Roßla

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51.46472222222211.076388888889152Koordinaten: 51° 27′ 53″ N, 11° 4′ 35″ O

Roßla
Gemeinde Südharz
Wappen von Roßla
Höhe: 152 m
Fläche: 17,64 km²
Einwohner: 2244 (31. Dez. 2008)
Eingemeindung: 1. Januar 2010
Postleitzahl: 06536
Vorwahl: 034651
Bennungen Breitenstein Breitungen Dietersdorf Drebsdorf Hainrode Kleinleinungen Questenberg Roßla Rottleberode Schwenda Stolberg (Harz) Uftrungen Wickerode Hayn (Harz) Landkreis Mansfeld-SüdharzKarte
Über dieses Bild

Lage von Roßla in Südharz

Roßla ist ein Ortsteil der Gemeinde Südharz und liegt im westlichen Teil des Landkreises Mansfeld-Südharz in Sachsen-Anhalt.

Geografie[Bearbeiten]

Roßla breitet sich in der Helmeniederung zwischen Harz und Kyffhäuser aus. Wegen ihrer Fruchtbarkeit wird diese Gegend auch Goldene Aue genannt.

Roßla hat 2244 Einwohner (Stand 2008), die sich auf Roßla und die eingemeindete Ortschaft Dittichenrode verteilen, und ist Verwaltungssitz der Gemeinde Südharz.

Geschichte[Bearbeiten]

Ernst Helbig: Ansicht von Roßla, 1841

Roßla wird erstmals in einer Urkunde vom 15. September 996 erwähnt. Mit dieser Urkunde schenkt Kaiser Otto III. dem Kloster St. Kilians Zelle (Bistum Würzburg) die Gemeinde Roßla. Roßla besaß eine Wasserburg. Der Bergfried steht heute noch im Schlosshof. Zahlreiche Urkunden besagen, dass in Roßla ein Adelsgeschlecht sesshaft war. 1119 wurde ein Dietmar von Roßla, 1238 ein Friedrich und 1315 ein Heinrich von Roßla genannt. Inventarbeschreibungen aus den Jahren 1573, 1650 und 1679 lassen die Wasserburg rekonstruieren. Es ist der Bereich des Schlosses und seines Vorplatzes. Die Burg lag auf einer kleinen Insel in einem Helmearm mitten in einem von der Helme gespeisten Teich.[1] In der Mitte des 11. Jahrhunderts gelangten Teile des Helmerieds an das Erzbistum Mainz und an das Kloster Fulda. Das Kloster Walkenried erwarb um 1144 das Gebiet um Görsbach. Später meliorierten die Mönche gemeinsam mit den angesiedelten Flamen das Land zwischen Görsbach und Kelbra und auch weiter. Die Flamen waren erfahren und brachten Geld ,Vieh und Nutzpflanzen aus ihrer Heimat mit. Trotz der Entwässerung gab es immer wieder Wasserprobleme. So war die Goldene Aue am 8. und 9. Februar 1946 ein See. Das Wasser stand von Heringen bis nach Ritteburg und in das Thyratal. Die Hochwasserstände sind in dem südlichen Widerlager der Mühltalgrabenbrücke in Kelbra eingemeißelt worden. Der höchste Wasserstand war 1881 und 1946 mit über 4 Metern. Bis 1945 war Roßla Sitz einer Linie der gefürsteten Grafen zu Stolberg.[2] Die Bauern von Roßla beschritten nach 1945 den Weg der ostdeutschen Landwirtschaft.

Am 12. April 1945 wurde Roßla von der amerikanischen Armee besetzt, Anfang Juli in die Sowjetische Besatzungszone eingegliedert.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs war Hermine Reuß ältere Linie, die Witwe des letzten Deutschen Kaisers, Wilhelms II., auf das Schloss in Roßla gekommen. Sie wurde dort nach der Flucht von ihren Besitzungen in Schlesien von ihrer jüngsten Schwester, Ida Fürstin zu Stolberg-Roßla, aufgenommen. Fürst zu Stolberg-Roßla wurde enteignet, des Schlosses verwiesen und mit seiner Familie im Oktober 1945 im Lager Torgau interniert. Die Kaiserin-Witwe Hermine holte man eine Woche später ab. Sie verstarb in sowjetischer Internierung 1947 in Frankfurt/Oder.

