Robert Kahn

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Dieser Artikel behandelt den Komponisten Robert Kahn. Für den Informatiker siehe Robert E. Kahn.

Robert Kahn (* 21. Juli 1865 in Mannheim; † 29. Mai 1951 in Biddenden, Kent; vollständiger Name: Robert August Kahn) war ein deutscher Komponist und Musikpädagoge.

Inhaltsverzeichnis

Leben[Bearbeiten]

Robert Kahn war eines der neun Kinder einer reichen und angesehenen jüdischen Kaufmanns- und Bankiersfamilie in Mannheim. Sein Vater war Bernhard Kahn (* 23. Mai 1827 in Stebbach, gest. 8. März 1905 in Heidelberg), seine Mutter Emma Eberstadt (* 29. Oktober 1840 Worms, gest. 25. Juni 1906 Heidelberg), Tochter des von Worms nach Mannheim verzogenen Ferdinand Eberstadt und seiner Gattin Sara Zelie, geb. Seligmann aus Kreuznach.

Seine sieben überlebenden Geschwister waren Otto Hermann Kahn (1867–1934), Bankier und Teilhaber beim Bankhaus Kuhn, Loeb & Co.; Paul Kahn (1870–1947), Privatsekretär Gerhart Hauptmanns, AEG Direktor in Athen; Elisabeth „Lilli“ Kahn (1869–1940 verschollen), verheiratet mit Felix Deutsch, dem Mitbegründer der AEG; Clara Kahn (1863–1922), verheiratet mit dem Syndikus der AEG Paul Jonas; Hedwig Kahn (1867–nach 1950), verheiratete Meyer, später Pollock in England; Franz Kahn (1861–1904), Jurist; Felix Kahn (1873–1950), Geiger.

Die persönliche Begegnung mit Johannes Brahms im Jahre 1886 war prägend für ihn.

Kahn studierte von 1882 bis 1885 Musik an der Königlichen Hochschule für Musik in Berlin u. a. bei Friedrich Kiel sowie 1885/86 bei Josef Rheinberger in München.

Nach dem Militärdienst lebte Kahn bis 1890 als freischaffender Komponist und Kammermusiker in Berlin. In den Jahren 1890 bis 1893 war er Korrepetitor am Stadttheater in Leipzig.

Im Jahre 1894 wurde Kahn Dozent an der Königlichen Hochschule für Musik in Berlin. Zu seinen bekanntesten Schülern gehören der Pianist Wilhelm Kempff, den er ab 1904 in Komposition unterrichtete, der Dirigent Ferdinand Leitner, die Komponisten Günter Raphael (ab 1922) und Nikos Skalkottas sowie der Geiger Karl Klingler. Auch Arthur Rubinstein besuchte seine Musiktheoriekurse.

Praktisch seine ganze Zeit in Berlin war er an als Kammermusikpartner und Liedbegleiter der führenden Interpreten seiner Zeit aktiv, von Joseph Joachim und Richard Mühlfeld bis Adolf Busch, von Johannes Messchaert bis Ilona Durigo und Emmy Destinn.

Kahn wurde 1916 zum Mitglied der Preußischen Akademie der Künste ernannt, der er bis 1934 angehörte.

Als Jude wurde Kahn von den Nationalsozialisten in die Emigration gezwungen. Als er im Dezember 1938 nach England emigrierte, wo er den Rest seines Lebens verbringen sollte, war er in Deutschland bereits als Komponist bekannt und hatte zahlreiche Werke publiziert. Nach dem Krieg geriet er allerdings in der breiteren musikalischen Öffentlichkeit nahezu völlig in Vergessenheit, zog aber in den letzten Jahren immer wieder die Aufmerksamkeit verschiedener Interpreten auf sich. So wurde nach einer etwas älteren Schallplatte von frühen Klavierstücken Kahns (u. a. op. 11) des jungen Donald Runnicles, und einer Aufnahme des ersten Klavierquartetts mit Triendl, Shaham et al. inzwischen eine umfangreiche Sammlung seiner Lieder – darunter auch der komplette Jungbrunnen Zyklus op. 46 für Gesang und Klaviertrio – von Martin Dillon auf mehreren CDs aufgenommen. Seine erste Cellosonate op. 37 nahmen R. Rust und F. Schwinghammer auf, sein Klarinettentrio op. 45 spielten das Trio Paideia und zuletzt auch das Trio Bornalie (2005) auf CD und die Serenade op. 73 liegt inzwischen in einer Aufnahme des Trio de Vries, Janssen, Guittart vor (2002). Vier der sechs Werke von Robert für Klaviertrio wurden 2012 durch das Hyperion-Trio aufgenommen. Sämtliche Werke für einen Streicher und Klavier, sämtliche Klavierquintette von Robert Kahn und über hundert Stücke aus seinem Tagebuch in Tönen sind auf klassik-resampled.de zu hören.

Robert Kahn bezog nach seiner Emeritierung sein Landhaus in Feldberg (Mecklenburg) und wohnte dort die letzten Jahre bis zu seiner Vertreibung aus Deutschland. Das Haus wird heute als Jugendherberge genutzt. An der Westseite des Hauses befindet sich eine Gedenktafel, die an ihn erinnert.

Werke[Bearbeiten]

Kahn komponierte Kammermusik, u. a. 2 Klavierquintette, 2 Streichquartette, 3 Klavierquartette, 6 Klaviertrios, 3 Violinsonaten und 2 Violoncellosonaten, über 200 Lieder und zahlreiche Chöre. Seine einzigen Orchesterwerke sind ein Konzertstück für Klavier und Orchester es-moll op.74 und seine Orchesterserenade Aus der Jugendzeit. Stilistisch ist sein Werk der Romantik zuzuordnen. In der Zeit seiner inneren Emigration in Feldberg/Mecklenburg (1933-1938) und während seiner Zeit im englischen Exil entstand der Klavierzyklus "Tagebuch in Tönen" mit 1160 (mit Zweitversionen 1168) Klavierstücken, der wohl den mit Abstand größten je komponierten Klavierzyklus überhaupt darstellt. Reprisen, "attacca"-Anweisungen harmonische oder motivische Bezüge zwischen Stücken sowie Äußerungen über die beabsichtigte Reihenfolge der bzw. eine zusammenhängende Aufführung dieser Stücke belegen den Charakter eines zusammenhängenden Zyklus. (näheres dazu in "Tradition der Natürlichkeit u.a. S.39-44 sowie auf der Webseite von Steffen Fahl s.u.)

Seine erste Violinsonate widmete Kahn dem Geiger Joseph Joachim. Sein erstes Streichquartett wurde vom Joachim-Quartett uraufgeführt. Die Uraufführung seiner Orchesterserenade durch das Philharmonische Orchester Berlin fand unter der Leitung von Hans von Bülow statt.

Die meisten Noten liegen gedruckt vor und befinden sich im neugegründeten Robert-Kahn-Archiv in der Akademie der Künste in Berlin. Auch in der Online-Bibliothek IMSLP/Petrucci finden sich einige Werke. Das Werk Robert Kahns ist nicht durch die GEMA vertreten und somit allen Ausführenden frei zugänglich. Die Erben Kahns haben das Werk explizit freigegeben. Bei den Rechtsnachfolgern der Verlage, bei denen Kahn zu Lebzeiten Werke veröffentlichte, bestehen allerdings noch GEMA-Rechte.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Robert Kahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien