Robert Doisneau

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Doisneau in seinem Studio in Montrouge bei Paris (1992)
Photographers Robert Doisneau (left) and André Kertész in 1975 a.jpg
Photographers Robert Doisneau (left) and André Kertész in 1975 b.jpg
Robert Doisneau (links) und André Kertész in Arles (1975)

Robert Doisneau ([ʁɔˈbɛʁ dwaˈno]; * 14. April 1912 in Gentilly ; † 1. April 1994 in Paris) war ein französischer Fotograf.

Leben[Bearbeiten]

Robert Doisneau begann 1929 beruflich zu fotografieren, ein Jahr nach Abschluss seines Studiums an der École Estienne in Paris mit einem Diplom für Lithografie und Gravur. Seine erste Fotoreportage wurde 1932 gedruckt. 1934 wurde er Werksfotograf des heute abgerissenen Renault-Werkes auf der Île Seguin in Boulogne-Billancourt,[1] gab diese Anstellung aber 1939 auf, um freiberuflich zu arbeiten.

Er diente ein Jahr in der Armee und war danach Fotograf der Résistance, der die Besetzung und Befreiung von Paris dokumentierte. Ein Kontakt mit Charles Rado, dem Gründer der Agentur Rapho während des Krieges brachte ihn endgültig zum Fotojournalismus. Von 1946 an wurde er durch diese Agentur vertreten. Von 1949 bis 1952 arbeitete er für Vogue, davor und danach fotografierte er für Life, Paris Match, Réalités, Point de Vue, Regards und andere Illustrierte. Es entstanden Portraits bekannter Persönlichkeiten wie Pablo Picasso, Fernand Léger, Georges Braque oder Orson Welles.[2]

Berühmt wurde der Flaneur Doisneau für seine Bilder aus den Straßen von Paris, wo er Menschen des Alltags ablichtete. Dabei entstanden rund 350.000 Fotos.

Eine enge Freundschaft verband ihn mit der Schauspielerin Sabine Azéma, die über ihn den Dokumentar-Kurzfilm Bonjour Monsieur Doisneau ou Le photographe arrosé (1992) veröffentlichte.[3]

Sein Grab befindet sich auf dem kommunalen Friedhof des Dorfes Raizeux bei Rambouillet.[4]

Werke[Bearbeiten]

Fotografien von Doisneau sind im Besitz des Pariser Musée National d'Art Moderne, des britischen Victoria and Albert Museum sowie der New Yorker Häuser Museum of Modern Art und Metropolitan Museum of Art.[5] Zahlreiche seiner Fotografien wurden auf dem Kunstmarkt verkauft und erzielten bis zu 26.400 US-Dollar.[6]

Baiser de l'Hôtel de Ville[Bearbeiten]

Sein inzwischen berühmtestes Foto nahm Doisneau 1950 auf: Ein sich vor dem Pariser Rathaus küssendes Paar.[7] Die Illustrierte Life hatte damals eine Reportage unter dem Titel „Verliebte in Paris“ bestellt.

Das Foto wurde erst 1986 wiederveröffentlicht, wurde dann aber zum romantischen Bestseller. Mehrere Personen glaubten sich auf dem vermeintlichen Schnappschuss wiederzuerkennen und verklagten Doisneau auf Beteiligung an den Einnahmen. Doisneau konnte jedoch nachweisen, dass er die Fotoserie mit zwei Schauspielstudenten inszeniert hatte: Françoise Bornet und deren damaliger Freund Jacques Carteaud hatten für das mit einer Rolleiflex gemachte Foto ein Honorar erhalten.

2005 wurde das Foto mit der Archivnummer 21.039 und Doisneaus Werkstempel im Pariser Auktionshaus Artcurial für 155.000 Euro von einem anonymen Bieter aus der Schweiz ersteigert (bei einem Startpreis von 10.000 Euro und einem Schätzpreis von 15.000 bis 20.000 Euro). Das Bild war zuvor im Besitz der abgelichteten Françoise Bornet.[7]

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 1945: Imprimeries Clandestines. Le Point, Lanzac Par Souillac.
  • 1976: Das Paris von Robert Doisneau und Max-Pol Fouchet. Volk und Welt, Berlin.
  • 1980: Drei Sekunden Ewigkeit. Schirmer Mosel, München, ISBN 3-88814-847-2.
  • 2010: Mein Paris. Schirmer/Mosel, München 2010, ISBN 978-3-8296-0502-1.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Angaben zur Geschichte auf der Seite des Immobilienprojekts (frz.), abgerufen am 14. April 2012
  2. Kalenderblatt auf dradio.de vom 14. April 2012, abgerufen am 14. April 2012
  3. vgl. Guerrin, Michel: Robert Doisneau le braconnier de l'éphémère – Le plus célèbre photographe français est mort 1er avril à Paris. In: Le Monde, 4. April 2004
  4. Angaben auf der Seite des Rathauses von Raizeux (frz.), abgerufen am 14. April 2012
  5. Angaben auf der Seite der Französischen Nationalbibliothek (frz.), abgerufen am 14. April 2012
  6. Ergebnisse bei Christie's, abgerufen am 14. April 2012
  7. a b Legendäres "Kuss"-Foto für 155.000 Euro versteigert in Süddeutsche Zeitung vom 26. April 2005