Seit dem 18. Jahrhundert (1719) bestand im Ort das Gräfliche, ab 1893 Fürstliche Konsistorium Stolberg-Roßla, ein Mediatkonsistorium für die Leitung der lutherischen Kirche in der Grafschaft Stolberg-Roßla. Die lutherischen Kirchengemeinden im Gebiet der ehemaligen Grafschaft gehörten nach der Gründung der unierten Evangelischen Kirche in Preußen 1821 zu deren Kirchenprovinz Sachsen. Das Mediatkonsistorium jedoch bestand mit regionaler Zuständigkeit für diese Kirchengemeinden fort. Bis zur Trennung von Staat und Religion 1919 unterstand es direkt dem Standesherrn Graf/Fürst von Stolberg-Roßla und indirekt dem Oberpräsidenten der Provinz Sachsen.[3] Am 5. November 1947 ging seine Zuständigkeit auf das Mediatkonsistorium in Stolberg am Harz über.[4]

Während des Zweiten Weltkrieges befand sich im Ort das kleine Außenlager Roßla des KZ Mittelbau für 110 Häftlinge.

Am 1. Januar 2010 schlossen sich die Gemeinden Roßla, Bennungen, Breitenstein, Breitungen, Dietersdorf, Drebsdorf, Hainrode, Hayn (Harz), Kleinleinungen, Questenberg, Rottleberode, Schwenda und Uftrungen zur neuen Gemeinde Südharz zusammen.[5] Gleichzeitig wurde die Verwaltungsgemeinschaft Roßla-Südharz, zu der Roßla gehörte, aufgelöst.

Politik[Bearbeiten]

Wappen von Roßla

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen wurde am 17. August 1939 durch den Oberpräsidenten der Provinz Sachsen verliehen.

Blasonierung: „In Blau auf grünem Berg ein springendes silbernes Pferd unter einer aus dem linken Obereck hervorbrechenden goldenen Sonne.“

Das Wappen wurde von dem in Osterweddingen lebenden Grafiker Willy Kluge gestaltet.

Ortspartnerschaften[Bearbeiten]

Partnerstadt Roßlas ist die Stadt Ortenberg in Hessen. Die Partnerschaft besteht seit 1990.

Gedenkstätte[Bearbeiten]

  • Grabstätte auf dem Ortsfriedhof für einen namentlich bekannten Polen, der wahrscheinlich im Außenlager Roßla das Opfer der Zwangsarbeit wurde.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Roßla verfügt über einen Bahnanschluss an Halle-Kasseler Eisenbahn und wird dort mindestens zweistündlich, in der Hauptverkehrszeit auch stündlich, von Regionalbahnen der Relation Nordhausen - Halle (Saale), dem sogenannten Kupfer-Express bedient. Durch den Ort zieht sich die ehemalige Bundesstraße 80 wie ein Lindwurm. An der kurz hinter dem Ortsausgang Richtung Sangerhausen von der ehemaligen Bundesstraße 80 abzweigenden Strecke zum Ortsteil Dittichenrode befindet sich eine Anschlussstelle der A 38.

Schloss Roßla

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Evangelische Trinitatiskirche; 1868–1872 durch Ferdinand Wendeler erbaut. Die historische Ausstattung ist im Wesentlichen erhalten.
  • Schloss Roßla; von 1827–1831 erbaut; klassizistische Anlage
  • s' ohle Huss-das lebendige Denk~mal
  • Fürstliche Rentkammer; bedeutendes geschichtliches, kulturell-künstlerisches und städtebauliches Baudenkmal
  • Naturschutzgebiet Bauerngraben, nördlich von Roßla

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Heinz Noack: Geschichten aus der Goldenen Aue Sutton Verlag, Erfurt, ISBN 978-3-86680-428-9, S. 45
  2. Heinz Noack: Geschichten aus der Gogenen Aue Sutton Verlag, Erfurt, 2009, ISBN 978-3-86680-428-9, S. 11
  3. Ernst Pinder, Das Provinzial-Recht der Königlich Preußischen vormals Königl. Sächsischen Landestheile mit Ausschluß der Lausitz: nebst Beweisstellen, Gründen und Bemerkungen: 2 Tle., Leipzig: Leopold Voß, 1836, Theil 1: Das Provinzial-Recht enthaltend, p. 418.
  4. Herbert Frost, Strukturprobleme evangelischer Kirchenverfassung: rechtsvergleichende Untersuchungen zum Verfassungsrecht der deutschen evangelischen Landeskirchen, Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht, 1972, p. 231, zugleich: Köln, Univ., Rechtswiss. Fak., Habil.-Schr. 1968.
  5. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2010

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Roßla – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien