Robert Maxwell

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Robert Maxwell, 1989

Ian Robert Maxwell (eigentlich Ján Ludvík Hoch; * 10. Juni 1923 in Slatinské Doly, Tschechoslowakei, heute Solotwyno, Ukraine; † 5. November 1991 bei Teneriffa) war ein britischer Verleger, Geschäftsmann und Politiker der Labour Party.

Leben[Bearbeiten]

Robert Maxwell wurde in dem karpato-ukrainischen Dorf Slatinské Doly, das heute zur Ukraine gehört, in ärmlichen Verhältnissen als Sohn Jiddisch sprechender Eltern geboren. 1939 wurde das Gebiet von Ungarn besetzt. Ein großer Teil seiner Familie wurde im Holocaust umgebracht. Maxwell gelangte 1940 als 17-jähriger Flüchtling nach Großbritannien.

Als Mitglied des Royal Pioneer Corps, ab 1943 des North Staffordshire Regiments, nahm er am Zweiten Weltkrieg teil und wurde 1945 zum Captain befördert. In der Nachkriegszeit arbeitete er als Presseoffizier für die britische Militärregierung im besetzten Berlin. Dort konnte er Kontakte zum Wissenschaftsverlag Julius Springer knüpfen. 1951 erwarb er drei Viertel des Butterworth-Springer-Verlags,[1] der unter dem Namen Pergamon Press die Methoden des Springerverlags in Großbritannien anwenden sollte.[2] Maxwell baute Pergamon Press zu einem wissenschaftlichen Verlagsimperium aus. Daneben wurde er als „Pressezar“ bekannt: Unter anderem besaß er mehrere der auflagenstärksten britischen Zeitungen, darunter den Daily Mirror.

Von 1964 bis 1970 war Maxwell Member of Parliament für die Labour Party.

Seit den 1970er Jahren war Maxwell in mehrere Rechtsstreitigkeiten verwickelt. Er galt als exzentrisch.[3] 1988 kaufte er den britischen Verlag Macmillan, Inc. für 2,6 Milliarden US-Dollar. 1990 übernahm er die New Yorker Zeitung Daily News und gründete die Wochenzeitung The European. Zugleich investierte er während der Wendezeit in Osteuropa.[4] Damit hatte Maxwells Medienkonzern, der seit 1987 Maxwell Communication Corporation (MCC) hieß, seine größte Ausdehnung erreicht. Dabei hatte er sich jedoch stark verschuldet. Pergamon Press und Maxwell Directories musste er 1991 für 440 Millionen britische Pfund an Elsevier verkaufen, um laufende Kredite bedienen zu können.

Robert Maxwell verschwand 1991 auf nicht geklärte Weise nackt von seiner Yacht „Lady Ghislaine“ in ruhigem Wasser. Sein Leichnam wurde in der Nähe von Teneriffa von einem Spanier aus dem Meer geborgen. Robert Maxwell, der sich in seinen letzten Jahren auf seine jüdischen Wurzeln besonnen hatte,[4] wurde auf dem Ölberg in Jerusalem bestattet. Seymour Hersh hatte Maxwell kurz vor dessen Tod Kontakte zum israelischen Geheimdienst Mossad im Zusammenhang mit dem israelischen Atomprogramm nachgesagt, die Maxwell dementierte.[5]

Bald nach seinem Tod wurde bekannt, dass Maxwell Bilanzen gefälscht und sich am Pensionsfonds seiner Mitarbeiter vergriffen hatte. Die Verschuldung seines Konzerns wurde Ende 1991 auf rund 3 Milliarden Pfund (rund 9 Milliarden DM) beziffert.[4] Zwei seiner neun Kinder wurden 1992 wegen der Pensionsfonds-Affäre festgenommen und der Verschwörung zum Betrug angeklagt, 1996 aber freigesprochen. Nach Maxwells Tod erschienen auch mehrere Maxwell-Biographien, deren Veröffentlichung Maxwell zu Lebzeiten verhindert hatte.[6]

Familie[Bearbeiten]

Seine Frau Elisabeth Maxwell starb im Sommer 2013 im Alter von 92 Jahren in der Dordogne/Frankreich. Sie hatten im Jahr 1945 geheiratet. Gemeinsam mit Robert Maxwell hatte sie neun Kinder, von denen zwei früh verstorben sind. Elisabeth Maxwell hat im Alter von 60 Jahren einen Doktortitel erworben und sich zeit ihres Lebens der Erforschung des Holocaust gewidmet.[7][8] Von sieben Kindern hatte sie 13 Enkelkinder.

Belletristik und Gerüchte[Bearbeiten]

In Henning Mankells Roman Der Mann, der lächelte (Mannen som log) tritt Robert Maxwell als ehemaliger Geschäftspartner des fiktiven, undurchsichtigen Wirtschaftsmoguls Alfred Harderberg auf. Auch sein ungeklärter Tod, um den sich zahlreiche Verschwörungstheorien ranken, wird erwähnt.

Jeffrey Archer nahm Maxwells jahrelangen Machtkampf mit Rupert Murdoch, das größte Medienimperium weltweit zu besitzen, zur Vorlage für seinen Roman Imperium. Den Angaben des Schriftstellers zufolge soll dieser zu 78 Prozent auf Tatsachen beruhen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Joe Haines: Maxwell. Houghton Mifflin, Boston 1988, ISBN 0-395-48929-6.
  • Tom Bower: Maxwell, the Outsider. London 1992 (zuerst 1988).
  • Roy Greenslade: Maxwell’s Fall. London 1992, ISBN 0-671-71145-8.
  • Peter Thompson, Anthony Delano: Maxwell. A Portrait of Power. Corgi Books, London 1991 (zuerst 1988).
  • Tom Bower: Maxwell. The Final Verdict. Harper Collins, London 1995, ISBN 0-00-255564-6.
  • Brian Cox: The Pergamon Phenomenon 1951–1991. A Memoire of the Maxwell Years. In: Logos. Forum of the World Book Community 9, 1998, Heft 3, S. 135–140.
  • Robert N. Miranda: Robert Maxwell: Forty-four Years as Publisher. In: E. H. Frederiksson (Hrsg.): A Century of Science Publishing. IOS Press, 2001, ISBN 1-58603-148-1.
  • Gordon Thomas, Martin Dillon: Robert Maxwell: Israel’s Superspy. The Life and Murder of a Media Mogul. Carroll and Graf, 2002, ISBN 0-7867-1078-0.
  • Albert Henderson: The Dash and Determination of Robert Maxwell, Champion of Dissemination. In: Logos. Forum of the World Book Community 15, 2004, Heft 2, S. 65–75.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Joe Haines: Maxwell. Houghton Mifflin, Boston 1988, ISBN 0-395-48929-6, S. 135.
  2. Joe Haines: Maxwell. Houghton Mifflin, Boston 1988, ISBN 0-395-48929-6, S. 137.
  3. Artikel Maxwell, Robert. In: William Donaldson: Brewer’s Rogues, Villains & Eccentrics. An A–Z of roguish Britons through the Ages. Cassell, London 2002, ISBN 0-304-35728-6.
  4. a b c Robert Maxwell, Internationales Biographisches Archiv 05/1992 vom 20. Januar 1992, im Munzinger-Archiv, abgerufen am 4. Oktober 2011 (Artikelanfang frei abrufbar)
  5. Seymour Hersh: The Samson Option: Israel’s Nuclear Arsenal and American Foreign Policy. Random House/Faber and Faber, New York/London 1991, ISBN 0-394-57006-5. Vgl. Glenn Frankel: Media Baron Sues Seymour Hersh. Robert Maxwell Denies Author’s Charge of Aiding Israeli Spies. In: The Washington Post, 25. Oktober 1991, abgerufen am 4. Oktober 2011.
  6.  Vergangene Kriege. In: Der Spiegel. Nr. 13, 1988, S. 178–182 (28. März 1988, online).
  7. Meldung in der New York Times über den Tod von Elisabeth Maxwell
  8. Meldung des Guardian über den Tod von Elisabeth Maxwell