulante Bereich ist darin nicht enthalten.[10]

Soziologie[Bearbeiten]

Seit den 1980er Jahren ist die Risikogesellschaft in den Sozialwissenschaften stark diskutiert worden. Ulrich Beck, dessen gleichnamiges Buch den Begriff als zukunftsweisend für eine „andere Moderne“ beschreibt, wurde sehr populär. Seine Kernthese war, dass die moderne Gesellschaft sich durch selbstproduzierte Risiken charakterisiere, und nicht über Fortschritt, wie in der Industriegesellschaft.

In der systemtheoretischen Soziologie wird der Begriff des „Risikos“ benutzt, wenn eine Entscheidung unter der Unterscheidung Wissen/Nichtwissen beobachtet wird. Der soziologische Risikobegriff ist damit immer an Entscheidungen und deren Folgenerwartungen verschiedener Akteure gebunden.

Die Systemtheorie von Niklas Luhmann unterscheidet dabei zwischen „Risiko“ und „Gefahr“. Die populäre Unterscheidung Risiko und Sicherheit greife zu kurz, da jede Entscheidung Risiken enthält. Sicherheit sei als allgemeines Ziel zu verstehen, entscheidend ist aber, wie jemand einem Risiko selbst gegenüberstehe. Habe man selbst die möglichen negativen Folgen einer Entscheidung zu beeinflussen, schultere man ein Risiko, das meist auch selbst verantwortet werden muss. Ist man jedoch von Wirkungen aus der Umwelt (in dem Beispiel vom Wetter) betroffen, so wird dies nach Luhmann als „Gefahr“ kategorisiert.

Berühmt ist Luhmanns Beispiel des Regenschirmrisikos:[11]

Wenn es Regenschirme gibt, kann man nicht mehr risikofrei leben:
Die Gefahr, dass man durch Regen nass wird, wird zum Risiko, das man eingeht, wenn man den Regenschirm nicht mitnimmt.
Aber wenn man ihn mitnimmt, läuft man das Risiko, ihn irgendwo liegenzulassen.

Im angelsächsischen Sprachraum wurde schon früh die Bedeutung der Risikokommunikation erkannt. Hier gibt es eine Tradition der linguistischen (z.B. Benjamin Whorf) und kulturanthropologischen Forschung (z.B. Mary Douglas und Aaron Wildavsky), die auf die kulturelle Prägung der risikobezogenen Semantik verweist. Generell erfolgt die Bewertung von Risiken heute in interdisziplinären Diskursen, die durch unterschiedliche professionelle Codes und Semantiken geprägt sind, aber die in die von allen Akteuren mehr oder weniger geteilte Alltagssprache übersetzt werden müssen. Darin liegt ein erhebliches Risikopotenzial. [12]

Wirtschaftswissenschaft[Bearbeiten]

Hauptartikel: Entscheidungstheorie

Bei Risiken handelt es sich um Informationsunsicherheit über den Eintritt eines Sachverhaltes und die dadurch induzierte Möglichkeit der Beeinträchtigung von Zielen.

  • Risiken vor dem Entscheidungszeitpunkt (t_E)
    • Entscheidungsrisiko
      • rechenökonomische Risiken
      • Die Entscheidungen werden unter Unsicherheit getroffen. Man trifft in t_E eine Entscheidung, wobei Abweichungen vom Erwartungswert des Ergebnisses möglich sind.
    • Ergebnisrisiko: Risiko im Sinne einer Ergebnisunsicherheit als Folge einer risikoverbundenen Entscheidungssituation
    • Opportunitätrisiko: Risiko, dass eine andere Entscheidung günstiger gewesen wäre.
  • Risiken nach dem Entscheidungszeitpunkt
    • Handlungsrisiken
    • Plan- und Abweichungsrisiko
    • Bindungsrisiko
  • Risiken, die zu allen Zeiten existieren
    • Existenzrisiko

Philosophie[Bearbeiten]

„Hazard” als Bedingung für Freiheit[Bearbeiten]

