River Phoenix

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River Phoenix am 29. März 1989 bei der Oscarverleihung.

River Phoenix [ˌɹɪ.vəɹ.ˈfiː.nɪks] (* 23. August 1970 in Metolius bei Madras, Oregon; † 31. Oktober 1993 in West Hollywood, Kalifornien; gebürtig River Jude Bottom) war ein US-amerikanischer Schauspieler und Musiker.

Leben und Karriere[Bearbeiten]

River Phoenix’ Vater John Lee Phoenix, ursprünglich John Lee Bottom, war Zimmermann (nach anderen Angaben: Gärtner), seine Mutter Heart Phoenix, geborene Arlyn Sharon Dunetz, Sekretärin. Beide waren unterschiedlicher Herkunft: John (geboren 1947), ein High-School-Abbrecher aus dem kalifornischen Fontana, und Arlyn (geboren 1944), aus einer jüdischen Familie der New Yorker Bronx stammend und bereits einmal verheiratet gewesen, brachen aus ihrer gewohnten Umgebung aus und zogen als Hippies durch die Vereinigten Staaten. Hierbei lernten sie sich 1968 beim Autostoppen kennen.

Am 13. September 1969 wurden sie in einer Hippie-Zeremonie getraut, ihr Erstgeborener River kam circa ein Jahr später am 23. August 1970 auf einer Farm, wo die Eltern bei der Minzernte geholfen hatten, zur Welt. Er erhielt seinen Vornamen nach dem „Fluss des Lebens“ in der damals sehr populären Novelle Siddharta von Hermann Hesse, „Jude“ ist eine Anlehnung an den Beatles-Song Hey Jude.

Die Familie zog kurz nach der Geburt weiter und schloss sich 1973 der Sekte Kinder Gottes von David Berg an. Sie siedelten nach Südamerika um und waren als Missionare tätig, John wurde sogar zum „Erzbischof von Venezuela und der Karibik“ ernannt. Drei Kinder wurden in dieser Zeit geboren: Rain Joan of Arc (kurzzeitig Rainbow), geboren 1972/1973, Joaquín Phoenix (kurzzeitig: Leaf), geboren am 28. Oktober 1974 in Puerto Rico, und Libertad Mariposa (Liberty Mariposa Butterfly), geboren am 5. Juli 1976. Zeitweise stark verarmt, lebten die Bottoms in verschiedenen Ländern Mittel- und Südamerikas, unter anderen in Costa Rica und Venezuela. Die Eltern unterrichteten ihre Kinder selbst und förderten ihre musischen Fähigkeiten. Mit sieben Jahren verdiente Phoenix zusammen mit seiner Schwester Rain für die Familie Geld als Straßenmusiker in Caracas – das Gitarrespielen sollte zeitlebens seine Leidenschaft bleiben.

Im November 1978 kehrte die Familie der Sekte desillusioniert den Rücken. Heart Phoenix gab später in einem Interview an, besonders das sogenannte „Flirty Fishing“, der Umgang mit Sexualität, sowie das herrische Benehmen des selbsternannten „Führers“ David Berg hätten dazu geführt, dass sie sich von der Gruppierung lösen wollten. Es gilt als nicht erwiesen, ob Phoenix und seine Geschwister mit der in der Sekte geförderten Auslebung von angeblicher infantiler Sexualität konfrontiert wurden. Der Legende nach reisten die Bottoms auf einem Frachtschiff in die USA zurück und konnten dort hautnah den kommerziellen Fischfang beobachten, dieses Erlebnis führte dazu, dass die ganze Familie ab diesem Zeitpunkt vegan zu leben begann. Im Dezember 1978 kam das letzte Kind der Bottoms, Summer Joy Phoenix, in Winter Park, Florida zur Welt, wo sie vorübergehend bei Hearts Eltern ein Heim gefunden hatten. Als Symbol des neuen Lebensabschnittes änderte John Bottom den Namen der Familie 1979 in Phoenix und sie ließen sich im Großraum Los Angeles nieder. Rivers Vater arbeitete zunächst als Gärtner, ehe ihn eine Rückenverletzung zur Berufsunfähigkeit zwang. Rivers Mutter Heart übernahm eine Stelle als Sekretärin bei NBC um für den Familienunterhalt zu sorgen.[1]

