Robert Jungk

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Robert Jungk (* 11. Mai 1913 in Berlin; † 14. Juli 1994 in Salzburg; eigentlich Robert Baum) war ein Publizist, Journalist und einer der ersten Zukunftsforscher. 1986 erhielt Jungk den Right Livelihood Award (Alternativer Nobelpreis).

Jugend und Emigration[Bearbeiten]

Robert Jungk war der Sohn des Dramaturgen, Schauspielers und Regisseurs David Baum (Künstlername Max Jungk, 1872–1937) und der Schauspielerin Sara Bravo (Künstlername Elli Branden, 1885–1948).

Als Schüler des humanistischen Mommsen-Gymnasiums[1] in Berlin-Schöneberg beteiligte er sich an der antibürgerlichen Jugendbewegung „Kameraden, deutsch-jüdischer Wanderbund“, war Mitglied im Sozialistischen Schülerbund (SSB), einer Organisation, die der Kommunistischen Partei-Opposition nahestand, und bei der Internationalen Arbeiterhilfe (IAH). Nach dem Abitur 1932 versuchte er sich als Regieassistent bei Richard Oswald und wirkte in einer Nebenrolle im Film „Unheimliche Geschichten“ mit. Danach nahm er ein Philosophie-Studium an der Friedrich-Wilhelms-Universität auf und beteiligte sich an dem von Harro Schulze-Boysen initiierten Gegner-Kreis.

Kurz nach dem Reichstagsbrand wurde Jungk verhaftet, weil er Titelseiten des Völkischen Beobachters vom Schwarzen Brett der Universität gerissen hatte, gelangte aber mit Hilfe seines Freundes Sven Schacht, Neffe von Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht, wieder in Freiheit. Noch vor der Reichstagswahl März 1933 reiste er nach Seefeld in Tirol aus. Über Zürich emigrierte er im Mai 1933 nach Paris. Es folgten ein Studium an der Sorbonne, Filmarbeiten in Frankreich und Spanien sowie Tätigkeiten für deutschsprachige Pressedienste von Emigranten. 1936 kehrte er kurz zu seinen Eltern nach Berlin zurück, wo der Kontakt zu Harro Schulze-Boysen wieder auflebte. Im November 1936 musste Jungk, wie unmittelbar darauf auch seine Eltern, in die Tschechoslowakei flüchten; während seiner Zeit in Prag schloss er Freundschaft mit Peter Weiss.

Während Jungk sich von den zerstrittenen Gruppierungen der politischen Emigration fernhielt, pflegte er intensiven Kontakt zur Gruppe marxistischer Psychoanalytiker um Otto Fenichel und Steffi Bornstein.[2]

Im Mai 1938 wich er vor der drohenden deutschen Okkupation nach Zürich aus. Wilhelm Reichs Buch Massenpsychologie des Faschismus hatte ihn dazu angeregt, eine historische Doktorarbeit „über die seelischen Gründe des Zusammenbruchs großer Reiche“ zu schreiben. Die ablehnende Reaktion des Doktorvaters Karl Meyer beendete zunächst Jungks akademische Ambitionen.[3] Stattdessen wirkte er vorübergehend an dem Aufbau eines Pressedienstes in London mit. 1939 bis 1945 arbeitete er für schweizerische Tages- und Wochenzeitungen unter verschiedenen Pseudonymen, insbesondere als F. L. für die Weltwoche. Im Juni 1943 drohte ihm die Abschiebung nach Deutschland, erst die Fürsprache Emil Oprechts u.a. führte zu einer Internierung, erst in der Strafanstalt St. Gallen, schließlich auf Schloß Burg im Leimental.

Nachkriegszeit und Friedensbewegung[Bearbeiten]

Nach 1945 lebte er in Paris, Washington, D.C. und Los Angeles und arbeitete als Korrespondent für schweizerische, deutsche, niederländische und französische Publikationen. Im Jahr 1957 siedelte er mit seiner Frau Ruth nach Österreich über, zunächst nach Wien. Ab 1970 lebten sie in Salzburg.

1952 erschien sein erstes Werk Die Zukunft hat schon begonnen zu Fragen der Zukunft der Menschheit.

Jungk gehörte zu den bedeutendsten Pionieren der internationalen Umwelt- und Friedensbewegung. Er erfand die Zukunftswerkstätten und gründete 1985 die Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen. Ab 1964 war er Mitherausgeber der Buchreihe Modelle für eine neue Welt. Im selben Jahr gründete er das Institut für Zukunftsfragen in Wien. Einer seiner Mitarbeiter an diesem Institut war Ernst Florian Winter. Robert Jungk prägte 1977 den Begriff „Atomstaat“ mit seinem gleichnamigen Buch. Ab 1980 war Jungk aktiv in der Friedensbewegung. Im Heißen Herbst 1983 nahm er an der Sitzblockade des US-Stützpunktes in Mutlangen teil und war Sprecher auf der Großdemonstration im Bonner Hofgarten.

Obwohl er in seiner eigenen Vita angibt, sich erst ab 1980 in der Friedensbewegung engagiert zu haben, hat er dies nachweislich bereits ab 1960 in Bezug auf den Ostermarsch gegen Atomwaffen in Ost und West getan, trat als Redner bei Abschlusskundgebungen auf und entwarf 1962 einen Aufruf, anknüpfend an die Aussage im ersten Ostermarsch-Flugblatt von 1960 (Haben Sie Vertrauen in die Macht des Einzelnen!): „Wer kann einen dritten Weltkrieg verhindern? DU – kannst ihn verhindern (…) Nütze Deine Chance heute und hier, verteidige das Leben und die Freiheit Deiner Familie jetzt! Schließe Dich den Ostermärschen gegen die Atomwaffen jeder Nation an!“[4]

1992 trat er als Kandidat der Grünen Alternative bei der Wahl zum österreichischen Bundespräsidenten an. Er erhielt 5,7 Prozent der Stimmen.

Robert Jungk war ab 1948 mit Ruth Suschitzky verheiratet. 1952 wurde der gemeinsame Sohn Peter Stephan Jungk geboren.[5]

Beerdigt wurde Robert Jungk auf dem Jüdischen Friedhof in Salzburg.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Ehrungen[Bearbeiten]

Das Städte-Netzwerk NRW e. V.[6] vergab in Zusammenarbeit mit der Robert-Jungk-Stiftung, Salzburg, und dem Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen ab 1999 alle zwei Jahre den Robert-Jungk-Preis für Bürgerengagement.[7] Die Auszeichnung würdigte zukunftsweisende Projekte und Initiativen, die mit sozialer Verantwortung und am Gemeinwesen orientierten Aktivitäten die Lebensqualität der Menschen in den Städten und Gemeinden Nordrhein-Westfalens nachhaltig verbesserten.[8] Das Städte-Netzwerk NRW gab zum 31. Juli 2011 insolvenzbedingt seine Geschäftstätigkeit auf.[9]

Die Robert-Jungk-Oberschule in Berlin-Wilmersdorf und die Robert-Jungk-Gesamtschule in Hüls (Krefeld) wurden nach ihm benannt. Letztere hat sogar einen Baum - angelehnt an seinen eigentlichen Nachnamen - im Schullogo.

Zitat[Bearbeiten]

  • „Gesellschaftliche Veränderung fängt immer mit Außenseitern an, die spüren, was notwendig ist.“ [10] [11] [12]

Werke[Bearbeiten]

  • Die Zukunft hat schon begonnen. Amerikas Allmacht und Ohnmacht. Heyne, Stuttgart 1952, ISBN 3-453-04010-4
  • Die Zukunft hat schon begonnen. Entmenschlichung – Gefahr unserer Zivilisation. Goldmann, Bern/Stuttgart 1952, ISBN 3-442-11355-5
  • Heller als tausend Sonnen. Das Schicksal der Atomforscher. Scherz Verlag, Bern/Stuttgart/Wien 1956. Neuauflage bei Rowohlt, Reinbek 1988, ISBN 3-499-16629-1
  • Strahlen aus der Asche. Geschichte einer Wiedergeburt. Bern 1959
  • Die große Maschine. Auf dem Weg in eine andere Welt. Heyne, München 1966, ISBN 3-453-05112-2
  • Vom blinden zum wissenden Fortschritt. Essen 1969
  • Eskalation der neuen Waffen. 1969
  • Griff nach dem Atom. Stuttgart 1970
  • Der Jahrtausendmensch. Bericht aus den Werkstätten der neuen Gesellschaft. München 1973 (Textauszug)
  • Plädoyer für eine humane Revolution. Ein Gespräch mit Adelbert Reif. Zürich 1975
  • Der Atomstaat. Vom Fortschritt in die Unmenschlichkeit. Kindler, München 1977, ISBN 3-463-00704-5
  • Die Großen – Leben und Leistung der sechshundert bedeutendsten Persönlichkeiten unserer Welt. Herausgegeben von Kurt Fassmann unter Mitwirkung von Max Bill, Hoimar von Ditfurth u. a. Kindler Verlag, Zürich 1977
  • mit Norbert R. Müllert: Zukunftswerkstätten. Mit Phantasie gegen Routine und Resignation. Goldmann, Hamburg 1981, ISBN 3-442-11357-1 (Textauszug)
  • Der Mensch. Gefährdung und Zukunft. München/Offenbach 1982
  • Menschenbeben. Der Aufstand gegen das Unerträgliche. München 1983
  • Und Wasser bricht Stein. Streitbare Beiträge zu drängenden Fragen der Zeit. Freiburg 1986
  • Sternenhimmel statt Giftwolke oder den Frieden erfinden. Zürich 1987, ISBN 3-85842-128-6
  • Projekt Ermutigung. Berlin 1988 (Textauszug)
  • Glaubhafte Ermutigung. Rede. Oldenburg 1988 (Digitalisat)
  • Deutschland von außen. Beobachtungen eines illegalen Zeitzeugen. München 1990, ISBN 3-453-03394-9
  • Zukunft zwischen Angst und Hoffnung. Ein Plädoyer für die politische Phantasie. München 1990
  • Trotzdem. Mein Leben für die Zukunft. Carl Hanser Verlag, München/Wien 1993
  • Das Sonnenbuch. Bericht vom Anfang einer neuen Zukunft. Hg. v. Walter Spielmann. Otto Müller Verlag, Salzburg 2013, ISBN 978-3-7013-1206-1

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Heute Heinz-Berggruen-Gymnasium in Berlin-Westend.
  2. Jungk: Trotzdem. 1993, S. 151.
  3. Jungk: Trotzdem. 1993, S. 163.
  4. Markus Gunkel: Unser Nein zur Bombe ist ein Ja zur Demokratie. Ostermarsch Nord 1960–1969. GNN Verlag, Köln 1995, ISBN 3-926922-29-X, S. 41
  5. Vita Robert Jungk, auf der Website der Jungk Bibliothek für Zukunftsfragen
  6. Städte-Netzwerk NRW e. V.
  7. Robert Jungk Preis 2009. Wie wollen wir leben? Die Zivilgesellschaft gestaltet den demografischen Wandel, auf der Website des Städte-Netzwerks NRW, abgerufen am 11. Mai 2013
  8. Robert Jungk Preis 2009. Rückblick R. J. Preis 1999–2007, auf der Website des Städte-Netzwerks NRW, abgerufen am 11. Mai 2013
  9. Einstellung der Geschäftstätigkeit zum 31. Juli 2011, auf der Website des Städte-Netzwerks NRW, abgerufen am 11. Mai 2013
  10. http://www.zitate.de/kategorie/Ver%C3%A4nderung/
  11. http://www.zitate.eu/de/autor/1809/robert-jungk
  12. http://aphorismen-archiv.de/index_z.php?id=61514

Weblinks[Bearbeiten]