Dem englischen Mathematiker und Philosophen John G. Bennett (1897-1974) zufolge macht erst die Möglichkeit des Versagens die Dinge „wirklich“. So ist echte Freiheit nach Bennett nur in nicht-determinierten Lebenssituationen denkbar, deren möglicher Ausgang also tatsächlich offensteht. Diese Fälle, deren besondere Eigenart er mit dem Vorhandensein von "Hazard" (englisch für Gefährdung, Gefahr, Gefahrenmoment, Risiko, Wagnis, Zufall) beschreibt, ermöglichen aufgrund dieses nicht-determinierten Moments dem Individuum eine tatsächliche freie Willensentscheidung – beinhalten also eine wirkliche Unsicherheit.

In seinem Hauptwerk The Dramatic Universe[13] behauptet Bennett, dass solche Situationen nicht auf die menschliche Wahrnehmung begrenzt seien, sondern dass Momente des Hazards ganz konkret auf physikalischer Ebene zur Grundbedingung des Universums gehören (was auch interessante Querverweise zu Erkenntnissen der modernen Quantenphysik eröffnet). Es gibt keinen perfekten Zustand, der von diesem Zusammenspiel von Unsicherheit und Wille (bzw. Naturgesetzen) frei wäre, da Hazard eine „Grundkonstante“ der Wirklichkeit darstellt.

Ein weiterer, auch religionswissenschaftlich interessanter Aspekt ergibt sich daraus, dass Bennett nicht nur Mensch und Natur als dieser Unsicherheit unterworfen ansieht, sondern auch jede mögliche Vorstellung eines „Schöpfers“. Aus seinem Postulat, auch Gott sei in seinem Wirken nicht vom „Naturgesetz“ des Hazard bzw. der Unsicherheit befreit, löst sich der systemimmanente Widerspruch von menschlicher Freiheit und einer „Allmächtigkeit Gottes“ auf. Basierend auf der Überzeugung, dass Gott (welcher religiöser Vorstellung auch immer) nicht allmächtig sein könne, misst Bennett der Mitverantwortung des Menschen an der Schöpfung einen besonderen Stellenwert bei.

Geographie[Bearbeiten]

Die geographische Risikoforschung analysiert Effekte von antizipierten Gefährdungen im Schnittfeld von Gesellschaft und Umwelt. Die Forschung verfolgt zwei unterschiedliche Zielsetzungen: Bei einem Teil der geographischen Risikoforschung geht es darum, objektive Risikofaktoren in der Wechselwirkung von Mensch und Umwelt zu bestimmen. Ein anderer Teil untersucht, in Anlehnung an die konstruktivistischen Sozialwissenschaften, welche gesellschaftlichen Effekte mit der Zuschreibung „Risiko“ verbunden sind. Spezifische Merkmale der geographischen Risikoforschung ist das Augenmerk für die Verräumlichung von Risiken und der hohe interdisziplinäre und integrale Anspruch als Vermittler zwischen verschiedenen Risikokonzeptionen.[14]

Risikomanagement[Bearbeiten]

Unter Risikomanagement versteht man den planvollen Umgang mit Risiken.

Risikomanagement umfasst die Phasen Risikoidentifikation, Risikobewertung, Risikosteuerung und Risikokontrolle. Analog dem Managementkreis werden die Phasen wiederholt durchlaufen und stellen somit einen Zyklus dar.[15]

Die Phase der Risikoidentifikation wird vielfach als die größte Herausforderung bezeichnet, da zunächst die Tatsache, dass überhaupt ein Risiko vorliegt, erkannt werden muss. Dieses erfordert entsprechende Informationssysteme (z. B. Kennzahlen oder entsprechende Organisationsstrukturen).[16] Die Risikobewertung versucht, das nun erkannte Risiko zu quantifizieren. Dieses geschieht in zwei Schritten. Zunächst werden die Eintrittswahrscheinlichkeit und das Schadensausmaß bei Eintritt des Schadens bestimmt (s.a. Risikomatrix). Durch Multiplikation dieser beiden Kennzahlen entsteht eine Art "Risikopotential". Die Herausforderung in dieser Phase ist die nachvollziehbare Überführung von qualitativen Risiken, wie z. B. eines Streiks oder eines Vulkanausbruchs, in ein quantitatives Zahlenwerk. Die Risikosteuerung beschäftigt sich nun mit der Frage, wie das einzelne Wirtschaftssubjekt mit dem Risiko umgeht. Dazu bestehen die Möglichkeiten des Selbsttragens des Schadens, der Schadensvermeidung, der Überwälzung auf andere oder der Risikobegrenzung. Ansätze zur Risikobegrenzung lassen sich in ursachenbezogene und wirkungsbezogene unterscheiden. Ursachenbezogene Strategien zielen ex ante darauf ab, die Höhe möglicher Verluste bzw. ihre Wahrscheinlichkeitsverteilung positiv zu beeinflussen. Wirkungsbezogene Strategien zielen auf die Abfederung bzw. Abwälzung schlagend gewordener Risiken ab. Ursachenbezogene Strategien sind die Risikovermeidung und die Risikominderung. Wirkungsbezogene Strategien sind der Risikotransfer und die Risikovorsorge. Risikodiversifikation weist zu beiden Strategiearten Bezüge auf.

Im Einzelnen lassen sie sich wie folgt charakterisieren:[17]

  • Risikovermeidung ist mit dem Verzicht auf ein Geschäft oder eine Transaktion gleichzusetzen.
  • Unter Risikominderungsstrategien lassen sich zum einen Maßnahmen der Organisationsstruktur sowie des technischen und personellen Einsatzes bei Geschäftsprozessen fassen.
  • Durch Risikodiversifikation wird ex ante eine günstigere Wahrscheinlichkeitsverteilung und ein geringeres Ausmaß an Verlusten angestrebt, gleichzeitig mildert die Diversifikation auch schlagend gewordene Risiken ex post ab.
  • Der Risikotransfer bezeichnet die Übertragung des Risikos auf einen anderen Akteur, z.B. eine Versicherung oder Kapitalmarktteilnehmer beim Einsatz von Derivaten oder die Begebung syndizierter Kredite in Zusammenarbeit mit anderen Kapitalgebern.
  • Risikovorsorgestrategien betreffen das nach Einsatz der vorgenannten Strategien verbleibende Kreditrisiko, das durch Standardrisikokosten (z. B. in Form von Rückstellungen) oder Eigenkapitalunterlegung abgedeckt wird.

siehe auch: Anlagediversifikation, Moral Hazard, Adverse Selection, Risikoaversion, Risikofrüherkennungssystem

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten]

  • Ortwin Renn, Pia-Johanna Schweizer, Marion Dreyer u.a.: Risiko – Über den gesellschaftlichen Umgang mit Unsicherheit, oekom Verlag, München 2007, ISBN 978-3865810670.
  • Siegbert A. Warwitz: Sinnsuche im Wagnis. Leben in wachsenden Ringen. Erklärungsmodelle für grenzüberschreitendes Verhalten. Schneider-Verlag, Baltmannsweiler 2001. ISBN 3-89676-358-X.
  • Peter L. Bernstein: Wider die Götter – Die Geschichte von Risiko und Risikomanagement von der Antike bis heute. Gerling Akademie Verlag, München 1997, 475 S.
  • Gerhard Banse (Hrsg.): Risikoforschung zwischen Disziplinarität und Interdisziplinarität: Von der Illusion der Sicherheit zum Umgang mit Unsicherheit, Edition Sigma, Berlin 1996, ISBN 978-3894044268.
  • Mathias Schüz (Hrsg.): Risiko und Wagnis. Die Herausforderung der industriellen Welt. Bd. 1 und 2, Pfullingen 1990, 753 S.
  • Mary Douglas, Aaron B. Wildavsky: Risk and Culture: An essay on the selection of technical and environmental dangers. Berkeley: University of California Press 1982.