So konnte sie sich bemühen, die Kinder durch kleine Engagements in Werbespots beim Film unterzubringen. Von 1982 bis 1983 spielte Phoenix den zwölfjährigen Guthrie in der Fernsehserie Seven Brides for Seven Brothers. Andere Fernsehauftritte in den Serien Hotel und Fantasy Island folgten. 1985 gab er sein Filmdebüt in Joe Dantes Explorers – Ein phantastisches Abenteuer. Der Durchbruch gelang ihm 1986 mit dem Film Stand by Me – Das Geheimnis eines Sommers, der in den USA zum Kassenschlager wurde. Es folgten Peter Weirs The Mosquito Coast mit Harrison Ford und Little Nikita, ein Agententhriller an der Seite von Sidney Poitier. 1988 wurde er für die Rolle des Danny Pope in dem Sidney-Lumet-Film Die Flucht ins Ungewisse als bester Nebendarsteller für den Oscar nominiert. Neben seinen Aktivitäten als Schauspieler gründete Phoenix mit seiner Schwester Rainbow die Band Aleka’s Attic, die an Weihnachten 1988 ihr erstes Konzert gab. Er spielte Gitarre, sang und schrieb die Songs, wovon einige für wohltätige Zwecke der Tierschutzorganisation PETA veröffentlicht wurden. Das Debütalbum der Gruppe konnte jedoch vor seinem Tod nicht fertiggestellt werden.

1989 übernahm Phoenix in Indiana Jones und der letzte Kreuzzug die Rolle des jungen Indiana Jones.

In dem Film My Private Idaho spielte er unter der Regie von Gus Van Sant 1991 an der Seite von Keanu Reeves einen homosexuellen Stricher. Danach drehte er Sneakers – Die Lautlosen, unterschrieb einen Vertrag für Dark Blood und stand auf der Besetzungsliste von Interview mit einem Vampir.

Während der Dreharbeiten zu Dark Blood, in der Halloween-Nacht 1993, brach Phoenix nach einer Überdosis Heroin und Kokain (Speedball) in den Armen seines Bruders Joaquín Phoenix und im Beisein seiner Freundin Samantha Mathis vor dem Nachtclub Viper Room in West Hollywood zusammen. Zwar wurde er noch in ein Krankenhaus eingeliefert, dort konnte jedoch nur noch der Tod durch Herzstillstand festgestellt werden.[2] Die Autopsie stellte daneben auch noch Valium, Cannabis und andere Drogen in seinem Blut fest. Da keine Einstichstellen gefunden wurden, muss er die Drogen oral oder intranasal („schnupfen“) zu sich genommen haben. Außerdem konnte festgestellt werden, dass er das Achtfache einer tödlichen Dosis eingenommen hatte.[3] George Sluizer stellte den Film Dark Blood 2012 fertig, die Premiere erfolgte auf der Berlinale 2013.

In dem erst nach dem Tod des Jungschauspielers begonnenen Interview mit einem Vampir übernahm Christian Slater die für Phoenix vorgesehene Rolle des Journalisten. Christian Slater spendete seine gesamte Gage an eine Tierrechts-Organisation, die River unterstützt hatte. Im Abspann des Films ist vermerkt “In Memory of River Phoenix” („Im Gedenken an River Phoenix“). Wenige Wochen nach seinem tödlichen Zusammenbruch kam mit Schweigende Zunge (Silent Tongue) der letzte Film mit Phoenix in der Hauptrolle in die Kinos.

Auch während seiner Schauspielerkarriere widmete sich River Phoenix der Musik. Er spielte Songs mit seinem Freund John Frusciante von den Red Hot Chili Peppers ein, von denen einige 1997 auf Frusciantes Album Smile From The Streets You Hold veröffentlicht wurden. Im Jahre 1993 war er in einem Video zu sehen, in dem er Flea, den Bassisten der Red Hot Chili Peppers, interviewte (Flea – Bass Jamming & Techniques). Außerdem haben ihm nach seinem Tod zahlreiche Musiker wie Natalie Merchant, R.E.M., Paul Ellis und die Red Hot Chili Peppers Lieder gewidmet. Zu seinen Freunden gehörten unter anderen Flea, John Frusciante, Michael Stipe (R.E.M.) und die Schauspieler Keanu Reeves, mit dem 1989 schon sein kleiner Bruder Joaquin (damals Leaf) den Film Eine Wahnsinnsfamilie drehte, und Johnny Depp, in dessen Club er des Öfteren mit seiner Band gespielt hat.

Er blieb zeit seines Lebens der alternativen Erziehung seiner Eltern treu, war ein überzeugter Umwelt- und Tierschützer und lebte als Veganer. Er unterstützte die Tierrechtsorganisation PETA, half bei Spendensammlungen und kaufte Regenwald in Costa Rica.

