Robert Crewe-Milnes, 1. Marquess of Crewe

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Robert Crewe-Milnes, 1. Marquess of Crewe

Robert Offley Ashburton Crewe-Milnes, 1. Marquess of Crewe KG, PC (* 12. Januar 1858; † 20. Juni 1945) war ein britischer Staatsmann und Schriftsteller.

Familie[Bearbeiten]

Er war der Sohn des Richard Monckton Milnes, 1. Baron Houghton, und studierte am Trinity College der University of Cambridge. 1880 heiratete er Sibyl Marcia Graham (verstorben 1887). Aus der Ehe gingen drei Töchter hervor: Annabel, Celia und Cynthia, ein Sohn (Richard) starb im Kindbett. Zu seinen Enkeln zählte unter anderen Sir John Colville, der Sohn seiner ältesten Tochter, der später zum britischen Kabinettsekretär aufsteigen sollte, und Terence O’Neill, der Sohn Cynthias, der zwischen 1963 und 1969 als Premierminister von Nordirland amtierte.

In zweiter Ehe war er ab 1899 mit Margaret Rosebery, der Tochter von Archibald Philip Primrose, 5. Earl of Rosebery, verheiratet. Der aus dieser Ehe stammende, 1911 geborene Sohn, der ebenfalls den Namen Richard trug, starb 1922. Die Tochter dieser Verbindung Lady Mary Crewe-Milnes überlebte jedoch und heiratete später den neunten Duke of Roxburghe. 1895 erbte er den Titel eines Earl of Crewe von seinem Großvater mütterlicherseits. 1911 wurde er zum Marquess of Crewe erhoben. Da er ohne männlichen Abkömmling verstarb, wurden all diese Titel nach seinem Tod 1945 nicht weitervererbt.

Politisches Wirken[Bearbeiten]

Als Angehöriger der Liberal Party, diente er zunächst von 1883 bis 1884 als Privatsekretär des damaligen Außenministers Lord Granville. 1886 wurde er zum Kämmerer ernannt. In der liberalen Regierung von 1892 bis 1895 sekundierte er dem Hauptsekretär für Irlandangelegenheiten John Morley als Lord Lieutenant (höchster Beamter). Von 1905 bis 1908 amtierte er in der liberalen Regierung unter Campbell-Bannerman als Lord President of the Council. 1908 übernahm er in der Regierung Asquith das Amt des Kolonialministers (Secretary of State for the Colonies) und Liberaler Führer im House of Lords. Im Zusammenhang mit der letzteren Funktion spielte er eine Schlüsselrolle bei der Durchsetzung des Parlamentsgesetzes von 1911, das die Lords ihres Vetorechts im Gesetzgebungsverfahren beraubte. 1910–1911 und von 1911 bis 1915 übernahm er zudem den Posten des Indienministers (Secretary of State for India). 1915 bis 1916 agierte er zudem erneut als Lord President of the Council und 1916 als Erziehungsminister (President of the Board of Education). 1917 wurde er Vorsitzender des Gemeinderates der Stadt London und stellte seine Stadtvilla dem ersten Ministry of Information zur Verfügung, das darin das Direktorat für Propaganda in Feindländern einrichtete (Crewe House).

1922 bis 1928 übernahm er die Aufgabe des britischen Botschafters in Frankreich und 1931 fungierte er als Staatssekretär im Kriegsministerium. Privat engagierte er sich zudem im Erziehungsbereich, so unter anderem als Vorsitzender des Beirates des Imperial College London (1907 bis 1922) und Kanzler der Universität Sheffield.

Schriftstellerisches Werk[Bearbeiten]

In den 1890er Jahren veröffentlichte Crewe diverse kleinere literarische Werke, darunter Sinnsprüche und vor allem eine 1931 erschienene Biografie des ehemaligen Premierministers Lord Rosebery.

Werke[Bearbeiten]

  • Lord Rosebery. 2 Bd., London 1931.

Literatur[Bearbeiten]

  • James Pope Hennessy: Lord Crewe, 1858–1945. The likeness of a Liberal. London 1955.