Rivers of Babylon

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Chartplatzierungen
Erklärung der Daten
Singles
Rivers of Babylon
  DE 1 24.04.1978 (37 Wo.) [1]
  AT 1 15.05.1978 (28 Wo.) [2]
  CH 1 08.04.1978 (21 Wo.) [3]
  UK 1 29.04.1978 (40 Wo.) [4]
  US 30 26.08.1978 (17 Wo.) [5]
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Rivers of Babylon ist ein durch die deutsche Disco-Gruppe Boney M. im Jahre 1978 bekannt gewordener Song, der im Original von der Rocksteady-Gruppe Melodians aus dem Jahre 1970 stammte und auf Texten des Alten Testaments der Bibel beruht. Der Titel gehörte lange Zeit zu den meistverkauften Produktionen der deutschen Musikindustrie.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

Melodians - Rivers of Babylon

Das Original stammt von den Melodians, die den Song in einer Rocksteady-Version[6] präsentierten. Die Bandmitglieder Brent Dowe und Trevor McNaughton ließen sich bei ihrer Komposition vom Inhalt von Psalm 137 (Psalm 137,1–9 EU) sowie auch von Psalm 19,14 EU leiten. Damit wurde in einem Popsong eine der ältesten Textquellen wiederbelebt. Gleichzeitig ist die Grundsubstanz der Melodie mit einer kleinen Abweichung pentatonisch und greift damit eine der ältesten musikalischen Quellen auf.

Ende des Jahres 1969 versammelte Reggae-Produzent Leslie Kong die aus Brent Dowe, Tony Brevett, Trevor McNaughton und Renford Cogle bestehenden Melodians im Studio One, Kingston/Jamaika. Ergänzt um das bewusst abgeschwächte Gitarrenspiel von Ernest Ranglin und die Perkussion-Arbeit von Larry McDonald spielten sie Rivers of Babylon / Babylon Version (die B-Seite stammte von den Beverley’s All Stars) ein[7]. Die Anmeldung des Copyrights ist am 31. Dezember 1969 erfolgt. Veröffentlicht auf Summit #8508[8] im November 1970, verkaufte sich die Platte mangels weltweitem Vertriebspartner lediglich auf Jamaika und in Großbritannien. Summit war zwar ein Sublabel vom britischen Trojan Records[9], aber in England konnten die Melodians nur schwach ihre im Januar 1970 veröffentlichte vorangegangene Single Sweet Sensation verkaufen (UK-Pop-Charts Rang 41).

Boney M.[Bearbeiten]

Boney M - Rivers of Babylon

Produzent Frank Farian und sein Weggefährte Hans-Jörg Mayer (der unter dem Pseudonym George Reyam auftauchte) hatten den Song leicht verändert und Boney M angeboten. Veröffentlicht wurde Rivers of Babylon / Brown Girl in The Ring (Hansa # 11 999 AT) am 3. April 1978. Bereits am 17. April 1978 gelangte der Titel in die deutsche Hitparade, wo er schon nach einer Woche auf die Nummer Eins hochkatapultiert wurde und dort für 17 Wochen bis zum 7. August 1978 verblieb. Ab 13. Mai 1978 blieb er in Großbritannien für fünf Wochen auf Platz Eins, der auch in der Schweiz, Österreich, Frankreich, Schweden, Norwegen, Finnland, Belgien, den Niederlanden, Luxemburg, Spanien, Italien, Jugoslawien, Israel, Mexiko, Australien, Neuseeland, Kenia oder Südafrika belegt werden konnte. Lediglich in den USA gelang Boney M nie der Durchbruch; ihre Platten nahmen mittlere Positionen in den Charts ein. In Deutschland wurden eine Million, in Frankreich 500.000 und in Großbritannien 1.985.000 Platten verkauft, weltweit waren es 4,035 Millionen[10]. Am 1. Juli 1978 erschien die Boney M-LP Nightflight to Venus, auf der Rivers of Babylon enthalten ist.

Die B-Seite Brown Girl In The Ring war Gegenstand eines Plagiat-Prozesses, der mit Klage am 9. Juli 1979 vor dem Landgericht Hamburg begann. Der Kläger Peter Herbolzheimer habe auf Bitten des aus der Karibik stammenden Musikers Malcolm Magaron für dessen Gruppe Malcolm's Locks den Folksong Brown Girl In The Ring für zehn Musiker arrangiert. Dieses so bearbeitete Stück erschien 1975 auf der Platte Caribbean Rock[11]. Die meisten musikwissenschaftlichen Gutachter bestätigten Herbolzheimers Ansicht, dass Farian ein bestehendes Urheberrecht verletzt hat. So urteilte denn schließlich auch der Bundesgerichtshof im Januar 1991, dass Herbolzheimers Arrangement eine „persönliche geistige Schöpfung“ darstelle und Farians Fassung weitgehend mit diesem Arrangement übereinstimme. Durch Zufall seien diese Übereinstimmungen nicht zu erklären. Der Fall wurde zum Landgericht Hamburg wegen Klärung weiterer Fragen zurückverwiesen.

