Robert Grosseteste

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Robert Grosseteste (* vor 1170; † 9. Oktober 1253) war ein englischer Theologe, Philosoph und Bischof von Lincoln.

Inhaltsverzeichnis

Leben[Bearbeiten]

Robert Grosseteste

Aus armen anglonormannischen Verhältnissen stammend, studierte Grosseteste vor 1190 die artes liberales am Domstift in Hereford und wurde in die Dienste des dortigen Bischofs aufgenommen. Er studierte wohl danach in Paris Theologie und war vielleicht im Jahr 1214 der erste Kanzler der Universität Oxford. 1225 erhielt er, der immer noch Diakon war, seine Klerikerpfründe, 1229/1230 kümmerte er sich um die theologische Ausbildung der englischen Franziskaner. 1235 wurde Grosseteste Bischof in Lincoln. Seine Diözese betreute er, der sich mit den auf dem 4. Laterankonzil (1215) beschlossenen Kirchenreformen identifizierte, in Seelsorge und Verwaltung vorbildlich. Der ihm eigene reformerische Impetus brachte ihn, vor allem nach dem Konzil von Lyon (1245), in zunehmenden Gegensatz zum Papsttum. So überreichte er Papst Innozenz IV. (1243–1254) im Jahr 1250 eine Denkschrift, worin er die päpstliche Benefizienvergabe kritisierte und diese für die Missstände in der englischen Kirche verantwortlich machte. Mit einem Fall von päpstlicher Pfründenvergabe (an den Neffen des römischen Bischofs) sogar an seiner eigenen Domkirche in Lincoln hatte Grosseteste sich in seinem letzten Lebensjahr auseinanderzusetzen.

Robert Grosseteste starb in der Nacht vom 8. zum 9. Oktober 1253. Verschiedene Anläufe der Kanonisierung (Heiligsprechung) blieben erfolglos.

Werke[Bearbeiten]

Viele Werke von Robert Grosseteste sind uns überliefert. Grosseteste galt als Meister der aristotelischen Logik, als Beobachter von Naturphänomenen (Optik, Klima, Form, Bewegung, Zeit), die er mit der Mathematik und Geometrie analysierte, als Übersetzer aus dem Griechischen (aristotelische Ethik, Schriften des Johannes von Damaskus und des Pseudo-Dionysius), als Metaphysiker („Gott ist Licht“). Schriftkommentare, beispielsweise ein Hexaemeron, Predigten und ein allegorisches Gedicht über die Erlösung (Château d’Amour) runden das literarische Oeuvre des bedeutenden konservativen Kirchengelehrten ab.

Literatur[Bearbeiten]

  • Alistair Cameron Crombie: Robert Grosseteste and the Origins of Experimental Science, 1100-1700. Oxford: Clarendon Press 1953, ISBN 0-19-824189-5
  • Richard C. Dales: Robert Grosseteste's Scientific Works, in: Isis 52 (1961), 381-402.
  • John Flood (Hrsg.): Robert Grosseteste and his intellectual milieu. New editions and studies. Pontifical Institute of Mediavel Studies, Toronto 2013. ISBN 978-0-88844-824-8
  • Klaus KienzlerRobert von Grosseteste. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 8, Bautz, Herzberg 1994, ISBN 3-88309-053-0, Sp. 444–446.
  • G. V. Lechler: Robert Grosseteste, Bischof von Lincoln. Leipzig 1867.
  • James McEvoy: Robert Grosseteste, Oxford: Oxford University Press 2000.maßgebliche einführende Gesamtdarstellung
  • James McEvoy: Robert Grosseteste. Exegete and Philosopher. 1994 Aufsatzsammlung
  • James McEvoy: The Philosophy of Robert Grosseteste, Oxford: Clarendon Press 1986.Standardwerk
  • James McEvoy: Robert Grosseteste. In: Lexikon des Mittelalters (LexMA). Band 7, LexMA-Verlag, München 1995, ISBN 3-7608-8907-7, Sp. 905–907.
  • Steven P. Marrone: William of Auvergne and Robert Grosseteste: New Ideas of Truth in the Early Thirteenth Century, Princeton N.J.: Princeton University Press 1983.
  • Richard Southern: Robert Grosseteste: The Growth of an English Mind in Medieval Europe, Oxford: Clarendon Press 2. A. 1992.

Weblinks[Bearbeiten]

Werke
 Wikisource: Robertus Grosseteste – Quellen und Volltexte (Latein)
Sekundärliteratur
Vorgänger Amt Nachfolger
Hugo Wallis Bischof von Lincoln
1235–1253
Henry de Lexington