Privatleben[Bearbeiten]

Bei den Dreharbeiten von Mosquito Coast lernte Phoenix Martha Plimpton kennen. Sie begleitete ihn zur Oscar-Verleihung 1989, bald danach zerbrach ihre Beziehung.

Mit der Masseurin und Musikerin Sue Solgot lebte Phoenix von 1991 bis Januar 1993 in Gainesville, Florida zusammen.

Seine letzte Freundin Samantha Mathis war ebenfalls Schauspielerin, mit ihr war der 23-jährige ab den Dreharbeiten von The Thing Called Love bis zu seinem Tod liiert.

Phoenix lebte mit seiner Familie zunächst auf einer Ranch in Gainesville, Florida. 1989 zog er in ein Appartement in der Stadt, blieb aber dennoch seiner Familie verbunden. Seinem Vater kaufte er zur selben Zeit ein Haus in Costa Rica, wo dieser ein veganes Restaurant eröffnete.

Phoenix’ Bruder Joaquin ist heute einer der bekanntesten Hollywood-Stars. Seine Schwester Summer Joy Phoenix ist mit dem Schauspieler Casey Affleck verheiratet, die Namen ihrer zwei Söhne haben Bezug zu ihrem toten Bruder: Indiana August (* 2004), nach der Filmfigur Indiana Jones, die Phoenix spielte, und dem Monat, in dem sein Geburtsdatum liegt, sowie Atticus (* 2008), eventuell nach der gemeinsamen Band Aleka’s Attic. Auch Phoenix’ Schwester Liberty benannte ihren Erstgeborenen nach dem verstorbenen Phoenix: Rio (* 1997) (spanisch für River).

Heart Phoenix ist seit 1997 wiederverheiratet und leitet die Organisation The Peace Alliance sowie das River Phoenix Center for Peacebuilding (2011).

Synchronsprecher[Bearbeiten]

Für die deutschen Kinozuschauer wurde er unter anderem von Frank Schaff-Langhans (heute: Frank Schaff), Nicolas Böll, Timmo Niesner und auch Simon Jäger synchronisiert.

Filmografie[Bearbeiten]

Nominierungen und Auszeichnungen[Bearbeiten]

Oscar
Golden Globe
Independent Spirit Awards
National Board of Review
National Society of Film Critics
New York Film Critics Circle Awards
Internationale Filmfestspiele von Venedig
Young Artist Awards

Sonstiges[Bearbeiten]

Tetsuya Nomura hat sich bei der Schaffung der Figur des Squall Leonhart aus dem Computerspiel Final Fantasy VIII von River Phoenix inspirieren lassen. Squall Leonhart hat nicht nur dasselbe Geburtsdatum wie River Phoenix, sondern auch eine täuschende Ähnlichkeit mit ihm.[4]

Literatur[Bearbeiten]

  • Grace Catalano: River Phoenix. Starfire, 1988
  • Penny Stempel River Phoenix (They Died Too Young). Parragon Plus, 1996
  • John L. Barker Running on Empty: The Life and Career of River Phoenix. Phoenix Literary Productions, 1998
  • Brian J. Robb: River Phoenix. Schirmer/Mosel, 1999
  • Penelope Dening: Das große River Phoenix Album. VGS Verlagsgesellschaft, Mai 1998
  • John Glatt: Lost in Hollywood – The fast times and short life of River Phoenix. St. Martins Paperbacks edition, April 1996
  • Barry C. Lawrence: In Search of River Phoenix – The truth behind the myth WORDSWORTH Publishing, Oktober 2004
  • Gavin Edwards Last Night at the Viper Room: River Phoenix and the Hollywood He Left Behind. It Books, Oktober 2013

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: River Phoenix – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ian Parker: Wasted: How on earth did River Phoenix, purest of all child stars, sensitive, clean-living and eco-friendly, end up dead from a drug overdose at the age of 23? The answer lies in a secret life that was shocking even by the notorious double standards of Hollywood. independent.co.uk, 5. Dezember 1993, abgerufen am 17. Januar 2014 (englisch).
  2. Brian J. Robb: River Phoenix – a short life, Plexus-Verlag London 1995, ISBN 0-85965-214-9.
  3. Death of River Phoenix, abgerufen 27. Januar 2008
  4. Interview mit Tetsuya Nomura abgerufen 2. Februar 2008