Aufsätze[Bearbeiten]

  • Niels Gottschalk-Mazouz (2002): Risiko, in: M. Düwell, C. Hübenthal, M. Werner (Hg.): Handbuch Ethik. Stuttgart: Metzler Verlag, S. 485-491 PDF
  • Walter Krämer: Hysterie als Standortnachteil, oder: Deutschland, eine Republik der Panikmacher? Vortrag über Risikowahrnehmung auf der Jahrestagung Kerntechnik 2005, atw – Internationale Zeitschrift für Kernenergie, L/3 – Oktober 2005, S. 570 - 575, ISSN 1431-5254
  • Otto-Peter Obermeier: Das Wagnis neuen Denkens – ein Risiko?, in: Risiko und Wagnis (hrsg. v. M. Schüz), Pfullingen 1990, Bd. 2, S. 243-263.
  • Otto-Peter Obermeier: Eine Synopse zu "Risiko und Wagnis", in: Risiko und Wagnis (hrsg. v. M. Schüz), Pfullingen 1990, Bd. 1: S. 296-333, Bd. 2: S. 306-349.
  • Ortwin Renn: Grundsätzliche Möglichkeiten zur Risikoabschätzung und Risikobewertung. Gefahrstoffe – Reinhaltung Luft 65(9), S. 383 – 386 (2005), ISSN 0949-8036
  • Mathias Schüz: Werte und Wertwandel in der Risikobeurteilung, in: Risiko und Wagnis (hrsg. v. M. Schüz), Pfullingen 1990, S. 217-242.
  • Siegbert A. Warwitz: Brauchen Kinder Risiken und Wagnisse ? In: Grundschule 11 (2002)54 ff

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Risiko – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikiquote: Risiko – Zitate

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Krause, Lars / Borens, David: Das strategische Risikomanagement der ISO 31000, zweiteilig, ZRFG 4+5/2009.
  2. J. G. Bennett: Risiko und Freiheit. Hazard – Das Wagnis der Verwirklichung, Zürich, 2005
  3. H. Röhrs (Hrsg.): Bildung als Wagnis und Bewährung. Heidelberg 1966
  4. J. Messner: Das Wagnis des Christen. Innsbruck-Wien-München 1960
  5. S. Warwitz: Sinnsuche im Wagnis. Leben in wachsenden Ringen. Baltmannsweiler 2001
  6. S.A. Warwitz: Brauchen Kinder Risiken und Wagnisse? In: Grundschule 11 (2002)54 ff
  7. Krause, Lars: Das Risiko im Gefahrstoffrecht, StoffR 1/2009, S. 20ff.
  8. Krause, Lars: Das Risiko und Restrisiko im Gefahrstoffrecht, NVwZ 82009, S. 496ff.
  9. Duden, Das Fremdwörterbuch, Bd. 5, 2007, 9. Aufl.
  10. Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, Kooperation und Verantwortung, BMG 2007
  11. Niklas Luhmann: Die Moral des Risikos und das Risiko der Moral, in: Gotthard Bechmann (Hrsg.): Risiko und Gesellschaft – Grundlagen und Ergebnisse interdisziplinärer Risikoforschung, Opladen 1993.
  12. H.-J. Weißbach u.a.:Technikrisiken als Kulturdefizite, Berlin 1994, S. 30.
  13. Volume 2 (The Dramatic Universe. Volume Two The Foundations Of Moral Philosophy) erschien 1966, Verlag Hodder and Stoughton.
  14. vgl.  Detlef Müller-Mahn: Perspektiven der Geographischen Risikoforschung. In: Geographische Rundschau. 59, Nr. 10, 2007, S. 4–11.;  Heike Egner und Andreas Pott: Risiko und Raum. In: Heike Egner und Andreas Pott (Hrsg.): Geographische Risikoforschung: Zur Konstruktion verräumlichter Risiken und Sicherheiten (= Erdkundliches Wissen. 147). Franz Steiner, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-515-09427-6, S. 9–31.
  15. Reh, Daniel: Entwicklung einer Methodik zur logistischen Risikoanalyse in Produktions- und Zuliefernetzwerken, S. 20.
  16. Moder, Marco: Supply Frühwarnsysteme – Die Identifikation und Analyse von Risiken in Einkauf und Supply Management, S. 24.
  17. Schierenbeck, Henner: Ertragsorientiertes Bankmanagement 2, S. 194