Robert Filliou

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Robert Filliou (* 17. Januar 1926 in Sauve; † 2. Dezember 1987 in Chanteloube, Les Eyzies-de-Tayac-Sireuil, Dordogne) war ein französischer Künstler und als solcher einer der Hauptvertreter des Fluxus.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Robert Filliou schloss sich 1943 dem Widerstand gegen die deutschen Besatzer an, der Résistance, und wurde noch während des Krieges Mitglied der Kommunistischen Partei Frankreichs (PCF). 1946 verließ er Frankreich und wanderte in die USA aus, wo er von 1946 bis 1948 zunächst unter anderem für die Coca-Cola Company tätig war. 1949 nahm er in Los Angeles ein Studium der Wirtschaftswissenschaften an der University of California auf. Nach dem Erwerb des Master siedelte er 1951 nach Südkorea über, arbeitete dort für das „University of California Extension Program“ woran sich eine Tätigkeit für die „United Nations Korean Reconstruction Agency“ (Wiederaufbauagentur der UN für Korea) anschloss. 1954 zog Filliou nach Ägypten, lebte dann von 1955 bis 1957 in Spanien, lernte in Dänemark seine Frau, Marianne Staffels, kennen, und kehrte schließlich im Jahre 1959 zurück in seine Heimat Frankreich. Er kuratierte mit seiner „Galerie Légitime“ kleine Ausstellungen von eigenen Arbeiten und denen seiner Kollegen, die er vor allem in den Straßen von Paris zeigte. Die Galerie bestand aus einer Mütze, die Robert Filliou in Tokio gekauft hatte.

Im Winter des Jahres 1963 entwickelte Filliou in Paris zusammen mit seinem Freund, dem Architekt Joachim Pfeufer, das Projekt „POIPOIDROM”, eine sprachlich inspirierte Mischung aus Objekt, Installation und Performance, die eine Kette von (Sinn-)Fragen im Dialog stellt, und wenn das Poipoi (aus einem malinesischen Dialekt) genannt wird, abgebrochen wird und erneut beginnt. Mit dem „POIPOIDROM” und einer „Rakete” waren Filliou und Pfeufer im Jahr 1972 Teilnehmer der Documenta 5 in Kassel in der Abteilung Individuelle Mythologien.

1967 lebte Robert Filliou in New York und zog ein Jahr später nach Düsseldorf um, das damals eines der Zentren des Fluxus war. 1977 lebte Filliou zeitweise in Kanada wo er einige Videos produzierte. Von 1980 bis 1984 hatte er eine Gastprofessur an der Hamburger Hochschule für Bildende Künste inne.

Robert Fillious künstlerische Entwicklung beruhte wesentlich auf seiner buddhistischen Weltanschauung, die aus seiner Beschäftigung mit dem Zen-Buddhismus im Jahre 1951 herrührt. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich lernte er in Paris Daniel Spoerri kennen. In diesem Jahr, 1960, entstand sein erstes Kunstwerk, „Le collage de l’immortelle mort du monde“, ein Theaterstück. Seine erste Ausstellung fand 1961 in der Galerie Arthur Køpcke in Kopenhagen statt. 1962 gründete er die „Galerie Légitime“ und lernte mit George Maciunas einen zentralen Künstler der Fluxus Bewegung kennen. Für den 17. Januar des Jahres 1963 proklamierte er den 1.000.000. Geburtstag der Kunst, den Art’s Birthday, der seitdem an diesem Datum weltweit jährlich stattfindet.

Aus der Begegnung mit George Brecht im Jahre 1965 ging „La Cédille qui sourit“ (die lachende Cédille [Ç!]) hervor, ein Ladenlokal in Villefranche-sur-Mer, das Schmuck, Spiele und Fluxusgegenstände anbot. Während der Zeit der engen Kooperation mit George Brecht drehte er mit diesem und Bob Guiny den Film „L’Hommage à Méliès“, der sich auf historische Stummfilme bezieht und mit Emmett Williams eine Performance Dokumentation. Im Verlag der Buchhandlung König, Köln, veröffentlichte er eine Anleitung für Happenings, Dichtung und anderes mehr: „Teaching and Learning as Performing Arts“ (Lernen und Unterrichten als Darstellende Kunst). In der Folge drehte Filliou einige weitere eher kurze Filme, für die ein humoristischer Blick auf Kunst, Leben und Gesellschaft kennzeichnend sind. In seinen Aktionen, Ausstellungen und Werken entwarf er immer wieder Gegenwelten, stellte die rationale Logik und Erkenntnis listenreich infrage und betonte die Autonomie der Individuen. Hierzu gehören z.B. die „Geflüsterte Geschichte der Kunst“, die er in einer Ausstellung in Aachen vorstellte, und begehbare Skulpturen wie „Recherche sur l’origine“ (1974) oder „Prototype Optimum nø 00“, 1978 im Centre Pompidou, Paris. Werke von Robert Filliou sind in den Sammlungen vieler europäischer Museen vertreten, und über seiner Tür stand geschrieben: „Le vagabond de l’art est toujours en voyage. Laissez nom sans adresse, il vous touchera un jour sans doute par télépathie.“ Robert Filliou zog sich 1984 in das buddhistische Kloster Chanteloube bei Les Eyzies-de-Tayac-Sireuil an der Dordogne zurück, in dem er 1987 starb.

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Zitate[Bearbeiten]

„Kunst ist, was das Leben interessanter macht als Kunst.“

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Dieter Honisch (Vorw.): Kunst in der Bundesrepublik Deutschland 1945–1985, Nationalgalerie. Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz, Berlin 1985, ISBN 3-87584-158-1
  • Hannelore Kersting (Bearb.): Kunst der Gegenwart. 1960 bis 2007. Städtisches Museum Abteiberg Mönchengladbach, 2007, ISBN 978-3-924039-55-4
  • Ausstellungskatalog: documenta 5. Befragung der Realität – Bildwelten heute; Katalog (als Aktenordner) Band 1: (Material); Band 2: (Exponatliste); Kassel 1972
  • documenta Archiv (Hrsg.); Wiedervorlage d5 – Eine Befragung des Archivs zur documenta 1972; Kassel/Ostfildern 2001, ISBN 3-7757-1121-X
  • Katalog zur documenta 6: Band 1: Malerei, Plastik/Environment, Performance; Band 2: Fotografie, Film, Video; Band 3: Handzeichnungen, Utopisches Design, Bücher; Kassel 1977 ISBN 3-920453-00-X
  • Bettina Riedrich: Betrachtungen zum philosophischen Hintergrund im Oeuvre von Robert Filliou, Magisterarbeit, Bonn 2005. (PDF, 568 KB). Abgerufen am 16. August 2010

Weblinks[Bearbeiten]