Textgrundlage[Bearbeiten]

Psalm 137 ist ein Klagelied, das nach der Eroberung Jerusalems durch den babylonischen König Nebukadnezar im Jahr 586 v. Chr. der Sehnsucht der Juden im Exil Ausdruck verleiht. Der Psalm ist von großer Bedeutung in der Geschichte der jüdischen Musik. Die Flüsse Babylons sind der Euphrat und seine Nebenflüsse sowie der Fluss Chabur.

Im Ganzen gesehen spiegelt Psalm 137 sowohl die nach der Verschleppung ins babylonische Exil aufgekommene Sehnsucht nach Jerusalem, aber auch den Hass auf die Babylonier, mit manchmal sehr gewalttätigen Bildern und Metaphorik. Die hasserfüllten letzten Verse des Psalms werden im Song der Melodians und auch in anderen Vertonungen weggelassen.

Das Alte Testament beschreibt in diesem Psalm die Versklavung der Hebräer, die der Eroberung Jerusalems durch die Babylonier im Jahre 586 vor Christus folgte. Die Melodians und andere Reggae-Interpreten verwandten die Begriffe „Babylon“ oder „Zion“ als Metapher zur Beschreibung der eigenen karibischen Lebensumstände. In Reggae-Songs sind oft biblische Inhalte verwendet worden (etwa bei Desmond Dekkers The Israelites). Die Rastas wiederum berufen sich häufig auf das Alte Testament[12]. Babylon steht als Metapher „für die gottlose abendländische Welt und deren Kultur, sowie noch spezieller für jene, die sie konkret durchsetzt – die Polizei“[13].

Die Zitate[Bearbeiten]

Der Originaltext verwendet nur drei Verse, die tatsächlich aus dem Psalm stammen, diese werden jedoch mehrfach wiederholt.

Psalm 137,1 KJV:

“By the rivers of Babylon, there we sat down
Yea, we wept, when we remembered Zion.

When the wicked
Carried us away in captivity
Requiring from us a song
Now how shall we sing the lord's song in a strange land?”

Deutsch:

„An den Strömen von Babel setzten wir uns nieder
ja, wir weinten, wenn wir an Zion dachten

Als die Gottlosen
uns als Gefangene verschleppten
verlangten sie von uns Lieder
Aber wie sollten wir die Lieder des Herrn singen in einem fremden Land?“

Psalm 19,14 KJV:

“Let the words of my mouth,
and the meditation of my heart,
be acceptable in thy sight,
here tonight.”

Deutsch:

„Die Worte meines Mundes mögen dir gefallen;
was ich im Herzen erwäge,
stehe dir vor Augen,
hier an diesem Abend.“

Weitere Versionen[Bearbeiten]

Andere bekannte Interpretationen neben der Originalversion der Melodians stammen unter anderen von The Busters, Bob Marley und der Gruppe Sublime sowie von Sinead O'Connor.

1978 sang Bruce Low zur gleichen Melodie einen deutschsprachigen Text mit anderer Thematik. Seine Single Die Legende von Babylon erzählt die biblische Erzählung vom Turmbau zu Babel, die historisch wenigstens 1000 Jahre vor dem babylonischen Exil liegt. Die Single erreichte Platz 6 in den deutschen Musik-Charts.

Weitere deutsche Versionen sind Die Lende von Marion (Mike Krüger), Isch hab de Tripper vun de Marion sowie der Wiesn-Hit 2012 Mia ham a Fassl voll Bier dabei (Quertreiber).

Rivers of Babylon in der Version der Melodians ist im Soundtrack zum jamaikanischen Kinofilm The Harder They Come aus dem Jahr 1972 enthalten.

Die North American Federation of Temple Youth (NFTY), die Jugendorganisation der Union für reformiertes Judentum in Nordamerika hat dieses Lied in ihr offizielles Liederverzeichnis aufgenommen; das bedeutet, dass das Lied anstelle eines Gebetes genutzt werden kann.

1978 präsentierte die britische Popgruppe The Barron Knights eine Parodie dieses Liedes, aus By the rivers of Babylon wurde There’s a dentist in Birmingham.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b "Rivers of Babylon" in den deutschen Single-Charts
  2. a b "Rivers of Babylon" in den österreichischen Single-Charts
  3. a b "Rivers of Babylon" in den Schweizer Single-Charts
  4. a b "Rivers of Babylon" in den britischen Single-Charts
  5. a b "Rivers of Babylon" in den US-Single-Charts
  6. einer der Wurzeln und Stilarten des Reggae
  7. Steve Barrow/Peter Dalton, The Rough Guide To Reggae, 2004, S. 107
  8. und nicht #6508 wie meist angegeben
  9. Michael de Koningh/Laurence Kane-Honeysett, Young Gifted And Black: The Story of Trojan Records, 2003, S. 229
  10. Joseph Murrells, Million Selling Records, 1985, S. 452
  11. Der Spiegel vom 13. Juli 1998 (29/1998), Ringelreihen ohne Ende, S. 102 ff.
  12. Andreas Hepp, Kult-Medien-Macht: Cultural Studies und Medienanalyse, 2008, S. 381
  13. Lloyd Bradley, Bass Culture: Der Siegeszug des Reggae, 2003, S. 69

Weblinks[Bearbeiten]